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TEST Basische Nahrungsergänzungsmittel: Sauer macht frustig


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 2/2015 vom 30.01.2015

Um die vermeintlich allgegenwärtige Übersäuerung in Schach zu halten, werden Basenpulver angeboten. Doch dem gesunden Verbraucher nutzen sie nicht. Fast alle untersuchten Produkte schneiden mit „ungenügend“ ab.


Artikelbild für den Artikel "TEST Basische Nahrungsergänzungsmittel: Sauer macht frustig" aus der Ausgabe 2/2015 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: NinaMalyna/Shutterstock

Es gibt viele Gründe, sauer zu reagieren: Stress in der Beziehung, die verspätete Bahn, Ärger im Büro: Aber kann unser Körper durch Stress und falsche Ernährung auch übersäuern? Anscheinend ja, denn warum sonst gäbe es einen ganzen Industriezweig, der vom Verkauf basischer Produkte lebt, die überschüssige Säure neutralisieren sollen. Da ist zum Beispiel das auf ...

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... pflanzliche und homöopathische Arzneimittel spezialisierte Familienunternehmen Pascoe, das in den Verbraucherinformationen seiner Basenprodukte die heutigen Lebensgewohnheiten infrage stellt: „Essen Sie viel Fleisch, Wurst und Käse und wenig Obst und Gemüse? Rauchen Sie? Trinken Sie Alkohol? Keine Zeit für Bewegung? Fasten Sie? Treiben Sie Leistungssport? Haben Sie häufig mit ‚Ja‘ geantwortet, dann könnte eine verstärkte Säurebelastung vorliegen bzw. der Säure-Basen-Haushalt nicht ausgeglichen sein.“

Die Folgen einer aus einseitiger Ernährung und Bewegungsmangel resultierenden Übersäuerung sollen sich vor allem in unspezifischen Symp tomen äußern: Müdigkeit und Erschöpfung, erhöhte Stressempfindlichkeit, nachlassende Konzentration, Muskel- und Gelenkbeschwerden sowie Veränderungen der Haut, Haare und Nägel nennt beispielsweise die Firma Protina. Und wenn es einmal so weit gekommen ist, dann lassen sich Allergien, Osteoporose, Rheuma, Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Venenleiden durch „eine Herstellung des Gleichgewichts von Säuren und Basen positiv beeinflussen“, das meint jedenfalls der Reformhaus-Ratgeber „Säure-Basen-Haushalt im Gleichgewicht“. Fairerweise wird wenigstens eingeräumt, dass diese vermeintlichen Erfolge vor allem auf Erfahrungsberichten beruhen. In der Natur- und Erfahrungsheilkunde wird eine Übersäuerung als „latente Gewebsacidose“ beschrieben. Gemeint ist damit eine verminderte Pufferkapazität in den Zellen und im Gewebe zwischen den Zellen. Verfechter der Übersäuerungshypothese stufen Obst und Gemüse aufgrund ihrer hohen Kalium-, Magnesium- und Calciumgehalte als Basenbildner ein, Fleisch, Käse, Eier und Getreideprodukte hingegen als Säurebildner. Auch sulfatreiche Mineralwässer und phosphathaltige Getränke wie Cola werden zu den säurebildenden Lebensmitteln gezählt. Fette, Öle und weißer Zucker verhalten sich neutral, liefern also weder überschüssige Säuren noch überschüssige Basen. Zwar kann auch eine abwechslungsreiche, gesunde Ernährung einen gewissen Säureüberschuss erzeugen, doch „beim gesunden Erwachsenen sind die Regulationssysteme des Säure-Basen-Haushalts auch bei einer einseitigen Ernährung in der Lage, Säure- und Basenüberschüsse zu kompensieren und auszuscheiden“, erklärt Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). „Allgemein ist es daher für gesunde Personen nicht notwendig, zusätzliche ‚basenfördernde‘ Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen.


