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Test Anfangsmilch 1 : Endlich besser


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2023 vom 27.12.2022
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Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 1/2023

RATGEBER

1 Anfangsmilch 1 ist wie Pre-Nahrung schon ab Geburt verträglich. Der einzige Unterschied ist in der Regel die enthaltene Stärke.

2 Wenn ein Kind eine in unserem Test belastete Nahrung bekommen hat, ist das kein Grund zur Sorge. Keine der Belastungen ist aus unserer Sicht stark erhöht und keiner der kritisierten Stoffe akut giftig.

3 Wer die Anfangsmilch wechseln möchte, steigt am besten Flasche für Flasche um.

Anfangsmilch ist ein Grundnahrungsmittel. Nicht oder nicht mehr gestillte Säuglinge sind auf Ersatznahrung angewiesen. Deshalb ist es eine besonders gute Nachricht, dass sich die Qualität der gängigen Produkte verbessert hat: Das von uns beauftragte Labor hat in der Anfangsmilch 1 insgesamt weniger Belastungen gefunden als noch 2021 in der ebenfalls ab Geburt geeigneten Anfangsmilch Pre. Erfreulich ist auch, dass in keinem der Muttermilchersatzprodukte mehr die besonders ...

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... problematischen Mineralölbestandteile MOAH zu finden waren. Einige Pulver kritisieren wir aber noch wegen Verunreinigungen mit gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH/

MOSH-Analoge). Und in einem Drittel der Produkte fehlt es aus unserer Sicht an einer wichtigen Omega-6-Fettsäure. Insgesamt ist erstmals kein einziges Produkt schlechter als „ausreichend“. Von 15 können wir zwei mit Gesamturteil „sehr gut“ und vier mit „gut“ empfehlen.

Mineralöl in Anfangsmilch: Testen wirkt

Seit mehr als zehn Jahren ist das Problem der Mineralölverunreinigungen in Lebensmitteln bekannt. Und viele Untersuchungen zeigten seitdem, dass ausgerechnet auch Muttermilchersatznahrung häufig mit besonders problematischen aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen, kurz MOAH, belastet war. Zu dieser Stoff-gruppe gehören auch krebserregende Verbindungen, weshalb MOAH in Säuglingsnahrung natürlich rein gar nichts zu suchen haben. Immerhin hat die EU im Jahr 2022 Richtwerte für MOAH veröffentlicht, ab deren Überschreitung Lebensmittel vom Markt genommen werden sollen. Das wurde auch Zeit!

Dies ist der erste größere Test von Anfangsmilch, in dem das beauftragte Labor in keinem einzigen der Pulver MOAH gefunden hat. Dafür haben wir hart gekämpft. Wo wir in der Vergangenheit MOAH kritisierten, versuchten betroffene Hersteller teilweise, unsere Ergebnisse und die vom Labor verwendete Methode, ein akkreditiertes Verfahren, zu diskreditieren. Die Tatsache, dass manche Produkte in Folge- oder Nachtests dann MOAH-frei waren, lässt jedoch den Schluss zu, dass die Firmen die Quelle der Verunreinigung in ihren Produktionsprozessen ausfindig gemacht und beseitigt haben. Hier haben unsere Tests also direkte Wirkung gezeigt.

Immer noch MOSH-Belastungen

In sechs Produkten hat das von uns beauftragte Labor noch MOSH in Gehalten gefunden, die wir als „erhöht“ bewerten. In vier waren sie „leicht erhöht“. Fünf weitere Produkte, in denen das Labor nur gerin- ge Spuren gefunden hat, zeigen, dass es noch besser geht. MOSH sammeln sich im Laufe des Lebens in Organen wie der Leber an. Mögliche gesundheitliche Folgen sind noch nicht geklärt, weshalb wir Eltern raten, besser zu den Produkten mit den geringsten MOSH-Gehalten zu greifen. Vor zehn Jahren galten Druckfarben in Verpackungen als die häufigste Quelle von Verunreinigungen mit Mineralöl. Hier hat die Industrie mit mineralölfreien Druckfarben und dichten Innenbeuteln unter den Pappkartons gegengesteuert. Eine wahrscheinlichere Quelle für die heute noch vorkommenden Belastungen sind technische Öle an Produktionsanlagen.

