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TEST Computergestützte Geldanlage: Viel heiße Luft


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 6/2016 vom 08.06.2016

Online-Plattformen machen herkömmlichen Banken derzeit heftig Konkurrenz. Ihr Motto lautet: Klicken, sparen, Rendite machen. Doch bieten die neuen Roboter wirklich eine bessere Geldanlage? ÖKO-TEST verrät, was die neuen Portale taugen und wer wirklich überzeugen kann.


Artikelbild für den Artikel "TEST Computergestützte Geldanlage: Viel heiße Luft" aus der Ausgabe 6/2016 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 6/2016

Wenn es um die Geldanlage geht, ist der Kunde bei Banken und Sparkassen längst nicht mehr König. Verbraucherschützer kritisieren immer wieder, dass viele Bankberater eher auf die Provisionen als auf die Interessen ihrer Kunden achten und vorzugsweise hauseigene, teure Produkte empfehlen, an denen auch das Bankhaus mitverdient. Mehr noch: ...

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... Viele empfohlene Produkte gehen am Bedarf der Kunden komplett vorbei, wie die Initiative Finanzmarktwächter vergangenes Jahr in einer Stichprobe feststellte.

Hinzu kommt, dass Verbraucher in der anhaltenden Niedrigzinsphase mit einer Anlage in Eigeninitiative oft heillos überfordert sind. Denn für sichere Zinsanlagen gibt es kaum noch Rendite – und mit Aktien, Anleihen oder Fonds kennt sich das Gros der Bundesbürger nicht gut genug aus. Professionelle Vermögensverwaltung gibt es dagegen nur für Betuchte. Obendrein ist dieser Service bei herkömmlichen Geldinstituten ausgesprochen teuer. Kein Wunder daher, dass sich neuerdings jenseits der etablierten Banken eine neue Branche von Start-ups etabliert, die mit reiner Online-Geldanlage die Bankberatung revoluti-onieren wollen. Diese sogenannten Robo-Advisor setzen auf den digitalen Wandel und sprechen vorzugsweise junge, technikaffine Kunden an, die ihre Geldgeschäfte ohnehin am liebsten online am PC erledigen. Denen bieten sie nun auch eine interessenunabhängige Geldanlage und Vermögensverwaltung an, die sich zudem an den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen orientiert. Das Ganze soll nicht nur einfach von zu Hause über PC, iPad oder Smartphone funktionieren. Niedrige Mindestanlagesummen und Sparpläne, die schon ab 10 Euro erhältlich sind, machen das Robo-Advising glatt zu einer professionellen Geldanlage für jedermann.

Obendrein werben Robo-Advisor mit einfachen Konzepten, Transparenz und niedrigen Kosten. Ein paar Klicks, fertig ist das Depot und der Kunde kann täglich zuschauen, wie sein Vermögen wächst. Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein. ÖKOTEST wollte daher genauer wissen, ob die automatisierte Geldanlage funktioniert, nur Wunschtraum ist oder windige Geschäftemacherei. Dazu wurden 12 Anbieter mit insgesamt 35 Anlagestrategien unter die Lupe genommen.


Ein paar Klicks und fertig ist das Depot – so einfach soll Robo-Advisory sein


ÖKO-TEST rät

• Meiden Sie Robo-Advisor, die keine Haftung dafür übernehmen, dass ihre Empfehlungen zum Anleger passen.
• Achten Sie darauf, bei Vertragsabschluss eine Übersicht aller Eingaben zu erhalten, die Sie online zu Ihren Vermögensverhältnissen und Ihrer Risikoneigung gemacht haben oder machen Sie Screenshots davon.
• Testen Sie Robo-Advisor vorerst mit kleinem Geld. Die Branche ist jung und muss erst noch beweisen, dass der Computer-Algorithmus mehr kann als herkömmliche Verwalter und Fonds.
• Vorsicht: Die Renditeangaben der Anbieter vor Vertragsabschluss sind nicht nachprüfbar. Ein echter Preis-Leistungs-Vergleich zur Vorauswahl ist daher bislang nicht möglich.

