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TEST Bio-Supermärkte: Alles bio oder was?


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2016 vom 25.08.2016

Bio-Supermärkte eröffnen immer neue Filialen. Grund genug, den Eigenmarken von Denn’s und Co genauer auf die Finger zu schauen. Das Ergebnis unseres Tests: Die meisten Produkte sind in Ordnung und erfüllen die Erwartungen an Bio. Rucola und Kräutertee haben Probleme.


Artikelbild für den Artikel "TEST Bio-Supermärkte: Alles bio oder was?" aus der Ausgabe 9/2016 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 9/2016

Hell und freundlich. So präsentiert sich der Bio- Laden Klatschmohn im Zentrum von Gießen. Innen öffnet sich eine Verkaufslandschaft auf 400 Quadratmetern, Lichter setzen Akzente, Regale aus hellem Holz säumen Wände und teilen den Raum. Im hinteren Bereich offerieren gläserne Auslagen Käse, Wurst und Fleisch. Rechts vom Eingang reihen sich ...

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... Kisten mit buntem Obst und Gemüse, es folgen Brot, Backwaren und ein Bistro – eben alles, was einen modernen Bio-Markt heute ausmacht.

Gefragt danach, wie es denn losging mit der Bio-Bewegung, sagt Georg Rieck, Geschäftsführer von Klatschmohn und ein Mann der ersten Stunde: „Alles fing 1968 mit der Landabgaberente an. Das war der Startschuss für die Politik des ‚Wachse oder weiche‘.“ Landwirte konnten damals eine Rente beantragen, wenn sie ihren kleinen Hof zugunsten eines größeren, entwicklungsfähigeren Betriebes aufgaben. Der Strukturwandel setzte sich fort und erfasste weitere Bereiche. „Immer mehr Tante- Emma-Läden schlossen, kleine Molkereien und Schlachthöfe machten dicht“, erinnert sich Rieck. „Es war spürbar, dass eine Spirale in Gang gesetzt worden war, der etwas entgegengesetzt werden musste.“


Die Bio-Bewegung war angetreten, die Gesellschaft zu verändern


Was es damals bereits gab, waren Reformhäuser und Demeter-Läden. Ein weiterer Impulsgeber sei die kalifornische Späthippiebewegung Rainbow Grocery gewesen, so Rieck. Das war eine Kooperative in San Francisco, die 1975 mit dem Verkauf von biologisch angebautem Gemüse begann.

In diese Zeit fielen auch die ersten Anfänge von Klatschmohn. Es begann 1978 mit einem Männerkollektiv, das sich aber bald nach Indien verabschiedete, erzählt Bio- Laden-Mann Rieck. Es folgte ein Frauenkollektiv und 1984, als er nach dem Agrarstudium selbst dazu kam, bestand das Kollektiv aus fünf Leuten und einigen studentischen Aushilfen. Ein Laden von 18 Quadratmetern war schnell gefunden und mit den wenigen Bio-Waren bestückt, die es damals gab – inklusive eines alternativen Buchsortiments, Anti-AKW-Aufklebern, Wolle und Holzknöpfen. „Es war ein großes Experiment. Keiner von uns dachte ans Geldverdienen oder brachte Kapital mit.“ Trotzdem mietete man 1986 größere Räume, um Obst und Gemüse, Milch und Milchprodukte erstmals richtig anbieten zu können.

1988 gründete Rieck mit zwei weiteren Partnern schließlich die Firma Klatschmohn Naturkost. In den folgenden Jahren wurden die Sortimente weiter entwickelt, und es kamen neue Kundenkreise hinzu. 2002 folgte dann der Umzug an den heutigen Standort.

Einen ähnlichen Verlauf nahm der Bio-Markt insgesamt – und immer noch zeigt der Trend nach oben. So hat der Arbeitskreis Biomarkt für 2015 eine Steigerung des Gesamtumsatzes mit Bio-Lebensmitteln und -getränken von 11,1 Prozent gemeldet. Den größten Anteil daran hatte mit 55 Prozent allerdings der konventionelle Lebensmitteleinzelhandel, während im Naturkosthandel rund 32 Prozent erwirtschaftet wurden. Dazu zählen Statistiker sowohl inhabergeführte Naturkostfachgeschäfte wie Klatschmohn, größere Hofläden als auch Bio-Supermärkte mit Verkaufsflächen von mehr als 400 Quadratmetern. Die verbleibenden 13 Prozent teilten sich kleine Hofläden, Bäckereien, Reformhäuser und Wochenmärkte. Nach Informationen des Fachmagazins Biohandel stehen auch in der Bio-Branche die Zeichen auf Strukturwandel. Neueröffnungen gehen demnach fast nur noch auf das Konto der großen Ketten.

