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Test: Akai Force


Beat - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 06.03.2019

Force verbindet die Technologie aktueller MPC-Modelle mit einer an Ableton Push angelehnten Pad-Matrix zu einem Stand-alone-System für Mehrspuraufnahme, Musikproduktion und Live-Performance.


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Bildquelle: Beat, Ausgabe 4/2019

Clips werden auch auf dem Display angezeigt, inklusive der Namen – damit übertrumpft Force den hauseigenen Ableton-Controller Push.


Nach dem Erscheinen erster Fotos des neuen AKAI Force kurz vor der Winter- NAMM 2019 brodelte die Gerüchteküche. Handelt es sich um eine Neuauflage der beliebten APC-Controller von AKAI, eine neue MPC oder etwa eine Art Push3 mit integriertem Ableton Live für den Stand-alone-Betrieb ohne ...

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... Computer? Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen, denn das Gerät vereint eine Vielzahl von Funktionen im robusten Gehäuse

Wie Push als Stand-alone-Gerät

Force verbindet eine Matrix mit 64 physikalischen Pads im Stile der Push-Controller mit dem großen Touchscreen der neuen MPCs und ergänzt dies um einen eingebauten Rechner zum Aufnehmen und Abspielen von Loops, Samples und Plugins, ein umfangreich ausgestattetes Audiointerface und USB-, MIDI- sowie CV-Anschlüsse. Zusätzlich kann Force im Studio auch als Ableton-Controller mit tief gehender Integration genutzt werden. Damit empfiehlt sich das Gerät für Singer, Songwriter und Produzenten, die ohne Computer und DAW komplette Songs aufnehmen und bearbeiten wollen. Ebenso interessant ist Force für DJs und Produzenten, die auch im Club und auf der Bühne ihre Tracks und Stems flexibel wiedergeben wollen und dabei gerne auf Laptop, Interface und Verkabelung verzichten wollen.

8x8-Pad-Matrix

Force sitzt in einem robusten Metallgehäuse und ist relativ groß und schwer ausgefallen, passt also nicht unbedingt in jede Gigbag. Im Vergleich zu Push 2 ist Force zwar etwas schmaler, nimmt aber deutlich mehr Tiefe und Höhe in Anspruch. Dies liegt vor allem am erhöhten hinteren Aufbau, der den farbigen 7-Zoll-Touchscreen sowie die Anschlüsse und die Rechnertechnik enthält. Im unteren Teil befindet sich die 8x8-Pad-Matrix nebst zusätzlicher Funktionstasten links, rechts und unterhalb der Pads. Die Pads sind einige Millimeter breiter als bei Push 2, besitzen dafür aber etwas weniger Höhe. Sie sind anschlag- und druckdynamisch spielbar und mehrfarbig hintergrundbeleuchtet. Mit den beiden Tasterreihen darunter wählen Sie Spuren aus, schalten diese stumm oder zur Aufnahme scharf und stoppen alle Clips der Spur. Links sind die Taster zum Umschalten der verschiedenen Funktionen der Matrix wie Clip-Launch, Noten- und Step-Sequenzer sowie Kopieren und Löschen. Rechts sitzen die Launch-Taster, mit denen sich eine horizontale Reihe von Clips (=Scene) starten lässt. Oberhalb der Matrix befinden sich 8 Endlosregler, mit denen Sie verschiedene Parameter wie die Lautstärke der darunter liegenden Spur, Equalizer oder Plug-in-Parameter wie Filterfrequenz und Resonanz steuern. Der jeweilige Parametername und -wert wird über 8 kleine OLED-Displays angezeigt, die sich gut ablesbar angeschrägt im Übergang zum erhobenen oberen Bedienteil des Force befinden. Die Belegung der Regler ist flexibel gelöst, sie können entweder fest einer bestimmten Sektion (z.B. Mixer) zugewiesen werden oder der Auswahl im Touchscreen folgen. Die Regler bieten eine hervorragende Haptik. Sie sind sehr griffig, besitzen einen angenehmen und gleichmäßigen Drehwiderstand und ausreichend Abstand zueinander.

