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Test: Behringer MS-101


Beat - epaper ⋅ Ausgabe 8/2019 vom 03.07.2019

Nach dem Moog Model D hat Behringer einen weiteren beliebten Mono-Synthesizer nachgebaut, den Roland SH-101.


Features
monophoner Analogsynthesizer 32 halb-gewichtete Tasten analoger VCO Curtis 3340 basiert Filter-FM durch VCO LFO mit weitem Frequenzbereich Arpeggiator und Step-Sequenzer Anbindung via USB, MIDI, CV/Gate

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Bildquelle: Beat, Ausgabe 8/2019

Alternativen

Novation Bass Station 375 Euro www.novationmusic.com
Korg Monologue 249 Euro www.korg.de
Roland SE-02 434 Euro www.roland.com
Arturia Microfreak 299 Euro www.arturia.com

Einige Zeit ist vergangen, seit Behringer den Klon des beliebten Roland-Synthesizers SH-101 vorgestellt ...

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... hat. Bereits im letzten Jahr wurde der MS-101 getaufte Synthesizer anspielbereit auf der Superbooth-Messe in Berlin präsentiert, erst gut ein Jahr später ist der Synthesizer käuflich zu erwerben. Zumindest haben die ersten Vorbesteller ihre Exemplare ausgeliefert bekommen und erhielten dabei eine unerwünschte Überraschung. Der relativ lange Zeitraum war wohl doch noch nicht ausreichend, die regulär an Endkunden ausgelieferten Geräte enthielten noch einige Bugs. Dabei handelte es sich um essenzielle Fehler wie nicht funktionierende MIDI-Anschlüsse und mangelhafte Clock-Synchronisation, die Zweifel an ausreichenden Beta-Tests vor Veröffentlichung aufwerfen. Behringer hat aber schnell reagiert und neue Firmware herausgebracht, die zumindest bei den meisten ausgelieferten Exemplaren die schwer wiegendsten Fehler ausgemerzt haben. Professionell sieht allerdings anders aus!

Das Original: Roland SH-101

Vielen Lesern wird das offensichtliche Vorbild bekannt sein, dennoch beginnen wir mit einer kleinen Vorstellung des SH-101. Es handelt sich um einen relativ simpel aufgebauten monophonen Analog-Synthesizer aus den frühen 80er Jahren, der wie die anderen Roland-Geräten wie TR-909 und TB-303 erst ein Jahrzehnt später, nachdem er längst aus den Regalen der Musikläden verschwunden ist, im Rahmen der Technobewegung so richtig beliebt wurde. Und selbst da verschwand er erst im Schatten der übermächtigen TB-303 und erhielt erst Beachtung, als die 303 nur noch selten und zu Mondpreisen auf dem Markt erhältlich war und die Techno-, House- und Acid-Produzenten eine preiswerte Alternative suchten. Denn der SH-101 besitzt wie die 303 einen leicht zu programmierenden und zum analogen Clock-Signal eines Drumcomputers synchronisierbaren Sequenzer mit Slides.

Effektive Klangerzeugung

Die Klangerzeugung des SH-101 ist sogar ein wenig flexibler als die TB-30 und im Prinzip eine Mischung aus der Bass Line und einem monophonen Juno. Ein einziger Oszillator mit den Wellenformen Rechteck und Sägezahn sowie Sub-Oszillator und Rauschgenerator dient als Klangquelle. Das klingt sehr spartanisch, wie Rolands Juno-Synthesizern können alle Wellenformen aber gleichzeitig zusammengemischt werden. Die Rechteckwelle kann in der Pulsweite angepasst werden, eine Modulation (PWM) per LFO und Hüllkurve für volleren Klang durch Simulation eines zweiten leicht verstimmten Oszillators ist ebenfalls möglich. Und der Sub kann wahlweise eine oder zwei Oktaven tiefer mitspielen, er erzeugt eine Rechteckwelle mit zwei verschiedenen Pulsweiten und sorgt für das Bassfundament. Die Tonhöhe des Oszillators besitzt einen Tonumfang von 16‘ bis 2‘ und ermöglicht sowohl ultra- deepe Bässe als auch hohe Arpeggios.