Also alles größer und kommerzieller, aber auch bes- ser? Bio-Laden-Besitzer Rieck sieht die Entwicklung des Bio- Marktes durchaus optimistisch. Allerdings – und das sagt er mit Blick auf die Bio- Produkte in Supermärkten und Discountern – vertragen sich kleine Strukturen nicht mit den Anforderungen der großen Handelsketten. „Wenn ein Landwirt heute eine Kuh schlachten lassen will, dann fi ndet er keinen passenden Schlachthof mehr. Er müsste sich an eine der wenigen Großschlachtereien wenden – ein absurdes Unterfangen.“ Ähnlich ergehe es Getreidebauern, die eine kleine Mühle suchen oder Milchbauern mit wenigen Kühen. „Der zentrale Gedanke der Bio-Bewegung, kleine Strukturen zu erhalten und zu fördern, muss erhalten bleiben“, sagt Rieck. Ansonsten gehe zu viel von dem verloren, wofür die Marke Bio steht.

19 87


Foto: imago/Sven Simon

Illustrationen: http://klatschmohn-giessen.de/ (2)

Früher und heute . Fast 30 Jahre ist es her, da sorgten handgemalte Plakate und der Schwatz an der Kasse für eine heimelige Atmosphäre – heute haben Verkaufsprofi s das Sagen.

2016


Foto: Marc Doradzillo/picture alliance/obs/Alnatura Produktions- und Handels GmbH

Wir wollten wissen, wie es um die Qualität von Lebensmitteln in Bio-Supermärkten bestellt ist und haben acht verschiedene Produktgruppen bei Alnatura, Denn’s Biomarkt, Bio Company und Basic eingekauft und in die Labore geschickt. Ziel war, herauszufi nden, ob sich die einzelnen Anbieter in ihrem Qualitätsanspruch unterscheiden oder ob es egal ist, wo man einkauft.


Nicht immer fanden wir die Qualität, die man sich von Bio wünschen würde


Das Testergebnis

Feine Unterschiede. Apfelsaft und Tofu schneiden durchweg mit „sehr gut“ ab. Auch Rapsöl und Weintrauben können wir im Großen und Ganzen empfehlen. Unterschiedlich ist allerdings das Abschneiden von Kaffee, Rucola und Kräutertee.
Nitratspeicher Rucola , das gilt auch für Bio-Rucola, wie der Test zeigt: Von insgesamt zwölf eingekauften Rucola- Chargen enthielten nur zwei wenig Nitrat. Alle anderen wiesen erhöhte oder stark erhöhte Gehalte auf. Eine Probe von Bio Company überschritt sogar den gesetzlichen Grenzwert. Experten raten, die Nitrataufnahme zu begrenzen. Der Stoff selbst ist zwar relativ unbedenklich, kann im Körper aber zu Nitrit umgebaut werden, was wiederum die Bildung krebserregender Nitrosamine begünstigt.
Zu viel Nitrit. Nitrit kann durch mikrobiologische oder enzymatische Einwirkungen auch im Salat selbst entstehen. Eine unsachgemäße Lagerung kann dies verstärken. Weil Nitrit die Bildung von Nitrosaminen direkt fördert, sollte die tägliche Aufnahme noch geringer sein. Vier Mal fanden wir jedoch zu hohe Gehalte.
Chlorat über Aktionswert.
Zwei Chargen, die wir bei Basic kauften, enthielten mehr Chlorat als das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft im Oktober 2014 für Salat festlegte. Auch wenn die Aktionswerte heute schon wieder Schnee von gestern sind, orientieren wir uns daran. Denn abgeschafft wurden sie nur, weil man sich auf EU-Ebene nicht einigen konnte. Heute gilt streng genommen sogar der allgemeine Grenzwert von 0,01 mg/kg. Er fi ndet in der Praxis aber keine Anwendung, sondern man prüft Chlorat nach toxikologischen Kriterien. Danach sind die im Test gefundenen Gehalte unbedenklich. Weil Chlorat die Jodaufnahme in die Schilddrüse hemmen kann, sollte die Aufnahme dennoch so gering wie möglich sein.
Pestizide in Bio-Kräutertee.
Gefunden wurden sie in den Mischungen der Bio Company und von Denn’s Biomarkt. Sie erreichen dabei jeweils mehr als zehn Prozent der gesetzlichen Höchstmengen. Ein Hinweis, dass im Anbau etwas schiefgelaufen sein könnte, fand sich aber nur im Tee der Bio Company. Hier überschritt der gefundene Gehalt – bezogen auf die Frischware – den Bio-Orientierungswert des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren (BNN).

