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TEST Apfelmus und Apfelmark: Endlich: Apfelmus ohne Zuckerzusatz


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2022 vom 25.08.2022

RATGEBER

1 Apfelmus ist noch häufig gesüßt. Wenn Hersteller es ohne Zuckerzusatz anbieten, schreiben sie das in der Regel gut sichtbar vorne aufs Etikett.

2 Produkte, die Apfelmark heißen, enthalten nur den natürlichen Zucker aus den Äpfeln, im Schnitt knapp elf Prozent.

3 Ausprobieren: Mit vier Esslöffeln Apfelmus kann man in Rezepten für Rührkuchen oder Muffins jeweils ein Hühnerei ersetzen.

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Frischer Wind in den deutschen Vorgaben für Lebensmittel: Der von uns kritisierte „Zuckerzwang“ von stolzen 16,5 Prozent Mindestanteil in Apfelmus ist aufgehoben! Im aktuellen Test kommen zwar viele Produkte, die „Apfelmus“ heißen, immer noch mit einem unserer Ansicht nach unnötigem Zuckerzusatz daher, aber nicht mehr alle. Insgesamt können wir jetzt dreimal „Apfelmus“ und elfmal „Apfelmark“ mit „sehr gut“ empfehlen. Weniger erfreulich sind die festgestellten Gehalte an bedenklichen Pestiziden. Doch alles der ...

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... Reihe nach.

Süß, süßer Leitsätze

Es war schon ein wahrer Schildbürgerstreich: Bisher musste ein Produkt mit Namen „Apfelmus“ gemäß der Leitsätze für Obsterzeugnisse mindestens 16,5 Prozent Zucker enthalten. Wer ein gesünderes Mus anbieten wollte, in dem die Süße nur aus dem deutlich niedrigeren natürlichem Zuckeranteil der Früchte stammt, wich notgedrungen auf den unbekannteren Namen „Apfelmark“ aus. Mit der Neufassung der Leitsätze von Anfang April ist die altbackene Vorgabe zum ganz großen Muszuckern vom Tisch.

Etwas Schilda ist aber immer noch drin. So definieren die Leitsätze Apfelmus immer noch als „gesüßt“. Es gibt aber einen Umweg für Hersteller, die dennoch ein ungezuckertes Apfelmus anbieten wollen. Sie müssten die Abweichung von den Beschreibungen in den Leitsätzen „hinreichend und rechtskonform kenntlich machen“, erklärte uns eine Sprecherin des Ernährungsministeriums. Was genau „hinreichend und rechtskonform" ist, kann auch das Ministerium noch nicht sagen. „Die Auslegung der Vorschriften obliegt letztlich den Gerichten.“

Zuckerfreies Apfelmus vor Gericht? Wir hoffen, dass es nie dazu kommen wird und stellen uns schon einmal vorsorglich auf die Seite derer, die Apfelmus ohne Zucker-zusatz anbieten. Wir finden es gut, dass in diesem Test bereits fünf von 15 Produkten mit Namen „Apfelmus“ ohne Zuckerzusatz dabei sind. Sie machen das - aus unserer Sicht – auf den ersten Blick deutlich kenntlich, etwa durch „0 % Zuckerzusatz“ im Produktnamen.

Zehn Hersteller setzen dem Apfelmus noch Zucker zu. In den Nährwerttabellen auf den Verpackungen finden sich zwar mittlerweile auch Zuckerwerte unter der abgeschafften Marke aus den alten Leitsätzen von 16,5 Prozent. Es tauchen aber immer noch hohe Werte von 16 bis 18 Gramm Zucker pro 100 Gramm Apfelmus auf. Wir ziehen für alle Zuckerzusätze eine Note ab. Ein Apfelbrei ist ohne Zucker schon süß, weniger Zucker ist gesünder.

Mepiquat und andere Spritzmittel

Im Globus Golden Delicious Apfelmus und im Jeden Tag Apfelmus hat das beauftragte Labor den Wachstumsregulator Mepiquat nachgewiesen. Das Spritzgift ist im europäischen Obstbau verboten, tauchte allerdings auch in mehreren der jetzt getesteten Apfelsäfte auf (mehr dazu ab Seite 38). Beide Muse fallen durch, denn sie überschreiten den in der EU geltenden Mepiquat-Grenzwert für Äpfel. Zudem enthalten sie Spuren des Insektizids Acetamiprid. Weil Acetamiprid Blüten bestäubenden Insekten schadet, hat Frankreich das Mittel bereits 2018 verboten.

