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TEST: CANON EOS 250D: KLEIN UND LEICHT


fotoMAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 80/2019 vom 12.07.2019

Dass sich Spiegelreflexkameras auch klein bauen lassen, hatte Canon schon mit der EOS 200D unter Beweis gestellt. Die Nachfolgerin EOS 250D ist noch etwas leichter und bringt nun auch 4K-Video mit. Wir vergleichen den Neuling mit weiteren Einsteigerund Mittelklasse-SLRs von Canon und Nikon bis zu einer Preisgrenze von 850 Euro.


Artikelbild für den Artikel "TEST: CANON EOS 250D: KLEIN UND LEICHT" aus der Ausgabe 80/2019 von fotoMAGAZIN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: fotoMAGAZIN, Ausgabe 80/2019

Die EOS 250D bringt einen HDR-Modus mit, der mehrere Aufnahmen kombiniert.


KAMERA: Canon EOS 250D
OBJEKTIV: Canon EF-S 3,5-4,5/10-22 mm USM
EINSTELLUNGEN: 10 mm, f/7,1, 1/250 s, ISO 100, JPEG, HDR

Rechts (klein) das Bild ohne HDR, oben (groß) die HDR-Aufnahme, die noch leicht ...

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FOTOS: © ANDREAS JORDAN

Die EOS 250D ist mit einem Ausklappblitz ausgestattet, der eine Leitzahl von 9,8 erreicht.


FOTO: © CANON

Gegenüber ihrer Vorgängerin zeigt sich die EOS 250D auf den ersten Blick weitgehend unverändert. Die Abmessungen des aus Aluminium und glasfaserverstärktem Polykarbonat bestehenden Gehäuses sind die gleichen, das Gewicht hat Canon noch einmal um fünf Gramm reduziert. Damit ist die Neue die kleinste und leichteste DSLR mit schwenkbarem Display.
Tatsächlich verzichtet Nikons ähnlich kompakte und sogar noch etwas leichtere D3500 auf den beweglichen Monitor (siehe Vergleichstabelle Seite 88/89).
Trotz der geringen Abmessungen liegt die 250D gut in nicht allzu großen Händen. Die Bedienung ist angesichts des geringen Platzes ebenfalls gut gelöst, wobei auch der komplett auf die Touch-Bedienung ausgelegte Monitor hilft.
Auf der Oberseite zeigen sich kleine Änderungen. So fehlt die Wi-Fi-Taste und Canon hat die „Kreativ-Automatik“ und den Modus „Blitz aus“ vom Modus-Wahlrad entfernt – die entsprechenden Funktionen finden sich jetzt aber im über das Moduswahlrad aufrufbaren Kreativ-Assistenten, der außerdem einen schnellen Zugriff auf Effekt-Filter wie körniges SW, Spielzeugkamera, Miniatureffekt, Aquarell oder HDR gibt. Das Haupt-Menü ist gut strukturiert, häufige Einstellungen lassen sich im My-Menü speichern. Für Einsteiger gibt es eine spezielle Bildschirmansicht mit Erklärungen und visuellen Beispielen. So wird eine offene Blende mit „unscharfer Hintergrund“ übersetzt und eine kurze Belichtungszeit mit „eingefrorener Bewegung“.
Der Blick durch den Pentaspiegel-Sucher zeigt ein bei Einsteiger-SLRs typisches, recht kleines Bild, das 95 % der tatsächlichen Aufnahme abdeckt. Auch Anzahl und Anordnung der AF-Messfelder verraten den Einsteiger-Charakter: Es gibt lediglich neun Messfelder, die recht mittig angeordnet sind. Dass die spiegellose Technik in dieser Hinsicht weiter ist, zeigt sich, sobald man die Kamera auf Live-View umschaltet. Hier stehen bis zu 3975 Messpunkte zur Verfügung, die sich viel weiter an den Bildrand schieben lassen. Außerdem beherrscht der Live-View-AF eine Gesichts- und Augenerkennung. Dank Canons „Dual Pixel CMOS AF“ (DPAF) erfolgt die Fokussierung im Live-View mit modernen Objektiven (speziell mit STM- und Nano-USM-Motoren) schnell und leise.

