Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 7 Min.

Test Babysäfte: Weit abgeschlagen


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2012 vom 30.12.2011

Wenn das Baby regelmäßig Brei isst, reicht bald auch die Muttermilch nicht mehr zum Durststillen. Zusätzliche Getränke müssen her. Aber das muss nicht unbedingt Babysaft sein. In unserem Test konnten viele Produkte nicht überzeugen.


Artikelbild für den Artikel "Test Babysäfte: Weit abgeschlagen" aus der Ausgabe 1/2012 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: mauritius images/Super Stock

Im Karottensaft kann sich beim Haltbarmachen der Schadstoff Benzol bilden. Dieser ist im Saft auch in geringen Mengen unerwünscht.


Spezielle Säfte für Babys aus Äpfeln, Bananen oder roten Früchten stehen zuhauf in den Regalen von Supermärkten und Drogerien. Besonders gesund sind die Getränke nach Angaben der Hersteller auch: Von wichtigem ...

Weiterlesen
Artikel 1,00€
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von ÖKO-TEST Magazin. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 1/2012 von Leserbriefe: Schreiben Sie uns. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Leserbriefe: Schreiben Sie uns
Titelbild der Ausgabe 1/2012 von Nachwirkungen: Was unsere Tests bewirkt haben: Reaktionen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Nachwirkungen: Was unsere Tests bewirkt haben: Reaktionen
Titelbild der Ausgabe 1/2012 von Neue Produkte: im Test: Tops und Flops. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Neue Produkte: im Test: Tops und Flops
Titelbild der Ausgabe 1/2012 von Meldungen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Meldungen
Titelbild der Ausgabe 1/2012 von TEST Putenfl eisch: Guten Appetit. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TEST Putenfl eisch: Guten Appetit
Titelbild der Ausgabe 1/2012 von TEST Gen-Technik in Honig: UnanGENehm. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TEST Gen-Technik in Honig: UnanGENehm
Vorheriger Artikel
Test Schnullerketten: Halt dich fest!
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Gute Nachrichten
aus dieser Ausgabe

... Vitamin C ist auf den Etiketten die Rede. „Für die sichere und ausgewogene Ernährung Ihres Babys“, steht auf den Flaschen eines Herstellers. Praktisch ist Babysaft obendrein: Man braucht keinen Tee zu kochen, der erst langsam abkühlen muss.

Aber braucht man überhaupt fertigen Babysaft? „Nein“, sagt die Expertin Isabelle C. Keller von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Wenn es ab dem fünften oder spätestens ab dem siebten Monat den ersten Brei gibt, und das Baby kein fertiges Gläschen bekommt, sondern die Eltern selbst kochen, besteht der aus Fleisch, Gemüse und Kartoffeln, angereichert mit etwas Öl – und einem Schuss Saft. „Aber das kann genauso gut auch ein gewöhnlicher Saft für Erwachsene sein“, erklärt Keller. „Der Saft ist hier auch nur zum Anrühren gedacht – und nicht als Getränk zum Essen“, sagt sie.

Bekommt das Baby Beikost, kann man zwar schon zum ersten Brei etwas zum Trinken anbieten, wirklich nötig ist das aber erst, wenn es im Alter von sieben bis neun Monaten dreimal am Tag Brei gibt. Nur: Saft sollte es dann auch nicht sein. „Das beste Getränk ist Wasser“, erklärt Keller. Auch ungesüßte Kräuter- und Früchtetees sind eine gute Wahl. Saft dagegen enthält viel zu viel Zucker. Wenn das Kind mit etwa einem Jahr beginnt, an den normalen Mahlzeiten teilzunehmen, darf es auch mal eine Saftschorle sein. Aber gut verdünnt! „Denn in diesem Alter werden die Kinder auf einen bestimmten Geschmack getrimmt“, weiß Keller. Wenn man also einmal süßen Saft anbietet, will ein Kind vielleicht auch nichts mehr anderes.

Der Saft als seltene Ergänzung? So steht das auf keiner Packung: Vom „Vitaminspender zu den Mahlzeiten“ ist da etwa die Rede. Da kann leicht der Eindruck entstehen, als könne man dem Kind im fünften, sechsten Monat durchaus ein Fläschchen Saft vollmachen. Mehr noch: Die zumeist einen halben Liter fassenden Flaschen sollen innerhalb von drei Tagen aufgebraucht werden. Wer also nur einen kleinen Schuss Saft in den Brei mischt, kann sich aussuchen, ob er den Rest selbst trinkt, wegschüttet – oder eben doch dem Baby anbietet.

Warum aber gibt es dann überhaupt Babysaft? Da sind zunächst die strengeren Regeln, denen Babynahrung – egal ob Saft, Brei oder Milchnahrung – unterworfen ist. Bestimmte Schadstoffe dürfen nur in winzigsten Mengen, Vitamine und Mineralstoffe dagegen müssen in genau der richtigen Menge enthalten sein. Vitamin C etwa, das die Aufnahme von Eisen aus der Nahrung erleichtert, kann in normalen Säften in zu geringer Menge enthalten sein. Weitere Gründe sind die besonders auf Babys abgestimmten Saftsorten und -kombinationen, vor allem mit Möhre und Apfel, die bei Erwachsenen gar nicht gut ankommen.