„Geöffnetes Apfelmus hält sich laut Herstellerangaben oft nur ein bis drei Tage. Um weniger zu verschwenden, lohnt es sich für kleine Haushalte, einen Teil direkt einzufrieren.“

Meike Rix ÖKO-TEST-Redakteurin

WISSEN

DEN SPÄTSOMMER EINFANGEN UND GELD SPAREN

Apfelmus selber kochen

Wer selbst einen Apfelbaum hat oder bei anderen pflücken darf, kann große Mengen prima als Apfelmus verarbeiten. Das geht leicht: Äpfel waschen, Kerngehäuse entfernen, in Würfel schneiden. Zu 2,5 kg Äpfeln 400 ml Apfelsaft und eine Zimtstange in den Topf geben, unter Rühren aufkochen und mit geschlossenem Deckel 15 Minuten kochen lassen bis die Äpfel weich sind. Für Kompott grob stampfen, für Mus in eine Flotte Lotte oder ein feines Sieb geben und passieren.

Auf Vorrat

Auch wenn das Apfelmus nicht zum Sofortessen, sondern zum Lagern im Glas gedacht ist, braucht es keinen Zuckerzusatz. Wichtig ist, sehr hygienisch zu arbeiten. Das heißt: nur Äpfel ohne Druck- oder Schimmelstellen verwenden. Die Gläser und Deckel vor dem Abfüllen mit kochendem Wasser gründlich ausspülen. Das Mus kochend heiß (mindestens bei 80 Grad Celsius) abfüllen und die Gläser sofort verschließen und für zehn Minuten auf den Kopf stellen, damit sich ein Vakuum bildet.

Im Tegut Apfelmus fand das Labor Spuren des Pestizids Pirimicarb, das laut EU-Chemikalienrecht in Verdacht steht, Krebs zu erzeugen. Im Beste Ernte Apfelmus ist der Gehalt an Tebuconazol nach unserer Bewertung „erhöht“. Das Anti-Pilzmittel ist als vermutlich schädigend für das Kind im Mutterleib eingestuft. Nach derzeitigem Kenntnisstand sind die Stoffe in der festgestellten Konzentration zwar nicht unmittelbar gesundheitsschädlich. Wir meinen aber: Je weniger problematische Pestizide in der Umwelt und im Körper, desto besser.

Substanz-Mix

Kritisch sehen wir auch einen Mix von mehreren Pestizidspuren. Auch wenn die Gehalte gering sind und die Stoffe teilweise nicht als besonders bedenklich gelten. Im Hak Apfelmus 0 % Zuckerzusatz stecken insgesamt sechs, in einigen weiteren Apfelmusen jeweils vier unterschiedliche Einzelsubstanzen. Mögliche Wechselwirkungen von mehreren Stoffen im menschlichen Körper und der Umwelt sind noch nicht erforscht. Im Test enthielten alle konventionellen Produkte Rückstände von Pestiziden.

In den Bio-Produkten hat das Labor hingegen keine Spritzgifte gefunden. Ähnliche Ergebnisse sehen wir auch häufig bei anderen Lebensmitteln, die wir untersuchen. Dieser und andere Tests zeigen: In Sachen synthetische Spritzgifte kann man sich in der Regel auf Bio verlassen.

Keine faulen Äpfel

Das Schimmelpilzgift Patulin war in keinem Produkt nachweisbar. Das spricht für viel Sorgfalt beim Aussortieren fauler Früchte vorm Verarbeiten. Vor wenigen Jahren musste noch Apfelsaft wegen hoher Gehalte aus dem Handel zurückgerufen werden.

TEST

ÖKO TEST

Wir haben getestet

So haben wir getestet

Für den Test haben wir 15 Mal Apfelmus und elf Mal Apfelmark eingekauft. Alle Apfelmark-Produkte sowie zwei in der Tabelle „Apfelmus“ stammen aus kontrolliert biologischem Anbau. Apfelmark ist zuckerfrei, für Apfelmus waren bist vor kurzem stolze 16,5 Prozent Zuckergehalt Vorschrift. Jetzt gibt es aber auch Produkte, die Apfelmus heißen und ohne Zuckerzusatz auskommen. Diese haben wir bevorzugt eingekauft.

Im Labor durchliefen alle ein umfangreiches Pestizidscreening mit über 500 Wirkstoffen. Wir ließen den Gesamtzuckergehalt prüfen und ob das Verhältnis der verschiedenen Zuckerarten zu den Verpackungsangaben passte. Konservierungsmittel wie Sorbinsäure oder Benzoesäure sind in Apfelmus und Apfelmark nicht erlaubt. Auch diese Stoffe ließen wir analysieren.

Um auszuschließen, dass faule Äpfel verarbeitet wurden, untersuchte ein Labor die Produkte außerdem auf das für Äpfel typische Schimmelpilzgift Patulin. Patulin ist als erbgutschädigend eingestuft. Die Verpackungen ließen wir auf PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen untersuchen, die sich allesamt in der Umwelt anreichern können.