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TEST Alternative Bodenbeläge: Klick dich schlau!


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 10/2014 vom 26.09.2014

Mehrschichtige Bodenbeläge mit Klicksystem sind einfach zu verlegen, das kann fast jeder. In unserem Test konnten diese Alternativen zum Laminat meistens überzeugen.


Artikelbild für den Artikel "TEST Alternative Bodenbeläge: Klick dich schlau!" aus der Ausgabe 10/2014 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Chumsak Kanoknan/cThinkstock

Heimwerker lieben den Klick: Bodenbeläge, mit denen sie Stück für Stück einen Raum auslegen können, ohne Verklebung. Durch ein spezielles Anschlusssystem verbindet sich ein Teil mit dem nächsten. 1997 brachte die Firma Unilin ein Laminat mit dem leimlosen Klicksystem, patentiert unter dem Namen „Uniclic“, auf den Markt. Das ausgefeilte Nutund-Feder-System zieht die Paneele fest zusammen.

Holz sieht schön aus, ...

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... da sind sich die Verbaucher einig, aber für viele soll es dann doch kein echtes Holz sein. Sie halten Kunststoffoberflächen für unkomplizierter, pflege leichter. Nach Laminat, das als Oberfläche ein lackiertes Dekorpapier hat, gibt es heute zunehmend andere Kunststoffoberflächen auf einer Trägerschicht, auch hier oft ein Holzimitat. Im Handel werden diese sogenannten Design böden teilweise auch als ökologische Alternative zum wenig rühmlichen PVC beworben. Die Hersteller sehen sie als neue Produktgruppe und haben – um sich vom Laminat abzusetzen – den Verband der mehrschichtig modularen Fussbodenbeläge (MMFA) gegründet.

Doch es werden auch andere Oberflächen eingesetzt. So wird auch Lino leum für Heimwerker interessant – ein Mate rial, das bereits Mitte des 19. Jahrhundert von einem Chemiker namens Frederick Walton entwickelt wurde. Aufgrund der formbaren Haut, die sich auf leinölhaltigen Lacken durch Oxidation bildet, kam ihm die Idee, daraus einen Kautschukersatz zu entwickeln; das Leinöl war namensgebend (lat. oleum lini).

Leinöl, Naturharze sowie Mehl aus Kalksandstein, Holz oder Kork sind die wesentlichen Bestandteile des heute hergestellten Linoleums. Durch Oxidation entsteht der elastische Linoleum zement. Am Ende wird die Masse auf Jute gepresst. Eine wochenlange Wärmebehandlung und Reifung gibt dem Material die nötige Festigkeit.

Linoleum hat viele positive Eigenschaften, es ist warm, dämpfend, rutschhemmend, strapazierfähig, pflegeleicht, antibakteriell, antistatisch. Lediglich alkalische Mittel sind tabu, sie verfärben oder zerstören das Material, das durch das Leinöl einen typischen Eigengeruch hat, der meist bald verflogen ist. Doch in einzelnen Fällen halten sich unangenehm riechende Aldehyde längere Zeit in der Raumluft. Der natürliche Reifeprozess, die Oxida tion, geht auch im fertigen Produkt noch weiter. Linoleumböden halten bis zu 40 Jahren oder länger.

ÖKO-TEST hat elf Fertigböden mit verschiedenen Oberflächen eingekauft. Wir wollten wissen, ob sie Schadstoffe enthalten oder ausgasen und wie sie sich im Gebrauch verhalten.

