Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 6 Min.

TEST Blondierungen und Blond-Colorationen: Färboten!


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2010 vom 01.03.2010

Ob Platinblond oder naturlich gestrahnt – hier hilft frau gerne mit kosmetischen Haarfarbemitteln nach. OKO-TEST hat 17 Produkte unter die Lupe genommen. Drei reine Blondierungen sind „gut“, 13 Blond-Colorationen jedoch nur „ungenugend“.


Artikelbild für den Artikel "TEST Blondierungen und Blond-Colorationen: Färboten!" aus der Ausgabe 3/2010 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: photo CD/Fotolia.com

Blondinen werden auf der Straße von Fremden angelächelt und Polizisten lassen sich von ihnen Strafzettel ausreden – dies ist das „blonde Lebensgefühl“, das eineBrigitte -Autorin beschreibt. Sie hatte ihren Wechsel der Haarfarbe von Blond zu Braun als Zäsur erlebt – weil damit genau dieses Lebensgefühl schlagartig verloren ging. Die brünette ...

Weiterlesen
Artikel 1,00€
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von ÖKO-TEST Magazin. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 3/2010 von Leserbriefe: Schreiben Sie uns. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Leserbriefe: Schreiben Sie uns
Titelbild der Ausgabe 3/2010 von Nachwirkungen Was unsere Tests bewirkt haben: Reaktionen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Nachwirkungen Was unsere Tests bewirkt haben: Reaktionen
Titelbild der Ausgabe 3/2010 von Neue Produkte im Test: Tops und Flops. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Neue Produkte im Test: Tops und Flops
Titelbild der Ausgabe 3/2010 von TEST Bio-Produkte vom Discounter: Ess-Klasse. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TEST Bio-Produkte vom Discounter: Ess-Klasse
Titelbild der Ausgabe 3/2010 von Einkaufen: Zum Bauern oder in den Discounter?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Einkaufen: Zum Bauern oder in den Discounter?
Titelbild der Ausgabe 3/2010 von Meldungen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Meldungen
Vorheriger Artikel
Meldungen
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel TEST Cellulitemittel: Eben!
aus dieser Ausgabe

Blondinen werden auf der Straße von Fremden angelächelt und Polizisten lassen sich von ihnen Strafzettel ausreden – dies ist das „blonde Lebensgefühl“, das eineBrigitte -Autorin beschreibt. Sie hatte ihren Wechsel der Haarfarbe von Blond zu Braun als Zäsur erlebt – weil damit genau dieses Lebensgefühl schlagartig verloren ging. Die brünette Haarfarbe war daher nur von kurzer Dauer. Die Journalistin landete wieder bei Blond.

Bereits in der Antike bleichten Frauen ihre Haare und riskierten teilweise den Verlust ihrer gesamten Haarpracht durch die Anwendung aggressiver Bleichverfahren. In Griechenland griffen die Menschen, zumindest wenn sie finanziell gut ausgestattet waren, zu Goldfäden und flochten sich diese ins Haar. Pflanzliche Stoffe wie Safran nutzten die Europäerinnen im Mittelalter.

Auch heute lassen sich mit Pflanzenhaarfarben eine ganze Palette von Blondnuance von Goldblond über Aschblond bis Sandig färben, wenn die Haare von Natur aus hell, weiß oder grau sind, erklärt Andrea Deuser, die in Wiesbaden den SalonHair Image betreibt. Dabei bleibt die Haarstruktur in perfektem Zustand, verspricht Deuser: „Die gewünschte Nuance erhalte ich durch die Mischung aus etlichen Farbschattierungen mit Henna, Kamille, Walnussschale, Kurkuma und weiteren pflanzlichen Substanzen. Wie bei konventionellen Farben muss dann alle fünf bis acht Wochen der Ansatz nachgefärbt werden.“

Eines funktioniert mit den Pflanzenhaarfarben allerdings nicht – das Blondieren oder Aufhellen. Das schaffen nur konventionelle Blondierungsmittel mit einer Entwicklerkomponente, die Wasserstoffperoxid enthält, und einer Aufhellkomponente -in der Regel mit Ammoniak. Die chemische Bleichprozedur löst aber leider nicht nur die Pigmente auf, sondern verändert auch die Struktur des Haares: Es wird rauer, spröder, schwerer kämmbar, poröser: Alles unerwünschte Nebeneffekte, die mit jeder weiteren Anwendung zunehmen.

