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Test: Arturia MicroFreak


Beat - epaper ⋅ Ausgabe 7/2019 vom 05.06.2019

MicroFreak ist ein kompakter vierstimmiger Synthesizer mit flexibler vierstimmiger Hybrid-Klangerzeugung und ausgefuchstem Sequenzer.


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Bildquelle: Beat, Ausgabe 7/2019

Im Gegensatz zu Micro-, Mini- und MatrixBrute werden die Sounds im MicroFreak nicht rein analog erzeugt. Ein digitaler Soundprozessor ist für die Klangerzeugung zuständig und bietet verschiedene Oszillatormodelle, die teilweise dem beliebten Eurorackmodul-Plaits von Mutable Instruments entnommen wurden. Auch Hüllkurven, LFO und Verstärker sind digital, das 12-dB-Multimodefilter ist dagegen analog. Der überwiegend digitale Aufbau hat den Vorteil, dass der MicroFreak trotz ...

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... des günstigen Preises bis zu vierstimmig polyphon gespielt werden kann, jede Stimme besitzt dabei einen eigenen VCA. Nur das analoge Filter müssen sich alle vier Stimmen teilen, es handelt sich also um eine erweiterte Paraphonie.

Außergewöhnliche Tastatur

Der MicroFreak ist ein sehr kompakter Synthesizer und ähnelt in der Größe anderen kleinen Synthesizern wie dem MicroBrute oder Rolands Boutique-Synthesizern im Tastaturrahmen K25m, ist aber mit einem Gewicht von nur einem Kilogramm leichter ausgefallen. Nicht zu übersehen ist die „Tastatur“, die lediglich aus zwei Platinen mit Leiterbahnen besteht. Sie arbeitet kapazitiv, ähnlich wie ein Handydisplay reagiert sie auf Berührung und benötigt dafür Hautkontakt, um den Stromkreis zu schließen. Dennoch sind die Tasten anschlagdynamisch spielbar, was aufgrund des fehlenden Tastenhubs aber etwas gewöhnungsbedürftig ist. Interessant gelöst ist die Aftertouch-Funktion. Mit den Fingerspitzen spielen Sie die Tastatur ohne Aftertouch, wobei aufgrund der fehlenden physikalischen Abgrenzungen zwischen den „Tasten“ (lediglich die schwarzen Tasten sind leicht erhoben) auch schnelles Spielen möglich ist. Biegen Sie dabei einen Finger nach unten, wird durch die zusätzliche Berührung mit mehr Fingerfläche der Aftertouch ausgelöst. Das funktioniert unabhängig voneinander für jede Taste bzw. Stimme des MicroFreak, er verfügt also über den nur noch selten zu findenden polyphonen Aftertouch. Mit etwas Übung ließ sich die Tastatur im Test sehr flüssig nutzen und ermöglichte auch Keyboardläufe, die mit einer konventionellen Tastatur schwer zu realisieren wären. Uns persönlich hat die Tastatur sogar besser gefallen als die durchschnittliche Minitastatur im MicroBrute.

USB-powered & CV/Gate

Auf der Rückseite befindet sich der USB-Anschluss zur Computereinbindung, der MIDI-Daten in beide Richtungen überträgt und das Laden und Speichern von Sounds sowie Zugriff auf weitere Parameter über das MIDI Control Center erlaubt. Der USB-Anschluss übernimmt auch die Stromversorgung. Lediglich bei exzessiver Nutzung der Tastatur mit Aftertouch und Pitchbending empfiehlt sich der Anschluss eines externen Netzteils, um Glitches zu vermeiden. Traditionelles MIDI ist in Form zweier Miniklinke-Buchsen vorhanden, die mit Hilfe von Adaptern als DIN-MIDI- Eingang/Ausgang genutzt werden können. Auch an analoge Anschlüsse wurde gedacht, neben Clock-Eingang/Ausgang gibt es Ausgänge für CV/Gate sowie Pressure. Das Audiosignal wird über eine Monoklinke abgenommen, auf einen Audioeingang zum Einschleifen externer Klangerzeuger wurde leider verzichtet.

