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TEST: CANON EOS RP: KAMPFANSAGE


fotoMAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 50/2019 vom 05.04.2019

Lediglich 1500 Euro ruft Canon für seine zweite spiegellose Vollformatkamera auf – 1000 Euro weniger als für die EOS R und eine Kampfansage an die Konkurrenz. Im Praxis- und Labortest wollten wir wissen, wie sich die EOS RP im Vergleich zur Konkurrenz der Einsteiger- und Mittelklasse schlägt.


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Mit ihrem Magnesiumgehäuse und der kompakten Bauweise ist die EOS RP aktuell die kleinste und leichteste Vollformat-Systemkamera.


FOTOS: © CANON

Anders als bei der Konkurrenz von Nikon und Sony lässt sich der Monitor der EOS auch zur Seite ausklappen.


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Mit dem Erweiterungsgriff passt die EOS RP besser zu größeren Objektiven wie dem 4/24-105 mm L IS USM.


TEXT & PRAXISTESTANDREAS JORDAN
LABORMESSUNGENANDERS USCHOLD

Als „kleinste und leichteste digitale Vollformatkamera mit Wechselobjektiven“ hat Canon die EOS RP angekündigt. Tatsächlich liegt sie mit einem Gewicht von 440 Gramm noch etwas unter der ersten Sony Alpha 7 (474 g) und recht deutlich unter den aktuellen Konkurrenzmodellen: Bei Sony ist das Gewicht in der dritten Alpha-Generation auf 650 Gramm gestiegen (Alpha 7 III), die Nikon Z 6 und Z 7 wiegen 675 g, die Canon EOS R 660 g.
Trotz des geringen Gewichts macht die Kamera einen soliden Eindruck: Das Magnesiumgehäuse ist laut Canon gegen das Eindringen von Staub und Spritzwasser abgedichtet – die Dichtungen bewegen sich aber nicht auf dem Niveau aktueller Profikameras. Ein Unterschied gegenüber der R zeigt sich beim Objektivwechsel. Bei der großen Schwester ist hierbei der Verschluss geschlossen, was wohl das Risiko verringern soll, das Staub auf den Sensor gelangt. Bei der EOS RP ist er dagegen – wie bei allen sonstigen spiegellosen Systemkameras – offen, sodass der Sensor sichtbar ist.
Ob die EOS RP auch die preiswerteste spiegellose Vollformatkamera ist, kommt auf die Betrachtungsweise an. Nach Listenpreisen ist nur die Sony Alpha 7 der ersten Generation günstiger. Offiziell bietet Sony sie für 1200 Euro an, nach Straßenpreisen ist sie schon für rund 800 Euro zu haben. Eine attraktivere Alternative dürfte die Alpha 7 II sein, für die Sony auf seiner Webseite zwar noch 1800 Euro aufruft, die aber nach Straßenpreisen für gut 1000 Euro erhältlich ist.
Sie hat – anders als die Alpha 7 und die EOS RP – bereits einen Bildstabilisator im Gehäuse. Interessant sind auch die Kitangebote: Canon verkauft die EOS RP mit dem erweiterten Standardzoom RF 4/24-105 mm L IS USM für ca. 2500 Euro, Sonys Alpha 7 II mit dem FE 4/24-105 mm G OSS wird zum Teil zu einem sehr ähnlichen Preis angeboten.