Knackiges Filter

Den subtraktiven Teil der Klangerzeugung übernimmt das ordentlich zupackende 24dB-Tiefpassfilter, das bei hohen Resonanzwerten auch schön kreischen und zwitschern kann. Das klingt zwar etwas anders als bei der TB-303 und die Resonanz hat manchmal eher einen etwas metallisch-glockigen, ringmodulationsähnlichen Charakter, sorgt aber auf jeden Fall für einen sehr eigenständigen Sound. Auch richtig giftig kann das Filter mit Resonanz klingen, der SH-101 bildet dann wie die TB-303 ein tolles Team mit einem nachgeschalteten Verzerrer. Wichtiges Element ist in Kombination mit der Filterfrequenz auch die sehr knackige ADSR-Hüllkurve, die ebenfalls den Lautstärkeverlauf regelt, wenn der VCA nicht auf Gate oder Gate&Trig gestellt ist. Als weiteren Modulator gibt es einen LFO mit den Wellenformen Rechteck, Sägezahn, Random und Noise, der auf die Modulationsziele Oszillator (Pitch), Pulsweite und Filterfrequenz wirken kann.

Perfekter Klon …

Jetzt aber zum Testgerät, dem Behringer MS-101. Schon äußerlich macht der Synthesizer keinen Hehl daraus, wer als Vorbild Pate stand. Die Größe des Gehäuses ist nahezu identisch, lediglich die Ecken sind etwas abgerundeter. Die Bedienelemente, allen voran die prägnanten Fader entsprechen in Design und Länge dem SH-101. Bei den Anschlüssen gibt es ein paar Unterschiede, zudem hat Behringer dem MS-101 einige zusätzliche Funktionen spendiert, zu denen wir später noch kommen. Denn in erster Linie hat uns natürlich interessiert, wie dicht der MS-101 klanglich an das Original herankommt. Schließlich ist der Hauptgrund für die Beliebtheit des SH-101 der druckvolle, knackige und satte Sound, den die doch relativ simple Klangerzeugung hervorzaubern kann. Diverse Simulationen, sei es Software wie LuSH-101 oder Hardware wie Rolands virtuell-analoger SH-01a haben sich bereits daran versucht, kamen aber nie ganz ans Original heran (boten aber andere Vorteile wie beispielsweise Polyphonie).

… und klanglich kaum zu unterscheiden

Anders sieht es beim MS-101 aus. Er fühlt sich nicht nur wie eine SH-101 an, sondern klingt auch so. Wir haben den roten Behringer-Klon direkt mit einer (allerdings grauen) SH-101 verglichen. Der kernig-satte PWM-Sound, der knochentrockene Sägezahn, der fette durchsetzungsfähige Subbass, das kräftig zupackende Filter mit der prägnanten Resonanz und nicht zuletzt die schnappende Hüllkurve, alles klingt 1:1 wie bei unserem Original aus den 80ern. Auch den schwer zu beschreibenden Plastiksound des Originals kann der MS- 101 reproduzieren.

