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TEST Babyfeuchttücher: Wasch da los?


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 7/2014 vom 27.06.2014

Die meisten Babyfeuchttücher schneiden mit guten Testergebnissen ab. Dennoch empfehlen wir sie allenfalls für unterwegs. Und von einigen Produkten müssen wir wegen problematischer oder umstrittener Zutaten abraten. Von Meike Rix


Artikelbild für den Artikel "TEST Babyfeuchttücher: Wasch da los?" aus der Ausgabe 7/2014 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Sergey Lavrentev/Shutterstock

Fenster zu? Bügeleisen aus? Gleich danach kommt oft die Frage: Feuchttücher eingepackt? Die meisten Eltern von Babys und Kleinkindern gehen ungern ohne eine Packung Babyfeuchttücher aus dem Haus. Viele benutzen sie auch am heimischen Wickeltisch oder haben sie zum Abputzen von klebrigen Mündern und Händen auf dem Esstisch paratstehen.

Babyfeuchttücher haben ein recht sauberes Image. „So mild wie pures Wasser und baumwollweich zur Haut“ wirbt etwa PenatenHersteller Johnson & Johnson. Pures Wasser ist es allerdings eben nicht, in das die nassen Wegwerflappen getränkt sind. Dann würden sie sehr schnell schimmeln oder austrocknen. Neben Wasser enthalten Babyfeuchttücher eine Reihe von Kosmetikinhaltsstoffen. Weit vorn steht in der Regel eine Mischung verschiedener Konservierungsmittel. Tenside unterstützen die Reinigungswirkung. Zudem haben die meisten Anbieter auch parfümierte Varianten im Programm. Von den parfümierten Babyfeuchttüchern raten viele Experten ab, weil die Duftstoffe eine unnötige Belastung für die ohnehin schon strapazierte Haut im Windelbereich sind. Doch auch gegenüber den unparfümierten, sensitiven Babyfeuchttüchern sollten Eltern zumindest in der täglichen Pflege zu Hause eher Wasser und einem Waschlappen den Vorzug geben, meint Astrid Giesen, Vorsitzende des Bayerischen Hebammenverbands. „Je weniger chemische Substanzen man auf die empfindliche Haut aufbringt, desto besser.“ ...

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Nur begrenzt „sanft“: Babyfeuchttücher enthalten unter anderem Mittel zum Konservieren


Es gibt zwar Studien, die einzelnen sensitiven Babyfeuchttüchern ein gutes oder sogar besseres Zeugnis im Vergleich zu Wasser und Waschlappen ausstellen. Allerdings: Solche Studien entstehen häufig unter Mitwirkung der Baby feuchttuchhersteller selbst. Und ausgewählte Messwerte wie pHWert und der Wasserverlust durch die Oberhaut sind in ihrer Aussagekraft begrenzt. Zudem wird bei solchen Untersuchungen etwa das Problem, dass Kosmetikinhaltsstoffe durch kleine Verletzungen der Haut in den Körper des Kindes gelangen können, nicht berücksichtigt. Aus Sicht von ÖKOTEST ist es daher besser, nicht ständig Feuchttücher zu verwenden. Kostengünstiger ist der Waschlappen allemal.

Unterwegs wollen aber viele Eltern auf die praktischen Packungen nicht verzichten. Wir wollten wissen, welche Babyfeuchttücher mehr und welche weniger empfehlenswert sind, und haben deshalb 32 Produkte für eine Inhaltsstoffanalyse ins Labor geschickt.

ÖKO-TEST rät

► Parfüm am Po besser vermeiden. Die überwiegende Mehrheit der Anbieter hat mittlerweile auch Varianten ohne Duftstoffe im Angebot, wie die „sehr guten“ Produkte in unserem Test zeigen.
► Wenn der Wickeltisch nicht sowieso im Badezimmer steht, lässt sich mithilfe einer Pumpthermoskanne, die mit warmem Wasser gefüllt wird, und Wattepads fast so unkompliziert arbeiten wie mit Feuchttüchern.
► Die beste Vorbeugung gegen einen wunden Po ist und bleibt häufiges Windelwechseln. Nach der Reinigung erst einmal „auslüften“ lassen oder vorsichtig trockentupfen.

