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TEST Acryl fugenmassen: UnFug


ÖKO-TEST Ratgeber Bauen und Wohnen - epaper ⋅ Ausgabe 10/2008 vom 19.09.2008

In trockenen Bereichen werden Fugen üblicherweise mit Acryldichtmassen geschlossen. Leider sind diese Produkte oft schadstoffbelastet und manche auch wenig praxistauglich. Immerhin drei überzeugen.


Artikelbild für den Artikel "TEST Acryl fugenmassen: UnFug" aus der Ausgabe 10/2008 von ÖKO-TEST Ratgeber Bauen und Wohnen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: irisblende.de

Über die Kunst der Fuge kommt so mancher Baufachmann ins Philosophieren. Denn er muss bedenken, wie stark sie beansprucht wird und wie sehr sich Materialien und Bauteile durch die Einwirkung von Wärme, Kälte oder Feuchtigkeit bewegen. Hinzu kommen äußere Erschütterungen, Setzungen des Gebäudes und statische Belastungen. In trockenen Bereichen werden Fugen üblicherweise mit Dichtmassen auf ...

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Über die Kunst der Fuge kommt so mancher Baufachmann ins Philosophieren. Denn er muss bedenken, wie stark sie beansprucht wird und wie sehr sich Materialien und Bauteile durch die Einwirkung von Wärme, Kälte oder Feuchtigkeit bewegen. Hinzu kommen äußere Erschütterungen, Setzungen des Gebäudes und statische Belastungen. In trockenen Bereichen werden Fugen üblicherweise mit Dichtmassen auf Acrylbasis geschlossen. Für feuchtebeanspruchten Bereiche wie Badezimmer sind Acrylfugenmassen nicht geeignet, weil sie empfindlich auf Wasser reagieren. Anders als Silikon kann Acryl überstrichen werden, allerdings gibt es damit in der Praxis häufig Probleme. So werden in etlichen Internetforen Risse in Anstrichen auf Acrylfugenmassen heftig diskutiert. Dabei ist die Sache ziemlich klar: Die Acrylmasse kann sich deutlich mehr dehnen als ein Anstrich und so sind die Risse quasi vorprogrammiert. Der Normalverbraucher sollte im Zweifelsfall lieber darauf verzichten, und, wenn überhaupt, mit dem Überstreichen warten, bis die Massen gut ausgehärtet sind.

ÖKO-TEST wollte wissen, ob die Acryldichtstoffe mit Schadstoffen belastet sind. Wir schickten 15 Acrylfugenmassen in verschiedene Fachlabore. Die Farbe Weiß wurde gewählt, weil sie in der Praxis die größte Rolle spielt. Daneben unterzogen wir die Fugenmassen einem ausführlichen Praxistest.

Das Testergebnis

■ Drei Dichtstoffe können auf ganzer Linie überzeugen, zwei weitere gehen mit einem „gut“ aus dem Rennen. Fast die Hälfte der Massen tummelt sich am Ende der Notenskala – meist weil sie hochgradig mit Schadstoffen belastet sind. Auch im Praxistest hinterließen nicht alle Produkte einen guten Eindruck.

