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TEST Aknemittel: Haut ab!


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 4/2015 vom 27.03.2015

Mitesser, Pickel und Pustel sind eine lästige Begleiterscheinung in der Pubertät. Wir haben zwölf rezeptfreie Aknemittel aus der Apotheke unter die Lupe genommen und können lediglich vier empfehlen. Hautreizende Inhaltsstoffe, darunter solche, die selbst Pickel verursachen, vermasselten einigen Präparaten das Testurteil, für andere wiederum fehlen die Wirksamkeitsbelege.


Artikelbild für den Artikel "TEST Aknemittel: Haut ab!" aus der Ausgabe 4/2015 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 4/2015

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... Umstellung der Hormone führt bei Jugendlichen aber nicht nur zu heftigen Stimmungsschwankungen, sondern auch dazu, dass bei Mädchen und Jungen männliche Hormone wie Testosteron gebildet werden. Diese kurbeln die Talgproduktion an, sodass die Haare schneller fettig werden und die Talgdrüsen verstopfen können.


Der Hautarzt klärt, ob eine Behandlung mit Arzneimitteln notwendig ist


Neben männlichen Hormonen spielen bei der Entstehung von Akne aber noch weitere Faktoren eine Rolle: die genetische Veranlagung etwa oder eine Besiedlung der Haut mit dem Propionibacterium acnes. „Sobald die Akne mit entzündlichen Pusteln und Papeln einhergeht, sollten Teenager den Hautarzt aufsuchen“, rät Professor Christos Zouboulis, Chefarzt am Klinikum Dessau. „Er klärt, ob es eine familiäre Vorbelastung und andere Faktoren gibt, die einen Hinweis auf den Verlauf der Akne geben können, und entscheidet dann, ob eine Behandlung mit Arzneimitteln notwendig ist.“ Bei leichter Akne kann auch der Besuch bei einer Kosmetikerin (siehe Kompakt auf Seite 70) hilfreich sein.

Wenn die ersten Pickel auftauchen, fragen sich viele Eltern, welchen Beitrag die einseitige Ernährung des Sprösslings aus fettigem Fast Food, Süßem und Cola am Pickelproblem hat. Handfeste wissenschaftliche Beweise, dass eine unausgewogene Ernährung Akne bei Jugendlichen auslöst, gibt es jedenfalls nicht. Es liegen aber Hinweise aus Studien vor, dass Süßes und der übermäßige Verzehr von tierischen bzw. gesättigten Fetten Akne verschlimmern können. „Besonders Jugendliche mit einem Akneproblem sollten deshalb auf eine ausgewogene Ernährung achten“, erklärt Dermatologe Zouboulis.

Im Test: Elf rezetpfreie Arzneimittel und ein Medizinprodukt gegen Akne. Für alle Mittel haben wir Studien zur Wirksamkeit begutachten lassen.

Zudem ließen wir per Deklaration und Laboranalysen nach umstrittenen und bedenklichen Hilfs- und Inhaltsstoffen fahnden.

ÖKO-TEST rät

• D ie vier„sehr guten“ Mittel enthalten fünf bis zehn Prozent des Wirkstoffes Benzoylperoxid. Dabei sind die Präparate mit einem niedrigeren Wirkstoffgehalt hautverträglicher und wirken ebenso gut wie höherdosierte Produkte.
• D ie Behandlung mit Aknemitteln macht die Haut empfindlich gegenüber UV-Strahlen: Die behandelten Stellen also nicht der Sonne aussetzen oder ein Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutz verwenden.
• F undierte Infos zu Akne gibt’s unterwww.gesundheitsinformation.de → Themen von A – Z  Akne. Ein Akneforum mit Erfahrungsberichten und Beiträgen zu sozialen und psychischen Problemen durch Akne bietetwww.aknewelt.de.

Kompakt

Pflege bei Pickeln
Täglich mit Wasser oder einer milden pH-hautneutralen Waschlotion reinigen. Zu leichten, feuchtigkeitsspendenden Cremes und Lotionen greifen. Auch als Sonnenschutzmittel eine Lotion statt einer fetten Creme oder eines Öls verwenden. Nach dem Auftragen eines medizinischen Aknemittels etwa zehn Minuten warten, erst dann Pickel und Co. etwa mit einem Abdeckstift kaschieren. Wie ein Produkt vertragen wird, lässt sich allerdings nicht vorhersagen. Hier hilft nur ausprobieren, was die Haut am besten verträgt.

Pickel ausdrücken?
Am besten überlässt man das Entfernen von Mitessern und Pickeln einer Kosmetikerin. Denn das Herumquetschen kann zu weiteren Entzündungen und schlimmstenfalls zu Narben führen. Wer’s nicht lassen kann, sollte nur dunkle Mitesser und Pusteln entfernen: Haut reinigen und die Gesichtshaut mit einem Dampfbad oder einer warmen Kompresse aufweichen, Finger mit einem Kosmetik- oder Papiertaschentuch umwickeln, Eiterhaube bzw. Mitesser vorsichtig entfernen, Stelle mit alkoholhaltigem Gesichtswasser desinfizieren.

