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Test des Monats: FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE


Blu-ray Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 7/2019 vom 16.08.2019

Es ist schon leicht ironisch, einen Film über Wiederauferstehung wieder aufleben zu lassen. Nach 30 Jahren wird der Verfilmung von Stephen Kings Bestsellerroman „Friedhof der Kuscheltiere“ neues Leben eingehaucht und wie im Film selbst wird sich zeigen, ob das, was da zurückkehrt, gut ist oder doch besser Tod geblieben wäre.


Artikelbild für den Artikel "Test des Monats: FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE" aus der Ausgabe 7/2019 von Blu-ray Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Blu-ray Magazin, Ausgabe 7/2019

Kaum ein anderer Schriftsteller hat es geschafft, die tiefen Ängste der Menschen in derart einvernehmender Art und Weise hervorzubringen, wie Stephen King. Dabei spielt er oft mit ganz alltäglichen Dingen und setzt nicht nur auf rohe Gewalt oder blutrünstige Serienkiller, sondern ...

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... strapaziert gezielt die Psyche des Lesers. Die Angst entsteht oftmals direkt aus dem Inneren heraus, aus der eigenen Vorstellungskraft. Nur ein kleiner Gedanke, eine Ahnung reichen aus, um die eigene heile Welt ins Wanken zu bringen und aus der trügerischen Ruhe einen wahren Albtraum zu erschaffen. Darauf basiert die Faszination seiner Werke. Nicht ohne Grund zählen seine Horror-Romane heute zu den erfolgreichsten der Welt und wurden entsprechend vielfach verfilmt. Dazu gehört unbestritten auch Mary Lamberts Version von „Friedhof der Kuscheltiere” aus dem Jahr 1989. Angesichts des damaligen Erfolgs des Films war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis sich Hollywood den Spaten schnappt und den Horrorfilmklassiker wieder ausgräbt. 2014 wurde das Original zunächst nur technisch aufgearbeitet auf DVD herausgebracht und Anfang dieses Jahres nochmals als Blu-rayund UHD-Version. Doch nach dem Erfolg des Remakes von Stephen Kings „Es“ im Jahre 2017 entschloss man sich dazu, auch den Kuscheltierfriedhof komplett neu zu produzieren. Knapp anderthalb Jahre später, kam am 4. April 2019 die Neuverfilmung der Regisseure Kevin Kölsch und Dennis Widmyer in die deutschen Kinos und ist ab dem 15. August auch auf Blu-ray und UHDBlu-ray erhältlich.

Tot oder untot?

Wer die Buchvorlage kennt oder den Film von 1989 gesehen hat, wird zunächst keine großen Überraschungen erleben. Zu Beginn wurden ganze Szenen aus der Erstverfilmung nahezu unverändert übernommen. Der Arzt Louis Creed (Jason Clarke) und seine Frau Rachel (Amy Seinmetz) ziehen mit ihren beiden Kindern Ellie (Jeté Laurence) und Gage (Hugo Lavoie) aus Bosten raus aufs Land in die Kleinstadt Ludlow. Eine typisch amerikanische Großfamilienidylle mitten im Nirgendwo. Zum Anwesen der Creeds gehört neben einem imposanten Haus auch der direkt angrenzende Wald. Als Rachel und Ellie diesen gemeinsam zum ersten Mal erkunden, beobachten sie eine Gruppe Kinder, die mit Tiermasken gekleidet eine Art Totenwache abhalten. Von ihrem Nachbarn Jud Crandall (John Lithgow) erfahren sie, dass dies ein altes Ritual der Einheimischen sei und die Kinder in der Umgebung auf dem Friedhof der Kuscheltiere ihre geliebten Haustiere begraben.

