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TEST BETTWÄSCHE: BIO NICHT IMMER BESSER


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 10/2018 vom 27.09.2018

Farbige Bettwäsche macht Laune. Doch ausgerechnet in einem zertifizierten Produkt aus Bio-Baumwolle kritisieren wir einen bedenklichen Farbstoff. Das Gros der Bettwäschen ist in Ordnung: In den meisten Garnituren können Sie beruhigt schlafen.


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Foto: dusanpetkovic/getty images

ÖKO-TEST RÄT

► Unsere Favoriten: drei „sehr gute“ Garnituren aus Bio-Baumwolle. Bio-Baumwolle heißt: Beim Anbau kommen keine Pestizide zum Einsatz.
► Bevor die neue Bettwäsche ins Bett kommt, bitte waschen. Das entfernt einen Teil der Schadstoffe.
► Beim Waschen auf links drehen und Reißverschlüsse schließen. Waschmittel ohne optische ...

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► Unsere Favoriten: drei „sehr gute“ Garnituren aus Bio-Baumwolle. Bio-Baumwolle heißt: Beim Anbau kommen keine Pestizide zum Einsatz.
► Bevor die neue Bettwäsche ins Bett kommt, bitte waschen. Das entfernt einen Teil der Schadstoffe.
► Beim Waschen auf links drehen und Reißverschlüsse schließen. Waschmittel ohne optische Aufheller und Bleichmittel verwenden.

Bunte Bettwäsche ist heutzutage Standard im Schlafzimmer. Die Auswahl an Farben und Mustern ist riesig. Doch das Färben der Textilien kann auch Schadstoffe in die Fasern bringen. Ausgerechnet in einem zertifizierten Bio-Baumwollprodukt haben die beauftragten Labore einen allergisierenden Farbstoff gefunden. Ein oft auftretendes Problem in diesem Test: umstrittene halogenorganische Verbindungen. Auch sie können aus dem Färbeprozess stammen.

Dabei treiben es die Deutschen in puncto Bettwäsche noch gar nicht so lange bunt. Erst in den 50er-Jahren kam Farbe ins heimische Nachtleben. Der Krieg war vorbei. Mit dem Wirtschaftswunder hielt eine neue Buntheit Einzug.

„Farbe in modernen Wohnungen ist heute eine Selbstverständlichkeit. Farbe bringt Wärme und Wohnlichkeit. Warum nicht auch im Schlafzimmer?“, hieß es 1958 in einer Werbung der Bettwäschemarke Irisette. Auf dem zugehörigen Bild (siehe nächste Seite) sah man zwei junge Frauen mit strengen Föhnfrisuren Stapel farbiger Bettwäsche sortieren – zurechtgelegt als Aussteuer.

Irisette, ursprünglich gegründet von der Firma Zell-Schönau AG im Schwarzwald, zeigte den Deutschen, dass Bettwäsche nicht immer weiß sein muss. Noch heute rühmt sich die Marke als „Erfinder der bunten Bettwäsche“.

Seit der „Erfindung“ der bunten Bettwäsche ist viel passiert. Die Vielfalt an Mustern und Farben bietet für jeden Geschmack etwas. Wir ließen 24 bunte Bettwäschegarnituren prüfen, von Traditionsmarken wie Irisette, von Labels mit junger Zielgruppe wie H&M und von Anbietern, die Bio-Qualität versprechen.

DEUTSCHE NUTZEN BETTWÄSCHE NACHHALTIG

Seit Jahrzehnten klagt die Textilindustrie, die Deutschen seien Bettwäschemuffel. Sie besäßen im Vergleich zu ihren europäischen Nachbarn weniger Garnituren und wechselten diese auch seltener. Was die Industrie stört, ist für die Umwelt eine gute Sache:Weniger neue Bettwäsche bedeutet weniger Ressourcenverbrauch. Anders als T-Shirts und Co. aus dem schnelldrehenden Modesegment hat Bettwäsche eine lange Nutzungsdauer.

DerUmsatz mit Bettwäsche in Deutschland stagniert seit Jahren , wie die Zahlen des Handelsverbands Textil (BTE) belegen. Seit 2006 liegt er jährlich zwischen rund 1,1 bis 1,3 Milliarden Euro. Er macht damit nur etwa zwei Prozent des Gesamtumsatzes mit Textilien aus.

