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TEST Apfelsaft: Betrüblich


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2022 vom 25.08.2022

RATGEBER

1 Bio ist klar im Vorteil: 13 von 16 Apfelsäften aus biologischem Anbau sind „sehr gut“. Pestizide fanden sich dort nicht mal in Spuren.

2 Apfelsaft punktet mit kurzen Transportwegen: Im Test beziehen alle Hersteller ihre Früchte aus Europa, manche sogar aus der Region (siehe Tabelle).

3 Apfelsaft in Maßen genießen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, einen Teil Apfelsaft mit drei Teilen Wasser zu verdünnen.

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Wie kommt das Spritzgift Mepiquat in den Apfelsaft? Geläufig ist der Einsatz des Mittels eigentlich im konventionellen Getreideanbau, wo es für den Wuchs kürzerer und somit stabilerer Halme sorgt. Auch für Obstbauern kann Mepiquat nützlich sein. Es fördert die Fruchtbildung und verhindert das vorzeitige Abfallen der Früchte, mit anderen Worten: Es kann den Ertrag steigern. Allerdings ist Mepiquat auf europäischen Obstplantagen verboten, weshalb auf EU-Ebene ein ...

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... niedriger Grenzwert gilt: Nicht mehr als 0,02 Milligramm Mepiquat dürfen in einem Kilo Äpfel messbar sein. Drei Säfte im Test reißen diesen „Rückstandshöchstgehalt“ und wir ziehen dafür die rote Karte: Beckers Bester naturtrüber Apfel, Belsina Apfel naturtrüb und Paradiso Apfel naturtrüb sind „ungenügend“. Zwei Produkte schöpfen den Grenzwert nur zu rund 60 Prozent aus und schaffen deshalb noch ein „befriedigend“. Gegenüber dem Ergebnis unseres Apfelsaft-Tests vor zwei Jahren hat sich das Bild damit zwar deutlich eingetrübt. Doch nach wie vor bleibt der Löwenanteil der 33 getesteten Säfte empfehlenswert: 21 Produkte sind „sehr gut“ und fünf „gut“.

Großzügig ausgelegt

Nun sind Apfel und Apfelsaft zweierlei, warum nehmen wir also den Grenzwert für die Frucht? Auf dem Weg vom Apfel zum Saft können sich Spritzmittel theoretisch verdünnen oder anreichern – beides ist möglich und lässt sich normalerweise durch einen „Verarbeitungsfaktor“ errechnen. Da ein solcher für Apfelsaft nicht existiert, halten wir es so wie die Untersuchungsämter: Das niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit LAVES schreibt uns, dass es bei der Beurteilung von Apfelsaft oder Apfelmus davon ausgeht, dass die Konzentration von Pflanzenschutzmitteln in etwa vergleichbar ist mit der Frucht.

Das Amt nimmt deshalb den Wert für Äpfel und beruft sich unter anderem auf Angaben der Fruchtsaftindustrie, der zufolge Rückstandsgehalte im Saft „nahe der Frucht“ liegen. Das ist in unseren Augen sogar noch großzügig: Geht man davon aus, dass für eine Charge Apfelsaft viele verschiedene Landwirte ihre Äpfel zugeliefert haben, ließe sich auf die jeweils belastete Rohware sogar ein sehr viel höherer Gehalt zurückrechnen. Auffällig in unserem Test: Für alle drei Säfte, die den EU-Grenzwert reißen, kamen die Äpfel ausschließlich aus Polen.

„Kein Bio-Saft im Test enthält auch nur Spuren von Pestiziden. Schön, dass auf Bio hier Verlass ist.“

Heike Baier ÖKO-TEST-Redakteurin

WISSEN

Wie gesund ist Apfelsaft?

So viel Zucker wie eine Cola

„100 Prozent Apfel" – so steht es auf vielen Direktsäften, und es stimmt. Das heißt aber nicht, dass der Apfelsaft alle Nährstoffe des Apfels enthält. Ist er dennoch gesund? Es kommt drauf an, wie viel man davon trinkt. Denn mit zehn bis zwölf Prozent natürlichem Zuckergehalt können es die Säfte in unserem Test locker mit dem Zuckergehalt einer Cola aufnehmen. Das fördert Karies und bei übermäßigem Konsum Übergewicht. Auch von den Ballaststoffen des Apfels ist im Saft nicht mehr viel drin.

