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TEST: Babybäder: Sturm im Wasserglas


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2010 vom 05.01.2010

Von den getesteten Babybädern gibt es fast nur Gutes zu berichten: Lediglich vier von 24 untersuchten Marken enthielten umstrittene Tenside, alle anderen Produkte waren rundum in Ordnung.


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Foto: Adam Borkowski/Fotolia.com

Eltern wollen gerne alles richtig machen. Das weiß auch die Kosmetikindustrie, die kräftig für ihre Babypflegelinien wirbt. Vieles spricht aber dafür, dass Babyhaut nicht mehr braucht als eine sanfte Reinigung mit Wasser. Dermatologen an der Charité Berlin haben nun den Versuch unternommen, zwei grundsätzliche Fragen wissenschaftlich zu klären. Erstens: Ist es besser, Babys zu baden ...

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Eltern wollen gerne alles richtig machen. Das weiß auch die Kosmetikindustrie, die kräftig für ihre Babypflegelinien wirbt. Vieles spricht aber dafür, dass Babyhaut nicht mehr braucht als eine sanfte Reinigung mit Wasser. Dermatologen an der Charité Berlin haben nun den Versuch unternommen, zwei grundsätzliche Fragen wissenschaftlich zu klären. Erstens: Ist es besser, Babys zu baden oder sie „an Land“ mit dem Waschlappen zu waschen? Und zweitens: Nützen oder schaden der sich entwickelnden Haut Badezusätze und Pflegecremes?

Ergebnis der ersten Studie: Sowohl die Babys, die zweimal wöchentlich fünf Minuten lang bei 37 bis 38 Grad Celsius in purem Leitungswasser gebadet wurden, als auch die, die mit dem Waschlappen gewaschen wurden, hatten bei der Messung nach 28 Tagen einen guten Hautzustand. Die Haut der gebadeten Babys verlor an einigen Körperstellen etwas weniger Wasser und hatte einen etwas höheren Feuchtigkeitsgehalt. „Insgesamt zeigen die Studienergebnisse aber, dass beide Pflegeformen für die Haut in Ordnung sind“, sagt Dr. Natalie Garcia Bartels, eine der Autorinnen von der Charite Berlin. Allerdings ist die Datengrundlage dieser Studie mit 44 gesunden Neugeborenen relativ klein.

Unsere Empfehlungen

•/ Bei so vielen „sehr guten“ Produkten brauchen Eltern keine Kompromisse eingehen.
Babybäder sehr sparsam einsetzen, auf die Dosierempfehlung des Herstellers achten.

Die zweite Studie war zu Redaktionsschluss dieser ÖKO-TEST-Ausgabe noch nicht veröffentlicht. Dennoch warb Sponsor Johnson & Johnson mit den Ergebnissen bereits auf seiner Website. Als Testprodukte hatten die Forscher der Charite nämlich ein Waschgel und eine Pflegecreme der Johnson & Johnson-MarkePenaten eingesetzt. Ein ebenfalls von dem Kosmetikkonzern unterstützter Runder Tisch von europäischen

Dermatologen und Kinderärzten hatte zudem jüngst die Empfehlung herausgegeben, Babys eher mit einem milden, flüssigen Reinigungszusatz als mit.

Wasser pur zu baden. Das Gremium verwies ebenfalls auf die noch nicht veröffentlichte Studie der Charite Berlin.


Es bleibt dabei: Babys brauchen nicht zig verschiedene Pflegeprodukte


Bei genauem Hinschauen entpuppt sich die Diskussion allerdings als Sturm im Wasserglas: Bei einer Gruppe Babys warPena- fen-Waschgel mit ph-Wert 5,5 ins Badewasser gegeben worden, eine zweite wurde in Leitungswasser gebadet, aber nach dem Baden mit der Pflegecreme eingeschmiert, die dritte mit Waschgel geba det und eingecremt, und bei der vierten Gruppe verwendeten die Eltern überhaupt keine Kosmetika, sondern nur klares Wasser beim Baden. Dr. Garcia Bartels bestätigte gegenüber ÖKO-TEST, dass es bei den ersten drei Gruppen lediglich kleine messbare Vorteile nach achtwöchiger Anwendung gegeben habe, was den Wasserverlust, den Feuchtigkeitsgehalt und den pH-Wert der Haut betrifft. „Das wichtigste Ergebnis ist aber, dass keine der vier Pflegevarianten die Haut in ihrer Entwicklung bis zur achten Lebenswoche gestört hat“, so Garcia Bartels. Interessant auch: Der Fettgehalt der Haut war bei den nicht eingecremten Säuglingen nicht geringer als bei den eingecremten. Bei keiner der vier Gruppen gab es Probleme mit bakterieller Besiedlung im Nabelbereich oder Hautreizungen.