Das ganze Gedankengebäude hat jede Menge Haken


Auch die Einteilung der Lebensmittel in sauer und basisch ist überflüssig, da weder eine säureüberschüssige noch eine basenüberschüssige Kost bei gesunden Menschen irgendeinen Vorteil bedeuten“, betont Gahl.

Das ganze Gedankengebäude hat aber noch einen weiteren Haken: Eine Übersäuerung ist laborchemisch nur sehr aufwendig messbar. Die Sinnhaftigkeit einer physikalisch- chemischen Bestimmung des Säuregehalts in Körperflüssigkeiten zur Beurteilung einer Übersäuerung im ganzheitsmedizinischen Sinn sei fraglich, schreibt Professor Manfred Herold in „Säure – Basen – Schlacken“, einer wissenschaftlichen Pro-und-contra-Diskussion. Denn die physiologischen, meist tageszeitlich bedingten Schwankungen seien größer als jene Verschiebungen, wie sie durch eine angenommene Übersäuerung des Körpers erfolgen könnten.

Eine im Jahr 2009 im Fachblatt Journal of Bone and Mineral Research veröffentlichte Metaanalyse zerlegt zudem die Hypothese, nach der eine ernährungsbedingte Säurelast den Verlust von Knochenmineralien und Osteoporose fördert. Und 2013 resümiert David A. Hanley, Endokrinologe an der Universität Calgary in Kanada, dass sich eine eher alkalische Ernährung oder die zusätzliche Einnahme von Kaliumcitrat oder Kaliumhydrogencarbonat in Studien nicht einheitlich als vorteilhaft für die Knochen erwiesen hätten. Gerade bei älteren Menschen sei viel mehr eine nicht ausreichende Proteinaufnahme ein Problem für die Knochengesundheit. Dem pflichtet auch Jean-Philippe Bonjour von der Abteilung für Knochenerkrankungen am Universitätshospital in Genf in der Schweiz bei. Er hält es nicht für gerechtfertigt, tierische Eiweiße aus der Ernährung zu streichen oder den Verzehr alkalisierender Lebens- oder Nahrungsergänzungsmittel zu verfechten.

Im ÖKO-TEST: 32 basische Nahrungsergänzungsmittel in unterschiedlichen Darreichungsformen. Wir haben sie im Hinblick auf einen möglichen Nutzen unter die Lupe genommen, im Labor auf Schwermetalle wie Arsen, Blei und Cadmium untersuchen lassen und einen kritischen Blick auf die Deklaration geworfen.

ÖKO-TEST rät

Sparen Sie sich das Geld für Basenpulver. Besser: Setzen Sie auf eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse.

Auch basische Badezusätze oder Basencremes braucht niemand. Sie heben den pH-Wert der Haut an, was aber die Funktion des Säureschutzmantels einschränkt.

