Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 6 Min.

TEST BUNTSTIFTE FÜR KINDER: BUNT UND GIFTIG: MEINE ERSTEN SCHADSTIFTE


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 10/2018 vom 27.09.2018

Schadstoffbelastete Buntstifte haben schon in der Vergangenheit für Furore gesorgt. Jetzt ist klar: Auch die Modelle für ganz kleine Kinder sind häufig betroffen. Von 15 Produkten fällt knapp die Hälfte durch. Es gibt aber auch Lichtblicke.


Artikelbild für den Artikel "TEST BUNTSTIFTE FÜR KINDER: BUNT UND GIFTIG: MEINE ERSTEN SCHADSTIFTE" aus der Ausgabe 10/2018 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: KayaMe/Shutterstock

„Stiftekauer“ finden sich in allen Altersklassen. Besonders aber Kinder knabbern gern an ihren Malutensilien. Unser Buntstifttest im vergangenen Jahr hat die Redaktion in Alarmstimmung versetzt: Viele Modelle strotzten vor Schadstoffen. Vor allem krebserregende oder krebsverdächtige aromatische Amine – das sind Farbstoffbestandteile – und ...

Weiterlesen
Artikel 1,50€
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von ÖKO-TEST Magazin. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 10/2018 von VERBRAUCHERFRAGEN: GEFRAGT, GESAGT, GETAN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
VERBRAUCHERFRAGEN: GEFRAGT, GESAGT, GETAN
Titelbild der Ausgabe 10/2018 von NACHWIRKUNGEN: WAS UNSERE TESTS BEWIRKT HABEN: NACHWIRKUNGEN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
NACHWIRKUNGEN: WAS UNSERE TESTS BEWIRKT HABEN: NACHWIRKUNGEN
Titelbild der Ausgabe 10/2018 von TEST KRÄUTERTEE: DREI TEES MIT DER BESTNOTE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TEST KRÄUTERTEE: DREI TEES MIT DER BESTNOTE
Titelbild der Ausgabe 10/2018 von KRÄUTERTEE / BIO-ANBAU: VIEL ARBEIT FÜR REINE KRÄUTER. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
KRÄUTERTEE / BIO-ANBAU: VIEL ARBEIT FÜR REINE KRÄUTER
Titelbild der Ausgabe 10/2018 von KRÄUTERTEE / TIPPS: Zutaten und Zubereitung. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
KRÄUTERTEE / TIPPS: Zutaten und Zubereitung
Titelbild der Ausgabe 10/2018 von TEST ZWIEBACK: HIPP-ZWIEBACK MIT MINERALÖL. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TEST ZWIEBACK: HIPP-ZWIEBACK MIT MINERALÖL
Vorheriger Artikel
SCHLAFBERATUNG: JEDES KIND SCHLÄFT ANDERS
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel KURZ UND GUT: ZAHL DES MONATS: 21,9
aus dieser Ausgabe

... polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) waren ein Problem.

Auch im aktuellen Test sehen wir rot. Oder schwarz: Die speziellen Buntstifte für kleine Kinder sind teilweise ebenso stark mit Schadstoffen belastet. Auch diesmal kritisieren wir vor allem problematische Farbstoffbausteine. Insgesamt standen 15 Buntstifte auf dem Prüfstand. Darunter ganz dicke und kurze für die Jüngsten, aber auch feinere und längere Modelle für Kinder über drei Jahren.

ÖKO-TEST RÄT

► Bunt und günstig: Die „sehr guten“ Buntstifte sind echte „Schnapper“ – schadstoffarm und mit umgerechnet 25 Cent pro Stift sind sie die zweitgünstigsten im Test.
► Lacke enthalten häufig Schadstoffe. Buntstifte aus naturbelassenem Holz sind daher meist die bessere Wahl.
► Buntstiftstriche an Tapeten lassen sich nur schwer entfernen. Hilfreich können weiche Radiergummis, spezielle Schmutzradierer oder Mikrofasertücher sein. Am besten zunächst an kleiner, unauffälliger Stelle ausprobieren.

ÖKO-TEST

„Weichmacher und krebserregende Farbstoffe: Die will ich meinem Kind nicht antun! Ich setze auf unlackierte Buntstifte mit schadstoffarmer Mine.“

Christian Ippach , ÖKO-TEST-Redakteur.


Foto: Anja Wägele


Schweiß und Bakterien können aromatische Amine freisetzen.


