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TEST Direktversicherungen: Vorsicht Falle


ÖKO-TEST Jahrbuch - epaper ⋅ Ausgabe 9/2010 vom 05.10.2009

Mit einer Direktversicherung können Arbeitnehmer bequem für das Alter vorsorgen. Sie sparen auch kräftig Steuern und Sozialabgaben. Trotzdem müssen Arbeitnehmer über 90 Jahre alt werden, damit sich eine lebenslange Betriebsrente lohnt.


Artikelbild für den Artikel "TEST Direktversicherungen: Vorsicht Falle" aus der Ausgabe 9/2010 von ÖKO-TEST Jahrbuch. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

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Betriebliche Direktversicherungen sind nichts anderes als Rentenversicherungsverträge. Versichert ist der Arbeitnehmer. Ihm stehen alle Leistungen aus der Police zu. Versicherungsnehmer ist der Arbeitgeber. Er wählt den Anbieter aus, schließt die Police für seine Mitarbeiter ab und überweist die Beträge an die Versicherung.

Die Mitarbeiter können ihren ...

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... Vertrag durch Auswahl oder Verzicht von Zusatzleistungen optimieren. Für Ehepaare beispielsweise lohnt meist ein Tarif mit Todesfallschutz. Allerdings gibt es solche Vertragszusätze nicht zum Nulltarif. Sie drücken auf die Höhe der Altersrente. Deshalb lohnt der Zusatz nicht für eingefleischte Singles. Sie können bis auf ein Sterbegeld von 8.000 Euro ohnehin nichts von der Betriebsrente vererben.

ÖKO-TEST hat insgesamt 224 Tarife zur Entgeltumwandlung von 26 verschiedenen Anbietern unter die Lupe genommen. Dabei handelt es sich durchweg um Klassiktarife mit Todesfallleistung. Geprüft wurden jeweils acht verschiedene Modellfälle.

Das Testergebnis

■ Betriebliche Direktversicherungen sind ein gutes Geschäft – in erster Linie für die Versicherer. Arbeitnehmer sollten dagegen sorgfältig überlegen, ob sich diese Form der Betriebsrente für sie wirklich lohnt. Das liegt nicht nur daran, dass gesetzlich Krankenversicherte – anders als bei der Privatvorsorge – auf die spätere Rente den vollen Beitragssatz für die gesetzliche Krankenund Pflegeversicherung (insgesamt 17 bis 18 Prozent) zahlen müssen. Schon die Basisrendite dieser Vorsorgeform ist nicht gerade üppig. Das zeigt ein Blick auf die garantierten Renten ebenso wie auf die in Aussicht gestellten Renten mit Überschüssen.

■ Wer damit rechnet, lediglich 80 Jahre alt zu werden, kann nicht einmal sicher sein, seine gezahlten Beiträge in Form monatlicher Rentenleistungen zurückzuerhalten. Denn die Rendite auf die garantierte Rentenleistung liegt in diesem Alter durchweg im Minus. Der 35-jährige Mann schrammt mit –0,25 Prozent Rendite bestenfalls knapp an der Nullverzinsung vorbei. Schlimmstenfalls ist sein Kapital jedoch mit –0,85 Prozent geschrumpft. Noch schlechter sehen die Ergebnisse für Arbeitnehmer aus, die erst im Alter von 50 Jahren mit dem Ansparen der Betriebsrente beginnen. Fließt bei ihnen nur die Garantierente zurück, sind Verluste von –1,11 bis –1,87 Prozent pro Jahr vorprogrammiert. Den Erhalt des eingesetzten Kapitals erreichen 50jährige Männer erst im Alter von 84 bis 85 Jahren, 35jährige sind schon mit rund 82 Jahren dabei.

■ Noch bitterer sieht es für Frauen aus. Weil sie üblicherweise länger leben als Männer, muss das angesparte Kapital nach Kalkulation der Versicherer für eine längere Rentenbezugsphase reichen. Folge: Bei gleicher Beitragszahlung springt für sie eine noch niedrigere Garantierente als bei Männern heraus. Entsprechend höher sind die Verluste, falls der Versicherer die zugesagte Leistung nicht durch Überschüsse aufpolstern kann. Bei allen untersuchten Tarifen wird die 35-jährige Frau allein mit der garantierten Rente bis zum 80. Lebensjahr daher Verlust machen. Im günstigsten Fall sind es –0,62 Prozent pro Jahr, im schlimmsten Fall sind die Verluste mit –1,22 Prozent sogar doppelt so hoch. Falls Frau erst im Alter von 50 mit der Entgeltumwandlung beginnt, sind bis 80 sogar Verluste von –1,71 bis –2,45 Prozent vorprogrammiert. Kurz: Frau muss schon mindestens knapp 85 bis 86 Jahre alt werden, damit der reine Kapitalerhalt gewährleistet ist.

