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TEST: AV-RECEIVER: Klangkunst auf höchstem Niveau


video - epaper ⋅ Ausgabe 8/2019 vom 05.07.2019

Lexicon reduziert den AV-Receiver auf das Wesentliche: die Klangqualität. Mit leistungsstarken Class-G-Endstufen liefert der RV-9 nicht nur bombastischen Kinosound, sondern haucht mit dem legendären Upmix-Algorithmus Logic7 auch älteren Aufnahmen neues Leben ein.


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Bildquelle: video, Ausgabe 8/2019

Eine Zeit lang war es ziemlich still geworden um Lexicon. Die amerikanische Firma zählt zu den Pionieren der digitalen Audiotechnik und machte sich in den Achtzigerjahren vor allem im Studiobereich einen Namen mit ihren digitalen Effektprozessoren. Sie gehörten seinerzeit zum Besten, was der Markt in diesem Bereich zu bieten hatte, und genießen ...

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... heutzutage immer noch Kultstatus. Anfang der Neunziger wurde der Digitalspezialist von Harman übernommen und erweiterte sein Betätigungsfeld in den Heimkinobereich. Dort war es dann der hauseigene Upmix-Algorithmus Logic7, der für Furore sorgte und nicht nur den hochwertigen Surround-Decodern von Lexicon, sondern auch den AV-Receivern von Harman/Kardon zu einer legendären Klangqualität verhalf. Aus dem AVBereich hat sich Harman/Kardon allerdings weitgehend zurückgezogen und in den letzten Jahren vor allem das Automotive-Geschäft forciert, wo Logic7 immer noch als wichtiges Markenzeichen gilt. Auch Lexicon war im AV-Bereich fast komplett von der Bildfläche verschwunden, aber jetzt warten die Amerikaner, die zusammen mit den Edelmarken Revel und Mark Levinson sowie Arcam und JBL Synthesis Harmans Luxussparte bilden, mit einem Paukenschlag auf.

Die neue Einfachheit

RV-9 heißt Lexicons neues Receiver-Flaggschiff, das auf der CEDIA 2017 in San Diego debütierte und seit Kur- zem auch in Deutschland erhältlich ist. Das Gerät konzentriert sich auf das Wesentliche und bietet kompromisslose Audio- und Videoqualität ohne unnötige Spielereien. Entsprechend schlicht ist auch die äußere Erscheinung gehalten. Auf der massiven, schwarz eloxierten Aluminiumfrontplatte informiert eine einfache, 32-stellige Matrixanzeige über den Betriebszustand des Systems, daneben befinden sich ein unauffälliger Lautstärkeregler und zwei kleine Taster, mit denen man die Eingänge durchschalten kann. Im rechten Teil bieten weitere acht Taster Zugriff auf die wichtigsten Funktionen, ansonsten gibt es nur noch einen Hauptschalter und zwei kleine Klinkenbuchsen für einen Kopfhörer und einen analogen Zuspieler. Dass der Kopfhörerausgang nur als 3,5-mm-Buchse ausgeführt wurde, ist zwar unpraktisch, da viele adäquate HiFi-Modelle die größeren 6,3-mm-Klinkenstecker besitzen, kommt aber der Optik zugute und lässt sich daher verschmerzen. Von vorne wirkt der RV-9 also sehr aufgeräumt, mit den wenigen Knöpfen ist er direkt am Gerät allerdings nur umständlich zu bedienen. Umso besser lässt er sich aber mit der beleuchteten Universalfernbedienung steuern, die nicht nur den Receiver, sondern dank Code-Lernfunktion auch den gesamten restlichen AV-Fuhrpark unter Kontrolle hält. Alternativ kann man auch auf die Lexicon Control App zurückgreifen, mit der sich der Receiver per Smartphone oder Tablet steuern lässt.

Anschlussseitig ist der RV-9 klar strukturiert: Per HDMI akzeptiert er Videosignale von bis zu sieben Quellen. Ausgeben kann er sieben verstärkte und elf unverstärkte Audiokanäle plus zweimal Subwoofer.


Die Rückseite des Geräts ist ebenfalls frei von jeglichem Ballast. In Sachen Video akzeptiert der RV-9 Signale nur per HDMI, wobei er sämtliche aktuell relevanten Standards unterstützt und damit sowohl UHD-tauglich als auch Dolby Vision kompatibel ist. Für reine Audiosignale stehen die üblichen analogen Stereo-Cincheingänge sowie mehrere Digitaleingänge zur Verfügung. Auf exotischere Anschlüsse oder weiteren Zierrat wie Bluetooth, WLAN und umfassende Streamingfunktionen hat Lexicon hingegen bewusst verzichtet. Lediglich eine USB-Buchse und ein LANAnschluss sind noch vorhanden. Dadurch beherrscht der Receiver zwar grundsätzlich auch rudimentäres Streaming und unterstützt sogar Spotify Connect, die Netzwerkanbindung ist aber vor allem für die Appsteuerung und die integrierte Raumeinmessung vorgesehen. Den klassischen Radioempfang wollten die Amerikaner jedoch nicht streichen und spendierten dem RV-9 noch einen kombinierten UKW/DAB-Tuner.