Alle wichtigen Anschlüsse sind vorhanden, die Stromversorgung kann über USB erfolgen und Aftertouch per CV an analoge Geräte gesendet werden.


Oszillatormodelle

Die Oszillatorsektion wird über vier Drehregler bedient. Mit dem ersten Regler wählen Sie das Oszillatormodell, mit den anderen drei Reglern stellen Sie den Sound ein. Aktuell bietet MicroFreak elf verschiedene Algorithmen, eine Erweiterung per Firmware-Update ist aber durchaus möglich. Unterstützt werden Sie dabei über das eingebaute OLED-Display, das die Parameterbezeichnung sowie die Änderungen auch grafisch anzeigt. Der Oszillator kann typische analoge Wellenformen wie Sägezahn oder Rechteck mit modulierbarer Pulsweite erzeugen, im vom Plaits entliehenen VA-Modus auch zwei Wellenformen gleichzeitig inklusive einstellbarer Verstimmung und gut klingender Sync-Emulation. Für Trance-Leads und Pads empfiehlt sich Superwave zum mehrfachen Schichten von Wellenformen für die bekannten Supersaw-Klänge im Stile des JP-8000 oder Virus. Auch additive Synthese mit 32 Sinuswellen oder Wavetable-Klänge wählbar aus 16 Wavetables stehen zur Verfügung und sorgen für klare, durchsetzungsfähige Digitalklänge. Karplus Strong basiert dagegen auf Physical Modeling und empfiehlt sich für die Nachbildung von Saiteninstrumenten, eignet sich aber auch für experimentelle Klänge.

Alles modulierbar

Die Parameter jedes Oszillatormodells sind modulierbar, Wavetables können also beispielsweise per LFO oder Hüllkurve durchfahren werden. Spätestens hier wünscht man sich ein eingebautes Effektgerät mit Hall und/oder Delay. Im Test haben wir das hervorragende neue Valhalla Delay-Plug-in auf den MicroFreak angesetzt, die Ergebnisse klangen umwerfend – insbesondere wenn man bedenkt, dass diese Kombination nicht einmal 350 € kostet (vorhandener Computer/Notebook vorausgesetzt).

Plaits inklusive

Die von Plaits entliehenen Modelle bieten konventionelle Klangerzeugung in Form des oben genannten VA-Synthesizers sowie eines einfachen 2-Operatoren-FM-Klangerzeugers und eines Chord-Modells, das verschiedene Akkorde inklusive invertierter Fassung erzeugen kann. Aber auch Freunde abgefahrener Modularklänge, vorzugsweise im Westcoast-Stil, werden von den Möglichkeiten des kleinen Synthesizers angetan sein. So lässt sich eine Dreieckwelle mit Hilfe von Waveshaping und -folding obertonreich umformen und zum Knarzen bringen, was nicht nur Buchla-Anhängern gefallen wird. Auch die Granular-Synthese und der Modal-Resonator laden zum Experimentieren ein, beide Modelle eignen sich sowohl für schräge Synthesizer-Percussion als auch für einzigartige Klangtexturen für Ambient und Minimal. Speech lässt den Synthesizer sprechen, entweder in Form von Vokal- und Formantsounds oder auf Basis eingespeicherter Wörter (Buchstaben, Farben, Zahlen auf Englisch). Ein nicht zu unterschätzender Vorteil gegenüber dem Eurorack-Modul ist die Möglichkeit, jedes Oszillatormodell vierstimmig zu spielen.

