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TEST Aknemittel: Da blüht was


ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik und Wellness - epaper ⋅ Ausgabe 6/2015 vom 05.06.2015

Wer als Jugendlicher von Mitessern und Pickeln heimgesucht wird, doktert gerne auf eigene Faust daran herum – oft unter Zuhilfenahme von rezeptfreien Aknemitteln. Doch nur wenige der getesteten Präparate sind rundherum empfehlenswert.


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Foto: g-stockstudio/Shutterstock.com

Als schreckliche Mutation, bei der sich der Nachwuchs „innerhalb weniger Monate in stinkende Monster (Jungs) oder hysterische Amazonen (Mädchen)” verwandelt, bezeichnet Jan Weiler, Autor von „Pubertier”, den Eintritt in die Pubertät. Die Umstellung der Hormone führt bei Jugendlichen aber nicht nur zu heftigen Stimmungsschwankungen, ...

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... sondern auch dazu, dass bei Mädchen und Jungen männliche Hormone wie Testosteron gebildet werden. Diese kurbeln die Talgproduktion an, sodass die Haare schneller fettig werden und die Talgdrüsen verstopfen können.

Neben männlichen Hormonen spielen bei der Entstehung von Akne aber noch weitere Faktoren eine Rolle: die genetische Veranlagung etwa oder eine Besiedelung der Haut mit dem Propionibacterium acnes. „Sobald die Akne mit entzündlichen Pusteln und Papeln einhergeht, sollten Teenager den Hautarzt aufsuchen”, rät Professor Christos Zouboulis, Chefarzt am Klinikum Dessau. „Er klärt, ob es eine familiäre Vorbelastung und andere Faktoren gibt, die einen Hinweis auf den Verlauf der Akne geben können, und entscheidet dann, ob eine Behandlung mit Arzneimitteln notwendig ist.” Bei leichter Akne kann auch der Besuch bei einer Kosmetikerin hilfreich sein.


Eine ausgewogene Ernährung kann bei Akne hilfreich sein


Wenn die ersten Pickel auftauchen, fragen sich viele Eltern, welchen Beitrag die einseitige Ernährung des Sprösslings aus fettigem Fast Food, Süßem und Cola am Pickelproblem hat. Handfeste wissenschaftliche Beweise, dass eine unausgewogene Ernährung Akne bei Jugendlichen auslöst, gibt es jedenfalls nicht. Es liegen aber Hinweise aus Studien vor, dass Süßes und der übermäßige Verzehr von tierischen bzw. gesättigten Fetten Akne verschlimmern können. „Besonders Jugendliche mit einem Akneproblem sollten deshalb auf eine ausgewogene Ernährung achten”, erklärt Dermatologe Zouboulis. Im Test: Elf rezetpfreie Arzneimittel und ein Medizinprodukt gegen Akne. Für alle Mittel haben wir Studien zur Wirksamkeit begutachten lassen. Zudem ließen wir per Deklaration und Laboranalysen nach umstrittenen und bedenklichen Hilfs-und Inhaltsstoffen fahnden.

