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TEST: DAUERBRENNER


FMT Flugmodell und Technik - epaper ⋅ Ausgabe 7/2019 vom 27.06.2019

200 km/h mit einem 200-Euro-Schaumflitzer lautet die elektrisierende FunJet-Formel, die den Modellbauern wie Adrenalin in den Adern brennt – und das seit über einem Jahrzehnt. Weder Vernunft noch Grenzen kennt die rasende Leidenschaft der Foamieasten, die dem 80-cm-Funny sogar fette Verbrenner oder gar Kerosinturbinen aufpfropften. Zur Saison 2019 heizt nun Multiplex selbst das Feuer wieder an: Die Generation 2 lockt mit modernem Outfit, aktueller Technik und ist vom Start weg in zwei Leistungsstufen verfügbar. Wir fliegen in diesem Test die etwas mildere der beiden Varianten, also ohne „Ultra“.

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Bildquelle: FMT Flugmodell und Technik, Ausgabe 7/2019

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PETER HEBBEKER

Das entscheidende +

Am Erfolgsrezept und der bewährten Konstruktion hat Multiplex nichts geändert. Frische Zutaten und Feinkost aus den Hitec-und Roxxy-Regalen sorgen für neuen Pepp. Vor dem deftigen Speed-Schmaus bittet uns das getestete Kit-Modell kurz an den Basteltisch. Nur eine Stunde Bauzeit verspricht die Website. Vorrausetzung für das Erreichen dieser Bestmarke: Alles Zubehör und das wenige Werkzeug muss griffbereit liegen. Käufer des so genannten BK+ Sets genießen den Vorteil, dass ein akribisch abgestimmtes Antriebsset sowie zwei Servos zum Lieferumfang gehören. Die BK-Version (ohne +) empfiehlt sich für Piloten, die passende Komponenten noch in der Schublade haben. Nicht im Karton sind in jedem Fall der Antriebsakku sowie Sender und Empfänger. Multiplex nennt den hauseigenen Roxxy-3s-LiPo mit 2.600 mAh als idealen Energiespender. Das Testmodell fliegt mit 3s-2.200-bis 3.200-mAh-Akkus. Dank der langen Schnauze des FunJet können die LiPos zum Schwerpunkteinstellen großzügig verschoben werden. Gesteuert wird per Elevons. Der Sender muss also Höhen-und Querruder entsprechend mischen können.

Ein hochdrehender Heißsporn im Heck befeuert das Temperament des FunJet 2. Der Multiplex-Roxxy-BL-Outrunner C35-36 hat 2.270 kV. Bei 11,1 V Nennspannung multipliziert sich das zu rund 25.000 1/min an der Motorwelle. Zum Vergleich: Im FunJet 2 Ultra steckt ein 1.960-kV-Motor an 4s, was nochmals heißere 29.000 1/min Leerlaufdrehzahl bedeutet. Außerdem ist der Prop beim Ultra größer.

An den Rudern arbeiten die bei BK+ serienmäßigen kleinen, feinen Hitec HS-65HB. Die 11-mm-Servos glänzen mit hoher Stellgenauigkeit, langlebiger Kugellagerung und einem speedtauglichen robusten Karbonite-Getriebe. Ein weiteres Extra: Sie passen „saugend“ in die vorgefertigten Flächen-Aussparungen. Aber Achtung: Für den Anschluss an den Empfänger benötigen sie jeweils ein 15-cm-Verlängerungskabel, das war bei unserem Testmuster nicht im Lieferumfang.

Ein weiteres +

Die Bauzeit summierte sich bei mir dann doch zu 1h + ×. Die Unbekannte ist zum einen das eigene Geschick, zum anderen aber die Trockenzeit des Klebers. Zacki Elapor ist der perfekte Stoff für diesen Job – doch auch er braucht Zeit zum Abbinden. Vor allem beim Einkleben des Flächenholms empfiehlt sich etwas Geduld. Das CFK-Rohr wird mit einer satten Fuge Zacki eingekleistert. Ohne Aktivator (vor dessen Einsatz Multiplex wegen Versprödungsgefahr warnt) war die Mega-Klebestelle beim Testmodell auch nach 30 Minuten noch nicht komplett fest. Abgesehen von den nötigen Trockenpausen für den Kleber geht die Montage äußerst fix von der Hand. Auch gänzlich Ungeübte sollten problemlos zum Ziel kommen. Die wenigen Bauteile passen derart perfekt zusammen wie ein Legobaukasten. Besser geht’s nicht.