■ Die meisten Arbeitnehmer hoffen aber auch bei Direktversicherungen, dass der jeweilige Versicherer die garantierte Leistung durch Überschusserträge aufpolstert. Hohe Renditen sind aber auch hier nicht zu erwarten. Der 35-jährige Mann erreicht im besten Fall 4,38 Prozent Rendite, die gleichaltrige Frau sogar 4,47 Prozent. So viel stellt ihnen jedenfalls die Europa in Aussicht – und erreicht damit bei der prognostizierten Leistung immerhin Rang 2. Fast ebenso gut ist das Angebot des R+V Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit (Mann 4,35 Prozent, Frau 4,45 Prozent). Der Volkswohl Bund kommt bei Tarif D/SR mit 4,15 Prozent Ertrag für den Mann und 4,25 Prozent für die Frau ebenfalls auf Rang 2. In den Genuss des kostengünstigen Einzeltarifs kommen aber nur Beschäftigte von Arbeitgebern, die Mitglied im Verein zur Förderung der mittelständischen Wirtschaft sind. Alle anderen erhalten den Standardtarif mit deutlich schlechteren Renditen.
Doch auch grundsätzlich gilt: Um in den Genuss von mehr als vier Prozent Ertrag zu kommen, muss der 35-jährige Mann auf jeden Fall älter als 86 Jahre und die Frau sogar über 90 Jahre alt werden. Wer nur bis 80 lebt, erzielt auch inklusive Überschuss kaum mehr als 2,5 bis 2,8 Prozent Rendite.

■ Das Testergebnis sieht ein wenig besser aus, wenn man die Tarife auf Basis der Kapitalabfindung bewertet. Zwar dürfen Arbeitgeber eigentlich nur solche Produkte als betriebliche Direktversicherungen anbieten, die primär eine lebenslange Betriebsrente zusichern. Sonst sind die Verträge nicht förderfähig. Enthalten die Verträge aber eine Option auf Kapitalabfindung, für die sich der Arbeitnehmer kurz vor Rentenbeginn entscheiden kann, wird das vom Fiskus toleriert.

■ Diese Option sollten sich künftige Betriebsrentner auf jeden Fall offenhalten. Bei Wahl der Kapitalabfindung springen für den Mann im Schnitt gut und gern 0,5 bis 0,6 Prozent, bei einzelnen Anbietern sogar bis zu 0,8 Prozent mehr Ertrag heraus. Für Frauen ist der Vorteil nicht ganz so üppig. Doch 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte mehr Ertrag sind drin. Noch höher kann der Vorteil für ältere Sparer sein. Hier sind bis zu ein Prozent mehr Rendite bei Wahl der Kapitalabfindung drin.

■ Tendenziell gilt: Wer eine gute Rentenleistung bietet, ist auch bei der Kapitalabfindung Spitze. Versicherer, wie die Europa, der Volkswohl Bund beim Tarif D/SR und die R+V a.G und holen locker Kapitalrenditen von 4,74 bis 5,05 Prozent aus dem Vertrag heraus. Doch auch die Hannoversche schiebt sich mit 4,73 Prozent Rendite für den Mann und 4,72 Prozent Rendite für die Frau auf einen Spitzenplatz.