„Das wurde Zeit! Endlich ein Anfangsnahrungstest ohne die besonders problematischen Mineralölbestandteile MOAH.“

Hanh Friedrich ÖKO-TEST-Projektleiterin

TIPPS

Babys und Milch

Dürfen Babys Kuhmilch?

Kuhmilch ist nicht für Menschenbabys gemacht. So sind die Nieren von Säuglingen nicht auf den deutlich höheren Eiweißgehalt eingestellt. Erst in der Beikostzeit, wenn die Kinder anfangen, andere Nahrung als Mutter- oder Anfangsmilch kennen zu lernen, kann Kuhmilch eine kleine Rolle spielen. Die Experten vom Netzwerk Gesund ins Leben empfehlen sie nicht als Getränk, sondern als calciumreiche Zutat im Milch-Getreide-Brei und in einer Menge von nicht mehr als 200 Millilitern am Tag.

Hafermilch in die Flasche?

Für Erwachsene kann es gesundheitlich völlig in Ordnung sein, auf Milchprodukte zu verzichten. Das auf Babys und die Muttermilch oder Ersatznahrung zu übertragen, ist aber ein gefährlicher Trugschluss. Säuglinge heißen ja Säuglinge, weil sie deren exakte Nährstoffzusammensetzung im gesamten ersten Lebensjahr, auch noch parallel zur Beikost, unbedingt brauchen. Pflanzenmilch ist völlig anders zusammengesetzt und deshalb nicht geeignet.

Keine Krankheitserreger

Und die weiteren Laborergebnisse? Hier ist wiederum erfreulich, dass sowohl die Fettschadstoffe 3-MCPD- und Glycidyl-Fettsäureester als auch Perchlorat und Chlorat allenfalls in geringen Spuren zu finden waren. Letztere können als Rückstände von Desinfektionsmitteln ins Pulver gelangen. Auch krank machende Keime wie Salmonellen hat das Labor nicht gefunden.

Wichtige Fettsäure fehlt

In einer Minderheit von fünf Produkten ist das Verhältnis der Fettsäuren Arachidonsäure (ARA) zu Docosahexaensäure (DHA) nach den Messwerten des von uns beauftragten Labors nicht so ausgeglichen, wie es Kinderernährungsexperten empfehlen. Teils war ARA überhaupt nicht nachweisbar und auch keine Quelle dafür in der Zutatenliste zu finden. Zum Hintergrund: Einige, aber nicht alle Studien zeigten für den Zusatz der beiden Fettsäuren zu Ersatznahrung unter anderem eine positive Wirkung auf die Gehirnentwicklung.

Seit 2020 sind Hersteller verpflichtet, der Anfangsmilch einen relativ hohen Mindestgehalt an DHA zuzusetzen. Freiwillig konnten sie das vorher schon tun, aber nur in Kombination mit mindestens genauso viel ARA. Der Einsatz von ARA steht den Herstellern nach der aktuellen Verordnung nun frei – zum Unverständnis von Experten. Die Sicherheit des hohen DHA-Zusatzes ohne ARA sei nicht geprüft und weiche sehr stark sowohl von der typischen Zu-sammensetzung von Muttermilch als auch der meisten seit Jahrzehnten verabreichten und in vielen klinischen Studien geprüften Säuglingsnahrungen ab, bemängelte die Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) 2020 in einer Stellungnahme.

So reagierten die Hersteller

Humana erklärte, Anfang 2023 eine Rezeptur mit ARA und DHA im ausgeglichenen Verhältnis auf den Markt zu bringen. Die Firmen Töpfer und Holle (für Lebenswert) schickten uns Gutachten, wonach der MOSH-Gehalt in der von uns getesteten Charge niedriger war. Töpfer kündigte zudem an, ab Januar einen anderen Fettrohstoff einzusetzen, um so die Mineralölbestandteile weiter zu reduzieren.