Das Testergebnis

Top oder Flop: Nur vier Aknemittel erreichen die Bestnote „sehr gut”. Alle an-deren fallen mit „mangelhaft” oder „ungenügend” durch. Die Flops in unserem Test wirken entweder überhaupt nicht gegen Akne oder sie enthalten zu viele Problemstoffe.
Das wirkt: Der Nutzen von Mitteln mit dem Wirkstoff Benzoylperoxid gegen Akne ist durch wissenschaftliche Studien ausreichend belegt.
Mangelhaftes Duo: Für die Kombination von Benzoylperoxid und Miconazol in der Acne Plus Creme gibt es vier Noten Abzug. Der Nutzen des Duos gegen Akne ist zwar belegt, jedoch gilt ihre Kombination in der Aknetherapie als veraltet. Miconazol sollte der Therapie von Pilzinfektionen vorbehalten bleiben.
Ohne Nutzen: Für Mittel mit Salicyl-oder Glykolsäure, sulfonierten Schieferölen wie Natrium-und Ammoniumbituminosulfonat sowie deren Kombination mit Zinkoxid gibt es keine stichhaltigen Belege eines Nutzens in der Aknebehandlung. Fruchtsäuren sollen über einen peelenden Effekt wirken. Der Gehalt voneinem Prozent im Aknefug Liquid 1% ist dafür aber zu gering. Sulfonierte Schieferöle gehören zwar zu den althergebrachten Mitteln gegen Akne. Die Studienlage zu ihrer Wirksamkeit ist jedoch widersprüchlich.
Das geht zu weit: In der Aknederm Salbe Neu wurde ein erhöhter Gehalt an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) nachgewiesen. PAK sind eine Stoffgruppe, zu der auch krebserregende Substanzen gehören. Die PAK in dem Produkt stammen aus dem Schieferöl: Durch seine fossile Herkunft ist Schieferöl ebenso wie Erdöl mit PAK belastet.
Hautreizende Stoffe: In drei Produkten ergab die Analyse Formaldehyd/-abspalter. Formaldehyd kann nicht nur Allergien auslösen, sondern steht auch unter Krebsverdacht. Die Substanz Natriumlaurylsulfat in der Acne Plus Creme reizt die Haut und ist zugleich komedogen, sie fördert also noch die Entstehung von Mitessern und Pickeln.

Fett gedruckt sind Mängel.
Abkürzungen: n.u. = nicht untersucht, weil sich dieser Parameter durch die Zusammensetzung des Produktes erübrigt.
Glosssar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 224.
Anmerkungen: 1) Das Produkt enthält den Duftstoff Geraniol, der in seltenen Fällen Allergien auslösen kann. 2) Im Beipackzettel des Produkts ist der Hilfsstoff Natriumlaurylsulfat unter den „sonstigen Bestandteilen” als Natriumdodecylsulfat aufgeführt.
Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Wirksamkeitsbelege und Beipackzettel führen zur Abwertung um jeweils vier Noten: a) eine durch Studien nicht ausreichend belegte Wirksamkeit von Produkten mit Wirkstoffen und Wirkstoffkombinationen wie Natriumbituminosulfonat, Ammoniumbituminosulfonat/Zinkoxid, Glykolsäure, Salicylsäure; b) die Kombination von Benzoylperoxid mit dem Antipilzwirkstoff Miconazol. Unter dem Testergebnis Hilfs-/Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um vier Noten: Formaldehyd/-abspalter. Zur Abwertung um je-weils zwei Noten führen: a) Natriumlaurylsulfat; b) ein erhöhter Gehalt von mehr als 100 μg/ kg einer oder mehrerer Einzelverbindungen von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), sofern sie in der Summe 1.000 μg/kg nicht übersteigen. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als 10 mg/kg Diethylphthalat (DEP); b) mehr als ein Prozent Paraffine/paraffinähnliche Erdölprodukte und/oder apolare Silikonverbindungen.
Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Wirksamkeitsbelege und Beipackzettel und auf dem Testergebnis Hilfs-/Inhaltsstoffe. Es kann nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis.
Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „N1506” eingeben.
Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST-Magazin 4/2015. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat. Einkauf der Testprodukte: Dezember 2014.

ÖKO-TEST rät

■ Die vier „sehr guten” Mittel enthalten fünf bis zehn Prozent des Wirkstoffs Benzoylperoxid. Dabei sind die Präparate mit einem niedrigeren Wirkstoffgehalt hautverträglicher und wirken ebenso gut wie höher dosierte Produkte.
■ Die Behandlung mit Aknemitteln macht die Haut empfindlich gegenüber UV-Strahlen: Die behandelten Stellen also nicht der Sonne aussetzen oder ein Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutz verwenden.
■ Fundierte Infos zu Akne gibt’s unter www.gesundheitsinformation. de → Themen von A bis Z → Akne. Ein Akneforum mit Erfahrungsberichten und Beiträgen zu sozialen und psychischen Problemen durch Akne bietet www.aknewelt.de

Wirkstofflexikon

Rezeptfreie Mittel enthalten
Benzoylperoxid: Wirkt antibakteriell und schälend. Es wird bei leichter Akne verschrieben und bei stärkerer Akne auch in Kombination oder im Wechsel mit anderen Aknemitteln.
Sulfonierte Schieferöle: Nach der Leitlinie zur Behandlung von Akne der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft sind Schieferöle in der Aknetherapie bedeutungslos. Wie unser Test zeigt, können sie mit problematischen PAK verunreinigt sein.
Fruchtsäuren: Salicyl-und Glykolsäure wirken wie ein Peeling. Sie werden laut Akneleitlinie in der Erhaltungstherapie, also nach einer erfolgreichen pharmakologischen Aknebehandlung, eingesetzt oder begleitend zur medikamentösen Therapie.