Mit reinen Blondierun-gen können die Haare um vier bis sechs Nuancen aufgehellt werden. Diese Mittel heißen entweder Aufheller und teilweise Blond-Coloration, obwohl sie keine Farbstoffe enthalten. Zwei Blond-Colo-rationen im Test, die nur bleichen können, sind dieViva Aufregend Lebendiges Blond, Ultra Blond und diePoly Palette Permanent Natural Colors, 10 Extra Helles Perlblond. Richtige Blond-Colorationen verleihen dagegen einen dauerhaften Blondton: Hier sind bleichende Mittel wie Wasserstoffperoxid enthalten und zudem Färbechemikalien. Die Grauabdeckung dieser Färbemittel ist ganz unter schiedlich, manche decken graues F aar vollständig ab, andere sind lediglich für leicht ergrautes F aar geeignet ÖKO-TEST hat siebzehn Blondierungen und Blond-Colorationen eingekauft und die Bestandteile der Rezepturen unter die Lupe genommen.

Das Testergebnis

■ Nur drei Marken gehen noch mit einem „guten“ Ergebnis aus dem Test. Dreizehn Blond-Colorati-onen rauschen mit einem „ungenügend“ durch. Für Minuspunkte sorgen vor allem die farbgebenden Inhaltsstoffe.


Nur reine Aufhellmittel schneiden gut ab -keine färbende Blond-Coloration ist empfehlenswert


■ Die 13 Blond-Colora-tionen enthalten Färbekomponenten, die zu den aromatischen Aminen gehören. Diese stehen unter Krebsverdacht, seitdem im Jahr 2001 in wissenschaftlichen Studien ein Zusammenhang zwischen der Anwendung von Haarfarben und Blasenkrebs festgestellt wurde. Aus diesem Grund erstellt die EU eine Positivliste mit geprüften Haarfarben. Alle Blond-Colorationen enthalten jedoch Stoffe, die nur vorläufig in Haarfarben zugelassen sind. Die Frist für ihre Bewertung wurde erst kürzlich bis Ende 2010 verlängert. Für die Stoffe p-Phenylendiamin und Toluylen-2,5-diamin, die in zwölf Colorationen stecken, wird eine abschließende Bewertung sogar erheblich mehr Zeit in Anspruch nehmen. Für diese Farben gibt es vier Punkte Abzug.


Das starke Kontaktallergen Toluylen-2,5-diamin steckt in fast allen Blond-Colorationen


■ Viele Färbechemikalien wie das Toluylen-2,5-diamin sind zudem stark sensibilisierend und können Kontaktallergien auslösen, die mit sehr schweren Reaktionen wie starker Juckreiz, Rötungen oder extreme Schwellungen der Haut einhergehen können. Haarfarben mit solchen Färbesubstanzen müssen daher zukünftig ausführliche Warnhinweise hinsichtlich des Allergierisikos tragen und gehören – so der zukünftige Verbraucherhinweis – nicht in die Hände von Verbrauchern unter 16 Jahre. Dies ist allerdings für die Hälfte der Verbraucher das Einstiegsalter zum Haarefärben. Leider hat die EU die Hersteller lediglich dazu verpflichtet, die neuen Warnhinweise auf die Verpackung zu drucken, sinnvoll wäre es gewesen, diese Pflicht auch auf Werbespots und Anzeigen in Magazinen auszudehnen. Das wäre ein deutliches Signal an die Verbraucher, das Allergierisiko nicht zu unterschätzen. Auch ist der Handel nicht dazu aufgefordert, das Alter beim Verkauf zu kontrollieren. Um das Risiko von Phenylendiamin und Toluylen-2,5-diamin zu minimieren, sind ihre zugelassenen Höchstkonzentrationen erst einmal gesenkt worden. Auch Resorcin, das in neun Marken steckt, ist stark sensibilisierend.

Fett gedruckt sind Mängel.
Abkürzungen: n.u. = nicht untersucht, weil sich dieser Parameter durch die Zusammensetzung des Produktes erübrigt.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 142.
Anmerkungen: 1) PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe im Handschuh. 2) Laut Anbieter ist das Produkt bereits ausgelistet. Es seien kaum noch Restprodukte im Handel erhältlich. 3) Der deklarationspflichtige Duftstoff Geraniol wurde analysiert, er ist jedoch nicht deklariert. Laut Anbieter liegt der Anteil von Geraniol in der Farbcreme bei zirka 130 mg/kg und in der fertig aufzutragenden Haarfarbe durch die Mischung mit dem Entwickler deutlich unter der Deklarationsgrenze von 100 mg/kg. 4) Die Aufhellkomponenten des Produkts, bestehend aus Entwickleremulsion und Aufhellpulver, enthalten kein Parfüm. 5) Das Pflegeprodukt enthält Spuren von Cashmeran. 6) Als Pflegeprodukte sind ein Schutzserum und Pflegebalsam enthalten.

Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Zur Abwertung um vier Noten führen: aromatische Amine und/oder Resorcin. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) halogenorganische Verbindungen, falls diese nicht schon als aromatische Amine zur Abwertung geführt haben; b) mehr als 10 mg/kg polyzyklische Moschus-Verbindungen; c) bedenkliche UV-Filter (Benzophenone-3). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) PEG/PEG-Derivate; b) mehr als 10 bis 1.000 mg/kg Diethylphthalat; c) Duftstoffe, die Allergien auslösen können (Lyral, Cinnamylalkohol, Hydroxycitronellal). Unter Weitere Mängel führen zur Abwertung um eine Note: PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe im Zubehör. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Aufhell-/Colorationskomponenten und dem Testergebnis Pflegeprodukt. Es kann nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.
Testmethoden: Farbstoffe: Deklaration und Angabe der Hersteller auf Anfrage.

Formaldehyd/-abspalter: Saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol und Bestimmung mittels Fotometrie. Diethylphthalat/ deklarationspflichtige Duftstoffe/Majantol/Moschus-Verbindungen: Extraktion mit TBME, GC-MS. Halogenorganische Verbindungen (falls nicht deklariert): a) Wasserdampfdestillation, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts.b) Reinigung der Proben mit Kieselgel, Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, micro coulometrische Bestimmung des Halogengehalts. PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe: Röntgenfluoreszenzanalyse. Einkauf der Testprodukte: November 2009.

Anbieterverzeichnis: siehe www.oekotest.de

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlages dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

■ Fast alle Produkte enthalten in einer oder mehr Komponenten Parfüm. Aber nur in den Pflegeprodukten derLondacolor Magic Colors, 19 Platinblond und in derAccent Intensiv-Color-Creme, 100 Lichtblond steckt Lyral, das relativ häufig eine Kontaktallergie verursachen kann und dafür einen Minuspunkt kassiert. In vielen weiteren Komponenten stecken Duftstoffe, die eher selten Kontaktallergien auslösen.


Viele Pflegeprodukte sind mit umstrittenen halogenorganischen Substanzen konserviert


■ Halogenorganische Verbindungen enthalten acht Marken. Fünf Pflegekomponenten sind mit dem Bakterienkiller Chlorhexidin haltbar gemacht. In einer Pflegekomponente steckt ein halogenorganischer Farbstoff und in zwei Farbcremes sind es halogenorganische Färbechemikalien.
■ Weiterer Kritikpunkt: Alle Testprodukte enthalten entweder in den Aufhell-/ Colorationskomponenten und/oder in den dazugehörenden Pflegeprodukten PEG/PEG-Derivate. Sie können die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen.
Christine Throl

In diesem Punkt sind alle ratlos

Die meisten Frauen und manche Manner greifen zu Haarfarben, um dem ergrauenden Haarschopf wieder Farbe zu verleihen. Allerdings konnen wir auch nach diesem Test nur davon abraten, konventionelle Haarfarbechemikalien zu verwenden. „Gut“ schneiden nur die Aufheller, also reinen Blondierungen ohne Farbstoffe ab. Pflanzenfarben sind nur teilweise eine Alternative – ein durchgangiges Blond kriegt man damit nicht hin.

Das Problem bei den konventionellen Colorationen sind die zur Verfugung stehenden, meist problematischen Farbstoffe, die derzeit von der EU umfanglich gepruft werden. Die Industrie will auf diese Farben, mit denen perfekte und immer gleiche Farbnuancen auch zu Hause machbar sind, nicht verzichten. „Hier fehlen derzeit Ersatzsubstanzen. In diesem Punkt sind alle ratlos“, bringt der Toxikologe Professor Thomas Platzek vom Bundesinstitut fur Risikobewertung das Dilemma auf den Punkt. Er rat dazu, den Kontakt mit Haarfarben moglichst zu minimieren. Das heist Handschuhe verwenden, auf einen Hautvertraglichkeitstest vor dem Haarefarben verzichten oder die Farbung am besten beim Friseur machen lassen. Dort sind Sie auch vor unangenehmen Uberraschungen wie einem ungewollten Orangeton nach dem Blondieren sicher. Wenn Sie nicht von Schwarz auf Blond umfarben wollen, konnen Sie auch Pflanzenhaarfarben probieren. Salons, die damit arbeiten, finden Sie unter www.culumnatura.de