■ In sechs Produkten stecken große Mengen an Weichmachern, sogenannten Phthalaten, die im Verdacht stehen, wie ein Hormon zu wirken. In den anderen Fugenmassen wählten die Hersteller teilweise alternative Weichmacher, zum Beispiel DEHT aus der Gruppe der Terephthalate. So lange der Stoff nicht hinreichend untersucht und bewertet wurde, gibt es für DEHT einen Minuspunkt.
■ In derMax Bahr Acryl Fugenmasse stecken mittelkettige Chlorparaffine, die wahrscheinlich ebenfalls als Weichmacher eingesetzt werden. Sie belasten vor allem die Umwelt, wurden in der Muttermilch nachgewiesen, und auch ein Krebsverdacht ist nicht ausgeräumt.
■ Da die Acrylfugenmassen wasserbasiert sind, werden Konservierungsmittel eingesetzt. In zwei Fällen fand das von uns beauftragte Labor Formaldehyd/-abspalter. Formaldehyd reizt die Schleimhäute, kann Allergien auslösen und ist krebsverdächtig.
■ Den Praxistest bestanden immerhin sechs Produkte mit „sehr gut“, zwei mit „gut“. Sie ließen sich gut verarbeiten, waren dehnfähig und wiesen eine gute Haftung auf. Gar nicht überzeugen konnte derBob Stone Bau-Acryl . Er löste sich beispielsweise bereits während der 28-tägigen Trockenzeit von den Kontaktflächen.
■ Ein weiteres Qualitätskriterium ist der Volumenverlust der Acrylfugenmassen. Eine Anforderungsnorm für Baudichtstoffe sieht vor, dass die Schrumpfung nach einer definierten Trockenzeit maximal 25 Prozent betragen darf. Nur ungefähr die Hälfte der Materialien erfüllt diesen Wert.
■ Für die Praxis interessant ist vor allem die Frage, inwieweit die Materialien in der Lage sind, eine gewisse Dehnung der Fuge über einen längeren Zeitraum – im Test 24 Stunden
– zu bewältigen. Zwei Produkte zeigten dabei nicht einmal eine zehnprozentige Dehnfähigkeit. Auch wenn Acrylfugenmassen als nicht sehr dehnfähig gelten, geht man doch davon aus, dass sie zumindest diesen Wert schaffen. Dagegen machten die Dichtstoffe von Hornbach, Lugato, Knauf und Otto Chemie sogar 60 Prozent Fugendehnung über 24 Stunden mit und können als elastisch eingestuft werden.