Großes Touchdisplay

Im oberen Bereich sitzt zentral das sieben Zoll große farbige und grafikfähige Touchdisplay. Hierüber haben Sie Zugriff auf alle Parameter, die Sie per Fingerdruck anwählen und dann entweder durch Fingerbewegung oder das große gerasterte Endlosrad mit Druckfunktion oder die Plus-Minus-Taster rechts oben ändern können. Das Display unterstützt auch bekannte Multitouch-Gesten wie Pinchto- Zoom, um beispielsweise eine Wellenform für die detaillierte Bearbeitung groß zu ziehen. Doppelklick auf ein Bedienelement vergrößert dieses für die erleichterte Einstellung mit den Fingern, eine virtuelle Tastatur erlaubt die Eingabe von Namen und konkreten Werten. Das Display zeigt auch die 8x8-Clipmatrix an, inklusive der Namen aller Clips und unter Berücksichtigung der Spur- und Clipfarben. Hiervon können Nutzer von Ableton Push bisher nur träumen. Clips lassen sich dann sogar per Fingerdruck aktivieren und stoppen. Das Display arbeitet grundsätzlich unabhängig vom gewählten Modus der Pad-Matrix, Sie können also mit den Pads Noten spielen und Step-Sequenzer programmieren und gleichzeitig über das Display Clips starten, stoppen und scharf- schalten oder die Lautstärken mit den virtuellen Fadern anpassen – das erzeugt erneut neidische Blicke seitens der Push-Besitzer. Im Test war ab und an etwas stärkerer Druck erforderlich, im Ganzen arbeitete das Display aber zuverlässig wie gewünscht und die Bedienung ist intuitiv gelöst.

Features

Stand-alone-System für Musikproduktion
Clip-basierter Sequenzer
128 Spuren (8 Audio)
für Audioloops, Sampler, Synthesizer
8x8-Pad-Matrix
7-Zoll-Touchdisplay
8 berührungsempfindliche Regler
Audiointerface
USB/MIDI/CV
16GB Speicher (erweiterbar)

Fakten

Hersteller: Akai Professional
Web:
Bezug: Fachhandel
Preis: 1499 Euro

Alternative

Ableton Push 2
ab 616 Euro

Force bietet als Besonderheiten auf der Rückseite CV/Gate-Ausgänge sowie einen Netzwerkanschluss für Ableton Link.


Gute Haptik

Links neben dem Display sind diverse Taster für Transport, Navigation und Browsing platziert. Alle Taster stehen ein ganzes Stück höher hinaus als bei Push2, sind dafür aber weniger schwammig und verfügen über einen etwas deutlicher spürbaren Druckpunkt, der aber auch mit einem lauteren Klicken quittiert wird. Die Haptik erinnert daher eher an den Push der ersten Generation, was wenig überrascht – schließlich wurde Push1 noch im Auftrag von Ableton von AKAI hergestellt. Uns persönlich gefällt Force in Sachen Haptik besser als Push 2, vor allem die Drehregler überzeugen, aber das ist letztendlich auch eine Frage des persönlichen Geschmacks. Lediglich der Crossfader ist etwas leichtgängig geraten, dafür ist dessen Belegung vorbildlich gelöst. Es lassen sich mittels zweier Taster unkompliziert einzelne Spuren dem linken oder rechten Extrem zuordnen und dann mit dem Fader zwischen ihnen überblenden, was vor allem für die Live-Performance interessant ist.