■ Doch Vorsicht: Nicht immer muss die Rentenrendite magerer als die Kapitalrendite ausfallen. Es gibt auch Anbieter und Tarife, da ist es genau umgekehrt. Besonders sichtbar wird das bei den Tarifen für 50-Jährige. Hier bleiben die Kapitalrenditen bei der Hamburg-Mannheimer, der Vic toria, der VLV und der R + V um bis zu einem Prozent hinter der Rentenrendite zurück. Der Grund für diesen Effekt: Alle Versicherer bilden schon in der Ansparphase einen Rücklagentopf für die Verwaltungskosten in der späteren Rentenphase. Wählt der Versicherte dann zu Rentenbeginn die Kapitalabfindung, rücken aber längst nicht alle Anbieter diese nun nicht benötigten Verwaltungskosten wieder an ihre Kunden heraus. Weiteres Manko: Falls die Überschüsse demnächst nur noch tröpfeln, sind womöglich auch bei der Kapitalabfindung nur noch die garantierten Leistungen drin. Bei Werten zwischen 105.951 Euro (Victoria, Mann, 35) und 144.665 (Europa, Mann, 35) winkt eine Sparrendite zwischen 1,0 bis 1,9 Prozent. Damit liegen die Erträge wahrscheinlich sogar unterhalb der Inflationsrate. Real hagelt es also Verluste, wenn nur die garantierten Leistungen fließen.

■ Mehr noch: Die ohnehin mageren Renditen erzielen nur Arbeitnehmer, die ihren Vertrag bis zum Rentenalter unverändert durchhalten. Wer das nicht kann, sondern Zahlpausen einlegen muss oder den Arbeitnehmer wechselt, dem drohen weitere herbe Einbußen. Dabei ist eine entsprechende vertragliche Flexibilität bei Tarifen zur Entgeltumwandlung in der heutigen Arbeitswelt oft schon aus betrieblichen Gründen vonnöten. So können der Umstieg auf eine Teilzeitstelle oder Kurzarbeit im Betrieb dazu führen, dass Arbeitnehmer den anfänglich vereinbarten Beitrag nicht mehr aufbringen können. Auch bei Arbeitslosigkeit verfügen viele nicht über die Mittel, den Vertrag privat unverändert fortzuführen.

■ Doch gerade die Beitragsfreistellung kann teuer werden. Zwar dürfen die Versicherer die Provision des Vermittlers nicht mehr wie bislang mit den ersten Beiträgen verrechnen, sondern sie müssen sie auf fünf Jahre verteilen. Dennoch führen hohe Provisionen nach wie vor dazu, dass anfangs nur wenig von den bisherigen Einzahlungen zur Bildung einer beitragsfreien Rente zur Verfügung steht. Einige Versicherer haben zudem hausintern eine Mindestrentenhöhe festgelegt. Wird die nicht erreicht, beenden sie einfach den Vertrag – und kehren das Restkapital an den Arbeitnehmer aus.

■ In diese Falle würden die Mitarbeiter zum Beispiel tappen, wenn sie sich für eine Direktversicherung der Condor, der Delta Lloyd, der Europa, der Hamburger Leben und des Volkswohl Bunds entscheiden und den Vertrag bereits nach zwei Jahren beitragsfrei stellen. Doch auch in anderen Fällen sind die Preis-Leistungs-Unterschiede bei Beitragsfreistellung enorm. So würde ein 35-jähriger Arbeitnehmer nach zwei Jahren und 4.200 Euro Einzahlung bei der Hannoverschen immerhin eine garantierte beitragsfreie Rente von 28,17 Euro erhalten, bei der Hanse Merkur, Tarif RB7M, springen dagegen mit 13,30 Euro weniger als die Hälfte heraus. Ähnlich sieht es bei Beitragsfreistellung nach fünf Jahren aus. Während hier die Hannoversche mit 68,17 Euro eine erstklassige Leistung bietet, sind bei der Victoria mit 39,97 Euro über vierzig Prozent weniger bei gleicher Einzahlung drin.

Die Vorsorge im Betrieb ist begehrt – aber nur bei Tarifen, die der Arbeitnehmer flexibel gestalten kann.


Foto: image library

■ Ob solche Preis-Leistungs-Unterschiede und insbesondere die Zwangsabfindung des Vertrags bei Nichterreichen der vom Versicherer einseitig festgelegten Mindestrentenhöhe arbeitsrechtlich immer zulässig sind, darüber entscheiden vermutlich die Gerichte. Gegebenenfalls können Arbeitnehmer sogar ihren Chef für Verluste haftbar machen. Das wäre zum Beispiel denkbar, wenn der Betrieb Kurzarbeit anordnet, bei den Tarifen zur Entgeltumwandlung jedoch keine Möglichkeit zur Anpassung der Beiträge besteht oder die Beitragsfreistellung mit hohen Einbußen bis hin zum Verlust der erworbenen Betriebsrentenansprüche verbunden ist.