Polyphenole und Vitamin C

Doch einige wertvolle Nährstoffe überleben die Pressung zumindest teilweise: Allen voran die Polyphenole, von denen ein trüber Apfelsaft mehr enthält als ein klarer. Polyphenole zeigten in Studien eine vorbeugende Wirkung gegen zahlreiche Zivilisationskrankheiten, von Diabetes über Krebs bis Bluthochdruck. Auch ein wenig Vitamin C bleibt im Saft zurück: Während manche Äpfel jedoch auf 25 Milligramm pro Kilo kommen, sind es im Apfelsaft höchstens noch zwei Milligramm.

Mepiquat wirkt sich laut Europäischer Chemikalienagentur ECHA langfristig schädlich auf Wasserorganismen aus. Wie bei allen Spritzgiften sind seine Wechselwirkungen mit anderen Pestiziden bisher zu wenig erforscht. Anbieter Beckers Bester bezeichnet den Fund des Mittels in seinem Apfelsaft als „bedauerlich“ und verspricht Korrekturmaßnahmen. Nach Recherchen des Unternehmens sei Mepiquat durch Abdrift von benachbarten Ölsaaten- oder Getreidefeldern auf die Äpfel gelangt. Ob es sich tatsächlich überall um Verwehungen handelt oder das Mittel von einzelnen Apfelbauern absichtlich gespritzt wurde, können wir nicht klären. Im Jahr 2001 fielen am Bodensee Obstbauern auf, die Mepiquat illegal eingesetzt hatten.

Konventionelle mit Pestizid-Spuren

Alle 17 konventionellen Säfte im Test enthalten ein oder mehrere Pestizide. Wenn auch nur in so geringen Mengen, dass wir sie als „Spuren“ einordnen und nicht abwerten. Einzige Ausnahme: Im Amecke Sanfte Säfte Apfel naturtrüb fand das beauftragte Labor das Pestizid Acetamiprid, für das wir trotz des geringen Gehalts eine Note abziehen. Acetamiprid schadet Bienen und Insekten, deshalb handelt es sich in unseren Augen um ein besonders bedenkliches Pestizid. Die gute Nachricht: Alle Bio-Säfte im Test sind komplett frei von Pestizid-Spuren.

Fast alle Säfte schmecken „sehr gut“

Wir haben ausschließlich naturtrübe Direktsäfte getestet: Ohne Filtrieren kommt der Saft hier nach der Presse direkt in die Flasche. Die Hersteller setzen dafür teilweise über 20 verschiedene Apfelsorten ein, wie sie uns mitteilen, und rund zwei Drittel verwenden Äpfel von Streuobstwiesen. Das beeinflusst einen guten Geschmack, denn der entsteht durch ein ausgewogenes Verhältnis von Zucker und Säure. Den geschulten Sensorikern, die in unserem Auftrag sämtliche Produkte verkosteten, schmeckten jedenfalls bis auf eine Ausnahme alle Säfte „sehr gut“.

TEST

ÖKO TEST

Wir haben getestet

So haben wir getestet

Wir haben 33 naturtrübe Apfelsäfte in Drogerien, (Bio-)Supermärkten und Discountern eingekauft, darunter 16 mit Bio-Siegel. Die Mehrheit ist in Verbundkartons abgepackt, acht sind in Glasmehrwegflaschen gefüllt; ein Apfelsaft wird in einer Plastik-Pfandeinweg- und einer in einer Glaseinwegflasche geliefert. Die Preise für einen Liter Apfelsaft rangieren zwischen 99 Cent und 3,99 Euro.

Wir ließen alle Apfelsäfte in spezialisierten Laboren testen: auf Belastungen mit Pestiziden und Schimmelpilzgiften sowie auf Qualitätsparameter wie Ethanol und Methanol, flüchtige Säuren, Milchsäure und den Brix-Wert. Sensorik-Experten verkosteten die Apfelsäfte und beurteilten Aussehen, Geschmack, Geruch und Mundgefühl. Über die Deklaration erfassten wir zugesetztes Vitamin C und Werbung mit Selbstverständlichkeiten wie „ohne Farbstoffe laut Gesetz“ oder „ohne Zuckerzusatz“.

Ein weiteres Labor analysierte, ob in den Verpackungen umweltschädliche chlorierte Verbindungen stecken. Positive Befunde haben wir unter dem Testergebnis Weitere Mängel mit einer Note abgewertet. Das Gesamturteil basiert auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Testergebnisse Weitere Mängel, die „befriedigend“ oder schlechter sind, verschlechtern es.