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TEST Badezusätze: Einfach mal abtauchen


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 12/2014 vom 28.11.2014

Öl, Salz oder ein Stückchen: Natürliche und natürlich aussehende Badezusätze versprechen Entspannung in der Wanne. ÖKO-TEST kann fast alle getesteten Produkte empfehlen.


Artikelbild für den Artikel "TEST Badezusätze: Einfach mal abtauchen" aus der Ausgabe 12/2014 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 12/2014

Radarturm, alter Stacheldrahtzaun, Reste eines großen Schießstandes: Ein Kloster stellen sich Besucher definitiv anders vor. Doch genau dieses Gelände bei Kaufbeuren im Allgäu, das früher der Bundeswehr gehörte, hat die kleine ökumenische Abtei St. Severin 2010 gepachtet. Die Bewohner: zurzeit zwei Mönche. Bruder Georg und Bruder Maximilien, Max genannt. Er kam vor zwei Jahren aus Frankreich dazu. Althergebrachter als das militärisch ...

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... anmutende Gebäude vermuten lässt, geht es in der Manufaktur zu, einer kleinen Küche im Erdgeschoss. Im Regal an der Wand reihen sich weiße Flaschen mit ätherischen Ölen, nebenan ist ein kleines Lager. Hier rühren die Mönche Seifen und Badesalze zusammen. „Das ist noch echte Handarbeit“, lacht Bruder Georg, während er gerade ein Lavendelmilch-Badesalz vermischt. Ein bisschen sieht es so aus, als würde der Mönch in der Plastikwanne Teig kneten. Drehen und das Badesalz zwischen den Fingern rieseln lassen – so geht es bis zu einer Stunde. Dabei trägt er lange Handschuhe, der Hygiene wegen. ÖKO-TEST zu Ehren kleidet er sich an diesem Tag mit dem weiß-schwarzen Ordensgewand, das die Mönche sonst nur an Sonntagen oder zu offiziellen Terminen tragen.

Der erste Schritt beim Badesalz: Zwölfeinhalb Kilo Salz in die Wanne geben, darauf ätherisches Öl verteilen. Bruder Georg ist es wichtig zu betonen, dass dafür ein Öl aus der französischen Lavendel-Pflanze Maillette verwendet wird. Dann bleibt das Salz für zwei Tage stehen. Anschließend kommen noch Lavendelblüten, Hafermehl und Milchpulver in die Wanne. Das Rezept stammt von ihrem verstorbenen Abt – das Geheimnis, woher er es hat, lässt sich heute nicht mehr lüften, die Mönche können nur mutmaßen: „Er war ein Kräuterexperte und sehr belesen“, beschreibt ihn Bruder Georg.

Nach dem „Kneten“ füllen die Brüder das Salz an einer langen Tischreihe ab – in Weck-Gläser wie zu Omas Zeiten. Mit dem Glas klopft Gregor leicht an den Rand der Wanne, damit keine Hohlräume im Salz entstehen. Bruder Max macht den Deckel drauf, verschließt ihn mit zwei Metallklammern und kontrolliert dabei die Menge. Einmal sagt er in seinem charmanten französischem Akzent: „ein bisschen mehr“ und gibt das Glas an Bruder Georg zurück.

ÖKO-TEST rät

Wer Naturkosmetik wünscht, achtet am besten auf Siegel wie Natrue oder BDIH – nur so geht man sicher, dass tatsächlich Naturkosmetik ohne ungewollte Stoffe wie PEG/PEG-Derivate oder künstliche Farbstoffe im Einkaufskorb landen.
Fast alle untersuchten Produkte enthalten Duftstoffe, die in seltenen Fällen Allergien auslösen können. Deshalb werten wir sie nicht ab. Duftstoffallergiker greifen aber sicherheitshalber zu den Marken, die solche Duftstoffe nicht enthalten.
Natürliche Badezusätze mit ätherischen Ölen gleich nach Verwenden wieder verschließen, die ätherischen Duftnoten verflüchtigen sich schnell.

In Handarbeit stellen die Mönche ihre Produkte her, die sie im Klosterladen verkaufen. In das Badesalz kommen auch Lavendelblüten. Anschließend mischen sie es und füllen es wie zu Omas Zeiten in Weckgläsern ab.


Die Mönche verdienen mit den Produkten ihren Lebensunterhalt.

Vier verschiedene Bäder, zehn Seifen, sechs Balsame und andere Einzelprodukte wie Schuhcreme und Kaffeewürzer verkaufen sie im Klosterladen, über die Internetseite sowie auf großen Märkten. Drei davon finden auf dem Gelände der Abtei statt, dazu fahren auch Aussteller von außerhalb an. Zudem haben sie einen Großabnehmer, eine Warenhauskette, das ist für die Kalkulation und die Bestellmengen wichtig. Denn die Inhaltsstoffe beziehen sie ganz regulär bei Zulieferern.

Am beliebtesten bei den Bädern ist das Lavendelmilchbad.

Davon hat die Abtei von Anfang des Jahres bis November 21 Wannen produziert, etwa 1.000 Gläser. Bei der Arbeit unterstützen sie zwei Helfer und bei den großen Ereignissen einige Ehrenamtliche.

Was blubbert denn da?