Oft zu hören ist auch das Argument, ein Baby bekomme von sauren Säften einen wunden Po. „Dazu gibt es aber keine gesicherten Erkenntnisse“, sagt Ernährungsexpertin Keller. Ein wunder Po könne viele Ursachen haben: neue Lebensmittel, das erste Sitzen, zu seltenes Wickeln. Es wäre zu kurz gegriffen, dieses Problem auf die Säfte zu schieben. Wir wollten genauer wissen, was in einem Babysaft steckt und haben zwölf Apfel- und Karottensäfte für Babys gekauft. Alle ausgelobt für die Zeit „nach dem vierten Monat“ (was besser heißen sollte: ab dem fünften Monat – und keinesfalls früher). Die Testobjekte ließen wir auf eine ganze Reihe von Schadstoffen untersuchen. Außerdem haben wir bei Apfelsaft, der aus Konzentrat hergestellt wird, prüfen lassen, wie viel Eigenaroma in der Packung steckt.

Das Testergebnis

• Die wenigsten Säfte sind top: Unter einem qualitativ hochwertigen Babyprodukt stellen wir uns etwas anderes vor. Nur vier Produkten können wir die Note „sehr gut“ oder „gut“ geben. Für manche Produkte summieren sich die Mängel sogar bis hin zu einem „ungenügend“.
• In vier Säften wurde Arsen nachgewiesen: Zweimal hat das von uns beauftragte Labor zwar nur Spuren des schädlichen Halbmetalls gefunden. In den zwei anderen Proben war es aber in einer Menge enthalten, die im Trinkwasser gerade noch erlaubt, in einem Mineralwasser, das für die Zubereitung von Säuglingsnahrung ausgelobt ist, aber schon zu viel wäre. In Äpfeln ist Arsen nur in viel geringeren Mengen zu erwarten. Daher liegt die Vermutung nahe, dass der Schadstoff aus dem Wasser kommt, mit dem das Konzentrat verdünnt wurde, oder auch aus Filtern gelöst wurde. In beiden Fällen würde es sich dann um sogenanntes anorganisches Arsen, eine sehr problematische Arsenvariante, handeln. So oder so: Es ist zu viel Arsen in den Säften Alete MilderApfel und Milasan Apfel.

• Benzol, Furan und Pestizide: Bei der Erhitzung von Karotten kann aus bestimmten natürlichen Inhaltsstoffen das giftige und krebserregende Benzol entstehen. Wie viel Benzol in einem Babysaft stecken darf, ist gesetzlich nicht geregelt. Deshalb haben wir uns an dem Grenzwert für Trinkwasser orientiert, der bei einem Mikrogramm pro Liter liegt. Weil man aber einen Karottensaft nicht wie Wasser trinkt, werten wir einen Benzolgehalt, der nur leicht über diesem Wert liegt, nur um eine, einen Wert deutlich darüber, nämlich über drei Mikrogramm pro Liter, um zwei Noten ab. Furan, das ebenfalls bei der Erhitzung von Karotten entstehen kann, haben wir in allen Karottensäften gefunden, allerdings nur in ganz geringen Spuren. Pestizide steckten nicht einmal in Spuren in den untersuchten Babysäften.
• Kaum Aroma im Saft: Was ist ein Saft? Die Fruchtsaftverordnung hat das genau festgelegt – auch für Säfte, die aus Konzentrat hergestellt werden: Demnach darf ein Saft aus Konzentrat einem direkt gepressten Saft qualitativ nicht nachstehen. Das heißt: Gehen natürlich im Saft steckende Aromen beim Konzentrieren verloren (was ganz normal ist), müssen auch später wieder natürliche Fruchtaromen zugefügt werden. Interessanterweise fand das von uns beauftragte Labor aber in fast allen Apfelsäften weit weniger Aroma als man in einem ordentlich rearomatisierten Saft erwarten müsste. Unserer Ansicht nach sollte auch ein Babysaft alle wesentlichen Bestandteile eines Saftes enthalten. Vor allem die natürlichen Fruchtaromen – die teuersten aller Bestandteile.
• Saft enthält von Natur aus Zucker. Darauf weisen die Hersteller auch hin. Auch entsprechende Warnhinweise, dass Dauernuckeln zu Zahnschäden führen kann, haben alle Hersteller ausgewiesen.
• Werbung mit Selbstverständlichkeiten: Auf zehn von zwölf Testprodukten prangten Hinweise wie „Ohne Farbstoffe und/oder Konservierungsstoffe und/ oder künstliche Aromen und/oder Verdickungsmittel laut Gesetz“. Warum wohl? Klar, damit soll Eltern vorgegaukelt werden, dass der Saft besonders gut ist. All diese Stoffe erlaubt der Gesetzgeber in Babysaft aber ohnehin nicht. Bei uns gibt es für die Auslobung von Selbstverständlichkeiten Punktabzug.