Das Testergebnis

Große Qualitätsunterschiede. Komplett überzeugen konnte uns kein einziges Portal. Das mag bisweilen nur an den Kinderkrankheiten der noch jungen Branche liegen. Immerhin schafften es vier der untersuchten zwölf Anbieter, die Quirin Bank mit Quirion, die beiden Onlinevermögensverwalter Scalable und Whitebox sowie die Onlineanlageberatung VisualVest, Tochter der Fondsgesellschaft Union Invest, auf einen guten 2. Rang im Gesamtergebnis. Denn bei diesen Anlageportalen gab es nur wenige Punkte zu bemängeln, die sich zudem leicht abstellen lassen. Weitere drei Anbieter, die Sutor Bank, fintego von Ebase sowie Easyfolio landeten immerhin noch im Mittelfeld. Bei allen anderen Robo-Advisorn hakte es dagegen gleich an mehreren Stellen. Der Comdirect Anlageassistent und Ginmon kamen daher nur auf Rang 4, Vaamo auf Rang 5. Cashboard, das im Fernsehen vollmundig mit Kapitalschutzgarantie, Mindestverzinsung und Einlagensicherung wirbt und behauptet, es würde dafür sorgen, dass sparen wieder lohnt, muss sich gar mit Rang 6 begnügen. Denn aus ÖKO-TEST-Sicht hat das Berliner Start-up-Unternehmen den Mund schlicht zu voll genommen.
Nur Verkaufsmaschinen? Robo-Advisor versprechen allesamt, die bessere Alternative zu einer schlechten Bankberatung zu sein. Theoretisch könnte das durchaus zutreffen. Denn bei der Geldanlage auf Knopfdruck trifft ein speziell programmierter Computer alle Entscheidungen. Das Risiko individueller Falschbe-ratungen durch einen womöglich auf Provision schielenden Berater ist daher minimiert. Doch wie ÖKO-TEST mit Erstaunen feststellte, lösen sechs der untersuchten zwölf Portale ihr vollmundiges Versprechen überhaupt nicht ein. Zwar wird der Kunde auch hier online durch einen automatisierten Beratungsprozess geführt, bei dem – genau wie bei der Bankberatung – die üblichen Fragen gestellt werden: Wie lange soll das Geld angelegt werden und mit welchem Ziel? Wie sieht es mit der persönlichen Risikoneigung und den Vermögensverhältnissen aus? Anhand dieser Vorgaben schlägt der Robo-Advisor dann eine Portfoliomischung vor, die zum Kunden passen soll und die er per Mausklick kaufen kann. Dieser Prozess ist das Herzstück der automatisierten Geldanlage. Denn eine ausgeklügelte Software (Algorithmus) checkt nicht nur das Chance-Risiko-Profil des Kunden, sondern errechnet in wenigen Millisekunden auch die Anlagestrategie, die dazu passt – und zwar auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse aus der modernen Portfoliotheorie. Später wird das Depot mithilfe klarer Regeln und ohne Emotionen im mer wieder an die ursprüngliche Chance-Risiko-Mischung angepasst (Rebalancing). Eine solche regelbasierte Anlagestrategie klingt vielversprechend. Denn die Roboter mit ihrer künstlichen Intelligenz schalten menschliche Schwächen und Emotionen bei der Geldanlage aus. Doch auch wenn alle Portale mit die sen Vorzügen werben: Eine Haftung für den Auswahlprozess und die Empfehlung, wie sie der Gesetzgeber bei Anlageberatung vorschreibt, will die Hälfte der untersuchten Robo-Advisor lieber nicht übernehmen.
Keine Transparenz. Sechs von zwölf Anbietern versprechen zwar eine professionelle Vermögensverwaltung für jedermann und erstellen auch „persönliche“ Anlageempfehlungen. Doch dann wollen sie sich aus der Verantwortung stehlen. Das ist nach Auffassung von ÖKO-TEST nicht nur unzulässig (Einzelheiten siehe Kasten auf S. 133). Verbraucher können diesen rechtlichen Rückzieher auf den Portalen auch kaum erkennen. Denn der Hinweis, dass sie ihren Service nicht als Anlageberatung verstehen, son-dern dass der Kunde die vom Computer vorgeschlagene Mixtur ganz allein auf eigene Verantwortung kauft – „execution only“ genannt – steht meist nur gut versteckt im Kleingedruckten der Verträge. Und die bekommt der Kunde oft erst bei konkretem Vertragsabschluss im Internet. Schlimmer noch: Manchmal weist nur ein Disclaimer in einem Pop-up-Fenster der Website auf diesen Haftungsausschluss hin. Solche Tricks haben rechtlich jedoch nach Aussage der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) keine Wirkung, wie diese uns auf Nachfrage bestätigte. Dennoch gilt: Von Transparenz bei den Geschäftsmodellen kann bei solchen Praktiken nach Auffassung von ÖKO-TEST keine Rede sein!

