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TEST Apfelschorle: Eine Weltreise


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 4/2013 vom 28.03.2013

Apfelschorle ist beliebt. Was viele nicht wissen: Die Äpfel sind meist weit gereist. Weil das bei Verbrauchern nicht gut ankommt, haben die meisten Hersteller das Ursprungsland lieber verschwiegen.


Artikelbild für den Artikel "TEST Apfelschorle: Eine Weltreise" aus der Ausgabe 4/2013 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: iStockphoto/©Thinkstock

Eine Apfelsaftschorle ist normalerweise schnell gemixt: Einen guten Schuss Apfelsaft in ein Glas geben, Mineralwasser drauf – fertig. Noch einfacher geht es mit Fertigschorle aus dem Supermarkt. Einfach die Flasche öffnen – und das Getränk genießen. Damit nicht genug: Apfelsaftschorle gilt auch als gesund, erfrischend und als nicht so süß wie Cola oder Limo.

Doch das positive Image ...

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... hat Risse bekommen, seit Meldungen über Apfelsaftimporte aus China die Runde machen. Fachleute überrascht das nicht. „China ist das größte Apfelanbauland der Welt und irgendwer muss die Äpfel dann ja auch abnehmen“, sagt Klaus Heitlinger vom Verband der deutschen Fruchtsaftindustrie. Allerdings, stellt Heitlinger klar, wird ein Großteil von den Chinesen selbst verbraucht. Viel gehe auch in die USA. Lediglich in den Jahren 2008/2009 habe es in Deutschland einmal ein Hoch gegeben, da die Ernte in Polen ausgefallen war. Seitdem sei der Anteil aus China stetig gesunken.

Was man wissen muss: Chinesische Äpfel sind sehr süß und daher nur bedingt geeignet für die Herstellung von Apfelsaft. Gern genommen werden die chinesischen Apfelsaftkonzentrate hingegen für Apfelschorle – zum Ausgleich allzu saurer Konzentrate aus Europa.

Doch auch wenn China im Fokus steht, es ist beileibe nicht das einzige, weit entfernte Land, das Äpfel für deutsche Apfelschorle liefert. „Das internationale Geschäft mit Apfelsaftkonzentrat unterliegt starken Schwankungen“, sagt Mikko Hofsommer von der Gesellschaft für Lebensmittelforschung, einem führenden Institut im Bereich Fruchtsaft. So würden die Hersteller je nach Verfügbarkeit und Preis kaufen – und das weltweit. Die wichtigsten Herkünfte für saure Qualitäten seien demnach Polen, die Ukraine, Moldawien und Ungarn, aber auch Deutschland. Süße Beimischungen kommen Hofsommer zufolge neben China aus Südtirol, Südamerika und Südafrika.

Aber wieso eigentlich Apfelsaftkonzentrat, wenn man Schorle doch genauso gut aus herkömmlich gepresstem Apfeldirektsaft herstellen könnte? Die Antwort ist einfach: Mit unterschiedlichen Konzentraten lässt sich das Geschmacksprofil der Produkte so einstellen, dass sie am Ende immer gleich schmecken – unabhängig von klimatischen Einflüssen oder saisonalen Schwankungen der Ernte.

Die Konzentrate selbst werden in den Anbauländern produziert: Äpfel pressen, den Saft enzymieren, filtrieren, sterilisieren, aufkonzentrieren, erneut erhitzen – bis eine honigähnliche, lagerfähige Masse entsteht, die per Schiff in die Endverbraucherländer transportiert wird. Mit im Gepäck: die abgetrennten und aufgefangenen wasserlöslichen Aromen. Die müssen dem Konzentrat bei der Aufbereitung zu Saft wieder zugegeben werden.

Wir wollten wissen, wie es um handelsübliche Apfelsaftschorle bestellt ist und haben eingekauft: 22 Produkte, darunter fünf Bio-Produkte sowie vier Schorlen mit Apfeldirektsaft. Im Labor ließen wir die Aromenqualität prüfen und den Zuckergehalt messen. Außerdem hat uns interessiert, woher die in den Testprodukten verarbeiteten Äpfel denn nun eigentlich stammen.