Ergonomie

Doch zurück zur EOS RP: Trotz der kompakten Abmessungen liegt die Kamera gut in der Hand – zumindest wenn man keine großen Hände hat. Der Griff ist jedenfalls angenehm geformt, nur unten rutscht schon mal der kleine Finger raus. Für solche Fälle bietet Canon den Erweiterungsgriff EG-E1 für ca. 80 Euro an, der die Kamera etwas höher macht.
Er verbessert auch die Handhabung mit größeren Objektiven: Schon mit dem 24- 105 mm liegt die RP ohne Erweiterungsgriff nicht mehr flach auf dem Tisch, mit den Boliden 2/28-70 mm oder 1,2/50 mm steht sie wackelig auf einer ebenen Oberfläche. Richtig gut zur Kamera passt eigentlich in Bezug auf die Größe nur das kompakte 1,8/35 mm Macro.
Ansonsten ist die Bedienung angesichts der kompakten Abmessungen recht gut gelungen. Auf Extravaganzen, wie die aus der EOS R bekannte Touch-Funktionsleiste neben dem Sucher, hat Canon verzichtet, wichtige Parameter lassen sich aber mit Hilfe der M-Fn-Taste und zwei Einstellrädern schnell ändern.
Neben einigen Tasten lässt sich auch der Steuerungsring an den RF-Objektiven individuell belegen – mit Blende, Zeit, ISO oder Belichtungskorrektur. Über das Modusrad sind die gängigen Belichtungsprogramme zugänglich. Eine bisher nur aus der EOS R bekannte Spezialität ist das „flexible“ Fv-Programm, das Automatik, Halbautomatik und manuelle Einstellungen vereint.
Der Rückseitenmonitor ist komplett dreh- und schwenkbar, lässt sich also auch in die Selbstportrait-Position bringen. Er ist allerdings etwas kleiner und hat eine geringere Auflösung als in der EOS R (3,0 statt 3,2 Zoll, 1,04 Millionen Bildpunkte statt 2,1 Mio.). Wie von Canon gewohnt erlaubt er die konsequente Touch-Bedienung, darunter auch das Verschieben des AF-Messfeldes im Sucherbtrieb („Touchpad“). Ebenfalls etwas abgespeckt gegenüber der EOS R ist der OLED-Sucher: Er vergrößert 0,7fach (statt 0,76x) und stellt 2,36 Millionen Punkte dar (statt 3,7 Mio.). Für die Preisklasse liefert er aber ein angemessen scharfes und sauberes Bild. Auf dem Monitor und im Sucher lässt sich zum präzisen Ausrichten eine 3D-Wasserwaage einblenden.

f/1,8


f/22


FOKUS-STACKING


FOTOS: © ANDREAS JORDAN

Bei Makroaufnahmen hilft das neue Fokus-Stacking. Die obere Aufnahme entstand mit dem 35er Makro vom Stativ bei offener Blende mit dem Fokus auf dem Auge des Holz-Elefanten.
Um die Schärfentiefe auszudehnen haben wir im mittleren Foto auf f/22 abgeblendet. Selbst hier ist das Bild noch nicht komplett scharf. Erst die letzte Aufnahme mit Fokus-Bracketing und Stacking mit Digital Photo Professional stellt die maximale Schärfe von vorne bis hinten her.

Verbesserter Autofokus

Wie alle neueren EOS-Modelle ist auch die RP mit einem Dual-Pixel-CMOS-Autofokus (DPAF) ausgestattet, das heißt jedes Pixel besteht aus zwei Fotodioden, die zur Fokussierung getrennt ausgelesen werden und so eine Phasen-Detektion ermöglichen. Auf diese Weise lassen sich mit dem mitgelieferten Adapter auch EF-Objektive schnell scharfstellen. Prinzipiell funktionieren auch Fremdhersteller-Objektive (in unserem Test beispielsweise das Tamron 2,8/70-200 mm Di VC USD G2), allerdings kann es bei manchen Objektiven zu Problemen kommen, die ein Firmware-Update erfordern – ein Blick auf die Service-Seiten der Objektivhersteller ist daher ratsam.
Die Anzahl der AF-Messfelder ist etwas niedriger als bei der EOS R (4779 statt 5655), was aber immer noch mehr sein dürfte, als sich sinnvoll nutzen lässt. Sie decken 100 % in der Höhe und 88 % in der Breite ab. Ein kleiner Nachteil gegenüber der großen Schwester ist die minimal geringere Empfindlichkeit des AFs, die bis -5 EV statt -6 EV geht, was immer noch sehr gut ist (Voraussetzung ist allerdings ein Objektiv mit Lichtstärke 1:1,2). Insgesamt ist der Autofokus bis zu einer Lichtstärke von 1:11 arbeitsfähig, sodass auch der Einsatz von Telekonvertern mit AF kein Problem darstellt. Dem Trend folgend hat Canon den Augen-Autofokus gegenüber der EOS R verbessert. Er kann nun die Schärfe nachführen – sowohl bei Serienbildern als auch bei der Videoaufzeichnung. Zwischen den Augen kann man übrigens einfach per Touch-AF wechseln.

