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TEST AKTIVLAUTSPRECHER: Spaßbombe


Stereo - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 02.12.2019

Devialet hat der hauseigenen Phantom eine Diät verpasst und bringt mit der Reactor 900 eine explosive Spaßbombe im Miniatur-Fomat.


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Bildquelle: Stereo, Ausgabe 1/2020

Niemand, der über die letzten Wochen den kleinen STEREO-Hörraum betrat, konnte sich der Aura unserer neuesten Besucher entziehen. Ganz egal, wie schlecht ein Tag anfing, jeder, der morgens den Schlüssel im Schloss des Hörraums drehte, die Tür einen Spalt öffnete und darin die beiden Devialet Phantom Reactor 900 auf unseren im Verhältnis abstrus überdimensionierten Lautsprecherständern posieren sah, musste einfach gute Laune bekommen!

Einerseits ist dafür sicherlich das typisch ...

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... ausgefallen-moderne Design der Phantom-Reihe verantwortlich. Sowohl in ihrer ursprünglichen weißen Farbe wie auch in der nagelneuen mattschwarzen Ausführung sind die Reactors bildschön und stehen ihren großen Geschwistern in nichts nach.

Okay, fast nichts. Im Vergleich zu den bisherigen Phantomen haben die Reactors immerhin gut drei Viertel ihres Volumens eingebüßt. Und die Vorbilder sind in unseren Tests wirklich nicht durch ihre immense Größe aufgefallen. Mit anderen Worten: Die Reactor ist klein. Sehr klein!

Besonders in unserem Hörraum, in dem wir schon so viele Lautsprecher gesehen und gehört haben, und im direkten Vergleich mit „normalen“ Aktivlautsprechern sorgte dieser Größenunterschied für so manchen wohlwollenden Lacher.

Der Vergleich mit einer Standard-CD zeigt eindrücklich die bescheidene Größe der Reactors auf.


Unzählige Ausrufe nach dem „Oh, sind die süß!“-Motto mussten die Mini-Phantome dabei über sich ergehen lassen. Doch selten war ein erster Eindruck so trügerisch! Die immense Lautstärke und das hammerharte Bassfundament, das unser Reactor-Stereopaar uns mit Genugtuung um die Ohren jagte, strafte jeden, der sie anfänglich als „Spielzeug“ abtat, lügen – und sorgte für eine ganze Reihe neugieriger Besucher im Hörraum, denen die Devialets nur zu gerne bewiesen, dass sie ganz und gar nicht süß sind!

Faszination Phantom

Den Reactors haftet, wie schon den großen Phantomen, ein hoher Faszinationsfaktor an, der bei den kleinen Kraftwerken sogar noch deutlich ausgeprägter ist. Für konventionelle und im direkten Vergleich größtenteils eher bieder wirkende Boxen dürfte dieser unerreichbar sein. Bei einem 08/15-Gardemaß-Kompaktlautsprecher stehen heutzutage auch selten einmal Neugier weckende Fragen wie „Kann das überhaupt gut klingen?“ oder „Wie soll das gehen?“ im Raum. Das Konzept ist schließlich so alt wie HiFi selbst, wurde über Jahrzehnte hinweg perfektioniert und bietet kaum noch Überraschungen.

Bei den Reactors dagegen kommt man um diese Fragen nicht herum, was sicherlich einen Teil ihrer Anziehungskraft ausmacht. Direkt nach dem ersten Auspacken und vor der Einrichtung ist man zwangsläufig skeptisch ob der highfidelen Qualitäten dieser „Pille“, während einem nach der – im Übrigen sehr einfachen und schnellen – Konfiguration und mit der ersten Musik ein überraschtes „Huch“ sowie ein eher verwirrtes „Wie?“ auf den Lippen liegt. Denn wie oben bereits angedeutet, entfesselt dieses winzige Ei musikalische Kräfte von derart unerwartet explosivem Ausmaß, dass die vielen Zuhörer allesamt positiv überrascht den Hörraum verließen.

Aber wie macht die Reactor das jetzt? Wie schafft Devialet es, kontrollierte 18 Hz Zwerchfellmassagen und unverzerrte Lautstärken nahe der Schmerzgrenze aus einem Gehäuse, das inklusive Verstärkern, Treibern, Kühlrippen und Anschlussfeld den Durchmesser einer Standard-180-Millimeter-Tieftonmembran kaum überschreitet, zu erzeugen?

Der volle Namen der Reactors gibt bereits einen guten Hinweis auf einen Teil der Antwort. Die „900“ am Ende ist nämlich weit mehr als nur eine schnöde Produktbezeichnung, sondern soll tatsächlich auch die Leistung angeben. Richtig gelesen: Volle 900 Watt sollen die Zwerge nach Herstellerangaben erreichen – was wohl auch niemand bezweifelt, der sie einmal in Aktion erlebt hat.

Geschuldet ist dieses fantastische Kraftpotenzial unter anderem Devialets patentierter ADH-Technologie, die als „Analog Digital Hybrid“ den Class-A-Klangcharakter mit der Kompaktheit und Leistungsfähigkeit von Class-D verknüpfen will und die auch in den größeren Phantoms zum Einsatz kommt.