Audio-, MIDI- und CV-Interface

Die Rückseite zeigt sich umfangreich bestückt. Vier Klinkenausgänge bieten einen Stereo-Masterausgang sowie zwei Einzelausgänge, über die der Sound der Force an die Außenwelt gelangt. Einzelausgänge für jede Audiospur wären zwar schön gewesen, in der Praxis dürfte man dank flexibler Routingmöglichkeiten aber auch mit vier Spuren hinkommen. Zwei Audioeingänge sind aus unserer Sicht aber einer zu wenig, denn ein Songwriter nimmt auch gerne mal ein Stereo-Instrument gemeinsam mit Gesang auf – das geht mit Force nicht gleichzeitig. Die beiden vorhandenen Eingänge zeigen sich aber zumindest flexibel hinsichtlich der Aufnahmequellen. Über die XLR/Klinke-Kombibuchsen können Sie Mikrofone, Instrumente oder Line-Signale aufnehmen, jede Spur verfügt über einen eigenen Gain-Regler sowie einen Line/Instrument- Wahlschalter. Für Kondensatormikrofone ist eine 48V-Phantomspeisung zuschaltbar. MIDI-IN/ OUT/THRU ist in Form dreier Miniklinkenbuchsen vorhanden. Adapter werden zwar mitgeliefert, hier hätten wir uns gerade für den Live-Betrieb aber den direkten Einbau der Standard-DIN-Buchsen gewünscht. Adapter gehen schnell mal auf Tour verloren, zudem sind solche Konstruktionen deutlich fehleranfälliger im rauen Bühnenalltag. Die daneben liegenden vier CV/Gate-Buchsen machen als Miniklinke natürlich mehr Sinn, entspricht dies doch dem weit verbreiteten Eurorack-Standard. Force kann damit Analogsynthesizer und Modularsysteme direkt ansteuern, ein dicker Pluspunkt!

USB-Anschlüsse

Ebenfalls positiv zu erwähnen sind die beiden USB-Host-Anschlüsse. Hierüber können Sie nicht nur Speichermedien in Form von USB-Sticks oder Festplatten zwecks Import und Export von Dateien oder als Speichererweiterung anschließen, sondern auch USB-Controller wie beispielsweise ein USB-Keyboard einbinden, um Sounds über eine richtige Tastatur einzuspielen. Die dritte USB-Buchse dient zur Verbindung mit dem Computer, um Force als Controller und Interface für dort laufende Software wie Ableton zu nutzen und um Daten auszutauschen. Eine Netzwerkbuchse kann zum zuverlässigen Synchronisieren mit anderer Software via Ableton Link genutzt werden. Daneben befindet sich der Power-Schalter, die Stromversorgung erfolgt über ein externes Netzteil.

Praktischerweise auf der Vorderseite platziert ist der Kopfhörerausgang nebst Pegelregler sowie der Cue-Regler, mit dem Sie zwecks Monitoring das Lautstärkeverhältnis zwischen Masterausgang und den Ausgängen 3/4 anpassen. Ebenfalls vorne im direkten Zugriff ist der Slot für eine SD-Karte. Zu erwähnen ist noch die Möglichkeit der Festplattenerweiterung dank des internen Anschlusses für ein 2.5” SATA-Laufwerk (SSD oder HDD). Von Werk aus hat Force 16 GB Speicher verbaut, gut 10 GB sind dabei mit (löschbaren) Factory-Presets vorbelegt.

Intuitive Bedienung

Zum Testen haben wir Force zunächst einmal ohne vorherigen Blick in die Anleitung gestartet. So lässt sich direkt prüfen, wie intuitiv ein Gerät bedienbar ist. Eine wirkliche Alternative hatten wir aber auch gar nicht, da wir direkt nach der NAMM eines der ersten verfügbaren Testgeräte vom deutschen Vertrieb bekommen haben (besten Dank hierfür!) und es außer dem beiliegenden Quickstart-Guide noch keine komplette Bedienungsanleitung gab. Nach dem Einschalten benötigt Force ungefähr 20 Sekunden zum Hochfahren bis zum ersten Auswahlmenü. Hier haben Sie dann die Wahl zwischen vorhandenen gespeicherten Projekten oder einem leeren Projekt. Je nach Umfang des Projekts und der hierfür zu ladenden Audiodateien müssen Sie weitere 10 – 20 Sekunden einplanen.

