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TEST: Babymenüs mit Fleisch: Und wo bleibt das Fleisch?


ÖKO-TEST Ratgeber Kinder und Familie - epaper ⋅ Ausgabe 9/2012 vom 21.09.2012

Babys Lieblingsfleischbreie unter der Lupe: Spaghetti bolognese und Schinkennudeln. Schadstoffe sind zwar so gut wie kein Thema, doch es ist einfach zu wenig Fleisch im Glas. „Gut“ schneidet nur der Brei von Holle ab.


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Muttermilch ist das Beste fürs Baby. Doch irgendwann wird es Zeit, den Speiseplan zu erweitern. Das Kind wächst rasant und die Organe entwickeln sich. Breie liefern jetzt die zusätzlich benötigten Nährstoffe. Experten raten, frühestens mit Beginn des fünften Monats und spätestens mit Beginn des siebten Monats die Milchmahlzeiten nach und nach durch Breie zu ...

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Muttermilch ist das Beste fürs Baby. Doch irgendwann wird es Zeit, den Speiseplan zu erweitern. Das Kind wächst rasant und die Organe entwickeln sich. Breie liefern jetzt die zusätzlich benötigten Nährstoffe. Experten raten, frühestens mit Beginn des fünften Monats und spätestens mit Beginn des siebten Monats die Milchmahlzeiten nach und nach durch Breie zu ersetzen.

Den Anfang macht meist die Möhre. Später darf es dann ein Möhren-Kartoffel-Brei mit etwas Öl sein. Mehr Abwechslung sollte erst auf den Tisch kommen, wenn das Baby seinen ersten kompletten Brei gegessen hat. Dann darf es alle paar Tage etwas Neues probieren, gut verträgliche Gemüse sorten, zum Beispiel Brokkoli, Blumenkohl, Kürbis, Pastinaken oder Zucchini – oder auch Reis und verschiedene Fleischsorten. Selbst Lebensmittel mit Allergiepotenzial, etwa Fisch, sind nicht mehr tabu. Studien haben gezeigt, dass der Verzicht darauf nicht vor Al lergien schützt.

Die erste vollständige Breimahlzeit sollte ein Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei sein. Fleisch ist in dieser Lebensphase besonders wichtig, weil die im Mutterleib angelegten Eisenspeicher zur Neige gehen und Eisen aus Fleisch besser als aus Gemüse oder Getreide aufgenommen wird. Vor allem das Gehirn profitiert in dieser Entwicklungsphase von einer ausreichenden Versorgung mit dem Spurenelement. Fleisch liefert aber auch gut verfügbares Zink – ein anderes Spurenelement, das im Stoffwechsel zahlreiche Funktionen erfüllt und für das Wachstum wichtig ist.

Doch wie soll ein Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei idealerweise zusammengesetzt sein? Konkrete Empfehlungen gibt beispielsweise das Netzwerk Junge Familie, eine Initiative führender Institutionen im Bereich Kinderernährung, darunter des Forschungsinstituts für Kinderernährung. Die Experten empfehlen den Brei im Rahmen eines abgestimmten Ernährungsplans für das erste Lebensjahr. Danach sollte der Fleischbrei aus 100 Gramm Gemüse, 50 Gramm Kartoffeln, 30 Gramm Fleisch und einem Esslöffel Rapsöl zubereitet und mit etwas Fruchtsaft oder Obstpüree ergänzt werden, weil dies die Aufnahme von pflanzlich gebundenem Eisen verbessert.

Wir wollten wissen, wie gut Industriekost ist und haben 14 fleischhaltige Breimahlzeiten eingekauft. Dabei haben wir uns dieses Mal auf die Kinderklassiker Spaghetti bolognese und Schinkennudeln konzentriert. Im Labor wurden die Produkte umfangreichen Schadstoff untersuchungen unterzogen. Auch die Werbeaussagen auf den Gläschen waren Teil des Prüfprogramms.

