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TEST Babybäder: Wischiwaschi


ÖKO-TEST Kompakt Kinder & Eltern - epaper ⋅ Ausgabe 4/2010 vom 28.04.2010

Von den getesteten Babybädern gibt es fast nur Gutes zu berichten: Lediglich vier von 24 untersuchten Marken enthielten umstrittene Tenside, alle anderen Produkte waren rundum in Ordnung.


Artikelbild für den Artikel "TEST Babybäder: Wischiwaschi" aus der Ausgabe 4/2010 von ÖKO-TEST Kompakt Kinder & Eltern. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Kompakt Kinder & Eltern, Ausgabe 4/2010

Eltern wollen gern alles richtig machen. Das weiß auch die Kosmetikindustrie, die kräftig für ihre Babypflegelinien wirbt. Vieles spricht aber dafür, dass Babyhaut nicht mehr braucht als eine sanfte Reinigung mit Wasser. Dermatologen an der Charité Berlin haben nun den Versuch unternommen, zwei grundsätzliche Fragen wissenschaftlich zu klären. Erstens: Ist es besser, Babys zu baden oder sie „an Land“ mit dem ...

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Eltern wollen gern alles richtig machen. Das weiß auch die Kosmetikindustrie, die kräftig für ihre Babypflegelinien wirbt. Vieles spricht aber dafür, dass Babyhaut nicht mehr braucht als eine sanfte Reinigung mit Wasser. Dermatologen an der Charité Berlin haben nun den Versuch unternommen, zwei grundsätzliche Fragen wissenschaftlich zu klären. Erstens: Ist es besser, Babys zu baden oder sie „an Land“ mit dem Waschlappen zu waschen? Und zweitens: Nützen oder schaden Badezusätze und Pflegecremes der sich entwickelnden Haut ?

Ergebnis der ersten Studie: Sowohl die Babys, die zweimal wöchentlich fünf Minuten lang bei 37 bis 38 Grad Celsius in purem Leitungswasser gebadet wurden, als auch die, die mit dem Waschlappen gewaschen wurden, hatten bei der Messung nach 28 Tagen einen guten Hautzustand. Die Haut der gebadeten Babys verlor an einigen Körperstellen etwas weniger Wasser und hatte einen etwas höheren Feuchtigkeitsgehalt. „Insgesamt zeigen die Studienergebnisse aber, dass beide Pflegeformen für die Haut in Ordnung sind“, sagt Dr. Natalie Garcia Bartels, eine der Autorinnen von der Charité Berlin. Allerdings ist die Datengrundlage dieser Studie mit 44 gesunden Neugeborenen relativ klein.

Badezusatz oder Wasser pur – beides ist ok

In der zweiten Studie wurden 64 Babys – verteilt auf vier Gruppen – untersucht. Bei der ersten Gruppe war Waschgel mit pH-Wert 5,5 ins Badewasser gegeben worden, eine zweite wurde in Leitungswasser gebadet, aber nach dem Baden mit einer Pflegecreme eingeschmiert, die dritte mit Waschgel gebadet und eingecremt, und bei der vierten Gruppe verwendeten die Eltern überhaupt keine Kosmetika, sondern nur klares Wasser zum Baden. Untersucht wurde ab dem siebten Lebenstag bis zur achten Lebenswoche der Babys.

Das Ergebnis kommentiert Dr. Garcia Bartels wie folgt: Bei den ersten drei Gruppen habe es lediglich kleine messbare Vorteile gegeben. Das wichtigste Ergebnis sei aber, dass keine der vier Pflegevarianten die Haut in ihrer Entwicklung bis zur achten Lebenswoche gestört hat. Interessant auch: Der Fettgehalt der Haut war bei den nicht eingecremten Säuglingen keineswegs geringer als bei den eingecremten. Und: Bei keiner der vier Gruppen gab es Probleme mit bakterieller Besiedlung im Nabelbereich oder Hautreizungen. Angesichts dieses Ergebnisses fragt man sich, warum ein Runder Tisch von europäischen Dermatologen und Kinderärzten jüngst die Empfehlung herausgegeben hat, Babys eher mit einem milden, flüssigen Reinigungszusatz als mit Wasser pur zu baden – zumal sich das Gremium auf die Studie der Charité Berlin beruft. Auch die Dermatologin Dr. Mirjana Ziemer von der Univer sitätsklinik Jena kritisiert die verallgemeinernden Schlussfolgerungen des europäischen Runden Tisches: „Es drängt sich die Frage auf, warum zusätzliche

