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TEST Deocremes: Gutes aus der Dose


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 19.05.2022
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RATGEBER

1 20 „gute“ und „sehr gute“ Deocremes gibt es für jeden Geldbeutel. Sie alle basieren auf Natron als Geruchskiller.

2 Deocremes sind Konzentrate – eine höchstens erbsengroße Portion ist ausreichend pro Achsel. Beim Aufnehmen und Einmassieren unbedingt auf saubere Hände achten.

3 Bewahren Sie Deocreme idealerweise bei 20 bis 25 Grad auf. An sehr heißen Tagen wird die Creme im Kühlschrank wieder fest.

Vor ein paar Jahren fing es an mit den neuen Deos in Tiegeln und Dosen: Kleine Start-ups und Naturkosmetikfirmen lancierten einen neuen Typ von Deo in Cremeform, der aus wenigen, zumeist natürlichen Zutaten bestand und zunächst eine junge und umweltbewusste Klientel ansprach. Denn Deocremes gelten als besonders ergiebig und deshalb als Beitrag, um Verpackungsmüll im Badezimmer zu reduzieren. Inzwischen hat sich der Trend erheblich ausgeweitet, und die Auswahl ist kräftig gewachsen. Höchste Zeit ...

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... für uns, einmal genauer hinzuschauen: Sind Deocremes wirklich alle so „clean“ wie ihr Ruf?

Das Ergebnis: schwarz und weiß

Unser Tests zeigt: Nein, ganz und gar nicht. 7 von 30 getesteten Deocremes enthalten so viele problematische Inhaltsstoffe, dass unter dem Strich ein „ungenügend“ steht. Auf der anderen Seite der Tabelle glänzen zwei Drittel der Produkte mit „gut“ und „sehr gut“ – darunter alle 14 Naturkosmetikdeos. Es lohnt sich also beim Einkauf ein zweiter Blick. Der zeigt nämlich, dass zwei Typen von desodorierenden Cremes existieren.

Da sind einerseits die erwähnten Newcomer mit den vorwiegend natürlichen Zutaten: Sie vertreiben Gerüche primär durch „Sodium bicarbonate“ – kurz Natron.

Natron kann vieles: Im Backpulver macht es Kuchen locker, beim Hausputz den Abfluss frei, und auch auf der Haut ist seine desodorierende Wirkung schon lange bekannt. Unter anderem soll es Gerüche reduzieren, indem es mit den übel riechenden Abbauprodukten der Schweißbakterien reagiert. Manche der natronbasierten Deocremes enthalten zusätzlich noch Geruchskiller wie antibakterielles Zinkoxid oder adsorbierendes Talkum. Die neuen aus der Dose überzeugen im Testergebnis Inhaltsstoffe fast durchweg – einzig das Produkt von Wolkenseifen, einem Natrondeos-Pionier, ist wegen allergisierender Duftstoffe nur „befriedigend“.

Aluminium wäre im Deo verzichtbar

Bei sämtlichen Produkten mit der Note „ungenügend“ handelt es sich dagegen um Antitranspirants. Die sind nichts Neues, und ihr Wirkmechanismus unterscheidet sich grundsätzlich von einem herkömmlichen Deodorant: Die enthaltenen Aluminiumsalze reduzieren das Schwitzen überhaupt, indem sie die Schweißdrüsen verengen. Zwischen 0,8 und 6,2 Prozent des Leichtmetalls hat das Labor in den sieben Antitranspirants gemessen. Aluminium ist allerdings berüchtigt: Es gilt als neurotoxisch, kann sich in Gehirn, Knochen und Organen anreichern und die Entwicklung von Kindern im Mutterleib beinträchtigen. Nachdem das Bundesinstitut für Risikobewertung jahrelang vor Antitranspirants gewarnt hatte, ruderte es 2020 zurück und stellte auf Basis neuer Studien fest, dass über die Haut sehr viel weniger Aluminium aufgenommen werde als bis dahin angenommen. Es bleibt das Problem, dass wir in Deutschland insgesamt aus Nahrung und Trinkwasser zu viel Aluminium aufnehmen – und wir finden: Bei einem Deo wäre es verzichtbar.