Wir haben zunächst ein Demo-Projekt geladen. Nach dem Laden zeigt die Pad-Matrix die vorhandenen Clips in den entsprechenden Farben an, parallel dazu finden Sie einen Übersicht auf dem Touchdisplay inklusive Spur- und Clipnamen. Nutzer von Ableton und Push werden sich bei Force sofort zurechtfinden. Über die Pads oder das Display starten und stoppen Sie einzelne Clips oder komplette Scenes. Die Pad-Matrix bildet dabei bis zu 8 Spuren horizontal nebeneinander ab, untereinander werden jeweils bis zu 8 Clips dieser Spur angezeigt. Dabei kann immer nur ein Clip je Spur gleichzeitig aktiv sein, die Aktivierung eines anderen Clips auf der vertikalen Reihe stoppt den aktuell spielenden Clip entweder sofort oder mit frei einstellbarer Verzögerung für Übergänge mit sauberem Timing (z.B. Wechsel erst zum nächsten Taktanfang). Insgesamt kann ein Force-Projekt bis zu 128 Spuren mit jeweils bis zu 60 Clips umfassen, über die Navigationstaster lässt sich auswählen, welche 8 Spuren mit je 8 Clips angezeigt und über die Pads getriggert werden sollen.

128 Spuren

Eine wesentliche Einschränkung gegenüber Ableton Live auf einem Computer liegt in der Maximalzahl von 8 Stereo-Audiospuren sowie 8 Plug-in-Spuren. Bei Nutzung vorgefertigter Stems dürfte dies aber in der Regel ausreichen, zumal die verbleibenden 112 Spuren dank eingebautem Sample-Player auch für Audio-Dateien wie Bass, Drums und Effekte genutzt werden können. Die Beschränkung bezieht sich also in erster Linie auf längere Audio-Loops, von denen nur 8 gleichzeitig genutzt werden können. Natürlich kann dabei auf jeden Clip einer Spur eine andere Audioloop gelegt werden, wie man es von Ableton Live und anderen Clip-basierten DAWs kennt. Loop- und Triggeroptionen sind anpassbar. Eigene Audio-Clips nehmen Sie entweder über die Audioeingänge oder durch Resampling vorhandener Spuren auf, oder Sie importieren vorgefertigte Audiodaten.

Über das Display mit großer Wellenformanzeige lassen sich die Audiodateien umfangreich nachbearbeiten, auch eine automatische Tempoanpassung ist mit dem eingebauten Timestretching- Algorithmus möglich – übrigens auch schon zum temposynchronen Vorhören im Browser. Die Qualität des Timestretching reicht für kleinere Tempoanpassungen vollkommen aus, bei größeren Abweichungen treten schon hörbare Artefakte auf. Dies kann zwar auch spannend sein, grundsätzlich ist Ableton Live mit seiner Vielzahl spezialisierter und hochwertiger Algorithmen aber klar im Vorteil. Gleiches gilt für das Slicing, also das Aufteilen von Audioloops in kleinere Bereiche, auch hier zeigt sich Ableton Live etwas flexibler. Wer hierauf besonderen Wert legt, ist aber wahrscheinlich ohnehin mit AKAIs MPC-Serie besser bedient. Force eignet sich dank der unkomplizierten Aufnahme externer Audioquellen mit freier oder voreingestellter Takt- länge sowie den internen Resampling-Funktionen durchaus auch als fähiger Looper, der Audio-Eingang lässt sich mit Insert-Effekten bestücken und Sie können on-the-fly Loops sampeln.

Sie können on-the-fly Loops sampeln.

Pad-Matrix als Drumcomputer

Neben der Wiedergabe von Audio-Clips bietet Force noch fünf weitere Spurtypen. Drum ist für die sample- basierten Drumkits reserviert und eignet sich zur Erstellung eigener Drumpattern. Clips können live über die Pads eingespielt werden (auch mit Note Repeat), oder Sie nutzen den von Push bekannten Step-Sequenzer. Dort wählen Sie mit den 16 Pads links unten einen der Drumsounds aus und mit den 16 Pads unten rechts die Dynamikstufe. Die verbleibenden 4x8 Pads oben bilden dabei einen zweitaktigen Step-Sequenzer mit Lauflicht ab, hier aktivieren oder deaktivieren Sie einzelne Trigger und bauen sich so Ihren Groove. Force übernimmt hierbei auf Wunsch auch die individuelle Dynamik des jeweils gesetzten Steps. Dies kennen wir von NI Maschine und vermissen es manchmal bei Ableton Push, wo man den Velocity-Wert vorher auswählen muss.