Das Testergebnis

Einfach nur schlecht: Einige wenige Produkte kommen gerade noch mit einem „mangelhaft“ davon, der Rest ist „ungenügend“. Fehlender Nutzen für den gesunden Verbraucher, überdosierte Inhaltsstoffe und eine lausige Deklaration führen zu diesem vernichtenden Urteil.
Nützt nichts: Viele Anbieter berufen sich bei der Frage nach dem Nutzen ihres Produktes auf zulässige gesundheitsbezogene Angaben. Dazu beispielhaft die Firma Medicom (Nobilin Balance Säure Basen Direktgranulat, Sticks): „Der Nutzen wird durch die Health-Claims-Verordnung (…) und die zulässige gesundheitsbezogene Angabe zu Zink bestätigt, ‚Zink trägt zum normalen Säure-Basen-Stoffwechsel bei‘.“ Allerdings komme ein verschlechterter Säure-Basen-Stoffwechsel durch eine unzureichende Zinkaufnahme in der Allgemeinbevölkerung der EU nicht vor, fügt die europäische Lebensmittelbehörde EFSA in ihrer wissenschaftlichen Stellungnahme dazu an. Gesundheitsbezogene Angaben, denen zufolge Natrium-, Kalium-, Calcium- oder Magnesiumcitrate helfen, das Säure-Basen-Gleichgewicht zu erhalten und somit die Knochengesundheit zu unterstützen, wurden mangels ausreichender Nachweise von der EU-Kommission für nicht zulässig erklärt. Gleiches gilt für Natrium- und Kaliumcarbonate und -hydrogencarbonate. Für uns heißt das: Der gesunde Verbraucher hat von der Einnahme der getesteten Basenpulver keinen Nutzen. Pauschale Aussagen wie „Citrate für den Körper“ oder „mit basenbildenden Mineralstoffen und Vitaminen“ werten wir zusätzlich ab. Produktspezifische Studien gibt es nur sehr wenige. Das sei „auch nicht notwendig, da es sich hier um ein Nahrungsergänzungsmittel und kein Arzneimittel handelt“, schrieb uns Medicom. Tatsächlich müssen Nahrungsergänzungsmittel vor dem Inverkehrbringen lediglich angemeldet werden, strenge Tests wie bei Arzneimitteln sind nicht erforderlich.
Mineralstoffe und Grünzeug nach Gutdünken: Mangels einer gesetzlichen Regelung für Höchstmengen von Vitaminen und Mineralstoffen in Nahrungsergänzungsmitteln orientieren wir uns bei der Bewertung weiterhin an den entsprechenden Empfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Weil beispielsweise die Versorgung der Bevölkerung mit den Spurenelementen Kupfer und Mangan gesichert ist, sollten diese Nahrungsergänzungsmitteln nicht zugesetzt werden – dennoch stecken sie in vielen Produkt. Vielfach überschritten werden die empfohlenen Höchstmengen von Kalium, Calcium, Magnesium und Zink. Dabei sind beispielsweise Nahrungsergänzungsmittel mit Calcium ins Gerede gekommen, weil sie möglicherweise ein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellen. Produkte mit Zink sollten laut BfR nicht von Kindern und Jugendlichen eingenommen werden, solche mit Magnesium nicht von Kindern unter vier Jahren. Doch Altersbeschränkungen fehlen auf fast allen Produkten oder waren nicht ausreichend. Den Produkten Zink zuzusetzen, ist eigentlich paradox, denn Basenpulver sollen ja unter anderem den durch zu viel Fleisch verursachten Säureüberschuss neutralisieren.

Da Fleisch aber als sehr gute Zinkquelle gilt, zählt der Fleischesser nicht zu denjeni- gen, der ergänzend Zink benötigt.

Problematisch für die Knochengesundheit ist nicht ein übersäuerter Körper, sondern gerade bei älteren Menschen häufig zu wenig Eiweiß in der Ernährung.


Foto: Richard Lyons/Shutterstock

Sauer oder basisch

Wie sauer oder alkalisch (basisch) eine Lösung ist, definiert der Chemiker über den pH-Wert: Ein pH-Wert von 7 wird als neutral bezeichnet, geringere Werte als sauer, höhere als basisch. Der saure Magensaft weist einen pH-Wert von ca. 2 auf, im Zwölffingerdarm liegt er zwischen 8 und 8,5. Der pH-Wert des Urins schwankt im Tagesverlauf zwischen 4,8 und 7,5. Im Blut wird der pH-Wert – bis auf einige Hundertstel Einheiten genau – konstant bei 7,4 gehalten, in den Zellen bei etwa 7,2, er liegt damit im schwach basischen Bereich.

