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TEST Auszahlpläne Mehr Geld im Alter


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 12/2011 vom 25.11.2011

Viele Bundesbürger verfügen über Erspartes oder haben eine Lebensversicherung, die bald fällig wird. Mit Auszahlplänen können sie dieses Kapital bequem und sicher in eine Zusatzrente umwandeln.


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So viel ist sicher: Die gesetzliche Rente reicht im Alter nicht aus. Durchschnittlich 985 Euro im Monat erhält derzeit ein männlicher Rentner aus den alten Bundesländern. Rentnerinnen müssen sich sogar mit nur 490 Euro begnügen.

Dennoch müssen die Ruheständler von heute den Gürtel keinesfalls immer enger schnallen. Viele Bundesbürger verfügen zu Beginn des Ruhestands über einen größeren ...

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... Betrag, aus dem sie ein Zusatzeinkommen beziehen können. Häufig stammt das Geld aus einer Lebensversicherung, manchmal aus einem Erbe oder dem Verkauf des eigenen Betriebs oder einer Eigentumswohnung.

Die Versicherungsbranche bietet Ruheständlern in spe in solchen Fällen gerne eine private Rentenversicherung gegen Einmalbeitrag mit Sofortauszahlung an. Das Problem: Die anfänglichen Renten aus den Versicherungspolicen sind meist mager und werden erst im Lauf der Jahre durch die Überschüsse peu à peu erhöht. Das entspricht aber nicht dem Bedarf. Viele Rentner und Pensionäre wollen zu Beginn des Ruhestands lieber mehr Geld in der Haushaltskasse haben als später. Denn während des Erwerbslebens werden viele Konsum- und Freizeitwünsche, wie Reisen und Hobbys, aus Zeitmangel auf das Rentenalter verschoben. Das alles können sie aber nur nachholen, solange sie noch aktiv und gesund sind. Kurz: Sie benötigen zu Beginn des Ruhestands mehr Geld als später. Im hohen Alter würde ihnen dagegen oft eine niedrigere Rente genügen, die muss nur – unabhängig vom erreichten Alter – absolut sicher sein.

Andere benötigen das Geld aus der Lebensversicherung oder dem Erbe nicht für den Ruhestand, sondern für die Zeit davor. Sie wollen einnahmeschwache Phasen bis zum Rentenbeginn überbrücken oder finanzielle Engpässe wegen Altersteilzeit für ein paar Jahre ausgleichen. Wieder andere benötigen das Geld gar nicht für sich selbst, sondern für ihre Kinder oder Enkel. Sie suchen nach einer Anlage, um deren Studium oder Ausbildung mit einem festen Monatsbeitrag zu finanzieren. Für all diese Fälle sind sogenannte Bankentnahmeoder Auszahlpläne ideal. Denn mit Auszahlplänen können sich Anleger ihr verzinstes Kapital in festen Monatsraten überweisen las- sen. Wie lange das Geld reichen soll bzw. wie hoch der monatliche Entnahmebetrag sein soll, können sie dabei frei entscheiden.

ÖKO-TEST rät

•Die Wahl des richtigen Auszahlplans hängt von den persönlichen Anlagezielen ab. Prüfen Sie daher erst, ob Sie die Zusatzrente nur zeitlich begrenzt oder dauerhaft benötigen.

•Wollen Sie mit der Zusatzrente Ihr Alterseinkommen aufbessern, darf die Laufzeit nicht zu knapp bemessen sein. Anleger ab 60 sollten 30 Jahre Laufzeit einkalkulieren, Anleger ab 65 mindestens 20 bis 25 Jahre.

•Achten Sie – unabhängig von der Laufzeit – immer auf das Kleingedruckte, vor allem auf die Kündigungsfristen.

Die meisten Auszahlpläne gibt es in zwei Varianten: Kunden haben die Wahl zwischen einem Auszahlplan mit und einem ohne Kapitalverzehr. Beim Plan mit Kapitalverzehr wird mit jeder Monatsrate auch ein Teil vom angesparten Kapital ausgezahlt – und zwar so lange, bis das eingezahlte Geld aufgebraucht ist. Deshalb hängt die Höhe des monatlichen Entnahmebetrags von der Anlagesumme, der gewählten Anlagedauer und den Zinskonditionen des Anbieters ab.