Step-Sequenzer

Eine Keygroup-Spur spielt ebenfalls Samples ab, dient dabei aber eher zum tonalen Spiel akustischer und elektronischer Instrumente. Multisamples werden chromatisch gespielt, ein Autosampler erleichtert das Erstellen eigener Sample-Instrumente auf Basis Ihrer Hardware-Synthesizer. Zum Spielen der Instrumente verfügt Force über den ebenfalls von Push bekannten Noten-Modus, in dem sich die 64 Pads in eine Klaviatur verwandeln, mit farblich gekennzeichneten Grundtönen. Verschiedene Skalen sind wählbar, was unter anderem das Spielen von Akkorden durch bestimmte Griffe erleichtert. Die intelligenten Tonleitern und Akkordfunktionen inklusive harmonischer Chord-Progressions erinnern an die Möglichkeiten in NI Maschine und Komplete Kontrol.

Force kann die Pad-Matrix auch splitten, also die oberen vier Padreihen zum Starten von Clips nutzen und die unteren vier zum Spielen des Instruments – das würden sich bestimmt auch viele Push-Nutzer wünschen. Die beiden weiteren Step-Sequenzer-Varianten sind dagegen wieder von Push bekannt. Variante 1 teilt die Matrix in einem Lauflichtsequenzer mit 8 Steps und 8 direkt programmierbaren Tonhöhen auf, Variante 2 ähnelt dagegen dem Drumsequenzer und bietet eine Kombination aus Notegrid und zweitaktigem Step-Sequenzer. Als weitere Kreativhilfen besitzt Force einen Arpeggiator inklusive Note-Repeat und rhythmischen Pattern sowie einen klassischen Step-Sequenzer, der über das Touchdisplay bedient wird.

MIDI- und CV-Spuren

Auch die weiteren drei Spuren können auf Notenmatrix, Sequenzer und Arp zum Erstellen und Bearbeiten der Clips zugreifen. MIDI- und CV-Spuren dienen zum Einbinden externer Klangerzeuger. Die CV-Buchsen auf der Rückseite sind dabei flexibel als CV oder Gate-Ausgänge konfigurierbar. Sie können also zwei Analogsynthesizer ansteuern, oder Sie regeln bei einem analogen Klangerzeuger zusätzlich zu Tonhöhe und Gate noch weitere Klangparameter wie Lautstärke und Filterfrequenz per Velocity oder MIDI-Controller.

Eingebaute Synth

Eine Plug-in-Spur dient dagegen zum Abspielen der Noten durch eines der internen Plug-ins. In der getesteten Version stellt Force vier Klangerzeuger zur Verfügung. Plug-ins beliebiger Drittanbieter können derzeit nicht eingebunden werden, hierin liegt wiederum ein wesentlicher Unterschied zu Ableton Live mit VST- und AU-Schnittstelle für kompatible Plugins. Die Plug-ins stammen von Air Music, mit denen Akai schon länger zusammenarbeitet. Bassline ist ein subtraktiver virtuell-analoger Synthesizer und mit relativ simpler Klangerzeugung vornehmlich für Basslinien konzipiert. TubeSynth emuliert einen polyphonen Analogsynthesizer für Flächen und Leads, während Electric für klassische elektronische Tasteninstrumente wie E-Pianos gedacht ist. Für alle anderen Wünsche gibt es Hype, der verschiedene Synth- Engines (Wavetable, FM, subtraktiv, Sampling) mit einer großen Preset-Bibliothek in einem Paket vereint und von schneidenden EDM-Leads über gezupfte Töne bis hin zu schwebenden Atmosphären viele Klänge in durchaus überzeugender Qualität mit klarem und durchsetzungsfähigem Sound präsentiert. Gut gefallen hat uns die für das Touchdisplay optimierte Bedienung sowie der makrobasierte Aufbau zum intuitiven und spielerischen Erstellen eigener Sounds.

