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TEST Äpfel: Kein Sündenfall


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2012 vom 31.08.2012

Gute Nachrichten für Apfelliebhaber: Die meisten Früchte sind frei von problematischen Rückständen. Nur bei Kaufland, Netto und Real waren wir nicht ganz so mit der Qualität zufrieden. Außerdem wurde wieder einmal mit der Bezeichnung „regional“ gemogelt.


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Foto: Borut Trdina/istockphoto.com

Im Rennen um das beliebteste Obst der Deutschen hat der Apfel die Nase vorn. Kein Wunder. Denn die Frucht mit so wunderbaren Namen wie Gravensteiner, Juwel von Kirchwerder oder Freiherr von Berlepsch hat hierzulande Tradition. Wie lange genau, weiß man nicht – der Beginn der Apfelzucht in Europa verliert sich in grauer ...

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Im Rennen um das beliebteste Obst der Deutschen hat der Apfel die Nase vorn. Kein Wunder. Denn die Frucht mit so wunderbaren Namen wie Gravensteiner, Juwel von Kirchwerder oder Freiherr von Berlepsch hat hierzulande Tradition. Wie lange genau, weiß man nicht – der Beginn der Apfelzucht in Europa verliert sich in grauer Vorzeit. Fest steht aber, dass schon die Kelten Äpfel kannten und die Klöster des Mittelalters die Frucht immer weiter veredelt haben. Seitdem hat der Apfel seine Bedeutung behalten. Mehr noch: Heute ist er sogar das einzige Obst, das in Deutschland in wirtschaftlich wirklich bedeutenden Größenordnungen angebaut wird. Heimische Erdbeeren, Birnen und Zwetschgen mögen in unseren Obstkörben zwar eine gewisse Rolle spielen, beim Apfel kommen aber immerhin noch rund 60 Prozent der Früchte aus den hiesigen Anbaugebieten, so die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft. Der Rest wird importiert – vor allem aus Frankreich, Italien und Übersee.

Was einem selbst in einem kleinen Supermarkt an Äpfeln angeboten wird, mag zunächst nach großer Vielfalt aussehen. Wer aber nach etwas anderem sucht als nach den gängigen Sorten wie Braeburn, Gala, Fuji oder Jonagold, merkt schnell, dass der erste Blick täuscht. Egal ob man zu Edeka, Aldi oder auch Alnatura geht – es liegen fast immer die gleichen Sorten in den Regalen. Denn nur ein Apfel, der wirtschaftlich angebaut werden kann und so aussieht und schmeckt wie ein Apfel nach Ansicht des Durchschnittsbürgers nun mal zu schmecken hat, bekommt die Chance, in der Obstabteilung zu landen.

ÖKO-TEST rät

• Äpfel aus der Region haben deutlich kürzere Transportwege als Obst aus Übersee und sind deshalb die bessere Wahl. Lassen Sie sich dennoch nicht irreführen, wenn auf der Packung groß von „regional“ die Rede ist. Anhand der aufgedruckten Adressen erkennen Sie, ob der Erzeuger wirklich aus Ihrer Region kommt.

• Äpfel pur und ungeschält sind immer die beste Wahl. In Apfelsaft, Smoothies und Apfelmus stecken nicht die gleichen Anteile an Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen wie in der kompletten Frucht.

• Einmal mehr können wir nur dazu raten, Bio-Ware zu kaufen. In unserem Test waren dies die einzigen Früchte, die frei waren von Pestizidrückständen.

Doch Deutschland soll auch in Zukunft ein Apfelland mit Tradition und großer Sortenvielfalt bleiben, finden zumindest Dietmar Donner und Jürgen Luley aus Egelsbach bei Frankfurt.

Echte Sortenvielfalt? Fehlanzeige

Die beiden Mitglieder der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald haben eine besondere Leidenschaft: seltene Apfelsorten, die teilweise jahrhundertealt sind. „Diese Früchte haben viel mehr verschiedene Geschmacksnuancen als die heute üblichen Äpfel. Einige sind auch süßer und würziger“, erklärt Luley. „Zudem sind alte Sorten viel widerstandsfähiger gegen Schädlinge als hochgezüchtete Sorten, bei denen es nur um einen hohen Er Sechsertrag geht“, sagt er.