Pfl anzengift im Alnatura- Tee. Pyrrolizidinalkaloide (PA) können durch das Miternten von Beikräutern in Teeprodukte gelangen. Einige dieser Stoffe gelten als krebserregend und erbgutschädigend. Das Bundesinsti tut für Risikobewertung hat deshalb einen sehr niedrigen Tageszielwert erarbeitet, der langfristig nicht überschritten werden sollte. Der Alnatura Kräuter Tee, lose schöpft diesen Zielwert für einen Erwachsenen bereits mit zwei Tassen täglich aus. Der PAGehalt liegt zudem über dem für Kräutertee festgelegten Eingriffswert der Lebensmittelüberwachung.

Thiacloprid in den Honigen
von Alnatura und Denn’s Biomarkt. Das Insektizid wird in der konventionellen Landwirtschaft etwa im Raps- oder Obstanbau eingesetzt. Studien haben jedoch ergeben, dass Thiacloprid den Orientierungssinn der Honigbiene stören und Wildbienen und Hummeln gefährden kann. Weil das Spritzgift beim Kontakt der Bienen mit den Blüten aufgenommen wird, kann es in den Honig gelangen. Rückstände sind deshalb programmiert. Ab Februar dieses Jahres gilt eine niedrigere Höchstmenge. Landwirte dürfen Thiacloprid in dieser Saison deshalb nur eingeschränkt spritzen. Doch Industrie und EU-Kommission planen bereits die Wiederan- hebung, Bio-Verbände laufen dagegen Sturm.

Gehalte über 0,01 mg/kg werten wir in Anlehnung an den Bio-Orientierungswert unter den Weiteren Mängeln zusätzlich ab, auch wenn es sich bei Honig nicht um ein pfl anzliches Produkt handelt. Denn Bio-Imker sind verpfl ichtet, die Bienenstöcke so aufzustellen, dass „aus einem Umkreis von drei Kilometern keine nennenswerte Beeinträchtigung der Bienenprodukte durch landwirtschaftliche und nicht landwirtschaftliche Verunreinigungen zu erwarten ist“. Hersteller wenden ein, dass Bienen aber manchmal weiter fl iegen und sich ein Pestizideintrag nicht vermeiden ließe. Dann sollte der Honig unserer Ansicht nach aber nicht mehr als Bio-Ware angeboten werden.

Zweifel bei Weintrauben. Fünf von zwölf Weintraubenproben wiesen Phosphonsäure in Mengen von deutlich mehr als 0,1 mg/kg auf. Bei dem Stoff handelt es sich um ein im Öko-Anbau verbotenes chemisch-synthetisches Pilzbekämpfungsmittel, das im Boden oder im Holz der Pfl anzen gespeichert werden könne, informiert der BNN. Zu Nachweisen könne es selbst Jahre später noch kommen. Allerdings sollten Hersteller bei Gehalten über dem Schwellenwert klären, ob nicht doch eine andere Eintragsquelle dahintersteckt. Höhere Gehalte eines verbotenen Spritzmittels entsprechen zudem nicht der Verbrauchererwartung an Bio.
Kaff ee nicht immer fair. Die Produktionsbedingungen von Kaffee sind oft alles andere als akzeptabel. Wir fragten die Anbieter daher auch, ob für das Produkt im Test we- sentliche Prinzipien des fairen Handels berücksichtigt wurden. Der Fairtrade-zertifizierte Kaffee von Basic erfüllt dies vollumfänglich. Auch Alnatura konnte nachweisen, dass die Angabe „faire Partnerschaften“ das Produkt zu Recht schmückt. Die Kaffees von Denn‘s und Bio Company mussten Abzüge hinnehmen.