Viele Basenpulver enthalten Hydrogencarbonate. Die eingesetzten Mengen lassen aber Folgen wie Völlegefühl, Aufstoßen und Blähungen erwarten, denn in der empfohlenen Tagesdosis entsprechen sie häufig denen von Arzneimitteln gegen Sodbrennen. In deren Beipackzetteln wird allerdings auf mögliche Nebenwirkungen hingewiesen – anders als bei den Nahrungsergänzungsmitteln. Völlig unnötig ist der Zusatz von Kieselerde. Sämtliche beanspruchten gesundheitsbezogenen Angaben wurden nicht zugelassen. Auch Beigaben wie Zeolith oder Korallenpulver lassen sich wissenschaftlich nicht begründen. In einigen Pulvern stecken verschiedene pflanzliche Zubereitungen, die auch mengenmäßig ausgelobt werden. Wir bemängeln hier eine fehlende nähere Beschreibung, anhand derer zumindest der Fachmann erkennen könnte, ob von diesen Zubereitungen irgendwelche Effekte zu erwarten sind. Eine entsprechende Forderung haben Wissenschaftler um Professor Andreas Hahn vom Institut für Lebensmittelwissenschaft und Ökotrophologie der Universität Hannover in dem Leitfaden „Botanicals in Nahrungsergänzungsmitteln“ aufgestellt.
Nicht ganz sauber: Der Joachim Kaeser Basen In Balance Säure Basen Ausgleich-Drink fiel durch einen erhöhten Arsengehalt auf. 13 Produkte liefern vergleichsweise viel Nickel, umgerechnet mehr als 20 Mikrogramm (μg) in einer Tagesdosis. Für Trinkwasser gilt ein Höchstwert von 20 μg pro Liter. Für Nickelallergiker, die ohnehin auf eine nickelarme Ernährung achten, ein Grund mehr, diese Produkte zu meiden.
Belastung für die Nieren: Wenn man das Dasein der Basenpulver schon damit rechtfertigt, dass sie die Folgen einer schlechten Ernährung ausgleichen, dann sollte man wenigstens auf unnötige Inhaltsstoffe verzichten: Zugesetztes Aroma oder Süßstoffe sollen sieben Produkte schmackhaft machen. Phosphatzusätze belasten unnötig die Nieren.

So reagierten die Hersteller

■Erfrischend ehrlich war die FirmaEspara (Espara Basen, Kapseln): „Es gibt für dieses Produkt keine produktspezifischen Studien. (…) Das Thema ‚Übersäuerung‘ und Therapie mit Hilfe von basischer Ernährung wird sehr widersprüchlich diskutiert und es gibt eine Vielzahl von Pros und Kontras. Auch wenn wissenschaftliche Daten noch fehlen, so zeigen doch die Erfahrungen vieler naturheilkundlich orientierter Mediziner, dass mit Hilfe basischer Ernährung sich die Befindlichkeit bessert.“ Ähnlich äußerte sichBiopräp: „Auf Ihre Frage zu Untersuchungen, die den allgemeinen Nutzen unserer basischen Nahrungsergänzung belegen, können wir nur auf Probandentests zur Feststellung einer Veränderung des pH-Wertes im frischen Urin (…) verweisen. (…) Die Ergebnisse sind nicht aussagekräftig. Gleichzeitig wurde das Wohlbefinden der Probanden abgefragt, und dort zeigte sich eine evidente ‚Verbesserung des Wohlbefindens‘ bei Einnahme des Produktes im Vergleich zur Aufnahme von reinem Wasser. Wir wissen, dass dies bei der EFSA einer Prüfung nicht standhalten würde. Da hat es schon ganz andere Eingaben zerrissen.“Pascoe listet neun Anwendungsgebiete von Müdigkeit und Erschöpfung bis hin zu brüchigen Nägeln auf, die durch die Basentabs pH-Balance positiv beeinflusst worden seien. In einer Fußnote wird jedoch eingeschränkt: „Für eine Vielzahl der aufgeführten Wirkungen gibt es keine Anerkennung durch die Schulmedizin.“