Bei Plänen ohne Kapitalverzehr werden dagegen nur die jährlichen Zinserträge ausgezahlt, und zwar wahlweise in monatlichen, vierteljährlichen oder jährlichen Raten. Das Kapital bleibt dagegen ungeschmälert erhalten und kann später sogar vererbt werden. Deshalb werden Auszahlpläne ohne Kapitalverzehr auch gerne als „ewige Rente“ bezeichnet, von der im Prinzip später auch noch die eigenen Enkel profitieren. Neuerdings gibt es auch Anbieter, die einen Mittelweg zwischen beiden Auszahlvarianten bieten. Sie offerieren Auszahlpläne mit Teilkapitalverzehr.

Dann werden Monat für Monat nicht nur die Zinsen, sondern auch ein kleiner Teilbetrag vom angesparten Kapital ausgezahlt. Der ist so kalkuliert, dass am Ende der gewählten Laufzeit wenigstens die Hälfte vom Kapital noch übrig bleibt. Fix und fertige Auszahlpläne mit Teilkapitalverzehr sind am Markt allerdings noch eine Rarität. In unserem Test boten lediglich die Kreissparkasse Köln, die PSD-Bank Berlin-Brandenburg und die Taunus Sparkasse diese Auszahlplanvariante an. Bei einigen Banken, wie der KD-Bank für Kirche und Diakonie, der Nassauischen Sparkasse, der PSD-Bank Hannover, der Sparda-Bank Hessen und der Sparkasse Kraichgau können Anleger sich dieses Modell unter Umständen auch selbst basteln, weil sie die Höhe des monatlichen Entnahmebetrags frei festlegen können. Ansonsten hilft nur ein Trick: Den Anlagebetrag einfach je zur Hälfte auf einen Plan mit und einen ohne Kapitalverzehr aufteilen. Dann kommt das Geld zwar in zwei Monatsraten. Der Effekt ist jedoch derselbe wie beim Modell von der Stange: Am Ende der Laufzeit sind 50 Prozent vom Kapital noch erhalten und kann – bei Bedarf – neu verrentet werden.

ÖKO-TEST hat den Markt für Auszahlpläne jetzt unter die Lupe genommen und 159 Offerten von 32 Anbietern untersucht, darunter überwiegend Sparkassen und Banken, aber auch Bausparkassen und Versicherer.

Drei der 18 untersuchten Modellfälle finden Sie in diesem Heft. Zum Ersten haben wir unterstellt, dass Anleger, die ihr Alterseinkommen mit einer privaten Zusatzrente aufbessern wollen, 100.000 Euro investieren. Dazu passt ein Auszahlplan mit Kapitalverzehr und 25 Jahren Laufzeit. Die zweite Offerte ist eine ewige Rente, wobei die Tabelle hier nur Angebote mit zehn Jahren Laufzeit und Zinsbindung enthält. Wer nur eine zeitlich begrenzte Rente benötigt oder den Kindern bzw. Enkeln ein Studium finanzieren will, findet hier die Angebote für eine Anlagesumme von 50.000 Euro und fünf Jahren Laufzeit.