Anwendungen von Reinigungsmitteln und Cremes empfohlen werden sollen, wenn sie keine klinisch erkennbaren positiven Effekte auf den Hautzustand ergeben“, meinte sie gegenüber ÖKO-TEST. Die Auswirkungen der langfristigen Anwendung von Reinigungsprodukten seien zudem bislang überhaupt noch nicht untersucht, so die Dermatologin.

Wir wollten wissen, wie es um die Qualität von Babybädern bestellt ist, und haben die Inhaltsstoffe von 24 Produkten analysieren lassen. Darunter waren sechs zerti fizierte Naturkosmetikprodukte.

Tipps rund ums Babybaden

▀ Weniger ist mehr! Ein- bis zweimal die Woche fünf bis höchstens zehn Minuten baden, wobei 37 bis 38 Grad Celsius genügen.
▀ Immer sachte: Beim Abtrocknen lieber mit dem Handtuch tupfen als kräftig rubbeln. Das schont die hauteigene Schutzschicht.
▀ Sicherheit geht vor: Auch Kinder, die schon sitzen können, im Wasser nicht unbeobachtet lassen. Alles, was man braucht, griffbereit haben.
▀ Luft und Liebe: Gesunde Babyhaut braucht nicht nur keinen Badezusatz, sondern auch keine Pflegecreme. Bei gereizter, trockener Haut kann man es mit einer Babycreme probieren. Bei andauernden Problemen besser eine gezielte Behandlung mit dem Arzt abstimmen.

Das Testergebnis


▀ …ist sehr erfreulich. 20 Babybäder sind „sehr gut“, vier „gut“.
▀ Kein Badezusatz enthält umstrittene halogenorganische Konservierungsmittel, besonders allergene Duftstoffe oder polyzyklische Moschus-Verbindungen, die sich im menschlichen Fettgewebe anreichern.
▀ Nur bei vier Bädern haben wir etwas zu kritisieren: sogenannte PEG/PEG-Derivate. Diese können die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen. DasBaby Sebamed Pflegebad, dasBellecare Baby Naturals Wohltuendes Baby-Bad, dasBübchen Creme Pflegebad und dasPenaten Baby Gute Nacht Bad werteten wir deshalb um jeweils eine Note ab.
▀ Parfümiert sind fast alle Bade zusätze. Unsere in Auftrag gegebene Analyse ergab aber, dass keine problematischen, allergieauslösenden Duftstoffe enthalten sind. Wer es trotzdem lieber ohne Duft möchte, kann auf dasBübchen Babys first Wasch- und Badegel und dasFrischkosmetik Authentic Baby Ringelblumen Pflegebad ausweichen.

So reagierten die Hersteller

Die Firma Martina Gebhardt war nicht mit unserer Berechnung des Preises einverstanden. Umgerechnet kosten bei ihrem Produkt 500 Milliliter nämlich satte 79,75 Euro. Martina Gebhardt wendete ein, dass der Käufer bei dem 100-Milliliter-Gebinde für 15,95 Euro auch für die Opalglasflasche zahle. Allerdings hat er keine Wahl: Es gibt das Bad nur in der kleinen Größe mit dem teuren Opalglas.

Schlafmittel im Babybad?