Kritische Farbstoffe in jedem zweiten Stift: Auch Buntstifte für Kleinkinder enthalten häufig krebserregende oder krebsverdächtige aromatische Amine. Von 15 Modellen katapultiert sich so knapp die Hälfte ins Aus. Erfreulich: Ein Drittel zeigt immerhin, dass schadstoffarme Kinderbuntstifte keine Utopie sind.
Aromatische Amine: Die analysierten aromatischen Amine stammen wahrscheinlich aus Azofarbstoffen. Letztere gelten als preiswert, lichtecht, farbstabil und als leicht zu verarbeiten. Aromatische Amine sind in Buntstiftminen oder dem Lack bestenfalls relativ fest gebunden. Die Spielzeugnorm sieht zum Test auf diese Substanzen daher ein recht großzügiges Verfahren vor, bei dem vor allem wasserlösliche Amine gefunden würden. Unsere Prüfung ist strenger. Wir lassen ein Verfahren anwenden, das beim Test von Bedarfsgegenständen und Textilien auf aromatische Amine zum Einsatz kommt und das den Farbstoffen mit stärkeren Mitteln als mit Wasser zu Leibe rückt. Toxikologen wie Professor Jan Hengstler, Leiter des Forschungsbereichs Toxikologie am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund, gehen nämlich davon aus, dass etwa Schweiß oder Bakterien die Problemstoffe freisetzen können: „Es ist grundsätzlich möglich, dass aromatische Amine auf der Haut oder im Körper aus Azofarbstoffen abgespalten werden: beispielsweise durch Bakterien. Vermutlich sind die freigesetzten Mengen aus Buntstiften zwar relativ gering. In der Regel ist es für die nachgewiesenen Stoffe aber schwierig bis unmöglich, eine Schwelle festzulegen, unterhalb der kein Risiko mehr existiert. Hersteller sollten deshalb nach dem Vorsorgeprinzip vorgehen und generell nur Stifte produzieren, die keine krebserzeugenden oder krebsverdächtigen aromatischen Amine enthalten“, sagt Hengstler. Kinder können an den Stiften knabbern und dadurch Teile von Lack und Mine verschlucken. Deshalb sind aus unserer Sicht wesentlich höhere Sicherheitskriterien angebracht. Im Sinne des vorbeugenden Verbraucherschutzes verstehen auch wir bei krebserregenden oder krebsverdächtigen Stoffen keinen Spaß – vor allem wenn sie in Kinderprodukten stecken.

SO TESTET ÖKO-TEST

Viele Kinder produzieren schon mit einem Jahr erste Kunstwerke.Dicke, kurze Buntstifte erleichtern das Kritzeln. Wir haben15 Modelle eingekauft, diepassend in den Händchen der Kleinen liegen. Teils empfehlen Hersteller sie selbst für Kinder unter drei Jahren.
Natürlich sollten die Stifte möglichst schadstoffarm sein. Aus vergangenen Tests wissen wir, dass Minen und Lacke häufigproblematische Farbbausteine enthalten. Die Laborexperten prüften sie in den Farben Rot, Gelb, Schwarz oder Braun und nahmen vor allemkrebserregende und krebsverdächtige aromatische Amine ins Visier.
Andere Speziallabore brachten hormonell wirksameWeichmacher , krebserregende und krebsverdächtigepolyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und umweltschädigendehalogenorganische Verbindungen auf das Radar.

Problematische Farbbausteine: Aromatische Amine stecken häufig in Buntstiftminen. Wir haben die Minen gesondert testen lassen.


Foto: LindseyLeeanna/Shutterstock

Kaum Buntstiftlacke ohne Weichmacher: Reichlich Notenabzüge gibt es auch für Weichmacher. Sie sollen verhindern, dass die Buntstiftlacke spröde werden. Im TediStift hat ein Labor sogar fortpflanzungsgefährdendes Dibutyl phthalat (DBP) nachgewiesen. Ersatzweichmacher gelten als bessere Alternative, ihre Langzeiteffekte auf den Menschen sind bislang aber nicht hinreichend erforscht. Wer sicher gehen will, entscheidet sich ohnehin für Buntstifte ohne Lackierung.
Umstrittene halogenorganische Verbindungen hat das beauftragte Labor in etliche gelben und roten Buntstiftminen nachgewiesen. Fast alle Vertreter dieser großen Stoffgruppe reichern sich in der Umwelt an, viele gelten als Allergieauslöser.
Etwas fast Erfreuliches zum Schluss: Krebserregende oder krebsverdächtige polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) kritisieren wir nur in drei Produkten. Das sind viel weniger als in unserem BuntstiftTest im Jahr 2017.

„Es ist grundsätzlich möglich, dass aromatische Amine auf der Haut oder im Körper aus Azofarbstoffen abgespalten werden: beispielsweise durch Bakterien. Vermutlich sind die freigesetzten Mengen aus Buntstiften zwar relativ gering. In der Regel ist es für die nachgewiesenen Stoffe aber schwierig bis unmöglich, eine Schwelle festzulegen, unterhalb der kein Risiko mehr existiert.

Foto: Falk Foundation e. V.