Tödlicher Verkehr

Auf der anderen Seite des Grundstücks führt unmittelbar eine vielbefahrene Landstraße vorbei. Wie gefährlich diese ist, wird Louis kurz darauf im Krankenhaus vor Augen geführt, als ein junger Mann eingeliefert wird, der von einem Lastwagen erfasst und mitgeschleift wurde. Trotz aller Bemühungen stirbt ihm der Junge unter den Händen weg. Fortan erscheint das Kind Louis in seinen Träumen und versucht ihn, vor den Toten zu warnen. Auch Rachel plagen seit ihrem Umzug Albträume. Die grausamen Erlebnisse aus ihrer Kindheit, als ihre schwer kranke und deformierte Schwester starb, während sie alleine zu Hause war, verfolgen sie fast jede Nacht. So naht schon bald der nächste Schicksalsschlag, als der Familienkater Church von Jud tot am Straßenrand gefunden wird. Da Ellie die Katze über alles liebt, beschließen die Männer die Katze in der Nacht heimlich zu begraben. Allerdings führt Jud Louis nicht auf den Kuscheltierfriedhof, sondern durch Sümpfe und dichten Nebel an eine ganz besondere Grabstätte. Die Konsequenz dieser Entscheidung zeigt sich am nächsten Morgen, als Louis und Rachel ihrer Tochter erzählen, das Church weggelaufen sei. Denn die Katze ist zurück. Doch ist sie noch dieselbe?

Die Wiederauferstehung

Church wirkt aggressiv und unheimlich. Dennoch sind alle zunächst einmal glücklich, dass er wieder da ist. Denn schon bald naht der neunte Geburtstag von Elli, an dem sich Freunde und Familie im Vorgarten der Creeds treffen und ausgelassen feiern. Ein Tag, den niemand vergessen wird, denn beide Kinder laufen unvorsichtig auf die Straße auf der im selben Moment ein Lastwagen angefahren kommt. Louis kann nur eines der beiden Kinder retten und die Tragödie nimmt ihren Lauf. Denn nach der Beerdigung beschließt er in einer Nacht- und Nebelaktion den Leichnam seines Kindes wieder auszugraben und diesen ebenfalls auf der unheimlichen Grabstätte im Sumpf beizulegen. Die Trauer über seinen Verlust und die verzweifelte Hoffnung auf ein Wiedersehen lassen jegliche Vernunft und Pietät vergessen. Und tatsächlich geschieht am nächsten Morgen das Unvorstellbare. Als Louis und Rachel in die offenen Augen ihres zurückgekehrten Kindes blicken, wirken diese zwar lebendig, aber auch leer und beängstigend. Unweigerlich drängt sich die Frage auf, ob das Begräbnis nicht eine verhängnisvolle Fehlentscheidung war?

Altes & Neues

Remakes sind ja bekanntlich so eine Sache. Verändert man zu viel, verärgert man die Fans des Originals. Verändert man zu wenig, wirkt es wie eine ideenlose Kopie. Die Neuverfilmung von Kevin Kölsch und Dennis Widmyer versucht beiden Seiten gerecht zu werden. Zunächst auch mit Erfolg, denn die erste Hälfte des Films wirkt sehr vertraut. Auch wenn man manche Szenen, wie etwa die dreckigen Füße von Louis im Bett, zu stark kopiert hat und dadurch alles ziemlich vorhersehbar wirkt, bekommt die Geschichte mittendrin eine entscheidende und für alle Kenner überraschende Wendung – ein wirklich cleverer Schachzug des Regie-Duos, der zwar nicht der Romanvorlage entspricht, aber die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf sich lenkt und somit für zusätzliche Spannungsmomente sorgt. Obwohl dieser Kniff nicht das einzige Element bleibt, das Drehbuchautor Jeff Buhler gegenüber dem Original verändert hat, gehen die anderen Szenen mehr oder weniger unter. Viel zu oft wird in der zweiten Filmhälfte versucht, mithilfe altbekannter „Jump-Scares“ künstlich Schreckmomente herbeizuführen. Damit konterkariert sich der Film allerdings selbst, denn die schwermütige und beängstigende Geschichte verliert dadurch an Tiefgang. Generell kommt das Remake gegenüber dem Original deutlich bildgewaltiger und härter rüber, allerdings zu Lasten der eignen Fantasie mit der die Bücher von Stephen King eben spielen. Daran ändert auch die deutlich bessere schauspielerische Leistung der betreffenden Akteure nichts. Jason Clark („Terminator: Genisys”) spielt mit einer sehenswerten Hingabe den Familienvater Louis, dem man den Schmerz über seinen Verlust in jedem Moment abkauft. So auch John Lithgow („Interstellar“), der den Nachbarn Jud Crandall spielt. Leider geht Lithgow in seiner Rolle etwas unter, da Jud aufgrund mangelnder Hintergrundinformationen weit weniger präsent erscheint als noch in der 1989er-Version. Damals spielte Fred Gwynne den sympathischen Nachbarn und avancierte aufgrund seiner Geschichte zum heimlichen Star des Films. Darüber hinaus bekam die Verkörperung der Zelda Goldman, Rachels kranker Schwester, damals deutlich mehr Aufmerksamkeit, auch weil diese intensiv und herausragend von dem männlichen Darsteller Andrew Hubatsek verkörpert wurde. In der neuen Verfilmung wirken die Szenen zwar schrecklicher inszeniert, brechen aber die eigentliche Stimmung des Films auf und wirken wenig zielführend für die Handlung.