■ In Zeiten wachsender beruflicher Mobilität müssen Arbeitnehmer aber auch genau wissen, wie viel Kapital ihnen bleibt, wenn sie nach wenigen Sparjahren arbeitslos werden oder den Arbeitgeber wechseln. Wie groß die Unterschiede hier sein können, zeigt ein Blick auf die Tabelle: Während der 35-jährige Arbeitnehmer nach zwei Sparjahren mit insgesamt 4.200 Euro Einzahlungen bei der Hannoverschen immerhin 3.908 Euro zum neuen Arbeitgeber mitnehmen kann, würde ihm die Hanse Merkur, Tarif RB7M, garantiert lediglich 1.997 Euro an Übertragungskapital mitgeben – das sind ganze 47,5 Prozent vom bislang eingezahlten Kapital.

■ ÖKO-TEST hat deshalb die Übertragungswerte ebenso wie die beitragsfreien Renten in die Bewertung einbezogen – und auf diese Weise Anbieter mit mangelnder vertraglicher Flexibilität abgewertet. Diese Rankingmethode hilft auch Arbeitgebern, schnell die Spreu vom Weizen zu trennen. Denn falls die Arbeitsgerichte in den geschilderten Fällen zu dem Ergebnis kommen, dass der Arbeitgeber bei solchen Tarifen schadenersatzpflichtig ist, kann das teuer werden, wie das Beispiel der Hanse Merkur zeigt. Bei einem Übertragungswert von 1.997 Euro garantiert plus 124 Euro aus Überschüssen würden dem 35-Jährigen bei Jobwechsel von den insgesamt eingezahlten 4.200 Euro glatt 2.079 Euro oder rund 50 Prozent der Beiträge verloren gehen. Selbst nach fünf Jahren bleibt ein Verlust von fast einem Drittel der Einzahlungen oder 3.303 Euro. Das beschert dem Tarif bei gleichzeitig bescheidenen Leistungen im Fall der Beitragsfreistellung Note 5,5 bei der Vertragsflexibilität.

Unsere Empfehlungen

■ Für gesetzlich Krankenversicherte lohnen Betriebsrenten selten. Sie sparen zwar zunächst Sozialabgaben. Dafür kassieren die Sozialversicherungsträger dank vollem Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag auf die Betriebsrente später gleich doppelt ab.

■ Grundsätzlich nur Tarife mit hoher Kapitalleistung wählen. Denn wer weiß schon im Voraus, ob er zu Rentenbeginn noch so gesund ist, dass eine lebenslange Betriebsrente lohnt.

■ Darüber hinaus auf erstklassige Noten bei der Vertragsflexibilität achten. In Zeiten beruflicher Mobilität ist das Trumpf.