■ Einige Anbieter(Sunlife, Naturwohl Pharma, Anton Hübner) berufen sich unter anderem auf eine 2009 im Fachblatt Nutrition Journal erschienene Studie, in der die Einnahme eines Mineralstoff-Supplements die pH-Werte von Blut und Urin deutlich anhob. Ja und?, möchte man sagen, schreiben die Autoren dieser Studie doch weiter, dass die sich daraus ergebenden gesundheitlichen Konsequenzen noch ermittelt werden müssten. Häufig zitiert(Ökopharm, Fitne) wurde auch eine in der Zeitschrift Erfahrungsheilkunde veröffentlichte Anwendungsbeobachtung mit 259 Teilnehmern. Auch diese lässt Aussagekraft vermissen. Unter anderem werden die Ein- und Ausschlusskriterien nicht beschrieben, es ist lediglich von „arbeitsfähigen Personen (mit unterschiedlichen Beschwerdebildern)“ die Rede. DieDr. Welte Pharma betont, ihr Produkt Rebasit werde in einem Artikel über die Behandlung des Harnsteinleidens aufgeführt. Auch das begründet nicht, warum der gesunde Verbraucher dieses Nahrungsergänzungsmittel einnehmen sollte.
■Zum Nickelgehalt in ihren Produkten schrieb uns zum Beispiel die FirmaMadena, der gefundene Gehalt an Nickel im Basen Citrate Pur, Pulver sei „völlig unschädlich und darüber hinaus lebensmitteltypisch“. Mit dem Produkt verzehre man nicht mehr Nickel als man mit einer Scheibe Weizenvollkornbrot zu sich nehme. Während allerdings Weizenvollkornbrot anders als ein Basenpulver Teil einer abwechslungsreichen Ernährung ist, bedeuten geringe Nickelmengen im ersten Fall eine kaum vermeidbare und im zweiten eine unnötige Belastung des Verbrauchers.

So haben wir getestet

Der Einkauf

Eingekauft wurden Nahrungsergänzungsmittel, deren Hersteller entweder einen Beitrag zum Säure-Basen-Haushalt ausloben oder deren Name nahelegt, dass sie als „Basen“-pulver- oder -kapseln Säuren neutralisieren sollen oder die von Internetapotheken entsprechend beworben wurden. Quellen waren Apotheken, Drogerien, Reformhäuser und der Versandhandel.

Der Nutzen

Was bringen Basenpulver? Dazu haben wir den Anbietern zwei Fragen gestellt: 1. Auf welche Untersuchungen, die allgemein den Nutzen einer basischen Nahrungsergänzung belegen, beziehen Sie sich? 2. Gibt es produktspezifische Studien, in denen die Wirkung Ihres Produktes auf den Säure-Basen-Haushalt untersucht worden ist? In beiden Fällen sollten uns die Anbieter diese Untersuchungen nennen. Parallel dazu haben wir selbst medizinische Datenbanken nach solchen Studien und aktuellen Forschungsergebnissen durchforstet.

Inhaltsstoffe und Deklaration

Anhand der Deklaration ließen wir prüfen, ob die angegebenen Mengen an Vitaminen und Mineralstoffen im Einklang mit den Höchstmengenempfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung stehen und ob die gesundheitsbezogenen Angaben tatsächlich den Segen der EU-Kommission haben. Da es sich bei den Basenpulvern vor allem um Mischungen verschiedener Mineralstoffe handelt, haben wir sie im Labor auf mögliche bedenkliche Verunreinigungen wie Arsen, Cadmium, Nickel, Blei, Quecksilber und Thallium untersuchen lassen.

Die Bewertung

Da sich Nahrungsergänzungsmittel nicht an Kranke richten, steht für uns die Frage im Vordergrund, ob sie dem gesunden Verbraucher nutzen. Ist dies nicht der Fall, können die Produkte nicht besser als „befriedigend“ abschneiden. Zu hoch dosierte maßgebliche Inhaltsstoffe und fragwürdige Auslobungen machen daraus aber schnell ein „mangelhaftes“ oder gar „ungenügendes“ Gesamturteil.

Ein basischer pH-Wert des Urins und alles ist gut? Das konnten die Hersteller in Studien nicht belegen.


Foto: deyangeorgiev/iStock/Thinkstock