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TEST Ausbildungsversicherungen: Mit Sicherheit teuer


ÖKO-TEST Jahrbuch Kinder und Familie - epaper ⋅ Ausgabe 1/2011 vom 13.01.2011

Mit Ausbildungsversicherungen sollen Enkel und Kinder frühzeitig für die ersten Schritte ins eigene Leben abgesichert werden. ÖKO-TEST hat den Schutz unter die Lupe genommen.


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Foto: ccvision.de

„Die Wünsche Ihrer Kinder und Enkel kennen wir nicht, wir konnen aber wesentlich zu ihrer Erfullung beitragen“, wirbt die Stuttgarter VPV Versicherung. Die Allianz Versicherung rechnet vor, wie wichtig ein Ausbildungsschutz ist. Fur ein Informatikstudium reichen 25.000 Euro, bei Medizin sind es rund 50.0000 Euro. Da sei es nur sinnvoll und weitsichtig, wenn Eltern fruhzeitig Vorsorge treffen – durch eine ...

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„Die Wünsche Ihrer Kinder und Enkel kennen wir nicht, wir konnen aber wesentlich zu ihrer Erfullung beitragen“, wirbt die Stuttgarter VPV Versicherung. Die Allianz Versicherung rechnet vor, wie wichtig ein Ausbildungsschutz ist. Fur ein Informatikstudium reichen 25.000 Euro, bei Medizin sind es rund 50.0000 Euro. Da sei es nur sinnvoll und weitsichtig, wenn Eltern fruhzeitig Vorsorge treffen – durch eine Ausbildungsversicherung. Sie ist eine besondere Form der Lebensversicherung, erlautert der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) auf seiner Homepage. Die vereinbarte Versicherungssumme wird zu einem festgelegten Zeitpunkt gezahlt. Versichert ist das Leben des Beitragszahlers, meist ein Eltern- oder Groseltern teil des Kindes. Stirbt diese Person, ubernimmt das Versicherungsunternehmen alle weiteren Beitragszahlungen. Regelrecht uberschwanglich ist die Gothaer Versicherung aus Koln: „Die Startkapital Versicherung ist genau die richtige Losung fur die Zukunft Ihrer Kinder, Enkelkinder, Nichten und Neffen.“

Die Wahrheit sieht anders aus. Wenn die Groseltern als Versicherungsnehmer eingesetzt werden, ist die Versicherung sehr teuer. Denn altere Menschen haben ein deutlich hoheres Risiko, vor dem Ablauf zu sterben. Mittlerweile sind viele Versicherer daher vorsichtiger geworden. Sie empfehlen nur noch die Eltern, Onkel oder Paten als Versicherungsnehmer. Die Kolner DEVK warnte uns sogar: „Wir mochten jedoch ausdrucklich darauf hinweisen, dass die gewahlten Beispiele eigentlich nicht der Realitat entsprechen. Denn in der Praxis werden unsere Vertriebspartner eine andere Losung vorschlagen, wenn der Opa fur seine Enkel vorsorgen will: Versichert wird das Leben des Versorgers, also in der Regel von Mama oder Papa – und Opa ist lediglich der Beitragszahler.“ Damit wird aber nicht das Problem gelost, wenn der Opa oder die Oma plotzlich sterben. „Eigentlich lasst sich dieses Risiko nicht sinnvoll absichern“, so Versicherungsberater Andre Salau aus Hamburg. Allein wenn die Groseltern extrem auf Nummer sicher gehen wollten, sei die Ausbildungsversicherung uberlegenswert. Was sie bringt, zeigt unser Test. Dafur haben wir sechs verschiedene Modellfalle durchgespielt. Dreimal ist der Opa Versicherungsnehmer, dreimal die Mutter. Insgesamt werden fur unterschiedliche Laufzeiten 7.200, 10.800 und 27.000 Euro in die Ausbildungspolicen eingezahlt. Da vom bezahlten Versicherungsbeitrag die Vertreterprovisionen, Verwaltungskosten und Risikoanteile abgezogen werden, fliest nicht der gesamte Beitrag in die Kapitalanlage. Fur den Verbraucher entscheidend ist daher die Beitragsrendite, die wir mit Unterstutzung durch die Frankfurter FMHFinanzberatung fur die sechs Musterfalle ermittelten. Insgesamt wurden so 99 Tarifevarianten von 15 Versicherern untersucht.