Bei simpleren Sounds ließen sich die Einstellungen direkt übernehmen und wir wagen es zu bezweifeln, dass selbst langjährige SH-101-Nutzer im Blindtest die beiden Synthesizer klanglich unterscheiden können. Bei komplexeren Sounds, vor allem mit hoher Resonanz, wo die kleinste Bewegung des Cutoff-Faders eine Klangveränderung hervorruft, waren teilweise leichte Anpassungen notwendig, dennoch kamen wir im Endergebnis immer zu nahezu identischen Sounds. Da auch nicht alle SH-101 exakt gleich kalibriert waren, wären gewisse Anpassungen der Faderstellungen auch beim Vergleich zwischen zwei Originalen erforderlich gewesen. Wer es im Detail hören und selbst entscheiden will, dem empfehlen wir den knapp einstündigen Vergleich auf YouTube namens „Behringer MS-101 vs Roland SH-101 - The 101 Shootout!“ [1] Um es kurz zu machen: Beim Model D war Behringer dicht dran, bei komplexeren Klängen mit FM oder Overload hörte man aber doch noch leichte Unterschiede. Die zugegebenermaßen etwas einfacher aufgebaute Klangerzeugung des SH-101 wird im MS-101 dagegen nahezu identisch nachgestellt, vor allem Behringers Nachbau des Curtis CEM3340 VCO-Chips überzeugt auch im MS-101.

Audio-In & LFO

Behringer hat sich aber nicht mit einem klanglich identischen Nachbau zufriedengegeben, sondern dem MS-101 ein paar Extras spendiert, die das Klangspektrum deutlich erweitern. Hierbei haben sich die Entwickler augenscheinlich an der Nova Modifikation für den SH-101 orientiert. Eine Buchse auf der Rückseite erlaubt das Einschleifen von externem Audio in den Signalweg, um andere Klangerzeuger mit dem guten Filter des MS-101 zu bearbeiten. Die Lautstärke lässt sich per Fader auf der Oberfläche bestimmen. Der LFO hat eine zusätzliche Dreieck-Wellenform spendiert bekommen, zudem lässt sich die Geschwindigkeit per Schalter zwischen langsam, mittel und schnell wählen.

Filter-FM

Besonders spannend ist die dritte Modifikation. Der MS-101 bietet serienmäßig Filter-FM, also die Modulation der Filterfrequenz durch eine sehr schnelle Modulationsquelle (Oszillator). Mit zwei Reglern wählen Sie zwischen 6 Modulationsquellen (Sägezahn, Rechteck mit unterschiedlicher Pulsweite und Oktavlage, Rauschgenerator) und stellen die Stärke der Modulation ein. Klanglich erweitert dieses zusätzliche Feature die eher eingeschränkten Möglichkeiten einer unmodifizierten SH-101 enorm, denn damit sind neben bissigen Bässen und Leads auch komplexere obertonreiche und metallische Klänge machbar.

Erweiterter Step-Sequenzer

Auch der Sequenzer wurde gegenüber dem Original erweitert. Im MS-101 scheint das gleiche Modell verbaut zu sein wie in anderen vorgestellten, aber noch nicht erhältlichen Behringer-Synthesizern wie dem Odyssey, Crave und Pro1. Die Länge eines Pattern wurde auf maximal 32 Steps ausge-dehnt, 64 Pattern lassen sich speichern. Sequenzen können über das Keyboard eingespielt oder Step-by-Step eingegeben werden. Pausen, Accents, Glides sind programmierbar, es gibt sogar eine Ratchet-Funktion für schnelle Wiederholungen der Note eines einzelnen Steps. Einfache Sequenzen wie bei der SH-101 lassen sich ebenso schnell und intuitiv erstellen wie beim Original, die zusätzlichen Funktionen wie Ratchet erfordern etwas Einarbeitungszeit. Die 8 Sequenzerbuttons sind beleuchtet und dienen bei laufendem Sequenzer als Lauflicht, die Sequenz lässt sich per Keyboard transponieren. Auch ein Arpeggiator mit elf verschiedenen Abspielmustern ist an Bord. Mit dem Temporegler lässt sich ein Swing-Faktor einstellen. Die Synchronisation zu externer Clock hat, wie oben bereits ausgeführt, bei Auslieferungszustand äußerst schlecht funktioniert, dies konnte aber per Firmware-Update gefixt werden.

MIDI, USB, Audioeingang und Velocity-Eingang sind neu hinzugekommen und erleichtern die Einbindung des MS-101 in ein bestehendes Setup.