So reagierten die Hersteller

• Bebivita: Als Erklärung für das zu schwache Aroma im Bebivita Apfelsaft teilt der Hersteller mit: Man achte genau darauf, den Saft wieder so zusammenzusetzen, dass eine Überdosierung und damit eine Überaromatisierung vermieden werde. So erhalte man ein „einwandfreies und babygerecht mildes Produkt“. Unterschiede im Aromaspektrum von Säften könnten ja durch regionale und saisonale Schwankungen entstehen. Komisch: Denn die Rearomatisierung eines Produktes erlaubt es ja gerade, Schwankungen auszugleichen und dafür zu sorgen, dass ein Saft immer gleich schmeckt.
• Hipp: Nach Ansicht des Herstellers ist der Hipp 100 % Biosaft Milder Apfel korrekt rearomatisiert. Hipp bezieht sich dabei aber auf Literaturwerte. Das von uns beauftragte Labor misst dagegen ständig die Aromenwerte in Säften, wie sie im Supermarktregal stehen. Und hier sind bei Direktsäften Werte üblich, hinter denen fast alle Apfelsäfte im Test deutlich zurückblieben.
Enno Brendgens

Fertige Bäbysäfte sind ohne Frage praktisch. Trotzdem sollten sie kein Alltagsgetränk sein. Denn sie enthalten viel Zucker. Wasser oder Tee sind besser.


Foto: tan 4; kk/Fotolia.com

Babysäfte und Ähnliches

Direktsaft ist der reine Saft, wie er aus der Frucht kommt. Er kann aber durchaus erhitzt und anderweitig behandelt werden, um mögliche Keime abzutöten und das Produkt so haltbar zu machen.
Saft aus Konzentrat wird aus Fruchtsaftkonzentrat – einer Art eingedicktem Saft – und Wasser hergestellt. Dabei darf dem Saft nur genau so viel Wasser zugesetzt werden, wie ihm beim Konzentrieren entzogen wurde. Da sich beim Konzentrieren auch die Aromen verfl üchtigen können, müssen nachher wieder Aromen aus der entsprechenden Frucht zugesetzt werden. Am Ende darf sich der wieder zusammengebaute Saft weder vom Geschmack noch von der chemischen Zusammensetzung von einem durchschnittlichen Direktsaft unterscheiden.
Fruchtsaftgetränke enthalten neben Fruchtsaft – der auch aus Konzentrat sein kann – noch weitere Zutaten, vor allem Wasser. Gesetzlich vorgeschrieben ist für Fruchtsaftgetränke je nach Frucht ein Fruchtgehalt von sechs bis 30 Prozent.
Babyschorle ist mit Mineralwasser gemischter Saft. In aller Regel wird stilles Mineralwasser verwendet, das von kleinen Kindern besser vertragen wird. Achten Sie trotzdem auf den Zuckergehalt: Denn auch fertig gemischte Schorlen können noch zu süß sein. Oft sind mehr als 50 Gramm Zucker pro Liter enthalten. Sie können also ruhig noch weiter verdünnen.
Saft & Tee kann sich zu unterschiedlichen Anteilen aus Fruchtsaft und Kräuter- oder Früchtetee zusammensetzen. Wie viel Saft in der Mischung steckt, steht auf der Flasche oder dem Getränkekarton. Auch hier bei hohen Zuckergehalten noch weiter verdünnen.

So haben wir getestet

Das Aroma des Apfels soll auch im Saft stecken. Ein Labor kann das prüfen.


Foto: Africa Studio/Fotolia.com

Der Einkauf
Die Testprodukte haben wir in Bio-Läden, Supermärkten und Drogeriemärkten eingekauft. Dabei beschränkten wir uns auf die beliebten Sorten Apfel und Karotte. Da sich wenige, zumeist große Firmen den Markt aufgeteilt haben, ist die Auswahl übersichtlich geblieben.

Die Inhaltsstoff e
Babysaft ist für eine besonders empfi ndliche Zielgruppe bestimmt. Darum haben wir auf eine Reihe von Schadstoff en testen lassen, die schon in sehr kleinen Mengen problematisch sein können: Pestizide und Schwermetalle etwa. Die Stoff e Benzol und Furan können sich aus natürlichen Inhaltsstoff en der Karotte bilden, wenn das Produkt in der Fabrik durch Erhitzen haltbar gemacht wird. Bei Apfelsaft ist dies kein Problem. Bei den Apfelsäften, die im Test alle aus Konzentrat waren, haben wir aber die Aromen analysieren lassen. Denn bei einem Konzentratsaft können sich die natürlichen Aromen aus der Frucht verfl üchtigen und müssen nachher wieder zugesetzt werden.

Die Bewertung
Krebserzeugende Stoff e wie Benzol oder anorganisches Arsen sollten grundsätzlich gar nicht oder wenn, nur in äußerst geringen Mengen in Babyprodukten vorkommen. Waren solche Rückstände nachweisbar oder gab es Hinweise darauf, werten wir auch Gehalte ab, die nach dem derzeitigen Kenntnisstand kein Risiko darstellen. Denn die Hersteller können die Produktion technisch so einstellen, dass auch solche geringe Mengen vermeidbar sind.


Foto: Ewa Brozek/Fotolia.com