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Test: Behringer RD-8


Beat - epaper ⋅ Ausgabe 12/2019 vom 06.11.2019

Dank zusätzlicher Klangparameter, eingebauter Effekte und einem flexiblem Sequenzer ist die RD-8 mehr als nur ein Klon der Roland TR-808. Überzeugt sie auch im Detail?


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Bildquelle: Beat, Ausgabe 12/2019

Beim Sequenzer haben sich die Entwickler auch von aktuellen Arturia-Geräten inspirieren lassen, zahlreiche Zusatzfunktionen dienen zum Jammen und Auflockern der Beats.


Ein neuer Monat, ein neuer Behringer-Nachbau. Nach diversen Synthesizer-Klassikern hat das deutsche Unternehmen mit Produktionsumgebung in China sich den weltweit wohl bekanntesten Drumcomputer vorgenommen, die legendäre Roland TR-808. Auch heute noch ist die TR-808 ...

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... mindestens genau so beliebt wie vor 40 Jahren. So richtig aus der Mode ist der Klang und Groove der Maschine eigentlich nie gekommen, sei es für Techno, Synthpop, R&B oder HipHop. Aktuell ist insbesondere die lange, abgrundtief deepe Bassdrum für basslastige Musikstile wie Trap sehr gefragt.

Nachbau mit Ergänzungen

Soundauswahl und Sequenzer des Behringer-Drumcomputers sind eng an das Original angelehnt, im Laufe der Entwicklung musste zur Vermeidung von rechtlichen Schwierigkeiten mit Roland aber wie beim SH-101-Klon der Name von ursprünglich RD-808 zu RD-8 abgeändert werden, und auch das Design wurde durch Vertauschen der farbigen Taster und Regler abgewandelt. Behringer präsentiert aber keinen reinen Nachbau, sondern hat die RD-8 mit einigen zusätzlichen Funktionen wie erweiterten Klangparametern einzelner Sounds, globalem Filter und Transientenbearbeitung sowie nützlichen Sequenzer-Tricks ausgestattet. MIDI per USB oder DIN erleichtern die Einbindung in ein aktuelles Setup, nicht weniger als drei Triggerausgänge und Clock In/Out sorgen für die Synchronisation mit analogem Equipment.

Schön groß mit guter Haptik

Die RD-8 entspricht in der Größe in etwa dem Original, ist aber nicht ganz so robust ausgefallen. Das Gehäuse ist aus Plastik, das aufgrund seiner Dicke aber einen recht langlebigen Eindruck macht. Die Bedienelemente und deren Anordnung sind ebenfalls zum Großteil von der TR-808 übernommen. Der obere Bereich beherbergt die Regler, mit denen sich die verschiedenen Sounds anpassen lassen.

Im unteren Bereich sind die Taster angeordnet, mit denen Sie den Lauflichtsequenzer programmieren. Die Regler sind angenehm schwergängig, die Taster bieten einen guten Druckpunkt. Die Haptik der RD-8 ist angesichts des günstigen Preises als sehr gut zu bewerten. Im linken Bereich sind dann aber doch deutliche Abweichungen zur TR-808 zu sehen, denn hier sind das analoge Filter und der Transienten-Shaper, von Behringer Wave-Designer getauft, untergebracht. Das große Auswahlrad für die Instrumente wird aber wohl auch kaum jemand vermissen, die Auswahl erfolgt beim RD-8 zeitgemäß per Select-Taster für jedes einzelne Instrument. Elf dieser Instrumente stehen zur Verfügung, wobei fünf davon umschaltbar sind, also 16 verschiedene Sounds insgesamt.

MIDI, USB, Einzelausgänge, Trigger Outs und ein Return-Channel: Die Anschlüsse auf der Rückseite lassen kaum einen Wunsch offen.