So reagierten die Hersteller

■ Henkel teilte uns mit, dass die problematischen Glykolverbindungen, die das von ÖKO-TEST beauftragte Labor aufgespürt hat, kein Bestandteil der Rezeptur seien. Doch auch eine erneute Überprüfung bestätigte die Werte.
■ Die Firma Soudal teilte uns mit, dass das ProduktSoudal Maleracryl Wand & Fassade rezepturgleich mit demHornbach Bau Acryl sei und wunderte sich über unterschiedliche Ergebnisse bezüglich problematischer Glykolverbindungen und im Praxistest. Eine erneute Überprüfung ergab, dass die Werte gar nicht so weit auseinanderliegen. Leichte Unterschiede können sich schon durch unterschiedliche Chargen und unterschiedliche Lagerdauer ergeben.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den Parametern finden Sie auf Seite158.
Anmerkungen: 1) Mehr als 10.000 mg/kg der in Babyartikeln und Kinderspielzeug gesetzlich reglementierten Phthalate. 2) Kein Mindesthaltbarkeitsdatum erkennbar. 3) Laut Anbieter ist das Material plastisch. 4) Terephthalate. 5) Problematische Glykolverbindungen. 6) Acrylate. 7) Aromatische Kohlenwasserstoffe. 8) Halogenorganische Verbindungen. 9) Chlorparaffine. 10) Formaldehyd/-abspalter.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Abwertungen Inhaltsstoffe: Zur Abwertung um vier Stufen führen: in der Summe mehr als 10.000 mg/kg der in Babyartikeln und Kinderspielzeug gesetzlich reglementierten Phthalate Diethylhexylphthalat (DEHP), Dibutylphthalat (DBP), Butylbenzylphthalat (BBP), Diisononylphthalat (DINP), Diisodecylphthalat (DIDP) und Dinoctylphthalat (DNOP). Zur Abwertung um jeweils zwei Stufen führen: a) mehr als 1.000 bis 100.000 mg/kg Chlorparaffine; b) mehr als 20 mg/kg Formaldehyd/-abspalter. Zur Abwertung um jeweils eine Stufe führen: a) mehr als 1.000 mg/kg Terephthalate (DEHT); b) halogenorganische Verbindungen, wenn nicht schon Chlorparaffine abgewertet wurden; c) mehr als 10 mg/kg flüchtige Acrylate; d) mehr als 100 bis 1.000 mg/kg aromatische Kohlenwasserstoffe; e) mehr als 1.000 mg/kg problematische Glykolverbindungen (Ethylenglykol, Butoxyethoxyethoxyethanol, 2-(2-Butoxyethoxy)ethylacetat). Abwertungen Praxisprüfung: Zur Abwertung um jeweils zwei Stufen führen: a) ein Volumenverlust von mehr als 27,5 Prozent; b) eine Ablösung der Fugenmasse vom Kontaktmaterial. Zur Abwertung um jeweils eine Stufe führen: a) ein Volumenverlust von mehr als 25 bis 27,5 Prozent; b) eine Dehnfähigkeit von weniger als 10 Prozent; c) eine geringe Ablösung der Fugenmasse vom Kontaktmaterial. Unter Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Stufe: kein Mindesthaltbarkeitsdatum erkennbar. Das Gesamturteil beruht auf dem Test der Inhaltsstoffe und der Praxisprüfung. Das Gesamturteil kann nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis. Ein Testurteil Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Testergebnis Praxisprüfung um eine Stufe.
Testmethoden: Schwermetalle: Totalaufschluss in der Mikrowelle; Elementbestimmung mittels ICP-MS. Halogenorganische Verbindungen: a) Wasserdampfdestillation, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Reinigung der Proben mit Kieselgel, Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Formaldehyd/-abspalter: saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol und Bestimmung mittels Fotometrie. Chlorparaffine: GC/MS-NCI nach Extraktion mit Aceton/Ethylacetat; berechnet als CP C14-C17 57 Prozent Cl2 über Chlorspur 35 im NCI-Modus. Phthalate, Terephthalate, Ethylenglykol: GC/MS nach Extraktion mit Aceton/Ethylacetat und Derivatisierung. Flüchtige organische Verbindungen, darunter Acrylate, Glykole, aromatische Kohlenwasserstoffe: GC/MS nach Extraktion mit Dichlormethan/Methanol; alle nicht näher identifizierbaren Verbindungen wurden als Toluol-Äquivalent berechnet. PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe: Röntgenfluoreszenzanalyse. Farbabweichung vom RAL-Ton 9010 „reinweiß“: Messung der Farbabweichung Δ E mit Farbmessgerät. Volumenverlust in Prozent: nach DIN EN ISO 10563 „Fugendichtstoffe; Bestimmung der Änderung von Masse und Volumen“, Ausgabe Mai 2005. Zugverhalten: in Anlehnung an DIN EN ISO 8339/8340 „Fugendichtstoffe; Bestimmung des Zugverhaltens“, Ausgabe Juni 2005; Aufnahme von Dehn-/Spannungsdiagrammen, Aufzeichnung der Zugkräfte bei 25, 60 und 100 Prozent sowie die Höchstkraft mit der entsprechenden Dehnung nach DIN EN ISO 8339; vorgesehene Dehnungen nach DIN EN ISO 8340 der Fugen mit Mörtelkontaktflächen bei einer Dehnung über 24 Stunden: 10, 15, 25 und 60 Prozent.
Erstveröffentlichung: ÖKO-TEST-Magazin 9/2007. Aktualisierung der Testergebnisse/ Angaben, sofern die Anbieter Änderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.
Einkauf weiterer Produkte: Mai 2008.
Anbieterverzeichnis: siehe Seite 157.
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Unsere Empfehlungen

■ Grundsätzlich prüfen, ob durch konstruktive Maßnahmen auf Dichtstoffe verzichtet werden kann.
■ Vor der Verarbeitung eine Farbprobe nehmen, da sich gezeigt hat, dass Weiß nicht gleich Reinweiß ist. In manchen Fällen sind cremige Töne besser geeignet.
■ Auch wenn die meisten Hersteller die Überstreichbarkeit der Acrylfugenmassen herausstellen: Die Farbe ist nicht immer in der Lage, die Bewegung einer Fuge mitzumachen. Sie reißt dann zwangsläufig. Kaum ein Hersteller weist auf diese Problematik hin.