Schaum in Perfektion. Die Bauteile fügen sich mit wenigen Handgriffen zum fertigen Modell. Neu ist die Kabinenhaube mit der tiefgezogenen „Verglasung“.


Das sitzt – und zwar nahezu spaltfrei. Auch die großflächigen Klebungen gelingen ohne Sorgen dank der ausgezeichneten Fertigungsqualität der Schaumteile. Für Bombenfestigkeit sorgt Zacki Elapor.


Eine kleine, aber wesentliche Veränderung hat die Kabinenhaube erfahren. Die „Cockpitscheibe“ ist beim neuen FunJet kein schnöder Aufkleber mehr, sondern ein exakt geformtes, blau gefärbtes Kunststoffteil, das einfach mit Zacki Elapor oder Sprühkleber befestigt wird. Das geht ruckzuck, sieht stark aus und wegen Falten im Dekor brauchen wir uns keine grauen Haare mehr wachsen lassen. Zumindest was das Cockpit angeht. Beim Aufbringen des restlichen, üppigen Dekors habe ich die 60-Minuten-Marke endgültig begraben und lieber Sorgfalt als unnötige Hektik walten lassen. Die großflächigen Aufkleber sind präzise ausgestanzt und können einfach von der Trägerfolie abgehoben werden. Weiterhin gefallen die Decals mit einer spontan kraftvoll zupackenden Klebeschicht. Damit sich dieser Vorteil nicht ins Gegenteil verkehrt, benetze ich die Modelloberfläche vorher mit dünnem Spüliwasser. So lassen sich auch große Aufkleber stressfrei platzieren. Allerdings dauert es einige Stunden, bis das Seifenwasser vollständig verdunstet ist und das Dekor vollgasfest auf dem Elapor pappt. So vergingen zwei kurze Feierabende, bis mein FunJet 2 flugfertig montiert und dekoriert war.

Kraft und Präzision. Die Hitec HS-65HB Servos zeigen auch bei Topspeed keine Schwächen. Für Spontan-Freude sorgt die perfekte Passung der serienmäßigen Rudermaschinen im Flügel.


Seltener Einblick. Der Rumpfrücken wird beim späteren Motoreinbau fest verschlossen. Wer sich für die optionale Vektorsteuereinheit entscheidet, installiert hier die beiden Servos zur Ansteuerung dieses Features.


Das + für den Puls

Endlich Erstflug: Mit 70 + x Schlägen hämmert die Pumpe in der Brust, wobei x hier für ein Produkt aus den Faktoren flammende Vorfreude und Lampenfieber vor der Premiere steht. Schief gehen kann aber eigentlich nichts: Schwerpunkt und Ruderausschläge stimmen gemäß Anleitung und sind bei Multiplex traditionell 100-prozentig vertrauenswürdig. Zudem testen wir hier ein bewährtes Modell – die flugentscheidenden Formen des FunJet 2 stammen schließlich vom speederprobten FunJet Ultra der 1. Generation. Also los! Hebel nach vorn, der kleine Prop pfeift in den höchsten Tönen, macht mehr Wirbel als Wind, wie ein Hecht am Haken vibriert der windschlüpfrige Schaumkörper in der Hand. Zwei, drei schnelle Schritte, am Ende ein leicht angestellter Schubs und der Jet schnellt davon. Für den Start stehen die Höhenruder zwei Millimeter auf hoch, so will es die Anleitung. Die Wirkung ist angenehm: Ohne durchzusacken pfeilt der Hecktriebler schnurstracks davon. Ein paar Meter nur, dann greift der Propeller satt und setzt Sound zunehmend vehement in Speed um. Mittels Flugphasenschalter stelle ich die Höhenruder mit einem Klick auf neutral, Funny senkt die Schnauze, beschleu-nigt abermals und schmälert seine Silhouette rasend schnell vom horizontalen Strich in der Landschaft zum schmelzenden Punkt am Horizont. Leistung drosseln und Querruder setzen bringt das erwartete bahnbrechende Ergebnis. Folgsam auf den Rudern, aber keinesfalls unangenehm übereifrig, wendet der Jet und düst mit Halbgas munter auf mich zu. Der Puls pumpt mit gesunden 70 + ×/2. Die Aufregung vor dem Erstflug ist schon nach wenigen Metern wie weggeblasen, die Flugfreude ist voll da. Sicher und vertraut liegt der kleine Jet am Knüppel. Kein Unterschneiden oder Überziehen stresst den Piloten bei hohen Geschwindigkeiten. Auf Steuereingaben reagiert der Flitzer sportlich direkt. Wer es für den Anfang sanfter will, mischt auf Höhe und Quer 20 bis 30% Expo. Zwischen Stand-und Halbgas mimt der FunJet 2 dann gekonnt den Cruiser. Artgerecht ist dieser entspannte Schwebezustand jedoch nicht.