Analoges Multimodefilter

Das vom DSP erzeugte Audiosignal wird D/A-gewandelt in das analoge Filter eingespeist. Dieses Filter ist nur einmal vorhanden, die vier Stimmen müssen es sich also teilen. In der Praxis ist dies weniger einschränkend als bei anderen paraphonen Synthesizern, da bereits auf Oszillatorebene kräftig in die Obertöne und andere Frequenzbereiche eingegriffen werden kann und das Filter dann nur noch als weiterer globaler Effekt benötigt wird. Das Filter besitzt die Filtertypen Tief-, Bandund Hochpass mit einer Flankensteilheit von 12dB und lehnt sich in Aufbau und Klang an das legendäre Oberheim SEM-Filter an. Aus unserer Sicht eine gute Wahl, da das in den Brute-Synthesizern verwendete Steiner-Parker-Filter mit seinem sehr speziellen Klang weniger universell einsetzbar ist und nicht jedermanns Geschmack trifft. Im praktischen Einsatz ist insbesondere das Tiefpassfilter wichtig, um die teils doch sehr obertonreichen Oszillatorklänge ein wenig zu zähmen. Die Filterfrequenz steht als Ziel in der Modulationsmatrix zur Verfügung und kann z.B. durch LFO oder Aftertouch moduliert werden, zudem besteht eine direkt regelbare Verbindung mit der ADS-Hüllkurve.

Schnelle Hüllkurven

Die ADS-Hüllkurve wirkt auch auf den Lautstärkeverlauf, was aber deaktiviert werden kann – dann wird der VCA durch eine simple Gate-Kurve moduliert. Die Hüllkurve ist sehr schnell, perkussive Zaps und Zocks sind kein Problem. Decay und Release lassen sich allerdings wie beim Minimoog nur gemeinsam regeln. Als weiterer Modulator ist ein in der Geschwindigkeit regelbarer und zur Clock synchronisierbarer LFO mit 6 Wellenformen inklusive Random an Bord. Spannend ist die flexible zweite Hüllkurve, von Arturia Cycling Envelope getauft. Sie kann als simple Hüllkurve genutzt werden, wobei sich die Kurvencharakteristik aber stufenlos einstellen lässt. Zudem ist die Cycling Envelope loopbar, lässt sich also in Schleife abspielen, und so als flexibler LFO nutzen, und zwar entweder freilaufend oder per Tastendruck getriggert.

Die kapazitive Tastatur ist nicht nur ein Hingucker, sondern bietet auch polyphonen Aftertouch.


MatrixBrute light

Über eine links oben angeordnete Matrix werden die Modulationsquellen mit den entsprechenden Zielen verknüpft. Bedient wird die Matrix über einen Push-Encoder und das Display, was nach kurzer Einarbeitungszeit schnell von der Hand geht. Vertikal stehen die beiden Hüllkurven, LFO, Pressure sowie Keyboard/Arpeggiator zur Verfügung. Diese Modulationsquellen können auf die horizontal angeordneten Ziele Tonhöhe, Wave und Timbre des jeweiligen Oszillatormodells, Filterfrequenz und drei weitere frei wählbare Ziele geroutet werden. Auch die Modulationsstärke einzelner Verknüpfungen kann moduliert werden, um z.B. die Filtermodulation per LFO mit der Hüllkurve langsam einzublenden. Und sogar die Oszillatormodelle können als Ziel zugewiesen und so innerhalb eines Patches verändert werden, was richtig komplexe und abgefahrene Ergebnisse hervorbringt. Vorhandene Verknüpfungen werden durch eine weiße LED angezeigt, sodass sich die eingestellten Modulationen auch bei einem Preset-Wechsel auf einen Blick erfassen lassen.

Komplett speicherbar

Aufgrund des digitalen Herzens können Sie im MicroFreak im Gegensatz zum Micro- und Minibrute zusätzlich zu den 128 Factory Presets bis zu 128 Sounds eigene Sounds speichern, eine Sicherung über das Arturia Software Center ist ebenfalls möglich. Da die Drehregler für Filter und Hüllkurven bei einem Presetwechsel nicht zwingend dem eingestellten Wert entsprechen, lässt sich die aktuelle Reglereinstellung per Druck auf den Panel-Button abrufen und Sie können direkt drauf losschrauben.