Das Testergebnis


■ Die Konditionen lang laufender Auszahlpläne mit Kapitalverzehr sind vergleichsweise gut. Für Mindestanlagen von im Schnitt 5.000 bis 15.000 Euro gibt es bei 25 Jahren Laufzeit zwischen 2,4 bis 4,1 Prozent Zinsen, wobei die besten Zinsen derzeit die Debeka zahlt. Hier könnte unser Musterkunde rund 527 Euro monatliche Auszahlung erhalten. Wer mehr als 25.000 Euro mitbringt, kann bei der Bausparkasse Mainz mit 4,5 Prozent Zinsen aber noch mehr kassieren. Das sind angesichts der aktuellen Niedrigzinsphase recht attraktive Konditionen, die unserem Musterkunden eine feste Monatsrente von rund 548 Euro bringen, die 25 Jahre lang zuverlässig fließt.
■ Nach Steuern fällt die Auszahlung zwar in beiden Fällen etwas geringer aus. Denn die Zinserträge von Auszahlplänen unterliegen der Abgeltungssteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag. Allerdings ist die Steuerbelastung nur in den ersten Laufzeitjahren hoch, weil dann noch viel Geld im Auszahlplan liegt und relativ hohe Zinserträge anfallen. Da der Zins anteil am monatlichen Entnahmebetrag im Lauf der Jahre jedoch sinkt und stattdessen immer mehr vom Kapital zurückgezahlt wird, sind auch von Jahr zu Jahr weniger Steuern fällig. Darüber hinaus gilt: Wer als Rentner kein weiteres Vermögen und kein hohes Einkommen hat, kann sich die gezahlte Abgeltungssteuer ganz oder teilweise über die Einkommensteuererklärung zurückholen oder sich von vornherein eine Nichtveranlagungsbescheinigung vom Finanzamt ausstellen lassen. Dann zahlt die Bank den Monatsbetrag ohne Abzug aus.
■ Unterm Strich versprechen die meisten derzeit angebotenen lang laufenden Auszahlpläne mit Kapitalverzehr daher ein gutes Geschäft. Trotzdem sollten sich Ruheständler fragen, ob sie sich im aktuellen Zinstief wirklich über 25 Jahre und mehr binden wollen. Denn wenn die Zinsen am Kapitalmarkt in ein paar Jahren wieder steigen, gibt es für neue Auszahlpläne mit Sicherheit auch höhere Konditionen. Das Problem: Einmal abgeschlossen kommen Anleger aus ihrem Altvertrag dann nicht mehr raus. Denn alle Auszahlpläne können nur in Ausnahmefällen vorzeitig gekündigt werden. Insofern sollte die Laufzeit des Sparplans sorgfältig gewählt werden.
■ Die aktuellen Angebote mit langer Laufzeit und festem Zins lohnen sich nur für Vorsorgesparer, die Sicherheit und Bequemlichkeit schätzen, sich nach Vertragsabschluss um nichts mehr kümmern, aber genau wissen wollen, mit welcher Zusatzrente sie während der Vertragslaufzeit rechnen können. Wer den Mut hat, auf steigende Zinsen zu spekulieren, könnte alternativ auch mehrere Sparpläne mit Teilkapitalverzehr nacheinanderschalten. Dann ist in späteren Jahren womöglich etwas mehr Zusatzrente als heute drin. Dieses Modell gibt es aber nicht von der Stange. Es eignet sich daher nur für Anleger, die bereit sind, sich ihre optimale Zusatzrente mit etwas Zeit und Mühe selbst zusammenzustellen.
■ Ohnehin gilt: Im Unterschied zur lebenslangen Rente vom Versicherer muss der Kunde beim Auszahlplan selbst festlegen, wie lang das Geld reichen soll. Auszahlpläne sind daher nicht ganz so bequem wie die klassische Leibrente, bei der der Versicherer diese Kalkulation übernimmt. Dafür kann die selbst gebastelte Monatsrente im Gegenzug ganz indi- viduell auf die persönlichen Bedürfnisse maßgeschneidert werden. Außerdem bringt sie oft mehr Ertrag.


Für 100.000 Euro gibt es bis zu 548 Euro Monatsrente – 25 Jahre lang


Auszahlplan oder Sofortrente?