Das Testergebnis

Eine überzeugende Alternative . Die meisten Bodenbeläge schneiden mit „sehr gut“ oder „gut“ ab. Nur die Fertigböden von Corpet Cork, KWG Kork-Import und Zipse werden schlechter bewertet.
Keine Raumluftbelastung. Um ausdünstende Verbindungen – VOC und Formaldehyd – braucht sich der Heimwerker nicht zu sorgen. Teilweise waren keine raumluftbelastenden Stoffe nachweisbar, ansonsten nur in geringen Mengen. Am meisten gaste der Avatara Multisense Schiffsboden aus, der Wert lag gerade noch unter unserer strengen Abwertungsgrenze.
Giftige zinnorganische Verbindungen … wurden zumindest in Spuren in allen Belägen nachgewiesen. Im KWG Picolino, im Linocolor und im Ziro Lino-Fertigfuss boden halten wir die Mengen an hormonell wirksamem Dibutylzinn jedoch für zu hoch. Ebenfalls in drei Produkten stecken umstrittene halogenorganische Verbindungen.
Da stehen die Haare meistens nicht zu Berge . Die elektrostatische Aufladung ist überwiegend gering und akzep tabel. Nur auf zwei Kunststoffoberflächen, dem Ava tara Multisense Schiffsboden und dem Meister Design boden DD, können bei Reibung leicht erhöhte Oberflächenspannungen auftreten. Elastische Bodenbeläge ohne Trägerplatte schneiden hier deutlich schlechter ab, wie unser ÖKO-TEST im Juli dieses Jahres zeigte.
Belastbar und feuchtebeständig . Auch in den Praxisuntersuchungen gab es relativ wenig zu bemängeln, alle Produkte erfüllen in Bezug auf die getesteten Eigenschaften die entsprechenden Normen. Geprüft wurde, wie belastbar der Boden ist, ob sich Spuren auf dem Boden abzeichnen, wenn längere Zeit ein schweres Möbelstück darauf steht. In fast allen Fällen war der Eindruck sehr gering. Lediglich das Granorte Kork-Fertigparkett Linocork liegt mit 0,2 Millimetern genau im Grenzbereich dessen, was die Norm noch zulässt. Wenn Feuchtigkeit einwirkt, können die Fertigböden aufquellen. Die meisten Produkte würden jedoch noch die Anforderungen an einen stark belast baren Bodenbelag im gewerblichen Bereich erfüllen. Nur der Ziro Lino-Fertigfussboden und der Lino color von Corpet Cork sind etwas feuchte empfindlicher, erfüllen jedoch die Anforderungen für den Wohnbereich. Hersteller Zipse hat für den Ziro mit Beanspruchungsklasse 32 aller dings mehr versprochen. Für den Linocolor konnten wir weder auf dem Etikett noch im Internet eine Angabe zur Beanspruchungs klasse finden – nicht gerade verbraucherfreundlich, zumal die Angabe erforderlich ist, wenn der Hersteller Bezug auf die Norm nimmt, wie es Corpet Cork tut.

ÖKO-TEST rät

• Die untersuchten Produkte sind eine Alternative zum umweltschädlichen PVC, hinsichtlich der Oberflächenspannung auch zu Laminat. Ob sich die recht hohen Kosten auf Jahre hinaus auszahlen, kann nur die Praxis zeigen. Geölte Parkettböden dagegen halten mit Sicherheit ewig.

• Klickböden sind für Feuchträume nicht geeignet, sie dürfen deshalb auch nur nebelfeucht gewischt werden.

• Fertigböden sind zirka einen Zentimeter dick; deshalb prüfen, ob Probleme an Türen oder Übergängen auftreten können.

Kompakt

Die Beanspruchungsklassen

Bodenbeläge werden in Beanspruchungsklassen eingeteilt. Die erste Ziffer unterscheidet zwischen Wohn- (2) und gewerblichem Bereich (3). Die zweite Ziffer gibt den Grad der Beanspruchung an:

• für Wohnen/Privatbereich:
21 = mäßig (mit geringer oder zeitweiser Nutzung),
22 = normal (mit mittlerer Nutzung),
23 = stark (mit intensiver Nutzung)

• für Gewerbe/Objektbereich:
31 = mäßig (mit geringer und zeitweiser Nutzung),
32 = normal (mit mittlerem Verkehr),
33 = stark (mit starkem Verkehr),
34 = sehr stark (mit intensiver Nutzung)

Oberflächenfinish bei Linoleum

Linoleumbodenbeläge haben heut zutage eine vergütete, lackierte Oberfläche. Meist sind sie mit Acryldispersionen oder Polyurethanfilmen versiegelt, also mit einer dünnen Kunststoffschicht auf dem sonst überwiegend natürlichen Material. Das macht das Lino leum pflegeleicht, es verhindert das Eindringen von Schmutz in die Poren und erhöht die Kratzfestigkeit. Anders als in der Vergangenheit ist kein Bohnern mehr nötig, es reicht nebelfeuchtes Wischen. Etwaige Pflegemittel sollten neutral und für Linoleum geeignet sein und auf keinen Fall alkalische Substanzen enthalten, die das Material angreifen würden.

Antibakterielles Linoleum

Linoleum hat von Natur aus gewisse antibakterielle Eigenschaften. Die bei der Herstellung stattfindende Oxidation von Leinöl und Naturharzen geht auch nach Produktionsende in geringem Umfang weiter. Offensichtlich vertragen Bakte rien die Oxidationsprodukte nicht und werden getötet. Fraglich ist allerdings, inwieweit die heute üblichen Linoleumbe läge mit Oberflächenfinish diese Eigenschaft noch h aben, dazu gibt es kaum aussage kräftige Belege.

ÖKO-TEST Elastische Bodenbeläge

Ein weiterer Test von Bodenbelägen ist im ÖKO-TEST-Magazin 7/2014 erschienen und kann im Internet unter www.oekotest.de heruntergeladen oder das Heft telefonisch unter 0 69 /3 65 06 26 26 bestellt werden. Getestet wurden weitere PVC-Alternativen, die nicht mehrschichtig als Fertigboden angeboten werden, sondern in Fliesen-, Planken- oder Rollenform.