Das Testergebnis

Schlechte Markenprodukte. Eltern haben die Auswahl unter 14 „sehr guten“ Produkten. Der Preis ist dabei kein guter Anhaltspunkt. Schlusslichter sind zwei der drei getesteten PampersMarkenprodukte mit „mangelhaftem“ und die Huggies Pure Feuchttücher mit „ungenügendem“ Gesamturteil. Die Tücher kosten etwa doppelt so viel wie etliche „sehr gute“ Produkte im Test.
Konservierungsmittel mit Allergiepotenzial. Die Huggies Pure Feuchttücher werden damit beworben, „so sanft wie Baumwolle und Wasser“ zu reinigen. Zwar sind die Tücher parfümfrei. Aber sie enthalten Methylisothiazolinon, ein Konservierungsmittel mit allergenem Potenzial. Weitere Kritikpunkte bei den Huggies sind PEGDerivate und halogenorganische Verbindungen.
Weitgehender Verzicht auf PEG/PEGDerivate. Außer bei den Huggies und den PampersProdukten verzichten alle Anbie ter in ihren Rezepturen auf PEG/PEGDerivate. Diese Tenside oder Emulgatoren sehen wir kritisch, weil sie die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können. Die in vier Produkten nachgewiesenen halogenorganischen Verbindungen tauchen in den Verpackungsdeklarationen nicht auf. Sie könnten Rückstände aus dem Bleichen der Tücher sein. Zur Gruppe der halogen organischen Verbindungen gehören über 1.000 Verbindungen. Fast alle reichern sich in der Umwelt an.

Nicht dufte! Alle Feuchttücher, die parfümiert sind, haben wir um eine Note abgewertet, weil Parfüm an den empfindlichen Schleimhäuten nichts zu suchen hat. Zudem können sich hinter dem Begriff „Parfüm“ in der Inhaltsstoffliste auch Verbindungen verbergen, die eine ganz andere Funktion haben, etwa Kei me zu töten. Die gute Nachricht ist, dass das Labor zumindest keine der als besonders problematisch bekannten Duftstoffe gefunden hat.

Zeit zu zweit: Das Wickeln muss nicht immer schnell, schnell gehen. Es ist nämlich eine prima Gelegenheit, um sich zu unterhalten und zusammen zu lachen. Und ausgiebiges Nacktstrampeln tut der Haut gut.


Foto: George Doyle/Stockbyte/©Thinkstock

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 156.
Anmerkungen: 1) Laut Anbieter ist das Verpackungslayout verändert worden. Die Rezeptur sei gleich geblieben. 2) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. 3) Laut Anbieter arbeitet die Produktentwicklung des Lieferanten an einer neuen Zusammensetzung der Konservierungsmittel mit dem Ziel, den Stoff Polyaminopropyl Biguanide zu ersetzen. 4) Laut Anbieter wird seit Mai 2014 ein Produkt mit veränderter Rezeptur eingeführt, die neben weiteren Veränderungen frei von Parabenen und Methylisothiazolinon ist. 5) Laut der Firma Edeka ist das Produkt baugleich mit dem Edeka-Eigenmarkenprodukt Elkos Baby Comfort Feuchttücher. 6) Laut der Firma Edeka ist das Produkt baugleich mit dem Edeka-Eigenmarkenprodukt Elkos Baby Sensitiv Feuchttücher. 7) Preisberechnung basiert auf einem Mehrfachpack.
Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in der alphabetischen Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) PEG/PEG-Derivate; b) Methylisothiazolinon; c) halogenorganische Verbindungen. Zur Abwertung um eine Note führt: Parfüm. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.
Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.Testmethoden undAnbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de  Suchen  „M1407“ eingeben.
Einkauf der Testprodukte: Februar bis März 2014.Preisberechnung: basiert auf unterschiedlichen Gebindegrößen oder Einzelpackungen (kaufmännisch gerundet).
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

So reagierten die Hersteller

■ HerstellerKimberly-Clark teilte mit, dass seit Mai 2014 in ganz Europa Huggies mit neuer Rezeptur eingeführt würden, die frei von Methylisothiazolinon seien.