Vertraut man der Werbung, bieten Robo-Advisor eine einfache, kostengünstige und transparente Geldanlage für jedermann


Dass der Anlagemix zum Kunden passt, wird längst nicht immer garantiert


Genau wie bei Banken müssen Anleger online erst einmal Anlageziele und Risikoneigung angeben


Beratung ja, Haftung nein. Ohnehin gilt: Wenn der Robo-Advisor einen ganz konkreten Anlagevorschlag macht und dem Kunden suggeriert, dass dieser Vorschlag für ihn persönlich geeignet ist, handelt es sich laut BaFin um Anlageberatung. Dann müssen auch die Onlineplattformen jene Pflichten erfüllen, die der Gesetzgeber dafür laut Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) vorschreibt. ÖKO-TEST hat die Geschäftsmodelle der Portale daher im ersten Schritt allein anhand dieser formalen Vorgaben bewertet – mit zum Teil katastrophalen Ergebnissen. Viele Robo-Advisor versuchen die aufsichtsrechtlichen Vorgaben schlicht zu umgehen. Zwei Anbieter, Ginmon und Vaamo, landen mit ihrem Geschäftsmodell auf Rang 6, weil sie nach individueller Risikoabfrage zwar konkrete Anlagevorschläge machen, sich aber nur als beratungsfreie Vermittler sehen wollen. Besonders ärgerlich: Bei Vaamo wird dem Kunden bei Kontoeröffnung zwar die Aufteilung des Anlage- oder Sparbetrags auf die verschiedenen Fonds detailliert gezeigt. Wir konnten davon einen Screenshot erstellen, aber es gelang uns nicht, die Onlineangaben auszudrucken oder zu sichern. Unser Testkunde bekam zwar eine Mail mit einem Informationsblatt zum empfohlenen Anlagemix. Darin fehlten aber diese Details. Das erschwert die Beweisführung bei möglichen Konflikten. Bleibt die Frage: Ist das Absicht oder nur eine „Kinderkrankheit“?
Irreführende Werbung? Cashboard dagegen bekommt ein „ungenügend“, weil das Portal in der Werbung immer wieder den Eindruck erweckt, eine Vermögensverwaltung zu bieten, obwohl sich das Portal – laut mehr oder minder verstecktem Risikohinweis – nur als reine Technologieplattform versteht. Kurz: Das Portal macht zwar Anlagevorschläge, die angeblich zum Kunden passen, verspricht auch Risikostreuung und automatische Überwachung. Doch laut Vertrag und AGB setzt der Kunde das alles selbstständig und auf eigenes Risiko um. Weder Cashboard noch die eingebundenen Partnerbanken