Auszahlpläne sind das Konkurrenzprodukt zur Sofortrente gegen Einmalbeitrag vom Versicherer. Beide Produktvarianten haben ihre Vor- und Nachteile. Bei der Sofortrente muss sich der Anleger keine Gedanken machen, wie alt er wird. Das Langlebigkeitsrisiko trägt der Versicherer. Allerdings zu einem hohen Preis, wie ÖKO-TEST bei seinen Tests immer wieder feststellte. Denn die Versicherer haben einen extrem hohen Sicherheitspuffer für die Übernahme des Langlebigkeitsrisikos in ihren Tarifen einkalkuliert. Den muss der Anleger mitfinanzieren – entsprechend mager fällt die lebenslange Rente aus. Dafür ist die Sofortrente steuerlich womöglich sogar attraktiver als der Auszahlplan. Dessen Zinserträge unterliegen der Abgeltungssteuer. Bei der Sofortrente zählt dagegen nur der so genannte Ertragsanteil der Monatsrente zum steuerpflichtigen Einkommen und muss mit dem persönlichen Steuersatz versteuert werden. Wie hoch der Anteil ist, hängt vom Lebensalter bei Rentenbeginn ab. In unserem Musterfall ist der Anleger 65, daher sind lediglich 18 Prozent der Monatsrente zu versteuern.

Beim Auszahlplan muss der Anleger selbst abschätzen, wie lange der Vertrag laufen soll, damit er nicht irgendwann ohne Zusatzrente dasteht. Als Faustregel gilt: Der 65-Jährige sollte mindestens einen Auszahlplan mit 20 Jahren Laufzeit abschließen, wählt er die 25-jährige Laufzeit, kalkuliert er sogar wie das Gros der Versicherer. Bei 30 Jahren Laufzeit dürfte er auf der ganz sicheren Seite sein – solang er nicht Johannes Heesters heißt.

Bleibt die Frage, welches Produkt dem 65-Jährigen die höhere Rente bringt. ÖKO-TEST hat einmal nachgerechnet und den Bankauszahlplan der Bausparkasse Mainz jeweils einer Sofortrente von einem preisgünstigen und einem teuren Versicherer gegenübergestellt – und dabei sogar die steuerliche Belastung berücksichtigt.Das Ergebnis

Die Garantierente vom Versicherer ist vergleichsweise gut. Sie liegt mit 407,50 Euro bei einem preisgünstigen Versicherer und 365 Euro bei einem teuren Versicherer höher als der Betrag, den der Anleger bei unverzinster Verrentung seines Anlagebetrags erzielen könnte. Beim Auszahlplan ist dem Anleger aber dank festem Zinssatz auch der Zinsertrag sicher. Unterm Strich bringt er daher auch nach Steuern eindeutig mehr Ertrag als die Rente – zumindest bei einer Anlage für 20 oder 25 Jahre. Denn hier zahlt die Bausparkasse dem Anleger mit rund 574 Euro (Vertrag mit 20 Jahren Laufzeit) bzw. 503 Euro (Vertrag mit 25 Jahren Laufzeit) eindeutig die höhere Nettorente.
■ Wird der Anleger tatsächlich 95, stellt ihm der Topversicherer netto mit 524 Euro zwar inklusive Überschuss mehr Rente in Aussicht als die Bausparkasse, die netto nur 461,22 Euro pro Monat zahlt. Allerdings darf man nicht vergessen, dass der 65-jährige mit der Rente aus dem Auszahlplan dank Festzins verlässlich kalkulieren kann. Die Überschussrente vom Versicherer ist dagegen das Ergebnis einer unverbindlichen Hochrechnung möglicher Erträge. Sie kann auch niedriger ausfallen als prognostiziert – eine bittere Erfahrung, die viele Versicherungskunden in den letzten zehn Jahren machen mussten.
■ Unterm Strich bringt der Auszahlplan daher mehr Ertrag. Das gilt jedenfalls für Durchschnittsbürger, die keine Methusalems in der Familie haben und daher nur von einer durchschnittlichen Lebenserwartung ausgehen.

Beim Auszahlplan können Ruheständler die Monatsrate ganz auf den persönlichen Bedarf maßschneidern.