Flexibler Arpeggiator

Ein weiteres Highlight des MicroFreak ist der Arpeggiator und Step-Sequenzer, der im unteren Bereich des Panels zu finden ist. Der Arpeggiator kann klassisch zum Aufbrechen gespielter Akkorde genutzt werden. Die per Tastatur gehaltenen Noten werden wahlweise aufwärts, in der Reihenfolge des Spielens oder in zufälliger Reihenfolge wiedergegeben. Swingfaktor, der Teiler zum Songtempo sowie die Reichweite des Arpeggios von einer bis hin zu vier Oktaven lassen sich ebenfalls einstellen. MicroFreak kann aus den gespielten Noten sogar ein zufälliges Pattern mit einer Länge von bis zu 64 Steps erzeugen, das dann so lange in Schleife wiedergegeben wird, bis Sie neue Noten spielen. Gefällt Ihnen dieses Pattern, lässt es sich als Sequenz fixieren und dann weiter bearbeiten. Arpeggiator und Sequenzer senden die Noten auch an die Ausgänge, um andere Hardware oder Plug-ins anzusteuern.

Würzen und Würfeln

Über die Folientaster oberhalb der Tastatur lassen sich auch Spice und Dice aktivieren. Spice lässt sich in der Intensität regeln und sorgt so für kleine oder große Variationen der Sequenz, was ähnlich wie bei der Bass Station 2 unterschiedliche Rhythmen durch Variation der Notenlänge bis hin zum Weglassen einzelner Noten zur Folge hat. Mit Dice würfeln Sie eine neue Variation. So erzeugen Sie schnell und intuitiv neue Sequenzen, wobei Ihre ursprünglich gespielten Noten aber weiterhin die Grundlage bilden. Bedient werden diese Funktionen über einen Touchstrip, der ansonsten als Pitchbender dient. Beim Test haben wir zunächst nur bei hohen Spice-Werten hörbare Änderungen erzielen können, Arturia hat aber bereits ein Firmware-Update.

Motion-Record

Alternativ zum Arpeggiator gibt es im MicroFreak einen Sequenzer mit zwei Pattern je Sound. Bis zu 64 Schritte lassen sich Step-by-Step oder in Echtzeit einspielen. Die Noten werden im Display angezeigt. Im paraphonen Modus können Sie auch mehrere Noten und Akkorde auf einen Step aufnehmen oder live über die laufenden Sequenz eine weitere Melodie spielen. Aufgenommene Sequenzen lassen sich auch über die Tastatur triggern und transponieren, was einen dicken Pluspunkt gibt! Pausen und gebundene Noten und sogar eine Nachbearbeitung einzelner Steps ist möglich. Und es wird noch besser, denn es gibt auch einen Motion-Sequenzer, mit dem Sie Reglerbewegungen aufnehmen können. Vier Spuren stehen zur Verfügung, beispielsweise für Filterfrequenz, Resonanz, LFO-Geschwindigkeit und Attack. Die Motion-Sequenzen werden in Echtzeit aufgenommen oder per Step eingegeben. Zudem kann für jede Spur individuell ausgewählt werden, ob die Änderungen von Step zu Step fließend oder abrupt erfolgen sollen. Wem das alles bekannt vorkommt: Tatsächlich ähnelt der Motion-Sequenzer frappierend den im Korg Minilogue verbauten Modell, was keinesfalls ein Nachteil ist.

Fazit

MicroFreak ist klanglich eine wahre Wunderkiste, vor allem wenn man den Sound noch mit guten Hall- oder Delay-Effekten versieht. Die flexiblen Oszillatormodelle sorgen in Verbindung mit der Modulationsmatrix und dem Sequenzer mit Parameteraufzeichnung für obertonreichen Klang mit viel Bewegung, das Filter gibt den analogen Touch. Insbesondere die paraphonen Klänge konnten uns mit Ergebnissen überzeugen, die mit anderen Synthesizern oder Plug-ins schwer zu realisieren wären. Die kapazitive Tastatur mit polyphonem Aftertouch bildet dabei ein kreatives Eingabeelement, die gesamte Bedienung ist intuitiv gelöst. Der extrem kompakte und leichte Synthesizer passt in jeden Rucksack und kann mit einer USB-Powerbank auch unterwegs genutzt werden.