managen das Depot. Daher gibt es auch keinerlei Haftung für die Wertentwicklung oder die Auswahl der Depotmischung. Der Anleger vertraut dem Computer auf eigenes Risiko. Das gilt auch für die Umsetzung der Rebalancing-Empfehlungen. Mehr noch: Das Portal sichert den Kunden sogar eine Mindestverzinsung von zwei Prozent auf die ersten eingezahlten 10.000 Euro zu. Dabei handelt es sich aber gar nicht um Zinsen, sondern um Kick-backs aus Provisionen, die Cashboard für die Vermittlung von Anlagen erhält. Denn anders als bei allen anderen Portalen, wird bei Cashboard auch in aktiv gemanagte Fonds sowie alternative Anlagen, teils sogar jenseits der Börsen investiert. Einen Teil der dafür erhaltenen Provisionen schüttet es an seine Kunden aus. Dies als „garantierte Mindestverzinsung“ zu deklarieren, ist aber schon frech. Denn die Garantie gibt keine Bank, sondern die Cashboard GmbH. Geht die pleite, gibt es keinen Cent Mindestzins. Auch der versprochene Kapitalschutz ist dann flöten. Mehr noch: Die Mindestverzinsung wird auf die mögliche Performance der Portfolios angerechnet. Läuft die Anlage gut, streicht also Cashboard die Kick-backs selbst ein. Obendrein kassiert das Portal noch eine zehnprozentige Gewinnbeteiligung auf die Jahresrendite – vorausgesetzt die zuletzt erreichten Höchststände werden übertroffen.
Kein Beratungsprotokoll, kein WpHG-Bogen. Ganz ohne Mängel arbeiten aber auch Portale mit sauberem Geschäftsmodell noch nicht immer. Die Vermögensverwalter Quirion, Scalable, Whitebox und VisualVest als Anlageberater zum Beispiel fragen zwar alle wichtigen Kundendaten online ab, die zur Einstufung der passenden Anlagemischung notwendig sind. Doch ein Protokoll über die Angaben, die sie im Netz gemacht haben, bekommen die Kunden bei Vertragsabschluss leider nicht. Das kann zum Problem werden, falls es später mal Ärger geben sollte. Denn so kann der Kunde womöglich nicht mehr beweisen, wenn ihm eine falsche Risikoklasse empfohlen wurde. Zudem sollte ihm auch bei Onlineabschluss ein kurzes Informationsblatt mit Details zur empfohlenen Anlagestrategie ausgehändigt werden. Letzteres vermissten wir bei Scalable.

Kapitalschutz und Zinsgarantie – das klingt gut, doch es gibt keine gesetzliche Sicherung dafür.