Foto: Peter Atkins/Fotolia.com

■ Mit 100.000 Euro Anlagebetrag lässt sich aber auch eine ganz bequeme Zusatzrente erzielen, die ewig läuft. Solche Auszahlpläne ohne Kapitalverzehr bieten immerhin 23 der untersuchten Anbieter an. Der Clou dabei: Einige Banken bieten sogar einen Tick mehr Zinsen, wenn der Anleger sein Kapital nicht antastet, sondern sich nur den Zinsertrag als Monatsrente auszahlen lässt. Die Alte Leipziger Bausparkasse bietet zum Beispiel 0,3 Prozentpunkte Zinszuschlag für Anleger, die nur von den Zinsen leben. Damit rutscht die Bausparkasse automatisch auf das Siegertreppchen bei den Auszahlplänen ohne Kapitalverzehr. Der zweite Testsieger, die Sparda Bank Hessen, macht dagegen keinen Zinsunterschied zwischen Plänen mit und ohne Kapitalverzehr. Trotzdem können Anleger bei ihr – ebenso wie bei der Alten Leipziger – für einen Vertrag mit zehn Jahren Laufzeit rund 3,6 Prozent Zinsen und damit immerhin rund 295 Euro Monatsrente allein aus Zinsertrag kassieren. Damit lässt sich schon einiges anfangen, vor allem wenn die Grundbedürfnisse im Alter durch Rente oder Pension abgedeckt sind. fiNach Ablauf der vereinbarten Anlagedauer müssen die Zinsen allerdings neu ausgehandelt werden. Das bedeutet: Steigen die Zinsen am Kapitalmarkt, gibt es für den Folgevertrag eventuell bessere Konditionen. Umgekehrt können die Anschlusskonditionen aber mickriger ausfallen, falls die Niedrigzinsphase andauert. Angst davor, dass die Zusatzrente nicht ausreicht, müssen Vorsorgesparer, die mit der „ewigen Rente“ auskommen, trotzdem nicht haben. Notfalls steigen sie dann in zehn Jahren eben auf einen Auszahlplan mit Kapitalverzehr um.
■ Wer das Geld nur für einen begrenzten Zeitraum benötigt, ist derzeit dagegen mit fünfjährigen Auszahlplänen mit Kapitalverzehr gut bedient. Bei 50.000 Euro Anlagesumme lässt sich hier ein Zusatzeinkommen von immerhin rund 875 bis 898 Euro vor Steuern pro Monat generieren. Selbst die Abgeltungssteuer fällt nicht allzu stark ins Gewicht. Bei unserem Testsieger in diesem Modellfall, der Aachener Bausparkasse, die für ihren Vertrag mit 25.000 Mindestanlage immerhin drei Prozent Zinsen zahlt, müsste ein gut verdienender Single zum Beispiel nur rund sechs Euro Abgeltungssteuer im Monat zahlen. Einem Ehepaar, das seinen Sparerpauschbetrag noch nicht ausgeschöpft hat, zieht die Bank sogar nur etwas mehr als zwei Euro vom Bruttoauszahlungsbetrag in Höhe von 898 Euro ab. Kurz: Auch netto winkt hier ein attraktives Zusatzeinkommen, um zum Beispiel eine einkommensschwache Vorruhestandsphase zu überbrücken.