Bei der Kosmetikerin
Der Ablauf einer Kosmetikbehandlung bei Akne beginnt mit warmen Kompressen und der Reinigung des Gesichts. Dann werden die Poren mit heißem Wasserdampf geöffnet und dunkle Mitesser und Pusteln vorsichtig entfernt – das ist etwas unangenehm. Im nächsten Schritt wird die Haut mit einem Gesichtswasser, das desinfizieren und die Poren verengen soll, abgetupft. Eine Gesichtsmaske (z.B. Heilerde) beruhigt die Haut, entfernt überschüssige Hautzellen. Zum Schluss werden eine Hautpflege aufgetragen und gerötete Stellen mit einem Abdeckstift kaschiert. Die Kosten für eine Behandlung schwanken zwischen 50 und 70 Euro, manche Studios bieten günstigere Tarife für Jugendliche an.

Experte: Die Behandlung erfordert viel Geduld

Professor Christos Zouboulis ist Chefarzt an der Klinik für Dermatologie am Städtischen Klinikum Dessau.


„Eine Aknebehandlung dauert meist Monate und erfordert viel Geduld. Von Fall zu Fall muss die Behandlung auch wiederholt werden.“

Das Testergebnis

• Top oder Flop: Nur vier Aknemittel erreichen die Bestnote „sehr gut“. Alle anderen fallen mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ durch. Die Flops in unserem Test wirken entweder überhaupt nicht gegen Akne oder sie enthalten zu viele Problemstoffe.
• Das wirkt: Der Nutzen von Mitteln mit dem Wirkstoff Benzoylperoxid gegen Akne ist durch wissenschaftliche Studien ausreichend belegt.
• Mangelhaftes Duo: Für die Kombination von Benzoylperoxid und Miconazol in der Acne Plus Creme gibt es vier Noten Abzug. Der Nutzen des Duos gegen Akne ist zwar belegt, jedoch gilt ihre Kombination in der Aknetherapie als veraltet. Miconazol sollte der Therapie von Pilzinfektionen vorbehalten bleiben.
• Ohne Nutzen: Für Mittel mit Salicyl- oder Glykolsäure, sulfonierten Schieferölen wie Natrium- und Ammoniumbituminosulfonat sowie deren Kombination mit Zinkoxid gibt es keine stichhaltigen Belege eines Nutzens in der Akne-Behandlung. Fruchtsäuren sollen über einen peelenden Effekt wirken. Der Gehalt von einem Prozent im Aknefug Liquid 1% ist dafür aber zu gering. Sulfonierte Schieferöle gehören zwar zu den althergebrachten Mitteln gegen Akne. Die Studienlage zu ihrer Wirksamkeit ist jedoch widersprüchlich.
• Das geht zu weit: In der Aknederm Salbe Neu wurde ein erhöhter Gehalt an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) nachgewiesen. PAK sind eine Stoffgruppe, zu der auch krebserregende Substanzen gehören. Die PAK in dem Produkt stammen aus dem Schieferöl: Durch seine fossile Herkunft ist Schieferöl ebenso wie Erdöl mit PAK belastet.
• Hautreizende Stoffe: In drei Produkten ergab die Analyse Formaldeyhd/-abspalter. Formaldehyd kann nicht nur Allergien auslösen, sondern steht auch unter Krebsverdacht. Die Substanz Natriumlaurylsulfat in der Acne Plus Creme reizt die Haut und ist zugleich komedogen, sie fördert also noch die Entstehung von Mitessern und Pickeln.

Wirkstofflexikon

Rezeptfrei sind Mittel mit
• Benzoylperoxid: Wirkt antibakteriell und schälend. Es wird bei leichter Akne verschrieben und bei stärkerer Akne auch in Kombination oder im Wechsel mit anderen Aknemitteln.
• Sulfonierten Schieferölen: Nach der Leitlinie zur Behandlung der Akne der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft sind Schieferöle in der Aknetherapie bedeutungslos. Wie unser Test zeigt, können sie mit problematischen PAK verunreinigt sein.
• Fruchtsäuren: Salicyl- und Glykolsäure wirken wie ein Peeling. Sie werden laut Akne-Leitlinie in der Erhaltungstherapie, also nach einer erfolgreichen pharmakologischen Aknebehandlung, eingesetzt oder begleitend zur medikamentösen Therapie. Verschreibungspflichtig sind Mittel mit
• Retinoiden (Vitamin-A-Abkömmlingen): Wirkstoffe wie Tretinoin, Isotretinoin und Adapalen wirken antikomedogen und antientzündlich. Sie werden zur äußerlichen Anwendung bei leichter und in Kombination mit anderen Mitteln bei mittelschwerer und schwerer Akne verschrieben; Isotretinoin auch zum Einnehmen bei schwerer Akne. Mädchen und Frauen sollten bei der Einnahme gut verhüten, da Retinoide Fehlbildungen beim Ungeboren verursachen können.
• Azelainsäure: Wirkt antikomedogen, antimikrobiell und antientzündlich. Sie wird bei leichter Akne verschrieben und bei stärkerer Akne auch in Kombination oder im Wechsel mit anderen Aknemitteln.
• Antibiotika: Wirkstoffe wie Erythromycin und Tetracyclin werden in Salben und teilweise auch in Mitteln zum Einnehmen eingesetzt. Nach der Akne-Leitlinie sind Antibiotika nur bei entzündlicher Akne und in Kombination mit anderen Mittel zum Auftragen zu empfehlen.
• Antiandrogenen Hormonen: Wirkstoffe wie Östrogen und Gestagen wirken auf die Talgdrüsen und drosseln die Talgproduktion. Sie stecken auch in einigen Antibabypillen. Sie werden abhängig von der Ausprägung der Akne bei jungen Frauen und in Zusammenarbeit mit einem Gynäkologen verschrieben.