Die Deutschen sind ihrer Bettwäsche also treu. Aber behandeln sie ihre Lieblingsgarnituren auch gut? Wie sieht es mit dem Waschverhalten aus?„Das deutsche Bett ist einfach dreckig und unhygienisch“ , war im Oktober 1968 im „Spiegel“ zu lesen. Während zum Beispiel Franzosen und Italiener ihre Betten „mindestens alle acht Tage frisch beziehen, wartet die deutsche Durchschnittsfrau mit dem Wäschewechsel vier bis sechs Wochen lang“. Das Nachrichtenmagazin berichtete damals über die erste deutsche „Woche des Bettes“, einer von Textilverband und Einzelhandel gestarteten Imagekampagne. Auch heute wäscht nicht einmal die Hälfte der deutschen Durchschnittsfrauen Bettwäsche mindestens alle zwei Wochen. Von den deutschen Durchschnittsmännern ganz zu schweigen. Aus hygienischer Sicht empfiehlt sich ein Wechsel in einemein- bis zweiwöchigem Turnus. Menschen, die im Schlaf stark schwitzen oder unbekleidet schlafen, sollten Laken, Bett- und Kopfkissenbezüge mindestenseinmal pro Woche wechseln.

WIE OFT WASCHEN SIE IHR BETTZEUG?

Neuer Trend: „Farbe bringt Wärme und Wohnlichkeit, Warum nicht auch im Schlafzimmer?“ Irisette-Werbung, anno 1958.


Foto: Wirtschaftswundermuseum

19 von 24 zu empfehlen: Alles in allem ist das Ergebnis äußerst erfreulich. Acht Garnituren bewerten wir mit „sehr gut“ und elf mit „gut“. 19 von 24 Produkten können wir also empfehlen! Allerdings gibt es auch zwei Schlusslichter mit „mangelhaft “.
Bio-Label nicht verdient: Ausgerechnet in einem vermeintlichen Bio-Produkt steckt ein problematischer Farbstoff: In der Garnitur Galeria Selection Bio Satin, rot wies das Labor den Dispersionsfarbstoff Dispers Rot 1 nach. Dieser gilt als allergisierend. Besonders ärgerlich für den Verbraucher: Das Produkt aus Bio-Baumwolle ist mit dem Label des Global Organic Textile Standards (GOTS) zertifiziert. Dieses Siegel hätte das Produkt gar nicht erst erhalten dürfen. Denn der Gehalt an Dispers Rot 1 liegt über dem zulässigen Grenzwert des GOTS-Labels.
Raus aus dem Bett: Auch das Esprit Baumwolle Satin Tribal Waves Duvet Cover, blue hat in Ihrem Bett nichts verloren. In der Garnitur stecken neben Formaldehyd noch einige weitere Problemstoffe. Auch hier können wir nur „mangelhaft “ sagen. Formaldehyd setzen Hersteller in Bettwäsche unter anderem ein, um die Oberfläche zu glätten und das Produkt zu veredeln. Formaldehyd über die Atemluft aufgenommen gilt als krebserregend.

STOFFARTEN-ABC

Bettwäsche wird meist aus Baumwolle hergestellt. Sie kann viel Flüssigkeit aufnehmen, ist atmungsaktiv und strapazierfähig. Je nach Webart und Verarbeitung trägt der Stoff unterschiedliche Namen.


Batist:Feinfädiger, leichter Stoff. Gewebt mit Leinwandbindung, der einfachsten der Grundwebformen.
Biber:Dichtes Baumwollgewebe, auf einer oder beiden Seiten aufgeraut. Wärmt gut, im Winter angenehm.
Damast:Aufwendige Webtechnik mit Mustern. Meist aus hochwertigen glänzenden Materialien. Früher häufig aus Seide, heute auch aus Baumwolle.
Flanell:Ein- oder beidseitig aufgerautes Gewebe. Feinfädiger und leichter als Biber, dennoch wärmend und saugfähig.
Frottee:Charakteristisch sind die kleinen Schlingen, die dem Stoff Volumen und Saugfähigkeit geben. Wärmt gut und knittert nicht.
Jersey:Im Vergleich zur Webware ist die Maschenware elastisch. Jersey ist weich, nimmt gut Schweiß auf.
Renforcé:Mittelfeines Gewebe, hergestellt mit Leinwandbindung. Strapazierfähig und gut bedruckbar.
Satin:Auf einer Seite glatt und glänzend. Beim Weben werden die Fäden dicht aneinandergeschoben und beim Veredeln von Kleinfasern befreit.
Seersucker:Stoff mit glatten und gerafften Streifen. Dank der daraus resultierenden zerknitterten Oberflächenstruktur bügelfrei.

ÖKO-TEST

„Bio-Baumwolle ist eine feine Sache. Umso ärgerlicher, dass in fünf von acht getesteten Bio-Produkten umstrittene Inhaltsstoffe stecken. Kriterien und Kontrollen für das Organic Textile-Label GOTS müssen strenger werden.“

Frank Schuster , ÖKO-TEST-Redakteur.