Mechanischer und elektronischer Verschluss

Der mechanische Verschluss ist klassentypisch für eine kürzeste Belichtungszeit von 1/4000 s ausgelegt. Alternativ gibt es auch einen elektronischen Verschluss mit der gleichen Verschlusszeit, der allerdings nicht in den PASM-Modi zur Verfügung steht. Um lautlos mit E-Verschluss auszulösen, muss der Fotograf in das entsprechende Szenenprogramm wechseln, das keinen Zugriff auf Blende, Belichtungszeit oder ISO ermöglicht. Mit einem Trick klappt die manuelle bzw. halbautomatische Steuerung mit lautlosem Verschluss aber doch. Hierzu wechselt man einfach in den neuen Modus „Fokus-Bracketing“ und stellt die Anzahl der Aufnahmen auf einen niedrigen Wert, beispielsweise 2 oder 3. Das hat zusätzlich den Vorteil, dass die Gefahr einer Fehlfokussierung reduziert wird, weil der Fotograf hinterher aus mehreren Aufnahmen wählen kann. Natürlich hat der elektronische Verschluss auch seine Nachteile: Wie bei den meisten anderen Kameras lässt er sich nicht mit einem Blitz kombinieren und unter flackerndem Kunstlicht kann es zu Streifenbildungen kommen.

Bei ISO 6400 ist das Rauschen gering.
KAMERA: Canon EOS RP
OBJEKTIV: RF 4/ 24-105 mm L IS USM
EINSTELLUNGEN: ISO 6400, 29 mm, f/5,6, 1/125 s


FOTO: © ANDREAS JORDAN

Das eigentliche Einsatzgebiet des Fokus-Bracketings sind Makros: Hierfür lassen sich bis zu 999 Aufnahmen mit leicht verschobenem Fokus aufnehmen. Diese werden allerdings nicht in der Kamera zusammengefügt, sondern erst nachträglich am PC, beispielsweise mit Canons kostenloser Software „Digital Photo Professional“ in der neusten Version.
Weitere Funktionen der EOS RP sind Intervallaufnahmen, Mehrfachbelichtungen, HDR, eine Flicker-Reduzierung. Was – im Gegensatz zu Sony und Nikon – fehlt, ist der Bildstabilisator im Kameragehäuse. Da immerhin drei der aktuell fünf RF-Objektive keinen Stabilisator haben, ist dies eine Schwachstelle in Canons RF-System. Gerüchte deuten darauf hin, dass sich das mit der nächsten spiegellosen Vollformatkamera von Canon ändern könnte (siehe Seite 90).

4K mit Crop

4K ist inzwischen bei den meisten Kameras Standard und so beherrscht auch die EOS RP das ultrahochauflösende Video mit 3840 x 2160 Pixeln und einer maximalen Bildwiederholrate von 25p.
Allerdings nicht im Vollformat, sondern mit einem ca. 1,7fachen Crop. Außerdem ist bei 4K der DPAF nicht aktiv – die Kamera stellt also nur per Kontrast-Erkennung scharf, was zu einem leichten Pumpen führen kann. Bei Full-HD funktioniert dann der DPAF, die EOS nimmt mit bis zu 60p und ohne Crop auf – es sei denn, der sehr gut funktionierende digitale Bildstabilisator wird aktiviert.
Weitere Bewegtbildfunktionen sind Zeitraffer- und HDR-Videos. Schnittstellen für Kopfhörer- und Mikrofon sind vorhanden. Logarithmisches Gamma oder 10 Bit Farbtiefe wie bei der EOS R gibt es bei der RP aber nicht.
Ein Schwachpunkt der EOS ist die relativ kurze Akkulaufzeit von 250 Aufnahmen gemessen nach CIPA-Standard. In der Praxis sind in der Regel deutlich mehr Aufnahmen möglich, als der CIPA-Standard angibt, das gilt aber natürlich auch für die Konkurrenz, die bessere CIPA-Werte hat (siehe Tabelle). Ein Zweitakku oder eine Powerbank – die EOS lässt sich per USB laden – sollten daher in der Fototasche nicht fehlen.