„Selbst ausprobiert: Seit ich eine Deocreme benutze, stehe ich seltener am Deoregal zum Nachkaufen.“

Vanessa Christa ÖKO-TEST-Projektleiterin

WISSEN

Hier ist Deocreme im Vorteil

1

Sparsam in der Verpackung Bei Deocremes handelt es sich wie auch bei Deosticks um Konzentrate: Das ist ökologisch von Vorteil, denn für die gleiche Wirkung muss hier weniger Produkt verpackt und später auch transportiert werden. Außerdem kann die Creme im Vergleich zu einem Zerstäuber punktgenau dort landen, wo die Schweißdrüsen sitzen, während beim Spray viel Deo in die Luft und somit danebengeht. Viele Hersteller schreiben uns, eine 50-Milliliter-Dose ihrer Creme reiche nach Angaben der Kunden sechs Monate und länger. Ein Spray mit 150 Millilitern dagegen ist bei durchschnittlicher Anwendung nach ein bis zwei Monaten leer.

2

Praktisch für unterwegs Die Creme in der Dose eignet sich prima für unterwegs, denn sie kann im Gegensatz zu einem Stick bei heißen Temperaturen nicht auslaufen. Und auf Reisen darf sie sogar mit ins Handgepäck.

3

Beruhigend nach der Rasur Deocremes brennen nicht auf frisch rasierter Haut, denn sie enthalten im Gegensatz zu den meisten Deosprays keinen Alkohol. Im Gegenteil: Mit Inhaltsstoffen wie Sheabutter oder Kokosöl beruhigen und pflegen viele Produkte die Achseln.

Antitranspirants voller Problemstoffe

Die eine Note Alu-Abzug ist aber gar nicht der Grund für das schlechte Abschneiden der Antitranspirants, sondern dass deren Rezepturen noch jede Menge anderer Problemstoffe enthalten – etwa Formaldehyd/ -abspalter, die nach und nach hochallergenes Formaldehyd freisetzen können, oder antibakteriell wirkendes Silberchlorid, das die Gefahr von Resistenzbildungen birgt.

In fast allen Antitranspirants stecken zudem Silikonöle, die sich in der Umwelt teils nur langsam abbauen. Als besonders persistent gilt dabei Cyclopentasiloxan (D5), das in den Deocremes der Marken Dove und Rexona als wichtigster Inhaltsstoff deklariert ist. Schlimmer noch: In beiden Cremes fand sich das als „vermutlich fruchtbarkeitsschädigend“ eingestufte Siloxan D4, eine häufige Verunreinigung von D5.

Und wirkt das auch?

So vorbildlich die Newcomer mit Natron im Vergleich abschneiden – eine Frage bleibt: Wie steht es mit ihrer Wirkung? Immerhin loben etliche Produkte eine Wirkdauer von 24 Stunden aus, eines sogar 48 Stunden. Wir haben überprüft, ob Hersteller solche Versprechen mit einer überzeugenden Studie belegen können. Einige schafften das – allzu große Wunder darf man jedoch nicht erwarten. Beispiel Lavera Natural & Strong Deo Creme: Nach 24 Stunden war der Schweißgeruch im Durchschnitt der Teilnehmer gegenüber der unbehandelten Achsel um rund neun Prozent geringer.

TEST Wir haben getestet

So haben wir getestet

Wir haben in Drogerien, Supermärkten und Discountern 30 Deocremes eingekauft, davon 14-mal zertifizierte Naturkosmetik. Unter dem Begriff Deocreme summieren sich sowohl herkömmliche Antitranspirants mit Aluminium als auch Cremes, deren desodorierende Wirkung vorwiegend auf Natron basiert. Die Preise reichen von 1,65 Euro bis 19,83 Euro für 50 Milliliter oder Gramm Inhalt.

Anhand der Deklaration erfassten wir umstrittene Inhaltsstoffe wie PEG/ PEG-Derivate, umweltbelastende Plastikverbindungen (synthetische Polymere, Silikone) und hormonverdächtige Konservierungsstoffe. Spezialisierte Labore untersuchten die Proben auf bedenkliche Formaldehyd/ -abspalter, allergene Duftstoffe und künstlichen Moschusduft, ebenso auf umstrittene halogenorganische Verbindungen; paraffinhaltige Produkte außerdem auf problematische Mineralölbestandteile und siloxanhaltige auf Verunreinigungen mit dem als reproduktionstoxisch eingestuften Siloxan D4. In den als Antitranspirant ausgelobten Produkten ließen wir den Aluminiumgehalt messen. Die Verpackungen wurden auf umweltschädliche chlorierte Verbindungen untersucht.

Im Falle von Deos in Plastikverpackungen forderten wir von den Anbietern Belege für den Rezyklatanteil der Verpackung. Bei Deos mit einer beworbenen Wirkdauer („24 h“, „48 h“) baten wir die Anbieter um entsprechende Wirkstudien. Legten die Anbieter überhaupt keine, keine vollständige oder eine aus unserer Sicht nur wenig aussagekräftige Studie vor, bewerteten wir das unter dem Testergebnis Weitere Mängel.