Rund um ihren Ort pflegen Donner und Luley alte Streuobstwiesen und haben im vergangenen Jahr zwischen Frankfurt und Darmstadt ein Grundstück erworben, auf dem nun „pomologisches Erbe“ erhalten werden soll: Bäume seltener Sorten, die teilweise schon vom Aus sterben bedroht sind, haben die Vereinsmitglieder auf das Grundstück gesetzt und es so zur Streuobstwiese gemacht. 15 verschiedene Sorten schlagen hier bereits neue Wurzeln. Und es sollen noch mehr werden. Eine Art Apfelfreilichtmuseum könnte man die Wiese fast nennen. Und hier wird auch Wissen weitergegeben: Im Frühjahr hat Luley interessierten Apfelbaumbesitzern in einem Lehrgang gezeigt, wie man die Bäume beschneidet, damit sie im Herbst viele Früchte tragen. Und der Fachmann weiß auch, was man tun kann, wenn die Bäume doch mal von Schädlingen befallen sein sollten.

Trotz ihrer besonderen Eigenschaften können diese Äpfel im Wettbewerb um die Poleposition im Supermarkt aber nicht mithalten. „Verkaufen kann man die Äpfel nicht“, sagt Luley. „Sie passen nicht in das Schema, in das Supermarktäpfel nun mal passen müssen.“ Viele Früchte würden vielleicht gerade mal als „Handelsklasse III“ durchgehen: zu klein, zu ungleichmäßig, zu platt – damit kann man nicht die handelsüblichen Sechser packungen füllen. Stattdessen werden die Äpfel aus der Umgebung von Egelsbach weiter verarbeitet zu Gelee, Pralinen und natürlich zu „Ebbelwoi“. Mit dem Erlös sollen weitere Streuobstwiesen erhalten werden, die auch wertvolle Biotope sind. Zum Beispiel für den Siebenschläfer, das Maskottchen und Markenzeichen für die vermarkteten Produkte.

Von wegen „Alte Äppel“

Sollten Ihnen auf einem regionalen Obstmarkt oder in einem Hofladen einmal die folgenden alten Sorten angeboten werden, greifen Sie zu – Sie bekommen etwas Besonderes. Nur eine kleine Auswahl:

Foto: Thomas Scholz/pixelio.de

Borsdorfer: Der Borsdorfer gilt als die älteste dokumentierte Sorte in Deutschland. Der aus einem Wildapfel hervorgegangene Apfel wurde im Jahre 1150 erstmals erwähnt und wurde schon durch die Klöster des Mittelalters veredelt und verbreitet. Er zeichnet sich durch sein ausgewogen-würziges Aroma aus.

Alkmene: Hervorgegangen aus einer Kreuzung von Cox Orange und Geheimrat Oldenburg. Kenner schätzen an der edelaromatischen Sorte das weiße, zarte, süß-säuerliche Fruchtfleisch.

Gravensteiner: Die Sorte war schon im 17. Jahrhundert bekannt, sein genaues Alter ist aber unbekannt. Die rot geflammten Früchte bestechen durch den Duft und vor allem die Aromenvielfalt, die bisher unübertroffen sein soll.

Klarapfel: Der Kompottapfel schlechthin. Besonders ältere Menschen, die Apfelkompott von früheren Zeiten kennen, kommen beim Aroma eines Klarapfel-Kompotts ins Schwärmen. Obwohl der Apfel hell ist, ist das Kompott leicht rosafarben.

Weißer Winter-Calville: Einst der teuerste Apfel der Welt. Wurde zu früheren Zeiten einzeln in Seidenpapier gewickelt und für bis zu drei Reichsmark das Stück als Tafelschmuck an die Höfe verkauft. Heute eine Liebhabersorte, für die auch mal fünf Euro pro Kilo verlangt werden – wenn die Früchte überhaupt verkäuflich sind. Wenn man das Glück hat, sie zu bekommen, erhält man ein an Erdbeeren erinnerndes Aroma, feine Säure und viel Vitamin C.