■ Soll mit dem Einkommen aus dem Auszahlplan das Studium finanziert werden, dürfte die Monatsrente ohnehin meist steuerfrei fließen. Das gilt jedenfalls, wenn der Student kein weiteres Einkommen oder höchstens einen Minijob hat und der Sparplan gleich von Anfang an auf seinen Namen abgeschlossen wird.
■ Bei Bedarf lässt sich eine solche „Zeitrente“ natürlich auch für eine längere Laufzeit vereinbaren. Dafür gibt es sogar höhere Zinsen. Bei Plänen mit Kapitalverzehr und zehn Jahren Laufzeit sind zum Beispiel je nach Anbieter bis zu 3,5 Prozent Zinsen drin. Weil das Geld für eine längere Auszahlphase reichen muss, macht sich der Zinszuschlag in der Haushaltskasse aber kaum bemerkbar. Denn unterm Strich sinkt der Auszahlbetrag je länger das Geld reichen soll. Bei 50.000 Euro Kapitaleinzahlung und zehn Jahren Auszahldauer sind zum Beispiel nur noch 450 bis 493 Euro pro Monat drin.
■ Allein die zahlreichen Varianten zeigen: Vorsorgesparer haben bei Auszahlplänen die freie Wahl. Sie können ihre private Zusatzrente sowohl im Hinblick auf die Laufzeit als auch im Hinblick auf die Höhe des Entnahmebetrags so gestalten, wie es für ihren persönlichen Bedarf am besten passt. Ein weiterer Pluspunkt gilt für Ehepaare: Der Partner ist beim Auszahlplan automatisch mit abgesichert
■ ohne dass für diese „Todesfallleistung“ Zusatzkosten anfallen wie bei Versicherungen. Denn der Sparplan läuft im Ernstfall einfach weiter – bis zum Ende der vereinbarten Anlagedauer.
■ Ansonsten gilt: Auszahlpläne sind sicher und bequem, aber vergleichsweise unflexibel. Einmal abgeschlossen können Anleger die Konditionen des Vertrags meist kaum noch ändern. Lediglich drei der untersuchten 32 Anbieter zum Beispiel bieten Auszahlpläne mit vorzeitiger Kündigungsmöglichkeit an und ganze zwei Anbieter räumen ihrem Kunden die Chance ein, den vereinbarten monatlichen Entnahmebetrag noch während der Laufzeit zu ändern. Vereinzelt gibt es Ausnahmeregelungen für Notfälle, beispielsweise bei einer akuten finanziellen Notlage oder wenn der Sparer später womöglich pflegebedürftig wird.
■ Für solche Notlagen können Anleger aber auch selbst vorsorgen, indem sie den Anlagebetrag splitten. Dann wird nur ein Teil des Kapitals in einen lang laufenden Auszahlplan gesteckt, wobei der monatliche Entnahmebetrag zusammen mit dem restlichen Alterseinkommen ausreichen sollte, um zumindest die notwendigen Ausgaben zu decken. Der Rest wird in einen kurz laufenden Vertrag mit Teilkapitalverzehr oder ohne Kapitalverzehr gesteckt. Daraus können dann die gewünschten Annehmlichkeiten finanziert werden. Barbara Sternberger-Frey


Der einzige Haken: Vorzeitig kündbar sind die Verträge selten bis nie

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Die restlichen 15 Modellfälle können Abonnenten kostenlos unter http:// abo.oekotest.de abrufen.

Darauf müssen Sie achten

Die Zinsen: Bei den meisten Bankauszahlplänen ist der Zins für die Dauer der vereinbarten Laufzeit fest garantiert. Anleger wissen daher genau, mit welchem Betrag sie monatlich rechnen können. Einige wenige Anbieter bieten aber auch Auszahlpläne mit Kapitalverzehr auf Basis variabler Zinsen an. Bei einer extremen Niedrigzinsphase laufen Anleger hier Gefahr, dass die Monatsraten sinken. Darüber hinaus haben längst nicht alle Anbieter den Zinssatz ihres Auszahlplans fest an einen Referenzzins gebunden. Das gilt vor allem für Versicherer, wie die Hannoversche, die neuerdings ebenfalls mit Auszahlplänen um die Kunden fälliger Lebensversicherungen konkurrieren. Deshalb gilt: Angebote mit hohem Festzins bevorzugen.

Die Laufzeit: Grundsätzlich gilt: Die Wahl der passenden Laufzeit hängt vom Anlageziel ab. Wer nur einige einkommensschwache Jahre überbrücken oder ein Studium finanzieren will, kann meist gut abschätzen, für wie viel Jahre das Geld reichen soll. Kniffeliger wird es für alle, die sich eine Zusatzrente sichern wollen. Denn anders als beim Konkurrenzprodukt vom Versicherer – der Leibrente – muss der Ruheständler beim Auszahlplan selbst entscheiden, wie lange das Geld reichen soll. Kalkuliert er zu knapp, steht er im hohen Alter womöglich ohne Zusatzeinkommen da. Wählt er die „ewige Rente“ und schließt einen Auszahlplan ohne Kapitalverzehr ab, fällt die Monatsrente unter Umständen zu niedrig aus. Deshalb gilt als Faustregel: 20 bis 30 Jahre Laufzeit sollten für die Rente schon einkalkuliert werden. Das gilt zumindest für Ruheständler, die den Vertrag mit 60 oder 65 Jahren abschließen. Pfiffige Senioren können sich aber auch ihre eigene „Leibrente“ basteln, indem sie das Kapital auf zwei Verträge – einen mit und einen ohne Kapitalverzehr – verteilen. Dann können sie später immer noch entscheiden, ob das bislang unverzehrte Kapital irgendwann zur Finanzierung des Lebensunterhalts angebrochen werden soll.