Apfelsaftschorle soll immer gleich schmecken – egal, wie die Ernte ausgefallen ist


Das Testergebnis

■ Zu viele Mängel für so ein einfaches Produkt: Zwei Bio-Schorlen sind „sehr gut“ und auch viele Marken der Supermärkte und Discounter schneiden erfreulich „gut“ ab – sie verhagelten sich ein „sehr gutes“ Testergebnis aber dadurch, dass sie in Einwegflaschen verkauft werden. Schlechte Noten kassieren überraschenderweise große Namen, allen voran Apollinaris und Carolinen. Die wichtigsten Kritikpunkte: zugesetztes Aroma, ein nicht deklariertes Mittel gegen Keime und Zitronensaft, der den Geschmack ausgleichen soll.
■ Aromenqualität lässt zu wünschen übrig. Fünf Produkte aus Apfelsaftkonzentrat haben mit dem Aromenmuster eines durchschnittlichen Apfeldirektsaftes – der als Vergleich dient – nur wenig gemein, da die Aromen nicht ausreichend wiederhergestellt wurden. Die Firmen Apollinaris und Mineralquellen Wüllner (Carolinen Apfel Schorle) setzen sogar noch eins drauf und peppen ihre Produkte mit zugesetzten Aromen auf. Diese als „natür liche Aromen“ deklarierten Komponenten sollen die Getränke frischer und fruchtiger machen. Weil das mindestens so stark in das Aromengefüge eines Apfelsaftes eingreift wie die mangelnde Wiederherstellung des Aromas, werten wir um zwei Noten ab.
■ Und noch ein Zusatz, der den Geschmack verbessern soll. Sechs Produkte enthalten Zitronensaft aus Zitro nensaftkonzentrat und ein weiteres ausschließlich Zitronensaftkonzentrat. Auch das soll der im Laufe der Zeit nachlassenden Frische auf die Sprünge helfen. In keinem Produkt konnten jedoch die charakteristischen Aromastoffe von Zitronen nachgewiesen werden. Das heißt, es ging den Herstellern gar nicht um den Saft, sondern um die Zitronensäure. Diese hätten sie ebenso gut als Säuerungsmittel E 330 zusetzen können – was sich aber weniger „natürlich“ anhört. Nicht auf Verschleierung setzt allein die Firma Sinalco und kennzeichnet korrekt als Zitronensaftkonzentrat, das keiner Rearomatisierung bedarf. Doch auch hier hätten wir uns – wenn überhaupt – richtigen Zitronensaft gewünscht und nicht nur einen Teil davon.

Fertige Apfelschorle kann sehr viel Zucker enthalten – am gesündesten ist eine selbst hergestellte Mischung aus wenig naturtrübem Apfeldirektsaft und viel Mineralwasser.