Wie im konventionellen Supermarkt. In modernen Bio-Läden stehen mittlerweile Tausende von Artikeln im Regal.


Foto: Ulrich Baumgarten/picture alliance

So reagierten die Hersteller

• Die Firma Biotropic, Lieferant der Weintrauben vonAlnatura , teilte mit, man würde denkbaren Einträgen für Phosphonsäure, etwa aus nicht deklarierten Düngerkomponenten, nachgehen. Ergebnisse einer solchen Überprüfung haben wir aber nicht erhalten.
• Amico Bio, der Vermarkter des italienischen Rucola vonBasic , machte die Desinfektion des städtischen Trinkwassers für die Chloratgehalte verantwortlich. Da man auf das Wasser angewiesen sei, könne man die Vermeidung von Chlorat nicht versprechen. Vielleicht aber doch? So ist aus der Lebensmittelüberwachung bekannt, dass erhöhte Chloratwerte vor allem dann auftreten, wenn das Waschwasser in einem Kreislauf geführt und immer wieder nachchloriert wird, wodurch sich Chlorat anreichert. Rückstände könnten jedoch durch Nachspülen mit klarem Wasser verringert werden.
• Die Firma Biotropic, die die Rucolaprobe mit dem überhöhten Nitratwert an dieBio Company geliefert hatte, erklärte, der hohe Wert sei unter anderem dem Umstand geschuldet, dass es bis Mitte Juni in Italien ungewöhnlich kühl und regnerisch war, also eher winterliche Lichtverhältnisse herrschten. Dafür sollte besser der für die Wintermonate geltende höhere Grenzwert von 7.000 mg/ kg herangezogen werden. Der Salat wurde jedoch im Sommer geerntet und dafür gelten 6.000 mg/kg.
Denn’s Biomarkt undBio Company teilten mit, die Pestizide in dem Kräutertee seien auf ubiquitär vorhandene Verunreinigungen zurückzuführen, die auch bei Einhaltung aller Rechtsvorschriften in Bio-Produkten nachgewiesen werden könnten. Ärgerlich ist es trotzdem. Immerhin gelten die zugrunde gelegten Rückstandshöchstmengen auch für konventionelle Produkte.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern fi nden Sie auf Seite 156.Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: In einer von drei untersuchten Chargen überschreitet ein für den ökologischen Landbau nicht zugelassenes Pestizid den Bio-Orientierungswert von 0,01 mg/kg. Unter den Inhaltsstoff en führt in einer Charge der Gehalt des für Bio zugelassenen Wirkstoff s Spinosad zur Abwertung.2) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung.3) Die Ergebnisse beziehen sich auf folgende Produkte:Alnatura: 3 Chargen Barduca Rucola Bio von Anbieter Francesco Barduca srl.;Basic: 3 Chargen Amico Bio Rucola Selvatica, Sorte: Vivace, Demeter von Anbieter Amico Bio Soc. Coop. Agr. A.r.l.;Bio Company: 2 Chargen Barduca Rucola Bio von Anbieter Francesco Barduca srl. sowie 1 Charge Rucola Bio Naturland von Erzeuger Bio Hof Lemke;Denn’s Biomarkt: 3 Chargen Rucola Bioland von Erzeuger Biolandhof Franz Bauer.4) Die Ergebnisse beziehen sich auf folgende Produkte:Alnatura: 3 Chargen Weintrauben mit Kern, hell, lose von Anbieter Co.Ra. Srl;Basic: 3 Chargen Weintrauben weiß, kernlos, lose von Anbieter Basic Lebensmittelhandel;Bio Company: 2 Chargen Weintrauben kernlos hell, lose und 1 Charge Weintrauben rot, lose, jeweils von Anbieter Bio Company. Phosphonsäure über dem BNN-Schwellenwert wurde in einer Charge der Weintrauben kernlos hell, lose gefunden;Denn’s Biomarkt: 1 Charge Weintrauben weiß Vittoria, lose (Herkunft Italien) und 2 Chargen Weintrauben hell, kernlos, lose (Herkunft Ägypten), jeweils von Anbieter Denn‘s Biomarkt.5) Weiterer Mangel: Werbung mit Selbstverständlichkeiten (hier: „Ohne Aromazusätze“).6) Weiterer Mangel: Produkt enthält mehr als 0,01 mg/kg Thiacloprid; Bewertung in Anlehnung an den Bio-Orientierungswert. Unter den Inhaltsstoff en wurde für Thiacloprid die aktuelle Rückstandshöchstmenge von 0,05 mg/kg zugrunde gelegt, da der Honig nach dem 12.02. 