Hersteller sollten deshalb nach dem Vorsorgeprinzip vorgehen und generell nur Stifte produzieren, die keine krebserzeugenden oder krebsverdächtigen aromatischen Amine enthalten.“

Prof. Dr. Jan Hengstler , Leiter des Forschungsbereichs Toxikologie am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 158.
Abkürzungen: DBP = Dibutylphthalat. PAK = polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Anmerkungen:1) Laut Anbieter ist das Produkt bereits 2013 hergestellt und in der Zwischenzeit aus dem Sortiment genommen worden. Im Handel seien nur noch kleine Restmengen erhältlich.2) Laut Anbieter ist das Produkt mittlerweile in veränderter Form im Handel erhältlich. Die Farbe Schwarz sei durch die Farbe Lila ersetzt worden.3) Der Hersteller hat uns eigene Analyseberichte mit chargengleichen Produkten vorgelegt, in denen keine aromatischen Amine gefunden wurden. Das von uns beauftrage Labor steht weiter zu seinen Ergebnissen.4) Laut Anbieter ist das Produkt Bunt-bzw. Farbstift, Aquarellstift und Wachsmalstift.5) Die Prüfung auf aromatische Amine und Weichmacher im Lack entfällt, weil das Produkt unlackiert ist.6) Das Produkt enthält einen Anspitzer, den ÖKO-TEST aber nicht geprüft hat.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils vier Noten: a) 5 mg/kg oder mehr eines oder mehrerer krebserregender oder -verdächtiger aromatischer Amine in Mine und/oder Lack; b) ein stark erhöhter Gehalt polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe (PAK) von mehr als 200 μg/kg, bestehend aus einer oder mehreren krebserregenden und/oder krebsverdächtigen PAK-Verbindungen größer 100 μg/ kg (hier: Benzo[a]pyren, Benzo[e]pyren, Cyclopenta[c, d]pyren, Indeno[1,2,3-c, d]pyren). Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein erhöhter Gehalt polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe (PAK) von mehr als 100 bis 200 μg/kg einer krebsverdächtigen PAK-Verbindung (hier: Naphthalin oder Indeno[1,2,3-c, d]pyren); b) mehr als 100 bis 1.000 mg/ kg Phthalate (hier: DBP). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) halogenorganische Verbindungen; b) mehr als 1.000 mg/kg eines oder mehrerer Ersatzweichmacher (hier: Acetyltributylcitrat (ATBC), Diethylhexyladipat (DEHA), Diethylhexylterephthalat (DEHT), Diethylenglycoldibenzoat, Dipropylenglycoldibenzoat, 2,2,4-Trimethyl-1,3-pentandioldiisobutyrat (TXIB)). Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen „nein“, bedeutet das „unterhalb der Bestimmungsgrenze“ der jeweiligen Testmethode. Das Gesamturteil beruht auf der Beurteilung des Inhalts.
Testmethoden undAnbieterverzeichnis finden Sie unteroekotest.de → Hefte → ÖKO-TEST Magazin. Wählen Sie die Ausgabe aus und scrollen ans Seitenende.
Einkauf der Testprodukte: März und April 2018.
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

WELCHER STIFT FÜR WELCHES ALTER?

Ganz pauschal lässt sich diese Frage nicht beantworten. Breite, Länge und Form sollten den feinmotorischen Fähigkeiten und der Handgröße entsprechen. Und da sind Kinder nun mal unterschiedlich. Für den Einstieg empfehlen sich aber meist dickere und kürzere Stifte. Die können die Kleinen besser halten.

DIE ERSTEN STRICHE

DerWachsmalstift ist das Einsteigermodell schlechthin: handlich, stumpf und leider ein Fleckenteufel par excellence. Wachsmalstifte bestehen hauptsächlich aus industriellen Paraffinwachsen und Stearinsäure. Anders als Buntstifte, deren Farben von Bindemitteln und Füllstoffen wie Talkum und Kaolin zusammengehalten werden. Auch„Jumbo“-Buntstifte bieten sich in der frühen Schaffensphase an. In Länge und Durchmesser ähneln sie Wachsmalern. Dank besonders weicher Minen lassen sie sich leicht zu Papier bringen. Einige „Jumbos“ sind zugleichBunt-, Wachsmal- und Aquarellstift. Solche 3-in-1-Lösungen sind was servermalbar – ihre Farben lassen sich daher verwischen – und sie haften auch auf glatten Oberflächen wie Glas. Stifte in Dreikantform gelten als förderlich für die Mal- und Schreibhaltung, weil sie zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger klemmen. Runde „Jumbos“ hingegen sind ratsam, wenn Kinder ihre Kraft noch nicht fein dosieren können und mit der ganzen Faust zupacken. Falls Kinder mit sehr kleinen Händchen die dicken „Dinger“ gar nicht richtig halten können, sollten sie eventuell direkt mit dünneren Buntstiften beginnen.

IM VORSCHULALTER

Mit zunehmenden Malfertigkeiten sind dann ohnehinlängere und schmalere Buntstifte gefragt. Die meisten Hersteller bieten Übergangsmodelle ab drei Jahren an, die häufig weiterhin eine Dreikantform haben. Entdecken Kinder ihre Vorliebe für Filzstifte, sind im Handel schon spezielle auswaschbare Produkte ab drei Jahren erhältlich. Die empfindlichen Spitzen zerfasern aber schnell.Filzstifte sind deshalb erst dann eine Alternative, wenn Kinder die Buntstiftminen beim Malen nicht mehr durch das Papier drücken.

DIESE TESTS KÖNNTEN SIE AUCH INTERESSIEREN:

► Buntstifte (ÖKO-TEST Magazin 02/17)
► Wachsmalstifte (ÖKO-TEST App Eltern 03/18)
► Straßenmalkreiden (ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder 2018)