Das Testergebnis

• An diesem Test wollten viel mehr Assekuranzen als ublich nicht teilnehmen. Kunden sollten dies beachten. Die meisten nannten dafur keine Grunde, wir vermuten, dass sie schlechte Ergebnisse befurchteten. Die Asstel und die Gothaer, die normalerweise an unseren Tests teilnehmen, verweigerten sich wie schon im Vorjahr. Begrundung: Man empfehle ausdrucklich nicht die Groseltern als Versicherungsnehmer, da bei ihnen eine „preisliche Unattraktivitat nicht zu verhindern ware“. Das bestatigen unsere Ergebnisse. Die Basler drohte gar bei Veroffentlichung der Daten mit „weiteren Schritten“.
• Testsieger sind Debeka und die WGV. Diese Anbieter schaffen jeweils in zwei Fallen gute garantierte Beitragsrenditen. Einen ersten Rang haben wir fur die garantierten Renditen nicht vergeben. Denn selbst gute Tarife auf dem zweiten Rang erreichen gerade einmal 0,89 Prozent (WGV) bis 1,14 Prozent (Debeka). Schon hier zeigt sich, dass die besten Ergebnisse nur dann erzielbar sind, wenn die Mutter abgesichert wird.
• 31 Tarife erreichen den sogenannten Beitragserhalt, garantieren also den Kunden, dass sie zumindest ihre ein gezahlten Betrage wieder zuruckerhalten.

Fondspolicen für Kinder?

Bei fondsgebundenen Versicherungen zahlt der Kunde die Chance auf eine höhere Rendite auch damit, dass er das Kapitalanlagerisiko trägt. Mehr Sicherheit versprechen Fondspolicen mit Garantie. Doch solche Garantien gehen zulasten der Rendite. Als klassische Ausbildungsversicherung eignen sich solche Produkte kaum. So bot uns die Zurich Versicherung dieJuniorinvest als Alternative an, weil die einer konventionellen Ausbildungsversicherung „am nächsten kommt“. Das Produkt ist ein „statisches Hybridprodukt“, bei dem der Beitrag aufgeteilt wird. Ein Teil kommt klassisch in den sogenannten Deckungsstock des Versicherers. Der andere Teil fließt in einen Aktienfonds. Das führt zu einer überraschend hohen Garantie, die für unsere Modellfälle zwischen 0,97 und 0,25 Prozent lag – wenn die Beiträge bis zum Ende bezahlt werden. Diese hohen Garantien werden sogar erzielt, wenn statt der Mutter der Großvater Versicherungsnehmer ist. Der Grund: Es gibt keine Absicherung des Todesfallrisikos. Stirbt der Beitragszahler, wird der garantierte Rückkaufswert ausgezahlt. Der beträgt beispielsweise nach fünf Jahren bei einer Einzahlung von 50 Euro und einer 18-jährigen Vertragslaufzeit 2.228,22 Euro, was einem Verlust von 771,78 Euro oder einer negativen Beitragsrendite von 11,59 Prozent entspricht. Erst im 14. Jahr der Einzahlung gibt es etwas mehr heraus als eingezahlt wurde. Fällt das Fondsvermögen höher aus, kommt das zur Auszahlung. Ob das beispielsweise nach fünf Jahren aber wirklich der Fall ist, darf bei einem sich durchschnittlich entwickelnden Fonds bezweifelt werden, denn alle Kosten entnimmt der Versicherer dem Fondsvermögen. Das kostet ordentlich Rendite. Verzinst sich ein Fonds beispielsweise jährlich um sechs Prozent, liegt die Ausbeute am Ende der Vertragslaufzeit für einen Kunden beiJunioinvest lediglich zwischen 2,84 und 3,57 Beitragsrendite.

Wenn der Opa für den Enkel: Über Geld vom Großvater freut sich der Enkel, über eine Ausbildungsversicherung freuen sich vor allem die Versicherer.


• Viel zu teuer ist die Absicherung durch den Grosvater. In keinem Fall kann ein Versicherer garantieren, dass die eingezahlten Beitrage erhalten bleiben. Daher konnten diese Tarife nur mit den Rangen 5 und 6 bewertet werden. 25 Tarifvarianten erreichen den 5. Rang, 24 nur noch Rang 6. Manche Versicherer bieten eine Absicherung durch altere Menschen schon gar nicht mehr an.
• Wie teuer die Absicherung der Beitragsbefreiung im Todesfall fur den Grosvater ist, zeigt ein Blick auf die negativen Renditen. Die Spanne reicht von sage und schreibe minus 4,63 Prozent jedes Jahr (Modellfall 1) bei der LV1871 bis minus 0,73 Prozent bei der Debeka (Modellfall 5). Ein deutliches Zeichen dafur, dass die Versicherer sehr unterschiedliche Kosten in die Tarife einkalkulieren.
• Skandalos ist, dass einige Versicherer es nicht einmal fur die Mutterpolicen schaffen, eine garantierte Beitragsrendite zu erwirtschaften, obwohl alle Versicherer ja garantieren, dass der Sparanteil mit 2,25 Prozent verzinst wird. Immerhin 19 Tarifvarianten mit Muttern als Versicherungsnehmerinnen konnten wir daher nur mit dem 5. Rang bewerten.