Um auf derart kleinem Raum tiefen Bass zu generieren und dennoch detailliert audiophile Qualitäten zu versprühen, kombinieren die Franzosen die aberwitzige Leistung der ADH-Verstärker mit ihrem hochentwickelten digitalen „SAM“(„Speaker Active Matching“)-Signalprozessor sowie mit einem sogenannten „Heart Bass Implosion“-System. Letzteres ist die elegante Umschreibung der links und rechts auf den Flanken der Reactors befindlichen Basstreiber, die sozusagen gegeneinander arbeiten, und den hohen Druck im Inneren der Phantoms zusammen mit der Kontrolle von SAM und der Kraft von ADH in spürbaren Druck auf der Außenseite verwandeln.

BASSWUNDER
Den „atmenden“ Bass-Kiemen bei ihrer Arbeit zuzusehen, hat etwas Hypnotisches.


ÜBERSICHTLICH
Das Anschlussfeld der Reactors ist überschaubar. Der 3,5-mm-Anschluss nimmt analoge wie digitale Signale an. Eine Anbindung ans Netzwerk geht über Ethernet oder WLAN


Um also die zuvor gestellte Frage nun ein für allemal zu beantworten: Ja, das klingt – und wie! Tatsächlich spielen die Reactors als Stereopaar extrem sauber, kontrolliert, präzise sowie direkt und treiben besonders im Bereich der Basskontrolle selbst deutlich größeren Aktivlautsprechern die Schweißperlen auf die Stirn. Die Platzierungen im Raum sind auf den Punkt genau getroffen, wenn die Bühne auch eher etwas gedrungen wirkt. Auch das Timing ist grandios, wie wir an Hand von Ikebe Shakedowns funkigem „Horses“ feststellten. Zusammen mit dem schnellen Bass machen sich die Devialets daher auch besonders gut mit tanzbar-treibender elektronischer Musik wie „Monsters Exist“ von Orbital. Durch die SAM-Algorithmen spielen die Reactors sowohl bei höchsten als auch leisesten Lautstärken anmachend und verzerrungsfrei. Die machen einfach richtig Spaß!

Knapp geschlagen geben müssen sich die Devialets ihren „braven“ aktiven Konkurrenten im klassischen Kompaktlautsprecher-Look & Feel dagegen bei der Vermittlung von Feindynamik und Klangfarbe. Hier klingen die Devialets teilweise eher etwas kühl und distanziert, können emotionalen Balladen im Vergleich weniger Gefühl einhauchen. Auch fehlt es generell etwas an Offenheit und den einzelnen Instrumenten wie Stimmen ein wenig an Luft zum Atmen. Allerdings meckern wir dabei schon auf sehr hohem Niveau – und gerade in Anbetracht der Abmessung dieser Mini-Lautsprecher ist das schon eine beeindruckende Leistung!

Nur das Wesentliche

Die Anschlüsse der Reactors sind überschaubar, aber ausreichend und veranschaulichen die augenscheinliche Zielgruppe. Denn klassische HiFi-Eingänge wie Cinch fehlen, während besonderer Wert auf kabellose Schnittstellen gelegt wurde. Als physischer Eingang dient lediglich die Hybrid-3,5-mm-Buchse für optische und analoge Quellen. Der optische Eingang zeigt in Verbindung mit der Option von AV-Sync im Menü der App, dass die Reactor für Verwendung mit dem Fernseher optimiert wurde. HDMI ARC wäre zwar schön, ist aber nicht notwendig. Bluetooth und Airplay werden wohl die am meisten verwendeten Eingänge sein, was aufgrund der heute recht hohen Qualität dieser Funkprotokolle auch völlig legitim ist.

Eine Fernbedienung im klassischen Sinne gibt es bei der Reactor nicht. Ein Smartphone oder Tablet mit Android oder Apple ist also zwingend erforderlich, um zum Beispiel ein Stereopaar einzurichten oder auch nur zwischen den Quellen zu wechseln. Die Bedienung mit der App ist dafür extrem einfach, sodass auch digital Unerfahrene damit klar kommen.

Und das ist gut so, denn wir fi nden, dass möglichst viele Leute in den Genuss dieser Spaßbombe kommen sollten!

Das berührungsempfi ndliche Bedienfeld auf dem Kopf der Reactors erlaubt grundlegende Steuerung. Alles Weitere geht über die App.


PHANTOME IN EDELMETALL

Neben den neuen Zwerg-Phantomen hat Devialet selbstverständlich auch weiterhin die großen Vorbilder im Sortiment. Jetzt zusammengefasst unter dem Begriff „Phantom Premiere“ gibt es die drei Modelle „Classic“, „Silver“ und „Gold“, von denen wir die beiden Versionen in Edelmetall bereits zum Test hatten. Die Modelle unterscheiden sich vor allem in ihrer Leistung: mit angegebenen 2000 Watt in der „Classic“-, 3000 Watt in der „Silver“- und ganzen 4500 Watt in der „Gold“-Ausführung. In Letzterer kommt ferner Devialets eigener DAC zum Einsatz im Gegensatz zu den Texas Instruments Chips der anderen Phantome, und außerdem wird ein Titan-Hochtöner verwendet. Die „Gold“-Phantom gibt es auch noch in der Luxus-Sonderausführung „Opéra de Paris“ – mit Blattgold-Applikationen. Die Stückpreise rangieren zwischen 1800 Euro für die „Classic“ und 2800 Euro für die „Opéra de Paris“. Vielfältiges Zubehör ist ebenfalls im Angebot.