Renette: Ein Überbegriff für „wohlschmeckende Äpfel“. Es gibt unzählige Arten. Wie wäre es mit der weinsäuerlich-würzigen Grauen Herbstrenette? Trotz der rauen, braunen Schale eignet sie sich gut für Apfelkuchen. Oder die Ananasrenette, die im 19. Jahrhundert gerne im Rheinland angebaut wurde. Sie entwickelt bei Wärme einen an Ananas erinnernden Duft.

Kaiser Wilhelm: Ein typischer Kelterapfel mit herb-spritzigem Fruchtaroma. Oft verschwindet er in Mischungen mit anderen Äpfeln. Es kann aber auch mal sein, dass Sie einen sortenreinen Kaiser-Wilhelm-Apfelwein bekommen. Für den müssen Sie dann aber schon so viel zahlen wie für eine gute Flasche Wein.

Geheimrat Oldenburg: Ist eigentlich so, wie ein guter Apfel sein sollte: Locker und saftig, süß und säuerlich zugleich, mit feinem Aroma. Leider recht empfindlich – und darum selten angebaut.

Cox Orange: Eine alte Sorte – und trotzdem vor 20 Jahren noch ein Stammgast im Supermarktregal. Heute ist er selten geworden: Die Sorte ist zu empfindlich gegen Krankheiten und wurde daher von resistenteren Sorten verdrängt. Das feste Fruchtfleisch ist würzig, saftig, aromatisch und mit feiner Säure.

ÖKO-TEST wollte wissen, ob Sie die handelsüblichen Äpfel aus Supermarkt und Bio-Laden mit ruhigem Gewissen essen können und hat eingekauft. Im Test: die Äpfel von elf verschiedenen Ladenketten, in denen wir jeweils drei Produkte unterschiedlicher Herkunft gekauft haben. In einem darauf spezialisierten Labor wurden die 33 Proben auf Pestizidrückstände untersucht.

Das Testergebnis

Die meisten Äpfel können sich sehen lassen. In der Mehrzahl der Proben fanden sich nur Spuren von Pflanzenschutzmitteln. Gespritzt wird also weiterhin, aber offenbar weniger als früher: Verglichen mit unserem Apfeltest aus dem Jahr 2006 schneiden die Äpfel in Sachen Pestizidbelastung etwas besser ab. Allerdings: Während die Bio-Ware komplett sauber ist, deuten die Pestizidrückstände bei den meisten konventionellen Äpfeln darauf hin, dass die Obstbäume durchaus gespritzt wurden. Oft auch mit verschiedenen Mitteln.
Zu viele Pestizide in einem Apfel aus Brasilien. In den Frutival Royal Gala Tenroy Äpfeln, die wir bei Kaufland gekauft haben, stecken Rückstände mehrerer Pflan zenschutzmittel in erhöhter Menge: Sechs verschiedene Stoffe hat das von uns beauftragte Labor nachgewiesen. Vier davon waren in einer Konzentration enthalten, die schon mehr als zehn Prozent der gesetzlich zulässigen Menge erreicht. Solche Mehrfachrückstände können ein Problem sein, da noch gar nicht genau erforscht ist, wie eine Kombination unterschiedlicher Mittel im Körper wirkt. Überhaupt waren die südamerikanischen Früchte auffällig: In allen konventionellen Proben fand sich zumindest ein Pestizid in einer erhöhten Menge.

In der Langzeitauswertung für Obst und Gemüse haben wir Ladenketten aufgeführt, von denen wir seit 2003 mindestens zehn Proben untersucht haben. Dabei liegt Bio ganz klar vor konventioneller Ware. Weil wir wissen wollten, was sich in den vergangenen Jahren getan hat, haben wir die Ergebnisse seit 2008 gesondert ausgewertet. Auch hier liegt Bio deutlich vorne – allerdings konnten auch die konventionellen Hersteller aufholen.

Vorsicht, gespritzt! Der Einsatz von Pestiziden ist im Obstbau durchaus üblich – zumindest bei konventioneller Ware.