Foto: iStockphoto/©Thinkstock

■ Verstecktes Entkeimungsmittel. In sieben Apfelschorlen wurde der Einsatz von Dimethyldicarbonat (DMDC) nachgewiesen – auf dem Etikett davon keine Spur. Das ist erlaubt, da der Stoff innerhalb weniger Stunden zerfällt und somit im Getränk nicht mehr enthalten ist. DMDC ist jedoch äußerst reaktiv und baut nicht nur Keime ab, sondern führt auch zu zahlreichen Nebenreaktionen mit den Inhaltsstoffen der Schorlen. Das gilt zwar nach allem was man weiß als gesundheitlich unbedenklich, der Verbraucher sollte aber wissen, was er kauft.
■ Nicht so zuckersüß wie Cola, aber auch nicht ohne. Die untersuchten Apfelschorlen enthalten zwischen 24 g und gut 33 g Zucker pro Halbliterflasche, das entspricht rund acht bis elf Stück Würfelzucker. Zum Vergleich: Der Zuckerschreck Coca-Cola birgt umgerechnet 17,6 Stück Würfelzucker pro halbem Liter. Dennoch: Weil es sich bei den Schorlen um fruchteigenen Zucker aus dem Apfelsaft handelt, werten wir nicht ab.
■ Die Herkunft der Äpfel bleibt meist ein Geheimnis. Kaum ein Hersteller wollte sich in die Karten schauen lassen und auf unsere Anfrage nach den verarbeiteten Äpfeln konkret antworten. Die Angaben reichten von „wir beziehen weltweit“ bis „die Herkünfte unterliegen saisonalen Schwankungen“. Licht ins Dunkel brachten unter den konventionellen Herstellern lediglich Hassia, Lidl und Edeka, wobei nur Lidl einen geringen Anteil an chinesischer Ware ausweist. Immer noch besser, als verschwommen zu antworten – zumal vor dem Hintergrund der zunehmend geforderten Herkunftsnachweise für Lebensmittel. Fünf Schorlen wurden erfreulicherweise überwiegend aus deutschen Äpfeln hergestellt.
■ Fast immer Einweg. Die meisten Getränke stecken in PET-Einwegflaschen, deren Öko-Bilanz gegenüber Mehrweg deutlich abfällt. Etwas besser aufgestellt ist das PET-Cycle-System sowie ein von Lidl aufgebautes Rücknahmesystem. In beiden Fällen wird bis zu 50 Prozent des zurückgegebenen Flaschenmaterials für die Herstellung neuer Flaschen genutzt.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie im ÖKO-TEST-Magazin auf Seite 156.
Anmerkungen: 1) Die Preisberechnung bezieht sich auf eine 1-Liter-Flasche. 2) Die Preisberechnung bezieht sich auf ein 6er-Pack mit 500-ml-Flaschen. 3) Mängel Inhaltsstoffe: Das Produkt enthält auch den Konservierungsstoff E 202 (Kaliumsorbat). Laut Anbieter ist das Produkt seit Januar 2013 mit einem Saftanteil von 55 Prozent erhältlich, ab Mai voraussichtlich auch ohne Sorbat. 4) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen im Deckel. 5) Laut Anbieter und Deklaration ist das Produkt als Fruchtnektar eingestuft, der nicht der Pfandpflicht unterliegt. Bei der Verpackung handelt es sich dennoch um PET-Einweg. 6) Laut Anbieter enthält das Produkt ab April 2013 keinen Zitronensaft bei einem Fruchtgehalt von 60 Prozent. 7) Laut Anbieter wurde das Produkt bei gleicher Rezeptur auf die Eigenmarke Rewe Beste Wahl umgestellt. 8) Laut Anbieter soll das Produkt auch im Glas-Mehrweggebinde in den Verkehr gebracht werden. 9) Laut Anbieter wird das Produkt auch in Mehrweg-Glasflaschen und PET-Cycle-Flaschen angeboten. Der Glas-Mehrweg-Anteil habe 2012 bei rund 60 Prozent gelegen. In einer Mehrwegflasche wäre das Produkt im Gesamturteil „gut“. 10) Laut Anbieter wurde die PET-Flasche zu 50 Prozent aus recyceltem PET-Material hergestellt, das im Rahmen eines Lidl-eigenen Recyclingkreislaufs gewonnen wurde.11) Laut Anbieter wird das Produkt seit Dezember 2012 ohne Zitronensaft angeboten bei einem Fruchtgehalt von 65 Prozent. 12) Die Preisberechnung bezieht sich auf ein 4er-Pack mit 500-ml-Flaschen.
Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt . Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) Aroma zugesetzt; b) bei einer Apfelschorle mit Apfelsaft aus Konzentrat: ein kaum wiederhergestelltes Apfelsaftaroma. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) bei einer Apfelschorle mit Apfelsaft aus Konzentrat: ein nur teilweise wiederhergestelltes Apfelsaftaroma; b) Zitronensaft aus Konzentrat bzw. Zitronensaftkonzentrat, wenn der Einsatz als Säuerungsmittel im Vordergrund steht; c) nicht deklarationspflichtiges Kaltentkeimungsmittel Dimethyldicarbonat und/oder der Konservierungsstoff Kaliumsorbat. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: PET-Einweg- oder PET-Cycle-Flasche. Zur Abwertung um eine Note führt: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.
Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „M1304“ eingeben.
Einkauf der Testprodukte: Dezember 2012.