Viele Anschlussmöglichkeiten

Auf der Rückseite gibt es passend dazu elf Einzelausgänge, denn die klassischen 808-Sounds schreien quasi nach Bearbeitung durch externe Effekte wie Kompressor, Distortion und Hall. Praktischerweise besitzt die RD-8 auch einen Return-Eingang: Sie können also beispielsweise die Bassdrum über einen Einzelausgang durch einen Effekt jagen und anschließend wieder in den Signalweg einschleifen. Sobald ein Einzelausgang verkabelt ist, wird das Instrument aus dem Summenausgang entfernt. Der Summenausgang ist wie beim Original in mono; entsprechend verfügen die Instrumente auch nur über einen Lautstärke- und keinen Panning-Regler. Die drei Trigger-Ausgänge sind mit Accent, Clap und Cowbell verbunden und erlauben so ein flexibles Triggern von anderem analogen Equipment und Modularsystemen. Sync-Eingang und -Ausgang mit wählbarem Teiler sind auch vorhanden und erleichtern mit Miniklinken die Einbindung von Volca & Co. MIDI über drei DIN-Buchsen oder USB ist ebenfalls an Bord.

Zusätzliche Soundparameter

Kenner werden auf den ersten Blick die zusätzlichen Soundparameter entdeckt haben. Vor allem der neue Tuning-Regler der Bassdrum wird für viel Freude sorgen. Aber auch Clap-Offset zeigte sich im Test klanglich ergiebig, hierdurch wird quasi die Attack-Phase entfernt und die Clap klingt stärker verhallt, ganz nach links gedreht eine schöne Kombination mit der Snaredrum. Allerdings muss diese Schaltung wohl immer wieder „aufgeladen“ werden, weshalb sich Offset im Test etwas unberechenbar verhielt.

Auch die getrennten Tone-Regler der HiHats arbeiten effektiv, durch Filterung lässt sich neben dem bekannten 808-Klang der Sound auch rauschiger oder metallischer Richtung TR-606 gestalten.

Wave-Designer und Analog-Filter

Für jedes Instrument können Sie wählen, ob es durch die in Serie geschalteten Wave Designer und Filter geschickt werden soll oder unbearbeitet an den Summenausgang oder den Einzelausgang. Wave Designer bietet die Regler Attack und Sustain und kann damit den Sound ähnlich den Extremeinstellungen eines Kompressors knackiger und/ oder länger machen, aber auch weicher oder runder. Bei aufgedrehtem Tone-Regler lässt sich damit die Bassdrum durchaus auch in Richtung TR-909 biegen, Snare und Toms profitieren ebenfalls von diesem eingebauten Effekt.

Das nachgeschaltete Filter klingt dagegen etwas unspektakulär. Es lässt sich zwischen Tief- und Hochpassfilter umschalten und verfügt über regelbare Cutoff-Frequenz und Resonanz. Die Filterfrequenz können Sie sogar im Pattern aufnehmen, entweder in Echtzeit die Reglerbewegung aufzeichnen oder einen individuell Wert pro Step einstellen.MIDI, USB, Einzelausgänge, Trigger Outs und ein Return-Channel: Die Anschlüsse auf der Rückseite lassen kaum einen Wunsch offen.

Modern gestalteter Sequenzer

Beim Sequenzer hat sich Behringer relativ weit vom Original entfernt, das Ganze erinnert eher an aktuelle Produkte von Arturia wie Beatstep Pro oder DrumBrute, aber ergänzt um interessante neue Ideen. Natürlich basieren alle diese Geräte im Kern weiterhin auf der klassischen TR-X0X-Programmierung, unnötige Bedienhürden wurden aber entfernt und moderne Features eingebaut. Ein Pattern kann bis zu 64 Steps lang sein, jeweils 16 Steps lassen sich direkt über die Taster programmieren. Auch ein Einspielen in Echtzeit ist möglich, hierfür dient ein großes Trigger-Pad. Es spielt aber nur das aktuell gewählte Instrument. Wollen Sie mehrere Instrumente gleichzeitig einspielen, müssen Sie einen externen Pad-Controller oder ein Keyboard nutzen. Allerdings wurde im Test bei externem Triggern die Bassdrum nicht aufgezeichnet, dieser Bug wird hoffentlich schnell behoben. Die verschiedenen Skalen von 1/8 bis 1/32 inklusive Triolen gibt es natürlich auch.