Foto: ermess/Fotolia.com

Länger frische Äpfel: Mit dem Gas 1-Methyl-Cyclo propen können Äpfel länger frisch gehalten werden. Denn der Stoff bremst das natürliche Reifungsgas Ethylen. Das klingt nicht gerade appetitlich. Es ist aber gar nichts Neues, Äpfel so zu lagern, dass sie lange halten. Dazu können die Äpfel zum Beispiel kühl gehalten werden oder man lagert die Früchte unter einer Gasatmosphäre. Bei Äpfeln aus Übersee eine durchaus übliche Sache. Wie auch immer: Wird das nach heutigem Stand unbedenkliche 1-Methyl-Cyclopropen eingesetzt, darf das Gas im Apfel trotzdem nur noch in winzigsten Spuren nachweisbar sein. Sollten Äpfel in unserem Test derart behandelt worden sein, wurde diese Grenze in jedem Fall eingehalten.
Frei von Desinfektionsmitteln: In den vergangenen Wochen hatte der Stoff Didecyldimethylammoniumchlorid (DDAC) Schlagzeilen gemacht. Es handelt sich um ein in der Lebensmittelherstellung weitverbreitetes – und auch erlaubtes – Desinfektionsmittel, das auch als Pestizid genutzt werden kann. Letzteres ist aber in Deutschland nicht erlaubt. Bei den Äpfeln können wir Entwarnung geben: Wir haben auf DDAC und verwandte Substanzen untersuchen lassen – und keine Rückstände des schädlichen Stoffes nachweisen können.

Wirklich aus Ihrer Region? „Unsere Heimat“ und „beste Qualität aus Ihrer Region“ steht auf einer Apfelverpackung, die wir bei Edeka gekauft haben. Damit haben die Äpfel verglichen mit Überseeäpfeln zwar nur einen kurzen Transportweg hinter sich. Aber „regional“ sind die Äpfel vom Bodensee auch nur, wenn sie in der Bodenseeregion gekauft werden. Uns wurden sie aber noch in Frankfurt als „regional“ verkauft – mehr als 200 Kilometer vom Bodensee entfernt.
10 Cent mehr für den Bauern? „Plus 10 Cent für die heimische Landwirtschaft“ steht auf der Verpackung der Äpfel Ein Herz für Erzeuger Tafeläpfel Jonagored von Netto Marken-Discount. Dass aber genau der Apfelbauer, der die Früchte in genau dem gekauften Zwei-Kilo-Beutel geerntet hat, zehn Cent mehr pro Beutel verdient als andere Bauern, ist damit noch nicht gesagt. Die zehn Cent mehr, die Netto einnimmt, werden eins zu eins an die Erzeugergemeinschaft weitergegeben und von dort an alle Landwirte verteilt, die Ein Herz für Erzeuger-Äpfel liefern. Mit anderen Worten: Das Geld kommt zwar irgendwie beim Bauern an, eine deutliche Erklärung des Verteilungssystems findet sich auf der Packung aber nicht. Auch einen garantierten Mindestpreis für den Erzeuger wollte uns Netto nicht nennen. Die zusätzliche Prämie mag eine gute Sache sein, eine Garantie für einen bestimmten Kilopreis, den der Bauer für seine Früchte bekommt, ist sie aber nicht.

So haben wir getestet

Der Einkauf

Wir kauften die Äpfel dort, wo sie auch der Verbraucher am häufigsten besorgt: Berücksichtigt wurden die neun bedeutendsten konventionellen Händler sowie die beiden größten Bio-Supermarktketten. Pro Ladenkette landeten drei Produkte unterschiedlicher Herkunft in unserem Einkaufswagen: Je einmal Äpfel aus Deutschland, aus einem anderen europäischen Land und aus Übersee – sofern Ware aus der jeweiligen Gegend erhältlich war.