In der Standard-Version des FunJet 2 kommt ein Roxxy Brushless-Außenläufer mit 2.270 kV zum Einsatz. Den Rumpfabschluss bildet ein Kunststoff-Formteil, das den edel eloxierten Alu-Motorträger aufnimmt. Zwei Schrauben sorgen für Halt, die dritte justiert feinfühlig den Anstellwinkel.


Der Fun am Jet…

… steckt in den Regionen über der Gasknüppelmitte. Herrlich heftig schiebt der Roxxy an. Wie von der Flitsche abgefeuert peitscht die Vollgasflunder den Luftraum und markiert mit hochfrequentem Gänsehautsound ihr Revier. Fantastisch dynamisch bewegt sich der Jet in allen drei Dimensionen, steigt hoch und höher auf zu riesigen Highspeed-Loopings, um sich mit vollem Querruder irre wirbelnd in die Tiefe zu stürzen. Härteste Manöver bringen den FunJet 2 nicht ans Limit. Beim Piloten liegt es in der eigenen Verantwortung, innerhalb der persönlichen Grenzen zu bleiben. Ein perfekter Partner bei diesem Bemühen ist unser FunJet 2 in Standard-Ausführung. Laut Hersteller maximal 160 km/h schnell, fehlt ihm die mörderische Schärfe des nochmals schnittigeren Ultra. Auch Neulinge im Club der 150+km/h-Flieger finden immer wieder rasch zurück in den sicheren Bereich und profitieren von der jetuntypischen Gutmütigkeit des Funny gerade auch in niedrigen Geschwindigkeitsregionen. Mit moderaten 47 g/dm² Flächenbelastung segelt er vergnügt im leicht forcierten Foamie-Tempo zur Landung herein und lässt sich vor dem Aufsetzen anstandslos mit dem Höhenruder aushungern. Fünf bis sieben Minuten dauert der Flugspaß bei mir je nach Akkugröße und Leistungseinsatz. Von Anfang bis Ende vollgasfest bin ich, im Gegensatz zu unserem Roxxy-befeuerten Dauerbrenner, noch nicht. Aber es wird von Flug zu Flug besser, schneller und tiefer.

Faszination Spaltmaß. Hier (kaum) zu sehen ist die hauchfeine Stoßstelle zwischen Flügel und Rumpf. Der CFK-Rohr-Holm wird dick mit Zacki Elapor eingekleistert.


Mein Fazit

Den FunJet neu erfinden? Völlig überflüssig. Das Konzept ist so frisch wie eh und je. Oft kopiert, sticht das Original seine Klone mit Tugenden, die niemals veralten oder schal werden. Kompromisslose Qualität, krasse Flugleistungen und kommoder Preis kombinieren sich zu einem Komplettpaket, das die Söhne ebenso begeistert wie ihre Väter. Die hier vorgestellte Standard-Version des FunJet 2 hat ein äußerst breites Geschwindigkeitsspektrum (auch nach unten) und ist der optimale Gefährte für die ersten Etappen im Autobahntempo. Wer dann soweit ist, auf die Überholspur zu ziehen, steigt auf zum Ultra – dem ultimativen + beim Speeden.

Einbau Flugakku:

sehr großzügiger Zugang über Kabinenhaube mit praktischem Schnappverschluss, Kunstoffträger mit Klettschlaufe