Die Kinder von Ludlow beerdigen ihre verstorbenen Haustiere in einer feierlichen Prozession


Der Sumpf birgt düstere Geheimnisse – Hier sollte man lieber nicht den Boden aufwühlen


Nach dem Unfall scheint in die Familie der Creeds ein unheimliches Grauen eingekehrt zu sein


Kater Church ist nach seiner Rückkehr nicht mehr zum Kuscheln aufgelegt


Jud Crandall (John Lithgow) versucht, Louis von seinem Vorhaben abzuhalten, sein verstorbenes Kind auf dem Indianerfriedhof zu beerdigen. Jud weiß ganz genau, welche schrecklichen Folgen diese Begräbnisstätte bei Menschen haben kann


Was übrig bleibt

Letztendlich macht der Film aber einen soliden Eindruck. Für Neulinge werden die 103 Minuten eine willkommene Abwechslung zu den üblichen Mainstream-Horrorfilmen sein, die oft nur auf exzessive Gewalt und blutige Gemetzel wert legen. Auch wenn die morbide Stimmung der Bücher angesichts zahlreicher Jump-Scares nicht optimal zur Geltung kommt, liegt doch vor allem durch die markanten Bilder eine klassische Gruselatmosphäre über dem Film, die durchaus für Gänsehaut sorgen kann. Der Detailgrad und die Schwarzwerte sorgen bei den Grabstätten und nächtlichen Szenen für schaurig schöne Bilder. Die passende, sehr räumliche Akustik kommt in der Dolby-Atmos-Abmischung der englischen Tonspur perfekt rüber. Für alle, die sich die Szenerie in Deutsch ansehen wollen, liegt eine Dolby-Digital-5.1-Abmischung vor, die in der entsprechenden 5.1-Aufstellung übrigens keine wahrnehmbaren Nachteile mit sich bringt. Für Liebhaber von Bonusmaterial bietet die Blu-ray nochmal gut 90 Minuten Unterhaltung mit einem alternativen Ende, gelöschten sowie alternativen Szenen und weiteren Hintergrundinformationen. Wenngleich das Original bei all diesen Punkten kaum mithalten kann, werden eingefleischte Stephen-King-Fans wohl weiterhin das Buch oder die Film-Version aus den 1980er Jahren bevorzugen, da diese den Zuschauer weitaus emotionaler mitnehmen als die Neuverfilmung. Wer sich mit der Standard-Blu-ray nicht zufrieden gibt, dem bietet Universal Pictures/Paramount auch noch eine Steelbook-Variante an. Eine UHD-Version ist ebenfalls erhältlich.


Bilder: © digiselector-Fotolia.com, Universal Pictures

Bilder: © digiselector-Fotolia.com, Universal Pictures