TEST Wir haben getestet

So haben wir getestet

Wir haben 14-mal Anfangsmilch 1 eingekauft, darunter fünf Bio-Produkte. Das Angebot an Anfangsmilch 1 ist etwas kleiner als das der ebenfalls ab Geburt fütterbaren Pre-Nahrung, zu der wir zuletzt im Spezial Baby 2022 Testergebnisse veröffentlicht haben. Einige Marken wie Löwenzahn und Nestlé Ministeps haben keine Anfangsmilch 1 im Angebot und sind deshalb in diesem Test nicht vertreten. Wir ließen die 14 Anfangsnahrungen in einem spezialisierten Labor umfänglich untersuchen: auf Verunreinigungen mit verschiedenen Mineralölbestandteilen, die etwa aus technischen Ölen in Produktionsanlagen oder auch aus Verpackungen ins Pulver gelangen können; auf Perchlorat und Chlorat als Rückstände aus Reinigungs- und Desinfektionsmitteln, welche auf Dauer die Funktion der Schilddrüse stören können. Außerdem standen die in früheren Säuglingsmilch-Tests häufig gefundenen Fettschadstoffe auf dem Prüfprogramm, 3-MCPD- und Glycidylfettsäureester, von denen aus Letzteren das wahrscheinlich krebserregende Glycidol entstehen kann. Das Labor untersuchte die Pulver außerdem auf ihren Gesamtkeimgehalt und auf konkrete krankmachende Keime wie Salmonellen. Zu guter Letzt ließen wir die in den Pulvern enthaltenen Fettsäuren messen. Anhand der Ergebnisse konnten wir Probleme mit gesundheitsschädlichen Transfettsäuren ausschließen und außerdem prüfen, ob die Hersteller zusätzlich zum vorgeschriebenen Zusatz der Fettsäure Docosahexaensäure (DHA) auch entsprechend Arachidonsäure (ARA) zusetzen, wie es Kinderernährungsexperten nach dem aktuellen Stand der Forschung empfehlen.

Fett gedruckt sind Mängel. Abkürzungen: ARA = Arachidonsäure, DHA = Docosahexaensäure, MOSH = gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe. Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 126. Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: Werbung mit Selbstverständlichkeiten mit Hinweis auf gesetzliche Regelungen, wobei gesetzlich vorgeschriebene Eigenschaften oder selbstverständliche Umstände als etwas Besonderes hervorgehoben werden, obwohl vergleichbare Produkte diese ebenso aufweisen (hier: „ohne Farb-& Konservierungsstoffe*“ und „ohne Aromen*“; „*gesetzlich für Säuglingsanfangsnahrung vorgeschrieben“). 2) Laut Anbieter wird das Verhältnis von DHA (Docosahexaensäure) und ARA (Arachidonsäure) zukünftig 1:1 betragen. Die verbesserte Rezeptur werde voraussichtlich Anfang 2023 auf den Markt gebracht. 3) Laut Anbietergutachten waren Mineralölbestandteile in einem Gehalt nachweisbar, den wir als „leicht erhöht“ bewerten würden, Unabhängig davon werde im Rahmen seiner Bemühungen um die Reduktion der Mineral- ölgehalte ab Januar 2023 der Fettrohstoff durch einen anderen ersetzt, weshalb er davon ausgehe, dass ab Januar 2023 eine „weitere Reduktion der MOSH-Fraktionen“ erreicht werde. 4) Laut Anbietergutachten waren Mineralölbestandteile in einem Gehalt nachweisbar, den wir als „Spuren“ bewerten würden. Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: ein gemessener Gehalt an Mineralölbestandteilen (MOSH/MOSH-Analoge der Kettenlänge C17 bis C35) von mehr als 2 bis 4 mg/kg (in Tabelle: „erhöht“). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein gemessener Gehalt an Mineralölbestandteilen (MOSH/MOSH-Analoge der Kettenlänge C17 bis C35) von mehr als 1 bis 2 mg/kg (in Tabelle: „leicht erhöht“); b) gemessene Gehalte der Omega-3-Fettsäuren ARA und DHA,die einem Verhältnis von ARA und DHA von kleiner 0,9 entsprechen. Gemäß der VO (EU) 2016/127 müssen seit Februar 2020 alle Säuglings- und Folgenahrungen den Zusatz von DHA enthalten. Für einen gleichzeitigen Zusatz der ARA besteht dagegen keine Pflicht mehr. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: Werbung mit Selbstverständlichkeiten. Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen „nein“, bedeutet das „unterhalb der Bestimmungsgrenze“ der jeweiligen Testmethode. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „gut“ ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter . Einkauf der Testprodukte: August – Oktober 2022. Dieser Test löst den Test Anfangsnahrung 1 aus der ÖKO-TEST App Eltern 2017 und dessen Wiederveröffentlichung im Jahrbuch Kinder und Familie für 2018 ab. Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.