Die Inhaltsstoffe

Im Kampf gegen Schädlinge wie Apfelwickler und Mehltau werden in der konventionellen Landwirtschaft synthetische Pestizide eingesetzt. Deshalb haben wir die Äpfel auf Rückstände von mehr als 500 Pestizidwirkstoffen untersuchen lassen. Zusätzlich fahndete ein Labor nach quartären Ammoniumverbindungen. Zu denen gehört der Stoff DDAC, ein weitverbreitetes Desinfektionsmittel, das aber auch als Pestizid eingesetzt werden kann. In Deutschland gibt es dafür keine Zulassung, daher gilt eine sehr niedrige gesetzliche Höchstmenge. In den vergangenen Wochen wurden aber erhöhte Mengen DDAC zum Beispiel in Kräutern und Bananen gefunden. Äpfel aus Übersee werden zudem oft mit dem Gas 1-Methyl-Cyclopropen (1-MCP) behandelt. Mithilfe dieses Gases kann man genau festlegen, wann Lager äpfel reif für den Verkauf sein sollen. Bei Obst in dicht schließenden Verpackungen steckt dieses Gas manchmal noch in der Packung und kann auf die Äpfel übergehen. Deshalb haben wir verpackte Äpfel aus Übersee zusätzlich auf 1-MCP untersuchen lassen.

Sie stecken voll gesunder Stoffe. Aber sind auch keine Schadstoffe in den Äpfeln?


Foto: Phil Augustavo/istockphoto.com

Die Weiteren Mängel

Unter diesem Punkt werten wir zum Beispiel umweltschädliches PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe in der Verpackung ab. Ebenso allzu vollmundige Versprechen der Hersteller. Etwa die Auslobung als „regionales Produkt“, wenn die Äpfel selbst noch fernab von der Region, in der sie gewachsen und verpackt worden sind, verkauft werden. Oder auch die Auslobung „10 Cent mehr für die heimische Landwirtschaft“, wenn es keine garantierten Mindestpreise für den Erzeuger gibt und nicht transparent ist, welchen Zuschlag ein Bauer konkret für die gerade gekauften Äpfel bekommt.

Die Bewertung

Ein Gesamturteil gibt es nicht für die Äpfel, sondern für die Ladenketten. Denn wir möchten zeigen, wo Sie Äpfel nicht nur einmal gut einkaufen können. Ein Händler kann die Qualität der verkauften Ware zudem beeinflussen, indem er strenge Anforderungen an die Lieferanten stellt. Das Gesamturteil ergibt sich aus den drei Einzelnoten für die Produkte, die wir bei dieser Ladenkette gekauft haben. Bei der Bewertung der Pestizide ist ÖKO-TEST im Sinne des vorbeugenden Verbraucherschutzes übrigens strenger als der Gesetzgeber.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 124.
Anmerkungen: 1) PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe in der Verpackung. 2) Kein garantierter Mindestpreis für den Erzeuger auf der Packung angegeben; keine Angabe, welche Prämie an den konkreten Erzeuger des Produktes ausgezahlt wird sowie keine Erklärung auf der Packung, wie die Verteilung der Mehreinnahmen funktioniert. 3) Produkt wird als regional beworben, wird aber überregional vertrieben.
Legende: Ladenketten mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um jeweils eine Note: a) ein Pestizidgehalt, der über 10 bis 50 Prozent der Rückstandshöchstmenge erreicht, wenn diese bei 0,1 mg/kg oder höher liegt (in der Tabelle „erhöht“); b) ein Pestizidgehalt, der über 20 bis 50 Prozent der Rückstandshöchstmenge erreicht, wenn diese bei 0,05 mg/kg oder höher liegt (in der Tabelle „erhöht“); c) fünf oder mehr in Spuren nachgewiesene Pestizide. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: überregionale Verbreitung bei einem Produkt, das als regional ausgelobt wird. Zur Abwertung um jeweils eine Note führt: a) kein garantierter Mindestpreis für den Erzeuger auf der Packung angegeben bei einem Produkt, das einen Aufschlag für die „heimische Landwirtschaft“ auslobt; b) keine Angabe auf der Packung, welche Prämie an den konkreten Erzeuger des Produktes ausgezahlt wird und / oder fehlende Erklärung auf der Packung, wie die Verteilung der Mehreinnahmen funktioniert bei einem Produkt, das einen Aufschlag für die „heimische Landwirtschaft“ auslobt; c) PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe in der Verpackung. Das Gesamturteil der Läden beruht auf den Testergebnissen von jeweils drei Produkten, wobei jeweils die Durchschnittsnote ermittelt wurde. Es wurde kaufmännisch gerundet. Die Testergebnisse für jedes Produkt beruhen auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Testergebnis dieses Produkts um eine Note.
Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „M1209“ eingeben.
Einkauf der Testprodukte: Mai 2012.Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlages dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.