Effekt-Plug-ins

Auch hinsichtlich der Effekte sind Sie bei Force auf die intern vorgegebenen Plugins beschränkt, die aber in Auswahl und Qualität überzeugen und sowohl Butterund Brot als auch Kreatives bieten. Im Mixer, der ebenfalls mit touchoptimierter Bedienung punktet, lassen sich je Spur bis zu vier individuelle Insert-Effekte laden. Hinzu kommen vier dedizierte Effektspuren mit ebenfalls bis zu vierfachen Effektketten, die als Sendeffekt von den Einzelspuren beschickt werden können. Und auch Masterspur und Ausgänge 3/4 besitzen vier Effektslots. Hinzu kommt ein Performance-Effekt, der sich ähnlich der Korg-Kaoss-Pads über den Touchscreen in Echtzeit in mehreren Parametern gleichzeitig verändern lässt und unter anderem Delay-, Filterund Gate-Effekte und Kombinationen hieraus bietet.

(Noch) kein Songmodus

Wer bisher einen Arrangement-Modus wie bei Ableton Live vermisst hat: Den gibt es bei Force derzeit tatsächlich noch nicht. Für komplette Arrangements müssen Sie entsprechende Stems in der DAW vorproduzieren und/oder mit Scenes und Resampling arbeiten. Oder Sie nutzen die Export- Möglichkeiten als Ableton-Project und bearbeiten Ihre mit Force aufgenommenen Spuren dort zum Song weiter, was allerdings die Stand-alone- Fähigkeiten von Force ein wenig ad absurdum führt. AKAI plant allerdings die Nachrüstung eines Arrangement-Modus im Laufe dieses Jahres. Wie genau dies dann aussieht, bleibt abzuwarten. Wenigstens den Song-Mode aus der MPC hätte AKAI aber ruhig schon einbauen können, die Technik dafür ist ja schon im Hause vorhanden.

Künftige Ableton-Integration

Die Ableton-Integration soll dagegen bereits im Frühjahr nachgereicht werden und wird Force durchaus in Push-Konkurrenz setzen. Die Bedienung über das Touchdisplay nebst Anzeige der Clipmatrix inkl. Clipnamen verschafft Force dabei sogar signifikante Vorteile, die tiefgehende Integration in die hauseigenen Plug-ins wie Wavetable und EQ-8 mit grafischer Echtzeitanzeige wird dagegen wohl ein Alleinstellungsmerkmal von Push 2 bleiben.

Fazit

Force kombiniert das Touchscreen-optimierte Betriebssystem aus der MPC-X und MPC-Live mit einer 8x8-Pad-Matrix und legt dabei den Schwerpunkt auf Clip-basierte Aufnahmen. Das Ergebnis ist im Prinzip Ableton Push und Live in abgespeckter Form zum Mitnehmen. Dank bis zu 128 Spuren, mit denen sich auch externe Hardware über MIDI und CV ansteuern lässt, eignet sich Force als Herzstück eines computerlosen Studios. Als leicht bedienbarer 8-Spur-Audiorekorder mit anpassbarer Begleitautomatik ist Force auch für Singer/Songwriter interessant, die robuste Hardware und das integrierte Audiointerface empfehlen Force ebenso zum flexiblen Abfeuern und Bearbeiten von vorgefertigten Playbacks und Stems auf der Bühne oder der DJ-Kanzel – alles ohne Laptop, Interface und Kabelsalat! Das Ganze hat zwar seinen Preis, der für das Gebotene aber mehr als angemessen ist, zumal Force als All-In-One-Lösung derzeit abgesehen von der MPC-Serie aus gleichem Hause konkurrenzlos ist. Zu kritisieren gibt es eigentlich nur den fehlenden Arrangement/Song-Modus, der aber im Rahmen eines Updates noch nachgereicht werden soll – dann gibt es von uns auch die volle Punktzahl! r