Das Testergebnis

■ Nur ein Brei schneidet mit „gut“ ab. Alle anderen sind bestenfalls „befriedigend“ oder „ausreichend“. Die Bebivita-Breie belegen sogar nur den letzten Rang. Der Hauptkritikpunkt: Alle Breie enthalten für ein fleischhaltiges Produkt einfach zu wenig von dieser wichtigen Zutat. Die meisten sind zudem schlecht oder gar irreführend deklariert.
■ Wie viel Fleisch im Brei steckt, lässt sich an der Zutatenliste ablesen. Danach liegt der Fleisch- beziehungsweise Schinkenanteil der Produkte zwischen 5 und 10,5 Prozent. Deutlich mehr empfiehlt Ernährungsexperte Professor Berthold Koletzko von der Kinder klinik der Universität München: „Für eine insgesamt gute Versorgung mit Spurenelementen ist ein Fleischanteil von etwa zwölf Prozent wünschenswert.“ Rechnet man dies auf die absolute Menge um, dann stimmen die zwölf Prozent gut mit dem vom Forschungsinstitut für Kinderernährung empfohlenen 30 Gramm Fleisch überein. In den Testgläschen stecken aber nur 11 bis gut 23 Gramm. Der zu knappe Fleischanteil führt allerdings nicht nur deshalb zur Abwertung, weil dann nur wenig Eisen im Gläschen steckt. Fleisch ist eben auch ein guter Lieferant für Zink – und es trägt zu einer besseren Aufnahme von pflanzlichem Eisen bei.
■ Im Test sind die beiden Breie von Bebivita mit Eisensalzen angereichert. Isoliertes Eisen kann jedoch das umfassende Nährstoffspektrum von Fleisch nicht ersetzen und wird zudem deutlich schlechter als Eisen aus Fleisch aufgenommen. Außerdem gibt es Hinweise, dass Häm-Eisen – so der Fachausdruck für Eisen aus Fleisch – die Sauerstoffaufnahme im Blut besser als zugesetzte Eisen salze unterstützt. Das haben Wissenschaftler in vergleichenden Studien herausgefunden. Die Eisensalze wanderten dabei vorrangig in die Eisenspeicher. Überdosierungen müssen Eltern aber nicht befürchten, da die Diätverordnung einen Höchstgehalt für die Anreicherung vorschreibt und sich dieser auf einem relativ niedrigen Niveau bewegt.
■ Das Schwermetall Cadmium konnte in den meisten Produkten in sehr geringen Mengen nachgewiesen werden. In den Alnatura Dinkelspaghetti Bolognese steckt jedoch mehr, als gerade noch akzeptabel ist. Dabei haben wir uns an der duldbaren Aufnahme pro Woche orientiert. Einen Grenzwert für Baby nahrung gibt es bislang noch nicht. Cadmium kann in hohen Dosen zu Nieren schäden führen und gilt als krebserregend. Es reichert sich zudem im Körper an.
■ Babys benötigen grundsätzlich kein Salz. Die Hälfte der Produkte ist dennoch gesalzen. Die Laboranalysen ergaben jedoch, dass auch in diesen Breien nicht zu viel davon steckt und die Auslobung als „salzarm“ – sofern erfolgt – in Ordnung geht. Fehl am Platz finden wir hingegen den Hinweis „salzreduziert“ auf den Vollkorn-Spaghetti Bolognese von Alete. In der Verordnung zu den nährwertbezogenen Angaben ist damit ein um 25 Prozent reduzierter Salzgehalt im Vergleich zu ähnlichen Produkten gemeint. Auch der Verbraucher könnte glauben, ein Produkt mit einem vergleichsweise geringen Salzgehalt vor sich zu haben. Tatsächlich wartet der Nestlé-Brei jedoch mit dem höchsten Salzgehalt im Test auf – das grenzt an Irreführung.
■ Experten empfehlen für Babykost Rapsöl, da es mehr wertvolle Omega-3- Fettsäuren als die meisten anderen Pflanzenöle liefert. Neun Breie im Test sind auch damit zubereitet. Ob man die Produkte aber deshalb mit der Aussage „Omega 3 – wichtig für Gehirn und Nervenzellen“ ausloben darf, ist strittig. Zwar hat die europäische Lebensmittelbehörde EFSA den Werbespruch auf Basis einer von Hipp und Nestlé eingereichten Studie durchgewunken, doch die offizielle Zulassung durch die EU-Kommission ist bislang nicht erfolgt. Zugelassen wurden lediglich Auslobungen für die Omega-3-Fettsäure Docosahexaensäure (DHA) – für Säuglinge im Hinblick auf die Gehirnentwicklung und für Kinder bis zu einem Jahr zur Unterstützung der Sehfunktion. DHA war jedoch in den ausgelobten Testprodukten gar nicht nachweisbar. Hersteller Hipp wundert das nicht. Die Effekte würden vielmehr auf die in Rapsöl reichlich vorkommende Fettsäure Alpha-Linolensäure zurückgehen, die im Körper in DHA umgewandelt werde. Diese Umwandlung erfolgt tatsächlich, allerdings nur zu einem sehr geringen, nicht relevanten Teil, so die aktuelle Studienlage. Für den Experten Koletzko ist die Sache eindeutig: „Für Alpha-Linolensäure selbst gibt es keinerlei Nachweis eines funktionell wirksamen Vorteils bei Säuglingen, sodass eine besondere Auslobung nicht adäquat ist.“ Wir werten die Aussage daher unter den Weiteren Mängeln ab.