Die verflixte Sieben

Bei der Auslegung des Verstärkerteils spiegelt sich Lexicons Vorliebe für die Zahl Sieben wider. Prinzipiell verarbeitet der Receiver auch im Audiobereich alle aktuell relevanten Formate von Dolby und DTS, einschließlich Dolby Atmos, DTS:X und den von DTS und IMAX gemeinsam propagierten Standard IMAX Enhanced. Zahlreiche Dekodier- und Upmix-Algorithmen versetzen ihn in die Lage, aus zugespielten Audioinformationen bis zu 11 separate Hauptkanäle plus einen Tieftoneffektkanal zu generieren. Allerdings verfügt der RV-9 nur über sieben verstärkte Ausgänge, sodass er auch nur sieben Lautsprecher direkt antreiben kann. Hier manifestieren sich Lexicons Logic7-Gene, die der RV-9 ebenfalls in sich trägt und die das bevorzugte Upmix-Verfahren der Amerikananer für Stereosignale darstellen.

Von diesen sieben Verstärkerkanälen sind fünf für eine übliche 5.1-Surround-Aufstellung mit Center, sowie je zwei Front- und zwei Rücklautsprechern vorgesehen. Die beiden übrigen Kanäle lassen sich flexibel konfigurieren und können entweder als zusätzliche Rück- oder Höhenkanäle dienen oder für die Stereobeschallung einer zweiten Zone eingesetzt werden. So lassen sich mit dem RV-9 wahlweise ein 7.1-, ein 5.1.2- oder ein 5.1 plus ein 2.0-Setup ansteuern. Wer will, kann die beiden Kanäle bei einer Fünfkanal-Aufstellung auch für Bi-Amping, also die doppelte Ansteuerung der Frontkanäle nutzen, sofern die Lautsprecher dafür geeignet sind. Das kann der Klangqualität manchmal noch einen letzten Feinschliff geben.

Mit Lexicons Universalfernbedienung kann man nicht nur den Receiver, sondern bis zu acht weitere Geräte fernsteuern. Sie ist übersichtlich gegliedert, liegt gut in der Hand und lässt sich dank einer Hintergrundbeleuchtung auch im Dunkeln einwandfrei ablesen.

Die Maßnahme lohnt sich allerdings nur, wenn man hauptsächlich Stereo und 5.1 hört. Ansonsten sollte man die zusätzlichen Kanäle dafür besser nicht opfern.

Das volle Kanalpotenzial des Receivers lässt sich nur mithilfe des Vorverstärkerausgangs ausreizen. So kann man mit ihm auch eine Dolby Atmosoder DTS:X-taugliche 7.1.4-Anordnung betreiben, wobei man für die Höhenlautsprecher vier zusätzliche Verstärkerkanäle bereitstellen muss. Mit der flexiblen Konfiguration bietet Lexicon einen interessanten Kompromiss für alle, die auf Dauer zwar keine elf vollverstärkten Lautsprecher betreiben, sich aber dennoch alle Optionen für komplexere 3D-Setups offen halten wollen.

Klasse-G-Effizienz

Seine wahre Klasse spielt Lexicons neues Flaggschiff jedoch nicht in puncto Ausstattung, sondern vor allem bei der Klangqualität aus. Die Digital-Analog-Wandlung übernimmt mit dem CS42528 ein bewährter 8-Kanal-DAC von Cirrus Logic, der zwar schon einige Jahre auf dem Buckel hat, aber immer noch höchste audiophile Ansprüche erfüllt und Datenraten bis 24 bit/192 kHz verarbeiten kann. Bei den Endstufen kommt dann das komplexe Class-GPrinzip zum Zug. Dabei werden mehrere Versorgungsschienen eingesetzt, die je nach Bedarf zugeschaltet werden. Nur wenn Spitzenpegel gefordert sind, greift der Verstärker auf das maximale Spannungslevel zurück. Ansonsten begnügt er sich mit einer geringeren Betriebsspannnug, arbeitet dann aber im puren Class-A-Betrieb, der sich durch sein besonders lineares Verhalten auszeichnet und deshalb äußerst verzerrungsarm ist. Wegen der niedrigeren Spannung ist der Ruhestrom bei einem Class-G-Verstärker im Normalbetrieb aber deutlich kleiner als im reinen Class-A-Betrieb mit maximaler Spannungsversorgung, sodass die Endstufen klanglich ähnlich sauber, aber wesentlich effizienter sind. Dennoch wird der AV-Receiver im Betrieb ordentlich warm und sollte deshalb nicht in ein Rack verstaut, sondern mit entsprechend viel Freiraum aufgestellt werden.