In den Speicher der RD-8 passen bis zu 16 Songs, und jeder Song umfasst 16 Pattern. Insgesamt macht das durchaus üppige 256 Pattern. Sowohl einzelne Pattern als auch komplette Songs lassen sich verknüpfen, dies sollte auch für eine längere Live-Performance reichen.

Step-Modus, Fills und Repeats

Die Programmierung des Sequenzers ist bekannt und bewährt: Instrument wählen, im Step-Modus die entsprechenden Taster drücken und der Sound wird an dieser Stelle getriggert. Gespeichert wird dies beim RD-8 aber nur, wenn die Record-Taste aktiviert ist, ansonsten sind die gesetzten Steps nach einem Durchlauf wieder weg. Ein praktisches Feature für die Live-Performance, um einfach mal ein spontanes Fill zu setzen. Gleiches gilt für Auto-Fill, nach Aktivierung werden die entsprechenden Pattern nur einmal gespielt und dann springt der Sequenzer automatisch zum Ausgangspattern zurück. Der Trigger-Button beherrscht auch Note-Repeat mit über vier Taster direkt wählbarer Geschwindigkeit. Alternativ gibt es mit Step-Repeat eine Wiederholfunktion für Teilbereiche des Pattern, dies erinnert ebenfalls sehr an Arturias Looper.



» Die RD-8 hat den Klangcharakter und den Groove der Roland TR-808. «


Ausgewählte Instrumente lassen sich filtern und in den Transienten bearbeiten.


Zahlreiche Variationsmöglichkeiten

Die Probability-Funktion ist dagegen etwas anders umgesetzt als bei den Arturia-Drumcomputern: Sie entfernt zufällig einzelne Steps aus dem Pattern und dünnt den Groove damit aus. Für jeden einzelnen Step einer jeden Instrumentenspur lässt sich einstellen, ob er von der Probability-Funktion beeinflusst werden soll oder nicht. Gleiches gilt für die Flams, die ein schnelles Doppeltriggern erlauben. Step Repeat lässt sich ebenfalls nicht nur in Echtzeit anwenden, sondern je Step programmieren. Für abwechslungsreiche Pattern ist auch die Random-Funktion interessant. Sie können zwei oder mehr Instrumente auswählen und dann einen oder mehrere Steps setzen. Diese Steps geben dann, zufällig bestimmt je Durchlauf des Pattern, immer nur eines der gewählten Instrumente wieder.

Polyrhythmik und Accent

Und ein Highlight fehlt sogar noch, die Polyrhythmik oder genauer gesagt Polymetrik. Jede Sequenzerspur kann eine individuelle Länge haben, was diffizil verändernde oder rhythmisch extrem vertrackte Pattern ermöglicht. Die Sequenzerfunktionen sind also durchaus auf Elektron-Niveau, allerdings weniger technisch und rational als eher innovativ und spielerisch umgesetzt. Und regelbarer Swing ist natürlich auch vorhanden und wirkt sogar auf Note-Repeat. Die RD-8 besitzt übrigens auch die beim Original so schmerzlich vermisste Funktion, einzelne Instrumente stumm oder solo zu schalten.

Die Accent-Spur wirkt global auf alle Spuren. Leider gibt es nicht wie z. B. bei der Electribe zumindest die Option, Accent nur für einzelne Spuren wirken zu lassen. Erfreulich ist aber, dass Accent gemeinsam mit den Notendaten der einzelnen Spuren als erhöhter Velocity-Wert per MIDI herausgesendet wird und daher auch beim Ansteuern externer Klangerzeuger oder Aufnehmen eines Pattern in der DAW Wirkung entfaltet. Entsprechend reagieren die Instrumente der RD-8 auch auf Anschlagdynamik; Werte über 100 erhöhen die Lautstärke.