2016 abgefüllt wurde.7) Weiterer Mangel: Produkt enthält mehr als 0,01 mg/kg Thiacloprid; Bewertung in Anlehnung an den Bio-Orientierungswert. Unter den Inhaltsstoff en wurde für Thiacloprid die bisherige Rückstandshöchstmenge von 0,2 mg/kg zugrunde gelegt, da der Honig vor dem 12.02.2016 abgefüllt wurde.8) Weiterer Mangel: Produkt enthält in 2 von 3 Chargen einen Phosphonsäuregehalt über dem Schwellenwert des BNN von 0,1 mg/kg.9) Weiterer Mangel: Produkt enthält in 1 von 3 Chargen einen Phosphonsäuregehalt über dem Schwellenwert des BNN von 0,1 mg/kg.10) Weiterer Mangel: Produkt enthält ein nicht zugelassenes Pestizid über dem Bio-Orientierungswert von 0,01 mg/kg.11) Weiterer Mangel: Produkt enthält in je einer Charge der Weintrauben hell, kernlos, lose (Herkunft Ägypten) ein nicht zugelassenes Pestizid über dem Bio-Orientierungswert von 0,01 mg/kg und Phosphonsäure über dem BNN-Schwellenwert von 0,1 mg/kg.12) Weiterer Mangel: Produkt ist „teilweise unfair“, da eine Vorfi nanzierung der Ernte nicht zugesichert wird.13) Weiterer Mangel: Produkt ist „überwiegend unfair“, da die Zahlung des gesetzlichen Mindestlohnes sowie die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen nicht nachgewiesen wurden.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoff e führt zur Abwertung um fünf Noten: ein Nitratgehalt in Rucola, der den gesetzlichen Höchstgehalt für die Ernte vom 1. April bis 30. September von 6.000 mg/kg überschreitet. Zur Abwertung um vier Noten führt: ein Gehalt an Pyr- rolizidinalkaloiden in Kräutertee (in der Tabelle „stark erhöht“), der zu einer Überschreitung des vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfohlenen Tageszielwertes von 0,007 μg/kg Körpergewicht führt. Zugrunde gelegt wurden vier Tassen Tee, zubereitet laut Packung mit 2 Teelöff eln pro Tasse (entspricht 1,4 g pro Tasse) und ein Körpergewicht von 60 kg. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein Gehalt an Pyrrolizidinalkaloiden in Kräutertee (in der Tabelle „erhöht“), der den Tageszielwert zu mehr als 50 bis 100 Prozent ausschöpft. Zugrunde gelegt wurden vier Tassen Tee, zubereitet laut Packung mit 1 Aufgussbeutel pro Tasse und ein Körpergewicht von 60 kg; b) ein Chloratgehalt in Rucola, der den vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft im Oktober 2014 für Gemüse festgelegten Aktionswert von 0,25 mg/kg überschreitet; c) ein Nitratgehalt in Rucola, der die akzeptable Tagesaufnahme (ADI) von 3,65 mg/kg Körpergewicht überschreitet (in der Tabelle: „stark erhöht“); d) ein Nitritgehalt in Rucola, der die akzeptable Tagesaufnahme (ADI) von 0,06 mg/kg Körpergewicht überschreitet, sofern nicht bereits für Nitrat um zwei Noten abgewertet wurde. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Nitratgehalt in Rucola, der die akzeptable Tagesaufnahme (ADI) von 3,65 mg/kg Körpergewicht zu mehr als 50 bis 100 Prozent erreicht (in der Tabelle: „erhöht“), falls nicht schon wegen Nitrit abgewertet wurde. Für die Bewertungen des Nitrat- und Nitritgehalts wurde jeweils eine Portion von 50 g und ein Körpergewicht von 60 kg zugrunde gelegt; b) ein Gehalt an gesättigten Mineralölkohlenwasserstoff en (MOSH) der Kettenlängen C17 bis C24 von mehr als 1 mg/kg bis 2 mg/ kg und/oder an MOSH der Kettenlängen C25 bis C35 von mehr als 4 mg/kg bis 10 mg/kg in Rapsöl; c) ein Pestizidgehalt in Kräutertee, Rucola oder Honig, der über 10 bis 50 Prozent der Rückstandshöchstmenge erreicht, wenn diese bei 0,05 mg/kg oder höher liegt (in der Tabelle: „erhöht“).

Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um vier Noten: zwei von vier grundlegenden Kriterien für eine faire Kaff eeproduktion (Produzenten erhalten mindestens Weltmarktpreis, Vorfi nanzierung, gesetzlicher Mindestlohn, Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen) sind nicht erfüllt oder wurden nicht nachgewiesen. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) der Gehalt eines für den Bio-Anbau nicht zugelassenen Pestizids über dem Bio-Orientierungswert des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren (BNN) von 0,01 mg/kg. Für Kräutertee wurde ein Trocknungsfaktor von 4 berücksichtigt; b) ein Gehalt an Phosphonsäure von mehr als 0,1 mg/kg in einem Bio-Produkt (BNN-Schwellenwert); c) ein Gehalt an Thiacloprid in einem Bio- Honig von mehr als 0,01 mg/kg; d) eines von vier grundlegenden Kriterien für eine faire Kaff eeproduktion (siehe oben) ist nicht erfüllt oder wurde nicht nachgewiesen. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung; b) Werbung mit Selbstverständlichkeiten (hier: „Ohne Aromazusätze“ auf einem Kaff ee aus „100 % Arabica- Bohnen“).

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoff e. Dieses beruht für Rucola auf den Einzelergebnissen von drei Chargen. Dazu wurden die Chargen zunächst einzeln bewertet und daraus die Durchschnittsnote ermittelt. Es wurde kaufmännisch gerundet. Das Testergebnis Inhaltsstoff e kann nicht besser als „ungenügend“ sein, wenn mindestens ein Einzelergebnis „ungenügend“ ist. Das Testergebnis Weitere Mängel für Rucola und Weintrauben wurde wie folgt ermittelt: Überschreitungen des Bio-Orientierungs- bzw. BNNSchwellenwertes in 2 von 3 Chargen führen zur Abwertung um zwei Noten. Überschreitungen in 1 von 3 Chargen führen zur Abwertung um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „mangelhaft“ oder „ungenügend“ ist, verschlechtert das Testergebnis um zwei Noten.
Testmethoden undAnbieterverzeichnis fi nden Sie unter www .oekotest.de - Suchen - „M1609“ eingeben.
Einkauf der Testprodukte: Juni 2016.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofi lme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

ÖKO-TEST rät

Große Unterschiede in der Qualität der Produkte ist zwischen den einzelnen Bio-Supermärkten nicht auszumachen. Einen Mehrwert haben importierte Bio-Lebensmittel aber, wenn sie Fairtrade-zertifiziert oder nachgewiesen fair gehandelt sind.

Rucola aus deutschem Bio-Anbau ist tendenziell geringer belastet und daher in der heimischen Saison die beste Wahl.

Produkte der Anbauverbände unterliegen besonders hohen Anforderungen an Anbau und Verarbeitung und sind deshalb grundsätzlich zu empfehlen. Zwar bestätigen das unsere Tests nicht immer. So hat in diesem Test der Demeter-Rucola von Basic nur mit „ausreichend“ abgeschnitten. Erfreuliche Ergebnisse gab es hingegen für den Rucola aus Naturland-Anbau in Brandenburg (gekauft bei Bio Company).

Überblick

Denn’s Biomarkt

Gründungsjahr: 1996
Umsatz: 820 Mio. Euro (Dennree Gruppe insgesamt)Anzahl der Filialen: 207
Mitarbeiterzahl: 2.400
Sortiment: Bio-Vollsortiment mit über 6.000 Artikeln aus den Bereichen Nahrungsmittel, Naturkosmetik, Drogerieartikel und Naturkleidung
Schwerpunkte: Obst und Gemüse, Frischeprodukte, Trockenwaren, Tiefkühlprodukte, Produkte für Allergiker und bei Unverträglichkeiten; zahlreiche Produkte aus der Region; in vielen
Märkten : regionale Brot- und Backwaren, Käse- und Feinkosttheke