Geschwindigkeit und Bildqualität

Gerade hatte Panasonic für die S1 und S1R den schnellsten Autofokus für sich reklamiert (ca. 0,08 s), da legt Canon noch einen drauf und verspricht den „weltweit schnellsten Autofokus von 0,05 s“. Abgesehen davon, wie relevant der Unterschied zwischen 0,08 s und 0,05 s ist (Antwort: gar nicht), stellt sich die Frage, ob diese Messungen praxisnah sind. Wir haben nachgemessen und sind mit den jeweiligen 4/24-105 mm Kitobjektiven auf eine Auslöseverzögerung mit Einzel-AF von 0,15 s (Canon EOS RP) und 0,12 bis 0,13 s (Panasonic S1) gekommen. Das ist extrem schnell und in der Praxis eine irrelevante Verzögerung – noch etwas schneller sind nach unseren Messungen im Testfeld übrigens die EOS R und Nikon Z 6. Aber auch die 0,3 s, die wir bei der Alpha 7 II gemessen haben, sind im praktischen Einsatz kein Problem. Relevanter ist, bei welcher Serienbildgeschwindigkeit die Kamera den AF nachführt. Und hier kann die EOS RP nicht ganz mit der Konkurrenz mithalten: Ohne AF-Nachführung bringt sie es auf 5 Bilder/s, mit Servo-AF auf 4.

Erfreulich ist dagegen die Serienbildlänge: Bei JPEGs wird die Länge nur von der Speicherkarte begrenzt und selbst bei unkomprimierten Raws haben wir 338 Bilder in Folge gemessen, bevor die Kamera langsamer wird.
Eine positive Überraschung sind die Labormesswerte zur Bildqualität. Als neues Referenzobjektiv kam das RF 1,2/50 mm L USM zum Einsatz, das beim Test der EOS R noch nicht zur Verfügung stand. Damit erreicht die EOS RP einen maximalen Wirkungsgrad von knapp 97 % (bei ISO 100). Oberhalb der Grundempfindlichkeit verringert sich die Auflösung kontinuierlich, bleibt aber bis ISO 400 bei über 90 % und bis IOS 1600 bei sehr guten 87 %. Erst ab ISO 3200 bricht sie auf unter 80 % ein. In dieser Hinsicht schlägt sich die Panasonic Lumix S1 am besten, die auch bei ISO 6400 noch einen Wirkungsgrad von 88 % hat. Dass die EOS RP am Ende bei der Bildqualität die Nase vorne hat, liegt am extrem niedrigen Rauschen – nur die EOS R rauscht noch minimal weniger.

fM - FAZIT

ANDREAS JORDAN
Leitender Redakteur Ressort Test & Technik


Angesichts des günstigen Preises erzielt die EOS RP ein hervorragendes Ergebnis und muss sich in unserem Testfeld nur der Panasonic Lumix S1 geschlagen geben, die auch für Filmer aktuell die beste Wahl sein dürfte. Den Preistipp muss sich die RP mit der Alpha 7 II teilen, die den noch deutlich niedrigeren Straßenpreis und der EOS unter anderem den Bildstabilisator voraus hat. Von der noch günstigeren Alpha 7 würden wir eher abraten – die über fünf Jahre alte Kamera fällt inzwischen leistungsmäßig doch recht deutlich ab.