Der Monitor lässt sich auch zur Seite ausklappen und für Selbstportraits nutzen.


FOTOS: © CANON

Trotz ihrer geringen Größe liegt die EOS 250D gut in der Hand. Dem Blitzschuh fehlt der Mittenkontakt.


4K mit Crop

Unverändert ist der APS-C-Bildsensor mit Tiefpassfilter und einer Auflösung von rund 24 Megapixeln. Aufgerüstet hat Canon dagegen den Bildprozessor: Der DIGIC 8 ermöglicht unter anderem den 4K-Videomodus, aber auch die Augenerkennung im Live-View und die Integration der „Digital Lens Optimizer“- Funktion (DLO), die auf Basis von Objektivprofilen Schärfeverluste schon in der Kamera korrigiert – bisher war dieser nur für Raw-Daten in der Desktop-Software „Digital Photo Professional“ zugänglich. Eine der größeren Neuerungen ist die Möglichkeit, Videos in 4K-Auflösung aufzunehmen (3840 x 2160 Pixel, Pal: 25p, NTSC: 24p, ca. 120 Mbit/s), allerdings mit einigen schon aus der EOS M50 bekannten Einschränkungen: So steht nicht der volle Weitwinkel zur Verfügung, sondern die Kamera beschneidet das Bild – zusätzlich zum APS-C-Crop – noch einmal um den Faktor 1,6. Aus dem Kitobjektiv 18-55 mm werden also im Vergleich zum Kleinbild ungefähr 46- 140 mm. Zweiter Schwachpunkt bei 4K: Der DPAF funktioniert nicht. Stattdessen greift die Kamera auf den Kontrast-AF zurück, der etwas langsamer ist und eher zum Pumpen neigt. Bei Full-HD funktioniert der DPAF dagegen und es steht auch die komplette Bildbreite ohne Crop zur Verfügung. Hier liegt die Bildrate bei 50p oder 25p in Pal beziehungsweise bei 60p oder 30p in NTSC.

Neu gegenüber der EOS 200D ist der bei Bedarf in zwei Stufen zuschaltbare digitale Bildstabilisator, der naturgemäß mit einem weiteren Crop einhergeht. Zeitraffervideos in 4K beherrscht die 250D übrigens auch, allerdings keine Zeitlupen und keine Intervallaufnahmen mit hochauflösenden Einzelbildern. Für den Einsatz externer Mikrofone steht eine Miniklinkenbuchse zur Verfügung.
Die Fernsteuerung und drahtlose Bildübertragung erfolgt vom iOS- oder Android-Gerät mit der App Canon Camera Connect. Neu ist das Pairing und das Fernauslösen per Bluetooth. Die Bildübertragung und Fernsteuerung mit Live-View erfolgt aber weiter ausschließlich per Wi-Fi.

Eingeschränktes Blitzen

Schon bei den beiden noch preiswerteren Einsteigerkameras EOS 2000D und 4000D aus dem Frühjahr 2018 hatte Canon den Mittenkontakt des Blitzschuhs weggelassen. Nun trifft diese Einschränkung auch die 200er-Serie. Keine Probleme gibt es natürlich mit aktuellen E-TTL-Blitzen von Canon. Manuelle Blitze oder Blitzauslöser, die nur einen Mittenkontakt haben, funktionieren dagegen gar nicht an der EOS 250D. Ob E-TTL-fähige Fremdblitze funktionieren, muss man wohl im Einzelfall ausprobieren. In unserem Test gelang das Blitzen mit einem Nissin MG800 Extreme, mit einem Sigma EF-500 DG ST aber nicht. Godox hat bereits Firmware-Updates für einige Blitzgeräte angekündigt.
Auf der Haben-Seite steht die sehr lange und gegenüber der 200D verbesserten Akkulaufzeit von 1070 Aufnahmen mit Sucher (320 mit Live-View). Vermissen könnte der eine oder andere das lautlose Auslösen mit elektronischem Verschluss, eine USB-Ladefunktion, einen Schwenkpanoramamodus oder einen Kamera-internen Raw-Konverter – immerhin lassen sich die Kreativfilter-Effekte nach der Aufnahme auf JPEGs anwenden.