Alnatura

Gründungsjahr: 1984
Umsatz: 760 Mio. Euro netto
Anzahl der Filialen: 105
Mitarbeiterzahl: 2.600
Sortiment: Bio-Vollsortiment mit 6.000 Produkten, Naturkosmetik, Textilien aus Bio-Baumwolle
Schwerpunkte: Großer Teil des Obst- und Gemüsesortiments stammt laut Alnatura von Bio-Bauern aus der Region, vor allem in der Saison; Brot und Brötchen aus der Bedientheke seien nahezu vollständig von regionalen Bäckern; nachhaltige Ladengestaltung

Bio Company

Gründungsjahr: 1999
Umsatz: 134 Mio. EuroAnzahl der Filialen: 48, schwerpunktmäßig in Berlin-Brandenburg, einzelne Filialen in Hamburg und Dresden
Mitarbeiterzahl: 1.500
Sortiment: Bio-Vollsortiment mit bis zu 8.000 Produkten aus den Bereichen Obst und Gemüse, Molkerei- und Frischeprodukte, Trockenwaren, Getränke, Drogerie- und Spezialwaren
Schwerpunkte: Großer Anteil von Obst und Gemüse kommt laut Bio Company aus der Region, vor allem in der Saison; Brot, Backwaren, Fleisch und Wurst seien ganzjährig zu 75 Prozent, Eier und Milch zu fast 100 Prozent regional; langjährige und persönliche Lieferantenkontakte; ökologischer Ladenbau

Basic

Gründungsjahr: 1987
Umsatz: keine Angabe
Anzahl der Filialen: 32
Mitarbeiterzahl: keine Angabe
Sortiment: Vollsortiment mit über 12.000 Bio-Artikeln – von Bäckerei, Fleisch-, Wurst- und Käsetheke bis hin zur Drogerieabteilung
Schwerpunkte: keine Angabe

So haben wir getestet

Äpfel aus vier Ländern? Ja, die Äpfel für diesen Saft sind tatsächlich weit gereist, wie der Stempelaufdruck bestätigt.


Foto: ÖKO-TEST

Der Einkauf

In den Test einbezogen wurden die vier umsatzstärksten Bio-Supermärkte Denn’s Biomarkt, Alnatura, Bio Company und Basic. Die Auswahl der Produktgruppen erfolgte risikoorientiert. Im Einzelnen wurden Rucola, Weintrauben, Kaffee aus ganzen Bohnen, Kräutertee, Tofu, Apfelsaft, Honig und Rapsöl eingekauft. Diese Produkte waren in allen vier Läden als Eigenmarken erhältlich – was für Rucola und Weintrauben nur zum Teil galt. Von Rucola und Weintrauben gelangten je drei unterschiedliche Chargen in den Test, um eine repräsentativere Aussage zu ermöglichen.

Die Inhaltsstoffe

Die Untersuchungen wurden auf die kritischen Punkte der jeweiligen Produktgruppen abgestimmt. So stand bei Kaffee Acrylamid im Mittelpunkt, während das Prüfprogramm für Tofu unter anderem die Untersuchung auf gentechnisch veränderte Bestandteile vorsah. Bei Rucola, Weintrauben, Kräutertee und Honig ging es vor allem um Pestizidanalysen. Zum Teil kamen weitere Prüfungen hinzu, etwa auf Nitrat und Nitrit in Rucola, Phosphonsäure in Weintrauben und Pyrrolizidinalkaloide (PA) in Kräutertee. Natives Rapsöl ließen wir unter anderem sensorisch prüfen, und Honig wurde auf Qualitätsparameter wie die Enzymaktivität oder Erhitzungsparameter untersucht.

Die Weiteren Mängel

Packungen und Auslobungen unterzogen wir einer kritischen Prüfung. Wurden Inhaltsstoffe gefunden, die Zweifel an der Bio-Konformität aufkommen lassen, wurde dies unter den Weiteren Mängeln berücksichtigt.

Die Bewertung

Zu deutlichen Abwertungen führten bedenkliche Inhaltsstoffe wie PA und Nitrat bzw. Nitrit. Dabei ermittelten wir für Rucola und Weintrauben Durchschnittsnoten aus drei Chargen. Wurden Pestizide nachgewiesen, die ab einer gewissen Menge in Bio- Produkten nichts zu suchen haben, führte dies zu einer weiteren Verschlechterung der Gesamtnote.


Fotos: Heiko Wolfraum/picture-alliance/dpa; imago/Bernd Friedel; imago/Schöning; EIZINGER Alexandra/picture alliance/APA/picturedesk.com (4)