Stolperfalle Risikofragen. Wo Maschinen statt Menschen bestimmen, wie das Geld investiert wird, müssen die Onlinefragen zur Risikoneigung des Anlegers für jeden Nutzer auf Anhieb verständlich sein. Denn die Antwort auf diese Frage bestimmt wesentlich, in welche Risikoklasse der Kunde eingestuft wird. Das Problem: Der Gesetzgeber schreibt zwar vor, dass jeder Berater abfragen muss, wie viel Risiko ein Anleger bei seiner Anlage tolerieren würde. Für die Form dieser Abfrage gibt es aber keine verbindlichen Vorgaben. Nicht nur herkömmliche Bankberater, auch manche Robo-Advisor arbeiten dabei mit eher vagen Begriffen. Dann muss sich der Anleger zum Beispiel einstufen, ob er ein „moderates“ Risiko toleriert oder eher „chancenorientiert“ ist. Doch während der Kunde im persönlichen Gespräch noch nachfragen kann, was diese Bezeichnungen bedeuten sollen und den Berater bitten kann, das Verlustrisiko in Zahlen zu quantifizieren, geht das bei Onlineabfragen nicht. Aus diesem Grund hat ÖKO-TEST die Fragen der Robo-Advisor zur Risikotoleranz detailliert auf Verständlichkeit getestet. Nichtssagende verbale Begriffe bekamen dabei ein „ungenügend“. Kann der Anleger dagegen zwischen verschiedenen, exakt bezifferten Verluststufen wählen oder angeben, welchen Verlust er pro Jahr maximal tolerieren würde, gab es ein „sehr gut“. Auch dieser Verständlichkeitstest trennt die Spreu vom Weizen. Einzig die Quirin Bank mit Quirion und Scalable erhielten hier ein „sehr gut“. Whitebox und Ginmon schnitten immerhin „gut“ ab, Visual Vest und Easyfolio durchschnittlich. Bei allen anderen Plattformen laufen Anleger dagegen Gefahr, in der falschen Risikoklasse zu landen. Denn vage Begriffe vermitteln Anlegern keine konkreten Informationen zu den Risiken, die sie sich möglicherweise einkaufen.
Kosten im Promillebereich? Glaubt man der Werbung, können Robo-Advisor nicht nur mit ausgeklügelten Anlagestrategien punkten, sondern auch mit sehr niedrigen und zudem transparenten Kostenmodellen. ÖKO-TEST wollte es genauer wissen und hat die Angaben überprüft. Die gute Nachricht: An der Kostentransparenz gibt es nur wenig zu mäkeln. Die meisten Anbieter listen ihre persönlichen Gebühren sowie etwaige Nebenkosten detailliert und vollständig auf. Die fondsinternen Kosten, die ja nicht zusätzlich gezahlt werden müssen, sondern in der Performance enthalten sind, werden bei eini-gen Vermögensverwaltern, wie Fintego oder Whitebox, aber auch schon mal „vergessen“. Auch zusätzliche Transaktionskosten werden nicht immer beziffert. Doch insgesamt sind die Kostenmodelle überwiegend transparent. Die einzige Ausnahme bildet Cashboard, das seine Kosten zwar vermeintlich transparent auflistet, in diesem Punkt aber nicht überprüfbar ist. Mehr noch: Angeblich stehen bei Cashboard nur aktiv gemanagte Fonds zur Auswahl, deren fondsinternen Kosten maximal 1,6 Prozent betragen. ÖKO-TEST fand aber zumindest einen Fonds, der obendrein im vergangenen Jahr noch zusätzlich 1,25 Prozent Gewinnbeteiligung kassierte. Damit wäre der Fonds aber schon 2,85 Prozent teuer. Und für jeden kostengünstigen ETF, den der Anleger über das Portal ordert, werden bis zu 0,4 Prozent Kaufkosten fällig. Günstig sieht anders aus.

Transparent, aber nicht billig. Ganz so preiswert, wie die Werbung suggeriert, sind aber auch die anderen Robo-Advisor nicht. Im Schnitt würde unser Musterkunde, der einmalig 10.000 Euro anlegen und monatlich 250 Euro sparen will, für die Portfolioverwaltung jährlich bis zu einem Prozent vom angesparten Vermögen zahlen. Hinzu kommen die fondsinternen Kosten. Da die meisten Advisor ihre Strategien mit preiswerten Indexfonds (ETF) umsetzen, halten sich diese Zusatzkosten mit bis zu 0,4 Prozent pro Jahr aber in Grenzen. Macht unterm Strich bis zu 1,4 Prozent, die unser Musterkunde für den Service der Portale pro Jahr im Schnitt einkalkulieren muss. Zum Vergleich: Ein herkömmlicher Vermögensverwalter verlangt pro Jahr im Schnitt zwischen 0,8 und 2,0 Prozent vom Kapital für seine Dienste. Ähnlich sieht es bei vermögensverwaltenden Fonds aus. Die computergesteuerten Modelle liegen also kostenmäßig im Mittelfeld zwischen den Kosten reiner Selbstentscheider und der klassischen Beratung bei einer Bank.