Geschwindigkeit und Bildqualität

Die EOS 250D schießt knapp 5 Bilder/s und hält diese Geschwindigkeit erfreulich lange aufrecht: Bei JPEGs bis zum Speicherkartenlimit, bei unkomprimierten Raws für bis zu 16 Bilder in Folge. Das komprimierte und etwa halb so große C-Raw ermöglicht dagegen sehr lange Serien: Wir haben den Test nach 300 Aufnahmen abgebrochen. Ebenfalls erfreulich schnell ist der Sucher-Autofokus. Wir haben im Labor mit dem Kitobjektv EF-S 3,5-5,6/18-55 mm IS STM eine Auslöseverzögerung von unter 0,2 s gemessen. Im Praxistest zeigte sich aber, dass der AF Probleme beim Fokussieren auf Motive mit wenig Kontrast hat.
Die Abstimmung der JPEGs hat Canon gegenüber der 200D deutlich verändert. Bis ISO 1600 ist die Auflösung höher und erreicht Wirkungsgrade von bis zu 90 %. Danach bricht die Auflösung dagegen massiv ein: Von ISO 1600 auf ISO 3200 fällt sie von 83 % auf 62 %, was nur noch effektiven 9 Megapixeln entspricht. Offensichtlich fährt Canon hier die Rauschunterdrückung massiv hoch, denn das Rauschen fällt in den hohen ISO-Stufen geringer aus. Klassentypisch liegt der Belichtungsumfang der JPEGs bei maximal knapp 9 Blendenstufen.
Vergleichsweise gering ist die Anfälligkeit für Artefakte, was sicher auch daran liegt, dass die EOS anders als viele Konkurrenzprodukte noch ein Tiefpassfilter verwendet.

Aus dem 4K-Video lassen sich Standbilder mit 8 Megapixeln und sehr guter Qualität extrahieren.


DIE ALTERNATIVEN

In der Tabelle (S. 88/89) haben wir neun Spiegelreflexkameras mit optischen Suchern von Canon und Nikon bis zu einer Preisgrenze von 850 Euro aufgelistet. Testsieger ist die semiprofessionelle Nikon D7500, die aufgrund der aktuellen Rabattaktion, die bis zum 18.8. läuft, bei einigen Händlern für ca. 800 Euro erhältlich ist. Das beste Canon-Modell ist die EOS 80D zum Straßenpreis von rund 850 Euro. Am billigsten ist die EOS 4000D, die schon für ca. 250 Euro zu haben ist. Sie erzielt aber auch das mit Abstand schlechteste Testergebnis und ist mit ihrem veralteten Bildsensor und dem niedrig auflösenden Monitor nicht auf der Höhe der Zeit. Neben der EOS 250D empfehlen wir für den preiswerten Einstieg die Nikon D3500, die mit Objektiv bereits für 450 Euro angeboten wird.

fM – FAZIT

ANDREAS JORDAN Leitender Redakteur Ressort Test & Technik


Angesichts des moderaten Preises bietet die EOS 250D ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis. Luft nach oben ist vor allem bei der High-ISO-Bildqualität. Für 4K ohne Crop muss man – nicht nur bei Canon – tiefer in die Tasche greifen. Kritik hat dagegen die Entscheidung verdient, den Mittenkontakt des Blitzschuhs zu eliminieren. Dies spart keine relevanten Kosten, sondern dient lediglich dazu, Fremdanbietern das Leben schwer zu machen. Für den Fotografen verringert sich damit die Auswahl an Blitzgeräten – vor allem was preiswerte Alternativen zu Canons Speedlites betrifft.


LABORMESSUNGEN ANDERS USCHOLD