Die Vertragsbedingungen: Die meisten Sparpläne sind vor Ablauf der vereinbarten Anlagedauer nicht kündbar. Bisweilen gibt es jedoch Sonderregelungen, zum Beispiel für Notlagen oder falls der Sparer verstirbt. Auch die Kündigungsfristen variieren stark. Deshalb sollten Anleger vor Vertragsabschluss immer erst einen Blick ins Kleingedruckte werfen und prüfen, ob der Vertrag auch zu ihren Wünschen passt.Die Sicherheit: Auszahlpläne von Banken und Sparkassen sowie von Bausparkassen sind – wie alle Sparanlagen – durch die jeweilige Einlagensicherung des Instituts geschützt.

Die gesetzliche Mindestsicherung beträgt 100.000 Euro. Bei fast allen untersuchten Offerten sind jedoch weit höhere Beträge sicher, weil die Anbieter zugleich Mitglied in der Sicherungseinrichtung ihrer jeweiligen Institutsgruppe sind. Die sichert bei den Bausparkassen zum Beispiel Beträge bis zu 250.000 Euro pro Anleger ab. Bei Genossenschaftsbanken und Sparkassen sind sogar Beträge in unbegrenzter Höhe geschützt, weil für diese Geldhäuser nach wie vor die Institutssicherung gilt. Bei Versicherungen sichert im Notfall der gesetzliche Sicherungsfonds Protector die Einlagen ab. Das gilt aber nur in Höhe der garantierten Auszahlleistung.

Die Steuern: Die Zinserträge aus Auszahlplänen unterliegen der Abgeltungssteuer, sofern der Sparerpauschbetrag von 801 Euro (Single) bzw. 1.602 Euro (Ehepaar) beim jeweiligen Anleger bereits ausgeschöpft ist. Das bedeutet: Sofern kein Freistellungsauftrag vorliegt, zieht die Bank automatisch 25 Prozent Abschlagssteuer plus Solidaritätszuschlag und ggf. auch Kirchensteuer auf den ausgeschütteten Zinsertrag bei der Auszahlung ab. Liegt der persönliche Steuersatz unter der Abgeltungssteuer, können Anleger die zu viel gezahlte Steuer über die Einkommensteuererklärung wieder zurückholen.

Vererbbarkeit: Noch nicht verbrauchtes Kapital aus dem Auszahlplan geht im Todesfall an die Erben. Anders als beim Konkurrenzprodukt, der Rentenversicherung, muss daher kein teurer Todesfallschutz vereinbart werden, um Hinterbliebene abzusichern. Die vereinbarte Monatsrate steht der Witwe oder dem Witwer im Ernstfall weiterhin in ungeschmälerter Höhe zu – und zwar bis zum Ende der vereinbarten Laufzeit. Nur die Abgeltungssteuer fällt – durch die Halbierung des Sparerfreibetrags – unter Umständen einen Tick höher aus. Der Auszahlplan kann aber auch an jede andere Person vererbt werden. Unverheiratete Paare können sich mit einem entsprechenden Testament daher auch gegenseitig absichern.

Liquidität: Da Auszahlpläne vor Ablauf der Anlagedauer nicht kündbar sind, sollte niemals das gesamte liquide Vermögen hier investiert werden. Vor allem Ruheständler sollten darauf achten, dass sie noch eine liquide Rücklage von mehreren Monatsbeträgen für plötzlichen Finanzbedarf frei verfügbar auf der hohen Kante haben. Ideal für solche Rücklagen sind zum Beispiel Tagesgeldkonten, bei denen die Anleger jederzeit ohne Kündigungsfrist über das Geld verfügen können.