Bei Schaumbädern sorgen meist waschaktive Substanzen für die weiße fluffige Augenpracht, sie haben aber einen Nachteil für die Haut: Sie trocknen aus. Naturkosmetik kommt ohne diese Tenside aus, deshalb sind damit schaumige Wanneninhalte auch nur schwer zu erreichen. Statt Schaumbad bieten sich aber auch andere Badevarianten an. In festen Badestücken – wie Herzen und Würfeln – steckt oft Natron, das man aus Backpulver kennt. Es löst sich in Wasser auf und sorgt in Verbindung mit Säure für den leicht blubbernden Effekt. Bei Ölen blubbert nichts. Sie sorgen für Badevergnügen, indem sie sich gut im Wasser verteilen, dafür kommen in konventionellen Produkten Emulgatoren zum Einsatz, die Naturkosmetik schafft dies ohne PEG/PEG-Derivate. Die Badesalze enthalten – wie es der Name schon sagt – vor allem Salze in unterschiedlichster Körnung. Langanhaltender natürlicher Duft über Monate hinweg ist bei Naturkosmetik generell schwierig, bei Salzen ist es tendeziell besonders kompliziert.

Anfang November haben sie die große Weihnachtsorder für den Großanbieter fertig gemacht. „Bei so einer Bestellung kommen auf einmal schon 500 Badesalze und 200 bis 400 Seifen zusammen“, berichtet Bruder Georg.

Badezusätze wie die der Mönche laden in der dunklen und kalten Jahreszeit dazu ein, sich in der Wanne zurückzulegen, die Augen zu schließen und die Wärme zu genießen. Einfach mal die Seele baumeln lassen und den Alltagsstress vergessen. Kaufen kann man unterschiedlichste Wannenbegleiter: Öl, Schaumbäder, Kugeln, Salz, Herzen und Würfel, am Stück zum Abbröseln, aber auch „eingetütet“ als Kissen. Insgesamt 20 davon haben wir eingekauft, sie alle sehen natürlich aus. Tatsächlich ist aber nur ein Teil zertifizierte Naturkosmetik. Was steckt drin? Das wollten wir wissen und haben die Badezusätze an verschiedene Labore geschickt.

Das Testergebnis

Entspannend sind auch die meisten Inhaltsstoffe. Fast alle Zusätze sorgen für Badespaß ohne Schadstoffe. 17 mal „sehr gut“ – so ein Testergebnis kann sich wirklich sehen lassen.

Schwarzes Schaf. Einen Ausreißer gibt es aber im Test: Lush setzt unter anderem CI 45410 ein. Der Farbstoff ist rein chemisch erzeugt und gehört zur Gruppe der halogenorganischen Verbindungen.
• Verwirrend. Alle konventionellen Badezusätze im Test wirken von der Verpackung her oder von den beworbenen Aussagen irgendwie natürlich. Bei Treets Relaxing Bath Tea zum Beispiel prangt als selbst entworfenes Logo „eco“ in Form eines Blattes auf der Packung – das kann man im Regal schon mal mit zertifi zierter Naturkosmetik verwechseln, sie ist es aber nicht. Genauso wenig wie das CMD Sandorini Wohltuendes Schaumbad. Der Name des Herstellers CMD Naturkosmetik weckt eine Erwartung, die das Produkt nicht erfüllt – das Schaumbad enthält eine Verbindung, die nicht pfl anzlichen Ursprungs ist und die etwa bei einem Natrue-zertifi ziertem Produkt nicht zulässig wäre. Auch schwierig für Kunden fi nden wir die Aussage auf der Verpackung des konventionellen Pflegeölbad von Kneipp „Naturkompetenz wirksam verträglich“. Das enthaltene PEG-Derivat ist in zertifi zierter Naturkosmetik allerdings verboten – genauso wie die künstlichen Farbstoffe, die wir beim Durance Badesalz Cotton Flower fi nden.

So haben wir getestet

Der Einkauf
Im Test sind Badezusätze aus der Naturkosmetik und solche, die besonders natürlich aussehen beziehungsweise von den Anbietern als natürlich oder handgemacht beworben werden. Badeöle, -salze, -kugeln, -herzen, -pulver und -säckchen. 100 Milliliter beziehungsweise 100 Gramm der Badezusätze aus Drogeriemärkten, Warenhäusern und Parfümerien kosten zwischen zwei und knapp 17 Euro.

Die Inhaltsstoffe
Was natürlich aussieht, muss es noch lange nicht sein. Wir haben die Badezusätze von verschiedenen Laboren untersuchen lassen: Stecken kritische Konservierungsmittel in den Wannenbegleitern oder bedenkliche Farbstoff e? Außerdem haben wir die Badezusätze einer umfangreichen Duftstoff analyse unterzogen.

Die Bewertung
Bei Badezusätzen denkt man an Entspannung und Verwöhnen, nicht an Stoff e, die beispielsweise die Haut reizen. Deshalb erhalten auch nur Produkte ein „sehr gut“, die keine Schadstoff e enthalten. Anzeige Die Verpackung sieht zwar wie Naturkosmetik aus, innen steckt aber ein konventionelles Badeöl.


Foto: Jörg Fokuhl

Fotos (4): Jörg Fokuhl

Foto: ÖKO-TEST