Foto: Anja Wägele

Ergebnis getrübt: Neun Produkte enthalten optische Aufheller, die unnötigen Weißmacher belasten die Umwelt. In zehn Garnituren stecken halogenorgansiche Verbindungen (AOX). Viele Vertreter dieser großen Stoffgruppe gelten als allergieauslösend, fast alle reichern sich in der Umwelt an. Drei der betroffenen Produkte tragen das GOTS-Label. Es erlaubt einen bestimmten Gehalt an AOX. Auf ÖKO-TEST-Anfrage teilt die Organisation mit, AOX seien zwar ein Umweltproblem, in Textilien bestehe jedoch keine Gesundheitsgefahr für Menschen. Vorbeugender Verbraucherschutz sieht anders aus!

SO REAGIERTEN DIE HERSTELLER

Kaufhof hat aufgrund unserer Prüfergebnisse die Garnitur Galeria Selection Bio Satin, rot aus dem Verkauf genommen. Sie entspreche nicht den Richtlinien des Labels Global Organic Textile Standard (GOTS). Richtig erkannt und gehandelt!

SO TESTET ÖKO-TEST

Bettwäsche ist etwas fürjede Nacht. Da der Verbraucher im Schlaf darinmehrere Stunden verbringt undHautkontakt hat, bewerten wir sie ebenso streng wie etwa Unterwäsche oder T-Shirts.

Um die Bettwäsche„bügelleicht“ zu bekommen, setzen Hersteller mitunterformaldehydhaltige Harze ein. Und um die Weißanteile des Oberstoffs und weiße Etiketten möglichst zum Strahlen zu bringen,optische Aufheller. Halogenorganische Verbindungen hingegen können über denFärbeprozess oder die Bleiche ins Textil gelangen. Die Labore haben für uns auch untersucht, oballergisierende undkrebsverdächtige oder krebserregende Dispersions- und Azo-Farbstoffe in den Garnituren stecken. Die Verpackungen haben wir auf umweltbelastendePVC/PVDC/chlorierte Verbindungen prüfen lassen.

Wir wählten für unseren Test Produkte aus demgünstigen und mittleren Preissegment. Wir bezahlten zwischen knapp10 und 75 Euro.

Beinahe alle Garnituren bestehen zu100 Prozent aus Baumwolle. Achtmal stammt diese aus biologischem Anbau, sechsmal ist sie zertifiziert. Zwei Ausnahmen gibt es: Die Ikea-Bettwäsche enthält einen Anteil an Lyocell-Fasern auf Basis von Cellulose, das Primark-Produkt besteht zur Hälfte aus Polyester.

Gütesiegel? Auch in mit dem GOTS-Label zertifizierten Garnituren fanden die Labore bedenkliche Inhaltsstoffe.


Foto: ÖKO-TEST

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Schadstoffen finden Sie auf Seite 158.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung.2) Weiterer Mangel: optische Aufheller ohne Hautkontakt (hier: innen eingenähte Etiketten).3) Optische Aufheller mit Hautkontakt (hier: Oberstoff und/oder Nähgarn und/oder Reißverschluss). Weiterer Mangel: optische Aufheller ohne Hautkontakt (hier: innen eingenähte Etiketten).4) Baumwolle zertifiziert nach GOTS (Global Organic Textile Standard).5) Weiterer Mangel: Anbieter wirbt mit dem Naturtextiliensiegel GOTS, hält aber dessen aktuellen Grenzwert für allergisierende Dispersionsfarbstoffe (hier: Dispers Rot 1) nicht ein.6) Laut Anbieter ist die Ware aus dem Verkauf genommen.7) Der Preis setzt sich aus den Einzelpreisen für Kopfkissen- und Bettdeckenbezug zusammen.8) Bio-Baumwolle.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.
Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: 16 mg/kg oder mehr Formaldehyd; b) der allergisierende Farbstoff Dispers Rot 1. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) halogenorganische Verbindungen; b) optische Aufheller mit Hautkontakt. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: Anbieter wirbt mit einem Naturtextiliensiegel, obwohl er einen von dessen aktuellen Grenzwerten nicht einhält. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) optische Aufheller ohne Hautkontakt, falls nicht schon optische Aufheller mit Hautkontakt abgewertet wurden; b) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung.
Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.
Testmethoden undAnbieterverzeichnis finden Sie unteroekotest.de → Hefte → ÖKOTEST Magazin. Wählen Sie die Ausgabe aus und scrollen ans Seitenende.
Einkauf der Testprodukte: Juni/Juli 2018.

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