ÖKO-TEST rät

■ Brei aus dem Gläschen sollte möglichst wenige Zutaten enthalten. Günstig sind Produkte mit Rapsöl; Salz muss nicht sein.
■ Fleischhaltige Gläschenkost lässt sich optimieren. So enthalten die meisten Breie nur geringe Mengen Fett, sodass es oft sinnvoll ist, einen Teelöffel Rapsöl hinzuzufügen. Einige Löffelchen Vitamin-C-reicher Obstsaft verbessern zudem die Aufnahme von Eisen aus Getreide und Gemüse.
■ Gönnen Sie Ihrem Kind zumindest hin und wieder den puren Geschmack eines selbstgekochten Breies. Und haben Sie Geduld, wenn es diesen nicht sofort akzeptiert. Manche Kinder müssen eine Zutat häufiger probieren, um sie zu mögen.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: siehe Seite 169.
Anmerkungen: 1) Das Produkt enthält 190 g pro Gläschen. 2) Weiterer Mangel: irreführende Werbeaussage „Omega 3 – wichtig für Gehirn und Nervenzellen“ auf einem Produkt, das keine Docosahexaensäure (DHA) enthält. 3) Weiterer Mangel: irreführende Werbeaussage „salzreduziert“, obwohl das Produkt den höchsten Natrium- beziehungsweise Salzgehalt im Test aufweist. 4) Das Produkt enthält kein Öl. Allerdings wird auf dem Glas die Anreicherung mit Holle Bio Baby-Beikost-Öl empfohlen. Dabei handelt es sich um ein kalt gepresstes Öl, bestehend aus 50 Prozent Rapsöl, 45 Prozent Sonnenblumenöl und 5 Prozent Hanfsamenöl. 5) Laut Anbieter wurde das Etikett überarbeitet und der Hinweis „Kann Spuren von Ei enthalten“ ergänzt. Die neuen Produkte sind seit August 2012 in den ersten Verkaufsstellen erhältlich. Unsere Überprüfung im Labor ergab keinen Nachweis von Eiallergenen. 6) Weniger als 12 Prozent Fleischgehalt. 7) Cadmium. 8) Eisen zugesetzt. 9) Weiterer Mangel: chlorierte Kunststoffe im Deckel. 10) Weiterer Mangel: Auslobung von Selbstverständlichkeiten: Hinweis „ohne Konservierungs- und Farbstoffe laut Gesetz“.
Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) ein Gehalt an Cadmium, der die tolerierbare Tagesaufnahme überschreitet, berechnet aus einem Siebtel des PTWI (wöchentliche Aufnahme) von 2,5 μg/kg Körpergewicht. Wir haben ein Gläschen von 220 g sowie ein Körpergewicht von 8 kg zugrunde gelegt; b) Zusatz von Eisen. Zur Abwertung um eine Note führt: ein zu geringer Fleischgehalt von weniger als 12 Prozent. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) die Auslobung als „salzreduziert“ bei einem Produkt, das einen deutlich höheren Salz- beziehungsweise Natriumgehalt als vergleichbare Produkte aufweist; b) die Aussage „Omega 3 – wichtig für Gehirn und Nervenzellen“ auf einem Produkt, das keine Docosahexaensäure (DHA) enthält. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) die Auslobung von Selbstverständlichkeiten wie „Ohne Konservierungs- und Farbstoffe laut Gesetz“; b) PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe im Deckel. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „mangelhaft“ oder schlechter ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten.

Testmethoden: siehe www.oekotest.de → Suchen → „N1209“ eingeben.
Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST-Magazin 9/2012. Aktualisierung der Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.
Anbieterverzeichnis: siehe Seite 168.