Klangcharakter des Originals

Wir sparen uns bei diesem Test den detaillierten Direktvergleich mit einer echten Roland TR-808, da dies für die meisten Leser keine realistische Alternative zur RD-8 darstellen dürfte. Denn die gut 40 Jahre alten noch Originale haben größtenteils ihren Platz in Studios und bei Sammlern gefunden, die wenigen noch gehandelten Exemplare erreichen bei gutem Zustand locker den 10-fachen Preis einer neuen RD-8 oder sogar mehr. Interessanter erscheint uns daher ein Vergleich mit aktuell erhältlichen und bezahlbaren Klonen wie Rolands TR-08 und TR8S, Acidlab Miami oder Yocto 808. Aus unserer Sicht hat Behringer den Klangcharakter des Originals dabei am besten getroffen. Die Bassdrum hat ordentlich „Wumms“ und kann sich schön aufschaukeln. Die Snare und die HiHat hört man auch im dichten Mix heraus und die Toms sorgen für einen warmen und runden Gesamtklang. Über kleine Unstimmigkeiten wie die zu lauten Clap und RimShot kann man hinwegsehen, denn die RD-8 hat ohne Frage den Groove, der die TR-808 so beliebt macht.

Okay, das Original klingt noch einen Tick charaktervoller und frecher und groovt noch ein bisschen mehr. Puristen werden sich daher weiterhin auf die Suche nach dem Original machen und jede Menge Scheine auf den Tisch legen müssen.

Behringer vs. Roland

Acidlab Miami und Yocto 808 sind klanglich zwar nicht unbedingt schlechter als die RD-8, kosten aber auch das Dreifache bzw. müssen selbst zusammengebaut werden, was auch nicht jedermanns Sache ist. Und der Unterschied zu den ebenfalls nicht schlecht klingenden Roland-Geräten auf Basis der ACB-Technik oder als Plug-in wird vor allem dann deutlich, wenn Sie die Instrumente nachbearbeiten. Die analogen Verzerrer und Filter des Heat von Elektron beispielsweise reagieren auf die analoge Klangerzeugung des RD-8 hörbar dynamischer und musikalischer als auf die TR-808 aus der Roland-Cloud oder auf TR-808 Drumracks auf Sample-Basis, gleiches gilt für hochwertige Hall-Plug-ins von Softube oder Eventide.

Im Desktop-Studio ohne externe Hardware bieten die digitalen Nachbauten von Roland aber den Vorteil, dass sich die Instrumente über nur ein USB-Kabel verlustfrei auf Einzelkanälen abnehmen und in der DAW nachbearbeiten lassen. Bei der RD-8 brauchen Sie dafür jede Menge Kabel und vor allem viele freie Eingänge an der Soundkarte.

Fazit
Die RD-8 hat den Klangcharakter und den Groove der Roland TR-808, auch wenn sich im direkten Vergleich beide Geräte in Sachen Sound ein wenig unterscheiden. Die zusätzlichen Parameter der Instrumente und der Wave-Designer erweitern das Klangspektrum gegenüber dem Original deutlich. Bedienung und Sequenzer wurden moderner gestaltet und laden zum Jammen ein.
Die Optionen zur Auflockerung des Grooves wie Probability, Random und Repeat erreichen schon fast das Niveau von Elektron-Maschinen. Und das Preisleistungsverhältnis ist hervorragend.

Features

Analoger Drumcomputer

16 Drum-Sounds

64-Step-Sequenzer

Wave-Designer

Dual-Mode-Filter

16 Songs / 256 Pattern

11 Einzelausgänge

3 Triggerausgänge

MIDI/USB

Fakten

Hersteller: Behringer
Web: www.behringer.com
Bezug: Fachhandel
Preis: 299 Euro

Alternativen

Roland TR-08
340 Euro
www.roland.com

Arturia DrumBrute
369 Euro
www.arturia.com

IK Multimedia UNO Drum
199 Euro
www.ikmultimedia.com