Die Dermatologin Dr. Mirjana Ziemer von der Universitätsklinik Jena kritisiert denn auch die verallgemeinernden Schlussfolgerungen des Europäischen Runden Tisches: „Es drängt sich die Frage auf, warum zu sätzliche Anwendungen von Reinigungsmitteln und Cremes empfohlen werden sollen, wenn sie keine klinisch erkennbaren positiven Effekte auf den Hautzustand ergeben“, meinte sie gegenüber ÖKO-TEST. Zudem wäre es wünschenswert gewesen, in solch einer Untersuchung nicht nur ein Markenprodukt einzusetzen, sondern auch Vergleichsprodukte. Die Auswirkungen der langfristigen Anwendung von Reinigungsprodukten sei zudem bislang überhaupt noch nicht untersucht, so die Dermatologin.

Tipps rund ums Babybaden

Weniger ist mehr! Ein bis zweimal die Woche fünf bis höchstens zehn Minuten baden bei 37 bis 38 Grad Celsius genügen. Immer sachte: Beim Abtrocknen lieber mit dem Handtuch tupfen als kräftig rubbeln. Das schont die hauteigene Schutzschicht. Sicherheit geht vor: Auch Kinder, die schon sitzen können, im Wasser nicht unbeobachtet lassen. Alles, was man braucht, griffbereit haben.
Luft und Liebe: Gesunde Babyhaut braucht nicht nur keinen Badezusatz, sondern auch keine Pflegecreme. Bei gereizter, trockener Haut kann man es mit einer Babycreme probieren. Bei andauernden Problemen besser eine gezielte Behandlung mit dem Arzt abstimmen.

Wir wollten wissen, wie es um die Qualität von Babybädern bestellt ist und haben die Inhaltsstoffe von 24 analysieren lassen. Darunter waren sechs zertifizierte Naturkosmetikprodukte.


Der einzige Kritikpunkt sind umstrittene PEG/ PEG-Derivate, die in vier Babybädern stecken


Das Testergebnis

■ …ist sehr erfreulich. 20 sind „sehr gut“, vier „gut“.
■ Kein Badezusatz enthält umstrittene halogenorganische Konservierungsmittel, besonders allergene Duftstoffe oder polyzyklische Moschus-Verbindungen, die sich im menschlichen Fettgewebe anreichern.
■ Nur bei vier Bädern haben wir etwas zu kritisieren: so genannte PEG/PEG-Derivate. Diese können die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen.
DasBaby Sebamed Pflegebad , dasBellecare Baby Naturals Wohltuendes Baby- Bad , dasBübchen Creme Pflegebad und dasPenaten Baby Gute Nacht Bad werten wir deshalb um jeweils eine Note ab.
■ Citronellol, Citral und Geraniol sind Duftstoffe, die nur ein geringes allergenes Potenzial haben. Wir nennen sie in der Tabelle, werten sie aber nicht ab.

So reagierten die Hersteller

Die Firma Martina Gebhardt war nicht mit unserer Berechnung des Preises einverstanden. Umgerechnet kosten 500 Milliliter nämlich satte 79,75 Euro. Martina Gebhardt wendete ein, dass der Käufer bei dem 100-Milliliter-Gebinde für 15,95 Euro auch für die Opalglasflasche mit Pumpe zahle. Allerdings hat er keine Wahl: Es gibt das Bad nur in der kleinen Größe mit dem teuren Opalglas.

So haben wir getestet

Der Einkauf
Bei Babybädern ist die Auswahl recht groß. Wir haben eine breite Palette eingekauft: zertifizierte Naturkosmetika, bekannte Babymarken wiePenaten oderBübchen , Drogerie- und andere Handelseigenmarken. Gerne hätten wir mehr parfümfreie Bäder mit in den Test genommen, es waren aber leider nur wenige in den Regalen zu finden.