So haben wir getestet

Problematische „Sonstige Bestandteile“ sind in unserer Tabelle unter Hilfsstoffe aufgeführt.


Der Einkauf
Wir kauften rezeptfreie Mittel gegen Akne in der Apotheke ein: So landeten elf Arzneimittel und ein Medizinprodukt mit einer Reihe ganz unterschiedlicher Wirkstoffe und Wirkstoffkombinationen in unserem Einkaufskorb.

Die Wirkstoffe
Sind tatsächlich alle eingesetzten Wirkstoffe hilfreich gegen Akne? ÖKO-TEST-Berater Professor Manfred Schubert-Zsilavecz, pharmazeutischer Chemiker an der Goethe-Universität Frankfurt, hat die medizinisch-wissenschaftliche Literatur nach Belegen für einen Nutzen der einzelnen Wirkstoffe und Wirkstoffkombinationen durchforstet und beurteilt.

Die Hilfs- und Inhaltsstoffe
Enhalten die Aknemittel bedenkliche oder umstrittene Hilfsstoffe als Fette, Konservierer oder Emulgatoren? Dazu analysierten wir die Deklaration und ließen Laboruntersuchungen auf problematische Rückstände wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe bei Produkten mit Schieferölen und auf Formaldeyd/-abspalter bei allen Testprodukten durchführen. Mittel mit Parfüm und ätherischen Ölen wurden zudem auf Duftstoffe, die Allergien auslösen können, polyzyklische Moschus-Verbindungen und Diethylphthalat, ein Vergällungsmittel in Parfümölen, geprüft.

Die Bewertung
Ein Mittel ohne erwiesenen Nutzen gegen Akne konnte in unserem Test nicht besser als „mangelhaft“ abschneiden. Waren in der Rezeptur eines Produktes aber obendrein Problemstoffe enthalten, konnte selbst ein Produkt mit einem „sehr guten“ Testergebnis Wirksamkeitsbelege und Beipackzettel im Gesamturteil nicht besser sein als das Testergebnis Hilfs-/Inhaltsstoffe. Anders als bei Kosmetika haben wir hier keine PEG/PEG-Derivate, die als Emulgatoren in einigen Produkte steckten, abgewertet. Die Eigenschaft dieser Stoffe, die Haut durchlässiger für Fremdstoffe zu machen, kann bei Aknemitteln hilfreich sein, um die Wirkstoffe in die Haut zu schleusen.

Fett gedruckt sind Mängel.
Abkürzungen: n.u. = nicht untersucht, weil sich dieser Parameter durch die Zusammensetzung des Produktes erübrigt. Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf der Seite 190.
Anmerkungen: 1) Das Produkt enthält den Duftstoff Geraniol, der in seltenen Fällen Allergien auslösen kann. 2) Bei dem Produkt ist der Hilfsstoff Natriumlaurylsulfat unter den „sonstigen Bestandteilen“ als Natriumdodecylsulfat aufgeführt.
Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Wirksamkeitsbelege und Beipackzettel führen zur Abwertung um jeweils vier Noten: a) eine durch Studien nicht ausreichend belegte Wirksamkeit von Produkten mit Wirkstoffen und Wirkstoffkombinationen wie Natriumbituminosulfonat, Ammoniumbituminosulfonat/Zinkoxid, Glykolsäure, Salicylsäure; b) die Kombination von Benzoylperoxid mit dem Antipilzwirkstoff Miconazol. Unter dem Testergebnis Hilfs-/Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um vier Noten: Formaldehyd/-abspalter. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) Natriumlaurylsulfat; b) ein erhöhter Gehalt von mehr als 100 μg/kg einer oder mehrerer Einzelverbindungen von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), sofern sie in der Summe 1.000 μg/kg nicht übersteigen. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als 10 mg/kg Diethylphthalat (DEP); b) mehr als ein Prozent Paraffine/paraffinähnliche Erdölprodukte und/oder apolare Silikonverbindungen. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Wirksamkeitsbelege und Beipackzettel und auf dem Testergebnis Hilfs-/Inhaltsstoffe. Es kann nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis.
Testmethoden undAnbieterverzeichnis finden Sie unterwww.oekotest.de → Suchen  „M1504“ eingeben.
Einkauf der Testprodukte: Dezember 2014.
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Foto: bowie15/123 RF

Foto: privat