Den MS-101 wird es wie das Original in verschiedenen Farben geben. Neben Rot stehen Blau und Schwarz zur Auswahl, erstaunlicherweise aber kein Grau.


Alles unter Kontrolle

Für die Live-Performance gibt es beim MS-101 eine Control Section links unten. Der Roland-typische Bender kombiniert Pitchbender und Modulationsrad. Die Modulation kann direkt auf Tonhöhe, Filterfrequenz und/oder LFO-Intensität wirken, dies stellen Sie mit drei Fadern ein. In der Control Section passen Sie auch den Glide an, der aber nur bei überlappenden Noten aktiviert wird. Dies entspricht der Auto-Einstellung des Originals, die On-Einstellung des SH-101 (bei der Glide bei jeder Note aktiv war) fehlt dagegen.

Modulationsgriff inklusive

Behringer liefert serienmäßig den Modulationsgriff mit, der sich links an das Gehäuse anschrauben lässt. Er besitzt ein kleines Rad als Pitchbender sowie einen Taster zum Auslösen der Modulation und erlaubt es dem Keyboarder, den Synthesizer wie eine Gitarre zu halten und endlich auch einmal am vorderen Bühnenrand zu performen. Leider hat Behringer für dieses Vorhaben aber eine nicht ganz nachvollziehbare Hürde eingebaut, denn der MS-101 kann im Gegensatz zum SH-101 nicht per Batterie betrieben werden! Auch eine Stromversorgung per USB ist nicht möglich, auf einen Akkupack können Sie nicht ausweichen. Es bleibt nur die Option, ein langes Stromkabel zu nehmen oder auf eine Nachrüstung in Form eines 9Volt-Akkupacks zu hoffen.

MIDI, USB, Velocity

Einen Vorteil hat das fehlende Batteriefach allerdings auch, denn dadurch ist der MS-101 weniger tief als der SH-101 und die Anschlüsse konnten auf der Rückseite und nicht wie beim Original auf der Oberseite platziert werden. Hier finden Sie Audioausgang, Kopfhörerausgang, Audioeingang und Anschluss für ein Hold-Pedal, allesamt als 6,3-mm-Klinkenbuchse ausgelegt. Es gibt Ein- und Ausgänge für CV/Gate, um den MS-101 mit externem Analog-Equipment anzusteuern oder andere analoge Geräte mit dem internen Keyboard und Sequenzer zu triggern. Clock-Eingang und Filterfrequenz-Eingang sind ebenfalls vorhanden. Neu hinzugekommen ist ein Velocity-Ausgang. Wenn Sie diesen Ausgang mit dem FilterCV-Eingang verbinden, können Sie die Filterfrequenz per Anschlagdynamik steuern. Im Gegensatz zum Original sind die Buchsen eurorack-freundlich als 3,5-mm-Klinken ausgelegt. Neu hinzugekommen sind ein MIDI-Trio sowie ein USB-Anschluss, ebenfalls für MIDI-Noten und Anschlagdynamik. Die Klangparameter sind aber nicht per MIDI steuerbar.

Fazit

Der MS-101 von Behringer sieht aus wie eine SH- 101, klingt wie eine SH-101, bietet zusätzliche Funktionen wie Filter-FM und kostet neu nur etwa ein Drittel eines gebrauchten 40 Jahre alten Originals. Sogar der Modulationsgriff ist im Kampfpreis von 299 Euro inbegriffen. Umso bedauerlicher ist, dass auf den Batteriebetrieb verzichtet wurde, was eigentlich der einzige wirkliche Kritikpunkt ist, falls Sie den Synthesizer auch unterwegs oder publikumswirksam auf der Bühne verwenden wollen. Im Studio ist dies aber ohne Belang, hier zählt allein der Sound und die Haptik und da gibt es zu dem Preis absolut nichts zu meckern.