Die Inhaltsstoffe
Die Haut von Säuglingen hat genug damit zu tun, sich zu entwickeln und auf die Umwelt einzustellen. Reizende oder allergieauslösende Stoffe sind das Letzte, was sie jetzt braucht. Wir haben die Babybäder deshalb gründlich auf bedenkliche und umstrittene Konservierungsmittel wie Formaldehyd/-abspalter und halogenorganische Verbindungen testen lassen. Außerdem ließen wir bei den parfümierten Produkten analysieren, ob allergieauslösende Duftstoffe oder bedenkliche polyzyklische Moschus-Verbindungen enthalten sind. Babybäder mit Parfüm oder Alkoholgehalt ließen wir zudem auf den Weichmacher Diethylphthalat testen, der in Kosmetika unter anderem zur Vergällung von Alkohol eingesetzt wird. Nicht untersucht haben wir Wirkversprechen wie „extra pflegend“ oder „der spezielle Softpflegekomplex versorgt die zarte Babyhaut 48 Stunden mit Feuchtigkeit“. Gesunde Babyhaut braucht keine pflegenden Substanzen, und bei trockener, rauer Haut hilft eher eine Creme.

Die Bewertung
PEG/PEG-Derivate werden als Tenside, Emulgatoren oder Schaumbildner eingesetzt. Sie sind umstritten, weil sie die Haut auch durchlässiger für Fremdstoffe machen können. Da die Badezusätze durch das Wasser stark verdünnt werden, kann ein Babybad mit PEG/PEG-Derivaten insgesamt immer noch mit „gut“ abschneiden. Allein in diesem Test zeigen aber 20 Produkte, dass es auch ohne geht.

Schlafmittel im Babybad?

„Hilft Babys besser zu schlafen“, bewirbt Hersteller Johnson & Johnson seinPenaten Baby Gute Nacht Bad auf der Vorderseite der Verpackung. Auf der Rückseite steht „Klinisch bewiesen: Penaten Gute Nacht Pflege mitNaturalCalm und ein liebevolles Einschlafritual helfen Ihrem Baby, schneller in den Schlaf zu finden und länger durchzuschlafen.“ Ähm, was hilft denn nun? Die Gute-Nacht-Pflege mit demNaturalCalm , laut Johnson & Johnson „eine Aromamischung aus überwiegend natürlichen und naturidentischen Duftstoffen“? Oder ganz einfach ein liebevolles Einschlafritual? Wir baten den Hersteller, uns die Wirksamkeitsstudie zu schicken. Sie ist in der amerikanischen ZeitschriftSleep erschienen und befasst sich mit der Frage, welche Auswirkungen ein konsequent durchgehaltener geregelter Ablauf auf den Schlaf von Babys und Kleinkindern mit leichten bis moderaten Schlafstörungen hat. Zu der täglichen Routine gehörte bei den Babys ein Bad, eine Massage, ruhige Aktivitäten wie Kuscheln oder Gutenachtlieder singen; die Kleinkinder wurden nicht massiert, sondern einfach nur eingecremt. Eine halbe Stunde nach Ende des Bads wurde immer das Licht ausgemacht. Zum Baden, Massieren und Eincremen verwendeten alle Eltern die gleichen vorgegebenen Produkte. Ergebnis der Studie war, dass die Kinder mit den festen Ritualen schneller einschliefen und nachts seltener aufwachten. Darüber, ob diese Erfolge dem in dieser Studie angewandten speziellen Einschlafritual zu verdanken waren oder ob nicht jedes andere Einschlafritual auch zu einem verbesserten Schlaf führen würde, könnten sie aber keine Rückschlüsse ziehen, schrieben die Autoren. So, so! Für uns ist dies einmal mehr ein Lehrstück darüber, was von vollmundigen Werbeversprechen mit Hinweis auf „klinische Beweise“ zu halten ist. Ob das Ganze mit Pflegeprodukten einer anderen Marke oder ganz ohne Badezusatz schlechter geklappt hätte, ist in der Studie überhaupt nicht untersucht worden. Ganz abgesehen davon: Die Aromamischung aus „überwiegend natürlichen und naturidentischen Duftstoffen“ erscheint in der Deklaration schlicht als „Parfüm“. Die bekannten besonders allergenen Duftstoffe sind in dem Babybad zwar nicht nachgewiesen worden. Am besten ist es aber, die Babyhaut von allem zu verschonen, was nicht unbedingt nötig ist.