Auch Robo-Advisor kochen nur mit Wasser. Bleibt die spannende Frage, ob Robo-Advisor mit ihrer nach wissenschaftlichen Modellen optimierten Anlagestrategien in Sachen Rendite überzeugen können. Für einen echten Performance-Test mit Bewertung sind die Portale allerdings noch zu jung. Darüber hinaus sind ihre Angaben kaum überprüfbar. Je mehr Rebalancing-Eingriffe sie vornehmen, desto unmöglicher wird es, die Rendite der Anlagemixturen zu prüfen. Um Anlegern wenigstens eine Kostprobe zu geben, hat ÖKO-TEST sie dennoch um Angaben zur Wertentwicklung in den ersten drei Monaten dieses Jahres sowie in 2015 gebeten. Das Ergebnis ist spannend. Zeigt es doch, dass die Qualität der Anlagestrategien bei den Portalen offenbar sehr unterschiedlich ist – und viele Robo-Advisor auch nur mit Wasser kochen. Unser Musterkunde, der einen ausgewogenen Anlagemix aus 50 Prozent Aktien und Anleihen benötigt, hätte zum Beispiel 2015 je nach Portal zwischen 1,35 und 5,56 Prozent Rendite erzielt. Zum Vergleich: Gemessen an der Wertentwicklung der Börsenindizes (MSCI World [total return] für Aktien, Barclays Euro Aggregate [total return] für Anleihen) oder bei eigenverantwortlicher ETF-Anlage in diese Indi zes wären immerhin sechs Prozent Rendite drin gewesen.

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Die detaillierten Testergebnisse finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „M1606“ eingeben.

Auch der Roboter berät

In der Werbung versprechen fast alle Robo-Advisor eine maßgeschneiderte Anlageberatung und/oder Vermögensverwaltung. Doch wie ÖKO-TEST zeigt, versuchen sich viele Portale dabei aus der Haftung zu stehlen. Dann steht im Kleingedruckten der Verträge oft, ihre Dienstleistung sei eben doch keine persönliche Beratung und damit nicht als Anlageberatung und/oder individuelle Vermögensverwaltung anzusehen. Der Kunde würde genauso handeln, als verwalte er sein Geld in Eigenregie. Doch so einfach, wie es sich manche Anbieter machen wollen, ist die Sache nach Auff assung von ÖKO-TEST rechtlich nicht. Wer Kunden nach Prüfung der persönlichen Umstände und Wünsche eine Anlageempfehlung gibt oder einen Anlagemix als für ihn geeignet darstellt, betreibt laut BaFin Anlageberatung. Das hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistung erst im April dieses Jahres auf ihrer Website klargestellt. Und egal wie umfassend und intensiv der Robo-Advisor die Kundenwünsche abfragt: Steht am Ende des Prozesses ein konkreter Anlagevorschlag, bei dem nicht nur die Anlageklassen genannt werden, sondern auch die konkreten Produkte und die Gewichtung, mit der sie ins Depot genommen werden sollen, handelt es sich nach Auff assung von ÖKO-TEST um Anlageberatung. Dies hätte weitreichende Folgen für die Portale. Dann würde das Portal unter Umständen nicht nur eine Erlaubnis der BaFin benötigen. Vielmehr müssten die Robo-Advisor auch jene Verhaltenspflichten erfüllen, die der Gesetzgeber auch Banken und Sparkassen bei der Anlageberatung abfordert. Das bedeutet: Robo-Advisor müssten nicht nur prüfen, ob die vorgeschlagene Anlage zur Risikoneigung des Kunden passt und er die entsprechenden Kenntnisse über die Produkte besitzt. Vielmehr müssten sie auch prüfen, ob er das Anlagerisiko, das er toleriert, finanziell überhaupt verkraften kann, im Fachjargon „Prüfung der Risikotragfähigkeit“ genannt. Außerdem müssten sie ein Beratungsprotokoll erstellen und dem Kunden vor Vertragsabschluss alle erforderlichen Dokumente aushändigen – das Protokoll, Anleger informationen zu den Produkten, in denen auch die Kosten und die Risiken der Anlage erläutert werden. Kurz: Der Kunde müsste all jene Unterlagen erhalten, die ihm auch bei persönlicher Beratung bei der Bank ausgehändigt werden. Ist das nicht der Fall, sollten Anleger vorsichtig sein. „Es geht nicht an, dass sich die Onlineberater einfach aus der Haftung stehlen“, sagt Dorothea Mohn, Leiterin des Teams Finanzen beim Verbraucherzentrale Bundesverband. Die Verbraucherschützer fordern ohnehin, dass der Gesetzgeber klare aufsichtsrechtliche Vorschriften für die noch junge Branche erlässt. Denn die gegenwärtige Praxis ist ärgerlich. „Vor Gericht werden sie mit Haftungsklauseln im Kleingedruckten wahrscheinlich nicht durchkommen, wenn sie zuvor eine persönliche Empfehlung ausgesprochen haben“, meint Markus Feck, Jurist bei der Verbraucherzentrale NRW. Doch ein Streit vor Gericht kann lange dauern und teuer werden. Deshalb sollten Anleger Portale mit Haftungsausschluss besser meiden.