Verschreibungspflichtige Mittel enthalten
Retinoide (Vitamin-A-Abkömmlinge): Wirkstoffe wie Tretinoin, Isotretinoin und Adapalen wirken antikomedogen und antientzündlich. Sie werden zur äußerlichen Anwendung bei leichter und in Kombination mit anderen Mitteln bei mittelschwerer und schwerer Akne verschrieben; Isotretinoin auch zum Einnehmen bei schwerer Akne. Mädchen und Frauen sollten bei der Einnahme gut verhüten, da Retinoide Fehlbildungen beim Ungeboren verursachen können.
Azelainsäure: Wirkt antikomedogen, antimikrobiell und antientzündlich. Sie wird bei leichter Akne verschrieben und bei stärkerer Akne auch in Kombination oder im Wechsel mit anderen Aknemitteln.
Antibiotika: Wirkstoffe wie Erythromycin und Tetracyclin werden in Salben und teilweise auch in Mitteln zum Einnehmen eingesetzt. Nach der Akneleitlinie sind Antibiotika nur bei entzündlicher Akne und in Kombination mit anderen Mitteln zum Auftragen zu empfehlen.
Antiandrogene Hormone: Wirkstoffe wie Östrogen und Gestagen wirken auf die Talgdrüsen und drosseln die Talgproduktion. Sie stecken auch in einigen Antibabypillen. Sie werden abhängig von der Ausprägung der Akne bei jungen Frauen und in Zusammenarbeit mit einem Gynäkologen verschrieben.

Kompakt

Pflege bei Pickeln
Täglich mit Wasser oder einer milden pH-hautneutralen Waschlotion reinigen. Zu leichten, feuchtigkeitsspendenden Cremes und Lotionen greifen. Auch als Sonnenschutzmittel eine Lotion statt einer fetten Creme oder eines Öls verwenden. Nach dem Auftragen eines medizinischen Aknemittels etwa zehn Minuten warten, erst dann Pickel und Co. zum Beispiel mit einem Abdeckstift kaschieren. Wie ein Produkt vertragen wird, lässt sich allerdings nicht vorhersagen. Hier hilft nur ausprobieren, was die Haut am besten verträgt.

Pickel ausdrücken?
Am besten überlässt man das Entfernen von Mitessern und Pickeln einer Kosmetikerin. Denn das Herumquetschen kann zu weiteren Entzündungen und schlimmstenfalls zu Narben führen. Wer’s nicht lassen kann, sollte nur dunkle Mitesser und Pusteln entfernen: Haut reinigen und die Gesichtshaut mit einem Dampfbad oder einer warmen Kompresse aufweichen, Finger mit einem Kosmetik-oder Papiertaschentuch umwickeln, Eiterhaube beziehungsweise Mitesser vorsichtig entfernen, Stelle mit alkoholhaltigem Gesichtswasser desinfizieren.

Bei der Kosmetikerin
Der Ablauf einer Kosmetikbehandlung bei Akne beginnt mit warmen Kompressen und der Reinigung des Gesichts. Dann werden die Poren mit heißem Wasserdampf geöffnet und dunkle Mitesser und Pusteln vorsichtig entfernt – das ist etwas unangenehm. Im nächsten Schritt wird die Haut mit einem Gesichtswasser, das desinfizieren und die Poren verengen soll, abgetupft. Eine Gesichtsmaske, zum Beispiel Heilerde, beruhigt die Haut und entfernt überschüssige Hautzellen. Zum Schluss werden eine Hautpflege aufgetragen und gerötete Stellen mit einem Abdeckstift kaschiert. Die Kosten für eine Behandlung schwanken zwischen 50 und 70 Euro, manche Studios bieten günstigere Tarife für Jugendliche an.