• Wer nur auf die Versprechungen der Versicherer schaut, der kann zumindest, wenn die Mutter Trager der Ausbildungsversicherung ist, ganz gute Ergebnisse erzielen. Die prognostizierte Rendite erreicht in 18 Fallen die Range 1 und 2 mit Renditen bis 4,25 Prozent.
• Wer viel Vertrauen in die Assekuranzen hat und hofft, dass sie ihre freiwilligen Uberschusse in den nachsten Jahren einigermasen aufrechterhalten konnen, der konnte sogar als alterer Mensch eine Ausbildungspolice fur die Enkel abschliesen. Fur die Absicherung durch den Grosvater verspricht beispielsweise die WGV bei einer Einzahlung von 27.000 eine Auszahlung von 33.184 Euro, was einer Rendite von 2,68 Prozent pro Jahr entspricht. Knapp dahinter liegen die HUK-Coburg und die PB Versicherung mit 2,54 Prozent und die Debeka mit 2,43 Prozent im Modellfall funf.
• Andererseits erwirtschaften 15 Tarifvarianten selbst bei den prognostizierten Werten von bis zu minus 1,90 Prozent – jedes Jahr. Angesichts des Zinstiefs muss das noch nicht einmal das negative Ende der Fahnenstange sein. So haben die VGH Versicherungen uns mitgeteilt, dass die Uberschusse fur 2011 leicht nach unten abweichen werden. Die VGH durften damit nicht alleine bleiben.

Interview: Sparen und Absicherung trennen

André Salau ist Versicherungsberater aus Hamburg.


ÖKO-TEST: Was halten Sie von Ausbildungsversicherungen?
André Salau: Eigentlich herzlich wenig. Ich empfehle diese Art der Absicherung nicht. Sie ist sehr teuer und meist nicht zielführend.

ÖKO-TEST: Was sind die Probleme?
Salau: Hinter der Ausbildungsversicherung verbirgt sich eine Kapitallebensversicherung, die zu einem festen Termin das Geld zahlt. Berechtigt kann dann beispielsweise der Enkel oder das Kind sein. Stirbt der Versicherte, läuft die Versicherung beitragsfrei weiter. Diese Risikokosten und die Kosten, die für Vermittlerprovisionen kalkuliert werden, machen diese Art der Anlage besonders teuer.

ÖKO-TEST: Was empfehlen Sie?
Salau: Man sollte die Risikoabsicherung und den Sparvorgang trennen. So kann man eine günstige Risikolebensversicherung kaufen und das restliche Geld beispielsweise in einen Banksparplan einzahlen. Das geht aber nur, wenn ein Elternteil abgesichert wird, für Oma und Opa ist auch eine Risikolebensversicherung viel zu teuer.

ÖKO-TEST: Wie schützt man den Zahler, das sind ja meist die Großeltern.
Salau: Dieses Risiko lässt sich eigentlich nicht sinnvoll absichern. Man muss hier die Familie intensiv beraten und vorrechnen, was eine Ausbildungsversicherung, bei der die Großeltern abgesichert sind, bringt. Sind die Großeltern noch fit, ist ein solcher Schutz gar nicht notwendig. Dann können sie vielleicht noch zehn Jahre oder länger in den Sparplan einzahlen und nach dem Tod kann das Kapital bis etwa zum Studium des Kindes ja noch angelegt werden.

ÖKO-TEST: Also ist es immer besser, die Eltern des Kindes abzusichern.
Salau: Ja. Die ernähren doch aktuell die Familie. Hier reichen einige 10.000 Euro Schutz, wie sie in der Regel über eine Ausbildungsversicherung erreicht werden, nicht aus. Die Familie muss ihren Lebensstandard absichern.

ÖKO-TEST: Gibt es für die Höhe eine Faustregel?
Salau: Als allgemeine Regel gilt eine Absicherung des fünffachen Bruttojahreseinkommens als ideal. Im Einzelfall hängt die Höhe aber immer von den Umständen des einzelnen Haushalts ab, also welcher Lebensstandard gehalten werden muss, wer arbeiten kann und wie viele Kinder wie lange versorgt werden müssen.