„Hilft Babys besser zu schlafen“, bewirbt Hersteller Johnson & Johnson seinPenaten Baby Gute Nacht Bad auf der Vorderseite der Verpackung. Auf der Rückseite steht „Klinisch bewiesen: Penaten Gute Nacht Pflege mit NaturalCalm und ein liebevolles Einschlafritual helfen Ihrem Baby, schneller in den Schlaf zu finden und länger durchzuschlafen.“ Ähm, was hilft denn nun? Die Gute-Nacht-Pflege mit dem NaturalCalm, laut Johnson & Johnson „eine Aromamischung aus überwiegend natürlichen und naturidentischen Duftstoffen“? Oder ganz einfach ein liebevolles Einschlafritual? Wir baten den Hersteller, uns die Wirksamkeitsstudie zu schicken. Sie ist in der amerikanischen ZeitschriftSleep erschienen und befasst sich mit der Frage, welche Auswirkungen ein konsequent durchgehaltener geregelter Ablauf auf den Schlaf von Babys und Kleinkindern mit leichten bis moderaten Schlafstörungen hat. Zu der täglichen Routine gehörte bei den Babys ein Bad, eine Massage, ruhige Aktivitäten wie Kuscheln oder Gutenachtlieder singen; die Kleinkinder wurden nicht massiert, sondern einfach nur eingecremt. Eine halbe Stunde nach Ende des Bades wurde immer das Licht ausgemacht. Zum Baden, Massieren und Eincremen verwendeten alle Eltern die gleichen vorgegebenen Produkte. Ergebnis der Studie war, dass die Kinder mit den festen Ritualen schneller einschliefen und nachts seltener aufwachten. Darüber, ob diese Erfolge dem in dieser Studie angewandten speziellen Einschlafritual zu verdanken waren oder ob nicht jedes andere Einschlafritual auch zu einem verbesserten Schlaf führen würde, könnten sie aber keine Rückschlüsse ziehen, schrieben die Autoren. So, so! Für uns ist dies einmal mehr ein Lehrstück darüber, was von vollmundigen Werbeversprechen mit Hinweis auf „klinische Beweise“ zu halten ist. Ob das Ganze mit Pflegeprodukten einer anderen Marke oder ganz ohne Badezusatz schlechter geklappt hätte, ist in der Studie überhaupt nicht untersucht worden. Ganz abgesehen davon: Die Aromamischung aus „überwiegend natürlichen und naturidentischen Duftstoffen“ erscheint in der Deklaration schlicht als „Parfüm“. Die bekannten besonders allergenen Duftstoffe sind in dem Babybad zwar nicht nachgewiesen worden. Am besten ist es aber, die Babyhaut von allem zu verschonen, was nicht unbedingt nötig ist.

Fett gedruckt sind Mängel.
Abkürzungen: n.u. = nicht untersucht, weil sich dieser Parameter durch die Zusammensetzung des Produkts erübrigt.Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 129.
Anmerkungen: 1) Umkarton, der kein Glas schützt. 2) Enthält PEG/ PEG-Derivate. 3) Laut Anbieter wird das PEG/PEG-Derivat ab Charge FD10.09.37 durch einen anderen Inhaltsstoff ersetzt.
Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Zur Abwertung um eine Note führen: PEG/PEG-Derivate. Unter Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine
Note: Umkarton, der kein Glas schützt. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.
Testmethoden: Formaldehyd/-abspalter: saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol und Bestimmung mittels Fotometrie. Halogenorganische Verbindungen: a) Wasserdampfdestillation, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Reinigung der Proben mit Kieselgel, Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Diethylphthalat/Duftstoffe, die Allergien auslösen können/ weitere Duftstoffe/Moschus-Verbindungen/Cashmeran: Extraktion mit TBME, Bestimmung mittels GC-MS. PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe: Röntgenfluoreszenzanalyse.
Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST Magazin 01/2010. Aktualisierung von Testergebnissen und Angaben, sofern Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung geändert und ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.
Anbieterverzeichnis: siehe Seite 128.


Foto: Adam Borkowski/Fotolia.com