Was bedeutet das?

Robo-Advisor: Automatisierter Anlageberater und/oder Vermögensverwalter, der mit einem speziellen Softwareprogramm das Chance-Risiko-Profil des Kunden ermittelt und dazu passende Anlagevorschläge macht. Meist unterscheiden sich die Risikoklassen nach den Verlustschwankungen, die der Anleger maximal tolerieren kann.Rebalancing: Anpassung des Portfolios an das ursprüngliche Risikoprofil. Hintergrund: Wenn einzelne Anlagen über Gebühr an Wert gewinnen oder verlieren, ändert sich der Chance-Risiko-Mix im Depot. Das wird ausbalanciert, indem Gewinner-Wertpapiere verkauft und Verlierer zugekauft werden.Smart-Rebalancing: Bei Sparplänen wird die Chance-Risiko-Mischung bisweilen bei jeder Ein- und Auszahlung angepasst.
Anlagerisiko: Das mit einer Anlage verbundene Verlustrisiko wird üblicherweise an den Kursschwankungen gemessen, die unterjährig auftreten können. Maximalangaben sind aber immer relativ. Denn kein Mensch und kein Computer kann vorhersehen, wie sich die Börsen entwickeln. Anleger sollten daher für alle Anlageklassen einmal prüfen, wie groß denn der maximale Verlust war, den diese Anlageklasse in den vergangenen 10 bis 20 Jahren erlitten hat, wie viel Monate die Verluststrähne anhielt und wie lange es dauerte, bis der Verlust wieder ausgeglichen war. Das vermittelt ein Gefühl für das Risiko. Sind diese Daten auf der Website des Robo-Advisors nicht vorhanden, hilft die Suche im Internet.
ETF – Indexfonds: ETF steht für Exchangetraded funds, also börsennotierte Fonds, die üblicherweise nur einen Börsenindex nachbilden. Das bedeutet, der Anleger verdient damit im Idealfall immer genau so viel, wie der Markt, in den er investiert und der durch den Index repräsentiert wird. Diese Form der Verwaltung macht ETF preiswert. Die fondsinternen Verwaltungskosten liegen meist zwischen 0,15 bis 0,4 Prozent.
WpHG: WpHG ist das Kürzel für das Wertpapierhandelsgesetz. Der 6. Abschnitt des WpHG enthält alle Vorschriften, die Anlageberater und Vermögensverwalter erfüllen müssen. Die wesentlichen Punkte daraus hat die BaFin für Anleger in einem zweiseitigen Informationsblatt zusammengestellt, das unter https://www.bafin.de/Shared-Docs/Downloads/DE/Broschuere/dl_b_anlageberatung. pdf?__blob=publicationFile abgerufen werden kann.


Foto: iLexx/iStock/Thinkstock