Frei aufgestellt fühlt sich der RV-9 am wohlsten. Trotz der effizienten Class-GEndstufen wird er im Betrieb nämlich relativ warm.


1Das On-Screen-Menu wirkt zwar sehr schlicht, erlaubt aber aber einen schnellen und übersichtlichen Zugriff auf alle Konfigurationseinstellungen.


2Der AV-Receiver lässt sich auch mit der Lexicon Control App fernsteuern, die für Android und iOS verfügbar ist. Wie das Gerät selbst ist auch die App sehr klar und übersichtlich.


3Auf dem Hauptbildschirm sind nur elementare Funktionen wie die Eingangswahl zugänglich.


Äußerst anpassungfähig

Standesgemäß verfügt der RV-9 auch über eine Einmessfunktion, die bis zu einem gewissen Grad eine ungenaue Lautsprecheranordnung korrigieren oder raumakustische Effekte kompensieren kann. Lexicon setzt dabei ebenfalls auf eine etwas umständlichere, dafür aber anspruchsvollere Lösung und kooperiert dazu mit den schwedischen Akustikspezialisten von Dirac Research. Ein USB-Mikrofon wird mit dem AV-Receiver mitgeliefert, für die Steuerung der Messungen und die aufwendige Berechnung der Korrekturwerte benötigt man jedoch zusätzlich noch einen Computer und die zugehörige Software Dirac Live, die man entweder bei Lexicon oder auch direkt bei Dirac herunterladen kann. Die Software führt dann weitgehend selbsterklärend durch die relativ auf wendige Messprozedur, am Ende werden die Daten dann über die Netzwerkverbindung an den Receiver übertragen. Dort kann die Raumkorrektur für jeden Kanal einzeln aktiviert oder deaktiviert werden. Wunder kann so eine Einmessfunktion zwar nicht bewirken, aber solange sich die akustischen Probleme im Rahmen halten, liefert das Verfahren von Dirac extrem gute Ergebnisse und wird berechtigterweise viel gelobt. Das wiegt den vergleichsweise hohen Aufwand beim Einmessen wieder auf.

Damit haben wir getestet

Aquaman . Egal, ob DC oder Marvel, Superhelden wie Aquaman haben gerade Hochkonjunktur. Die Story könnte besser sein, aber in Sachen Bild und Ton ist der Film Spitzenklasse.

Ein stattlicher Ringkerntrafo, massive Kühlrippen und reichlich Siebkapazität lassen das Leistungspotenzial des AV-Receivers erkennen. Das aufwendige Innenleben trägt die Handschrift von Konzernschwester Arcam.

Experten sind bei den technischen Eckdaten sicher schon hellhörig geworden. Class-G-Endstufen, der DAC-Baustein von Cirrus Logic und die Einmessfunktion von Dirac sind auch in den Edel-Receivern von Arcam zu finden. Ebenso kennt man das nüchterne On-Screen-Display und die Universalfernbedienung von den Engländern, die seit Mitte 2017 ebenfalls zu Harman gehören. Eine gewisse Ähnlichkeit zu Arcams AVR850 kann der RV-9 daher nicht leugenen, mit Logic7 hat ihm Lexicon allerdings noch ein Alleinstellungsmerkmal spendiert. Ganz pragmatisch wurde also einfach das Beste aus beiden Welten zusammengeführt. Lexicons Flaggschiff spielt daher nicht nur messtechnisch auf allerhöchstem Niveau, auch im Hörtest überzeugte er mit unbändiger Dynamik und einer punktgenauen Wiedergabe.

Fazit

Lexicons RV-9 ist ein puristischer, aber leistungsstarker AV-Receiver, der sich vor allem durch seine fast konkurrenzlose Audioqualität auszeichnet.

AUS DEM MESSLABOR

Verzerrungsverhalten
Die harmonischen Verzerrungen bewegen sich auf einem extrem niedrigen Niveau und steigen auch bei zunehmender Ausgangsleistung kaum an. Die maximale Ausgangsleistung wird daher nicht durch die Messschwelle, sondern durch die Schutzschaltung bestimmt, die weit früher anspringt.