Der Experte

Udo Pollmer, Lebensmittelchemiker und Ernährungsexperte.


Entkeimungsmittel in Apfelschorle deklarieren
„Es ist einfach indiskutabel, wenn das hochreaktive Entkeimungsmittel Dimethyldicarbonat ohne jede Deklaration in Allerweltsprodukten eingesetzt wird, die noch dazu Kindern als, gesundes Erfrischungsgetränk‘ gereicht werden. Zudem bedeutet ein Verzicht auf eine Deklaration eine Wettbewerbsverzerrung zulasten qualitätsbewussterer Hersteller. Die wählen eine aseptische Abfüllung – das aber ist deutlich teurer.“

So haben wir getestet

Der Einkauf
Im Test: 22 Apfelsaftschorlen aus Supermärkten, Discountern und Bio-Läden. Der Fokus lag auf überregionalen Angeboten. Auch sollten bevorzugt 0,5-Liter-Flaschen gekauft werden, da Schorle ein beliebtes Unterwegsgetränk ist, gerade auch für Kinder. Wann immer möglich wurden Mehrwegflaschen gekauft. Vier Produkte basieren auf Apfeldirektsaft, der Rest wird mithilfe von Apfelsaftkonzentrat hergestellt.

Die Inhaltsstoff e
Im Mittelpunkt der Laboruntersuchungen stand zunächst die Aromenqualität. Geprüft wurde, ob die Aromen der verarbeiteten Apfel saftkonzentrate ausreichend wiederhergestellt wurden. Auch die Aromenqualität des Zitronensaftes, den manche Hersteller zusetzen, wurde überprüft. Messen ließen wir zudem den Zuckeranteil der Schorlen. Schließlich stand die Frage im Raum, ob das Kaltentkeimungsmittel Dimethyldicarbonat eingesetzt wurde. Da es sich im Getränk nicht mehr nachweisen lässt, wurde es anhand von Abbauprodukten bestimmt. Von den Herstellern wollten wir wissen, aus welchen Ländern sie den Apfelsaft beziehen.

Äpfel sind typisch deutsch – in Schorle steckt nur selten heimische Ware.


Foto: ckay /fotolia.com

Die Weiteren Mängel
Stimmen die Angaben auf dem Etikett mit dem Inhalt überein? Wie sind die Schorlen verpackt? Studien haben gezeigt, dass Einwegverpackungen eine schlechtere ökologische Bilanz aufweisen als Mehrwegverpackungen.

Die Bewertung
Schlechte Noten gab es vor allem für qualitativ geminderte Produkte, deren Aromen nur entfernt an einen Apfelsaft erinnern oder die durch zusätzliche Aromen aufgepeppt wurden. Konservierungsmittel sind in der Regel unnötig, umso ärgerlicher, wenn auf dem Etikett noch nicht einmal darüber informiert wird. Schorlen in PET-Einwegflaschen können bestenfalls mit „gut“ abschneiden.

ÖKO-TEST rät

► Apfelschorlen mit Direktsäften sind besonders zu empfehlen, da sie in der Regel aus der Region bezogen werden. Das spart Transportwege. Die „sehr guten“ Bio-Produkte von Adelholzener und Voelkel profitieren zudem von der Mehrwegflasche.
► Je höher der Fruchtanteil, desto höher oft auch der Gehalt an fruchteigenem Zucker. Die Produkte im Test sollten daher eher wie Fruchtsäfte konsumiert werden, also glasweise. Zu einem echten Durstlöscher wird Apfelsaftschorle erst, wenn sie dünner gemischt wird, etwa aus einem Teil Saft und drei Teilen Wasser.
► Wenn Sie die Schorle selber mixen, haben Sie die Qualität auch selbst in der Hand: Konservierungsstoffe, Aromen, Zitronensäure – das ist alles nicht nötig – und ein Preis für die Bequemlichkeit.