Fett gedruckt sind Mangel.
Anmerkungen: 1) Oberflache des Produkts ist relativ starr, nicht elastisch. 2) Der Bodenbelag wird auch in anderen Formaten angeboten. 3) Der Bodenbelag wird auch in anderen Formaten, meist jedoch mit anderer Oberflachenstruktur und anderem Glanzgrad angeboten. Das getestete Produkt der Serie Fresh Edition hat die Oberflachenstruktur „weich geschliffen“ und den Glanzgrad „extramatt“.
Glossar: Erlauterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 156.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testurteil Inhaltsstoffe fuhrt zur Abwertung um zwei Noten: mehr als 100 bis 1.000 μg/kg Dibutylzinn. Zur Abwertung um eine Note fuhren: halogenorganische Verbindungen. Unter dem Testurteil elektromagnetische Oberflachenspannung fuhrt zur Abwertung um eine Note: eine leicht erhöhte Oberflächenspannung von mehr als 1.000 bis unter 3.000 Volt. Unter dem Testurteil Praxisprüfung führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) eine mäßige Belastbarkeit (hier: ein Resteindruck von 0,2 mm); b) eine mäßige Feuchtigkeitsbeständigkeit = eine Dickenquellung von mehr als 18 bis 20 %. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) angegebene Beanspruchungsklasse nicht erreicht; b) keine Angabe der Beanspruchungsklasse, obwohl das Produkt nach EN 14085 deklariert ist.

Das Gesamturteil beruht auf den Testergebnissen Inhaltsstoffe, elektrostatische Oberflächenspannung und Praxisprüfung. Es kann nicht besser sein als das Testergebnis Inhaltsstoffe beziehungsweise das Testergebnis Praxisprüfung. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Testergebnis Praxisprüfung um eine Note.
Testmethoden undAnbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de  Suchen  „M1410“ eingeben.
Einkauf der Testprodukte: Mai 2014.

Preisangaben sind UVP-Angaben der Hersteller, sofern uns diese mitgeteilt wurden, beziehungsweise Einkaufspreise von ÖKO-TEST, jeweils inkl. Mehrwertsteuer.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlages dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

So haben wir getestet

Der Einkauf

Aktuell werden die neuen, mehrschichtig modularen Bodenbeläge als Alternativen zu Laminat und PVC beworben, auch unsere Verbraucherberatung wird immer wieder dazu befragt. Wir haben insgesamt elf solcher Klickbeläge eingekauft, sieben mit Linoleum-, drei mit Kunststoffund einer mit einer Kunstharz gebundenen Holzfaseroberfläche. Bis auf zwei Ausnahmen sind sie elastisch. Die Fertig böden sind mit circa 24 bis über 50 Euro pro Quadratmeter nicht ganz billig.

Die Inhaltsstoffe

Bei Bodenbelägen, mit denen ein ganzer Raum ausgelegt ist, interessiert besonders, inwieweit sie problematische Verbindungen – vor allem auch krebsverdächtiges Formaldehyd – ausgasen. Durch den mehrschichtigen Aufbau und die verschiedenen Materialien, die in einem Fertigboden verarbeitet sind, gibt es zudem etliche mögliche Quellen für andere bedenkliche oder umstrit tene Inhaltsstoffe. Wir ließen die Produkte deshalb auf zahlreiche mögliche Stoffe untersuchen.

Die elektrostatische Oberflächenspannung

Bodenbeläge können sich durch Reibung elektrostatisch aufladen. Im Labor wurden alltagstypische Belastungen bei üblichen Raumbedingungen nachgeahmt und gemessen, wie viel Spannung sich dabei über dem Boden aufbauen kann.

Die Praxisprüfung

Wie belastbar und wie feuchteempfindlich sind die Bodenbeläge? Denn bei Fertigböden kann Wasser, zum Beispiel durch feuchtes Wischen, in die Fugen eindringen. Wir ließen prüfen, inwieweit die Böden bei Feuchtigkeit aufquillen und welche Spuren schwere Möbel auf den Oberflächen hinterlassen.

Quillt etwas auf? Beim Praxistest ließ das Labor die Böden „ein Bad nehmen“.


Foto: Labor

Die Weiteren Mängel

Wir schauten uns auch an, wie die Hersteller ihre Produkte ausloben. Stimmt die angegebene Beanspruchungsklasse mit der von der Dickenquellung abgeleiteten Eignung überein? Wird überhaupt eine Angabe zur maximalen Beanspruchung gemacht? Das ist für die Kaufentscheidung wichtig.

Die Bewertung

Jeweils einen Minuspunkt gibt es für umstrittene Inhaltsstoffe, für eine leicht erhöhte Oberflächenspannung und für moderate Mängel bei der Praxisprüfung. Strenger werten wir besonders bedenkliche Stoffe, wie das hormonell wirksame Dibutylzinn, ab. Da wir sowohl die Inhaltsstoffe wie auch die Praxisprüfung besonders wichtig finden, kann das Gesamturteil nicht besser sein als das schlechteste dieser Einzelergebnisse.