Beliebte Konservierungsmittel auf dem Prüfstand

Zwei Konservierungsmittel, die auf der Zutatenliste vieler Babyfeuchttücher stehen, werden derzeit vom wissenschaftlichen Beratergremium der EU (SCCS, Scientific Committee on Consumer Safety) bewertet: Polyaminopropyl Biguanide (PHMB) und Phenoxyethanol. Weil PHMB wegen eines Krebsverdachts als Gefahrstoffeingestuft ist, könnte es ab 2015 laut Kosmetikverordnung verboten sein. Wenn das SCCS befindet, dass PHMB in der in Kosmetika erlaubten Konzentration bedenkenlos eingesetzt werden kann, bleibt es hingegen erlaubt.
Hintergrund der Bewertung von Phenoxyethanol ist eine Risikobewertung der französischen Arznei mittelbehörde ANSM von 2012. Sie hatte vorgeschlagen, Phenoxyethanol solle in Produkten für den Windelbereich für Kinder unter drei Jahren gar nicht mehr eingesetzt werden. Der Industrie verband Cosmetics Europe hat seinerseits ein Dossier eingereicht, das die Sicherheit von Phenoxy ethanol beweisen soll. Bei dem Konservierer geht es nicht um einen Krebsverdacht, sondern um andere mögliche toxische Wirkungen. ÖKOTEST wertet beide Konservierungsmittel in Babyfeuchttüchern bis auf Weiteres nicht ab, beobachtet die Diskussion aber genau. Grundsätzlich raten wir, Feuchttücher nicht dauernd zu verwenden: Alle Tücher sind konserviert, um sie in der geöffneten Packung vor Verkeimung zu schützen.

So haben wir getestet

Der Einkauf
Babyfeuchttücher sind Produkte, bei denen die Werbeaussagen auf der Verpackung mit Vorsicht zu genießen sind. So können auch in als besonders „sanft“ oder „sensitiv“ beworbenen Feuchttüchern durchaus problematische Konservierungsmittel oder umstrittene Tenside stecken. Grund genug für ÖKOTEST, Babyfeuchttücher regelmäßig zu testen. Die meisten Anbieter haben sowohl parfümfreie (sensitive) als auch parfümierte Babyfeuchttücher im Programm. Wir haben daher von den Anbietern im Test häufig jeweils beide Varianten eingekauft. Je nach Angebot im Laden griffen unsere Einkäufer auch zu großen Sammelpaketen, wie das Eltern gern tun. Für den Vergleich in der Tabelle haben wir die Preise dann auf die typische Einzelpackungsgröße von 80 Tüchern heruntergerechnet.

Hier ist das Kontaktallergen Methylisothiazolinon deklariert. Die Laboruntersuchung bestätigte, dass der Problemstoff auch im fertigen Feuchttuch enthalten ist.


Foto: ÖKO-TEST

Die Inhaltsstoffe
Babyfeuchttücher enthalten viel Wasser und sind trotzdem Monate nach dem Öffnen noch haltbar. Deshalb ließen wir sie auf besonders problematische Konservierungsmittel wie Formaldehyd/abspalter untersuchen. Die parfümierten Feuchttücher durchliefen außerdem eine umfangreiche Duftstoffanalyse, und alle Produkte wurden auf umstrittene halogenorganische Verbindungen untersucht. Über andere Inhaltsstoffe wie PEG/PEGDerivate gibt schon die Deklaration Aufschluss.

Die Bewertung
Da die Lotion aus den Tüchern vor dem Anziehen der neuen Windel nicht abgespült wird, gilt unsere Bewertung für Leave onProdukte, also Produkte, die auf der Haut bleiben. Parfüm werten wir in Babyfeuchttüchern wegen der besonderen Empfindlichkeit des Windelbereichs generell ab.