Anmerkungen: Alle Angaben zu den Monatsrenten gerundet. Die Werte beziehen sich auf die Rente, die der Versicherte im 1. Rentenjahr bezieht. 1) Tarif auch als teildynamische Rente erhältlich. 2) Nettotarif ohne Abschlussprovision, erhältlich über Honorarberater oder direkt beim Versicherer. 3) Rabattierter Tarif, der nur für Mitglieder der Arbeitgebervereinigung VFMW erhältlich ist. 4) Tarif nicht vergleichbar, weil die Beitragszahlung grundsätzlich zu Beginn des Rentenbeginnjahres endet. Insofern fehlen acht Monatsbeiträge. 5) Tarif auch als flexible Rente erhältlich.
Legende: Anbieter geordnet nach Rang. Bei Anbietern mit gleichem Rang entscheidet die Rating-Note des Versicherers über die Reihenfolge. Das Ranking erfolgte bei den Klassiktarifen auf Basis der Note bei den garantierten Rentenleistungen. Bei den Noten für die Rentenleistung wurde zunächst sowohl bei den garantierten als auch bei den prognostizierten Leistungen die jeweilige Rentenrendite ermittelt. Das ist die effektive durchschnittliche Rendite, die Sparer über die gesamte Vertragslaufzeit hinweg pro Jahr erzielen, sofern sie den Vertrag nicht stornieren und dabei Renten in Höhe der ausgewiesenen garantierten Monatsrente (Rentenrendite pro Jahr – garantierte Rente) bzw. in Höhe der ausgewiesenen prognostizierten Monatsrente inklusive Überschuss (Rentenrendite pro Jahr – Rente inklusive Überschuss) erzielen. Basis war in beiden Fällen die Sterblichkeit, die der Sparer bzw. die Sparerin je nach ihrem heutigen Lebensalter auf Basis der Generationensterbetafel 1871 bis 2004 des Statistischen Bundesamts haben (Ausprägung V2). Bei der Rentenrendite pro Jahr für die Rente inklusive Überschuss wurde zudem unterstellt, dass die vom Versicherer in Aussicht gestellte jährliche Rentensteigerung auf Basis der in der Anspar- und Rentenphase erwirtschafteten Überschüsse bis Vertragsende erreicht wird. Da Sparer zu Rentenbeginn die Wahl zwischen einer Kapitalabfindung und einer lebenslangen Rentenleistung haben, wurde die Destatis-Tafel zusätzlich um sogenannte „Selektionseffekte“ ergänzt. Das bedeutet: Genau wie die Versicherer ist ÖKO-TEST davon ausgegangen, dass sich nur jene Arbeitnehmer eine Direktversicherung abschließen, die sich gesund fühlen, und dass sich nur jene zu Ruhestandbeginn für die Rentenleistung entscheiden, die sich dann weiterhin gesund fühlen, und daher wahrscheinlich eine höhere Lebenserwartung haben als der Bevölkerungsdurchschnitt. Um diesen Effekt bei den Rentenrenditen angemessen berücksichtigen zu können, wurden die stärksten Selektionseffekte der DAV 2004 R Sterbetafel der Versicherungswirtschaft auf die Destatis-Generationentafel übertragen, und zwar von Vertragsbeginn bis zehn Jahre nach Rentenbeginn. Darüber hinaus wurden bei den Renditen auf die prognostizierte Rentenleistung jene Sterblichkeitseffekte einkalkuliert, die in allen Modellfällen anfallen, weil die Vorsorgesparer nach der ÖKO-TEST-Sterbetafel früher sterben als die Versicherer bei ihren Tarifen auf Basis der DAV 2004 R-Sterbetafel unterstellen. Dazu wurde ein hypothetisches Versicherungskollektiv gebildet, das einem mittelgroßen Versicherer entspricht. Die Ermittlung der Sterblichkeitsgewinne erfolgte exakt differenziert nach Geschlecht und Geburtsjahrgängen von Sparern, die genau im Jahr 2009 einen Rentenvertrag abschließen und dem Kollektiv beitreten. Anschließend wurden die so ermittelten Sterblichkeitsgewinne zu 75 Prozent – wie die Mindestzuführungsverordnung vorschreibt – auf die Kunden des hypothetischen Versicherungskollektivs verteilt. Etwaige Unterschiede in der Todesfallleistung in der Ansparphase wurden bei Ermittlung der Renditen ebenfalls berücksichtigt.
Anschließend wurden die so ermittelten Renditen bei den garantierten Renten bewertet. Zur Ermittlung des Ranges wurde die Differenz zwischen höchster und niedrigster Rentenrendite in fünf gleich große Klassen geteilt. Den Rang eins besetzten wir dabei nicht. Die Rendite des besten Anbieters im jeweiligen Musterfall markiert daher lediglich den höchsten Wert in Rangklasse 2. Nach gleichem Schema sind wir bei den prognostizierten Renten vorgegangen.
Darüber hinaus haben wir die Rendite für die Kapitalabfindung ermittelt, die Arbeitnehmer zu Rentenbeginn wahlweise verlangen können. Noten für die garantierte und prognostizierte Kapitalabfindung wurden anschließend wie bei den Rentenrenditen anhand der höchsten und niedrigsten Rendite im jeweiligen Musterfall in fünf gleich große Klassen geteilt. Bei den Klassiktarifen wurden die Noten für die garantierte und prognostizierte Ablaufleistung zu einer Gesamtnote gebündelt. Dabei flossen die Noten für die Rendite auf das garantierte Kapital zu 70 Prozent und die Noten für die Renditen auf die prognostizierten Leistungen zu 30 Prozent in die Gesamtnote für die Kapitalabfindung ein.
Um die Höhe der beitragsfreien Renten zu bewerten, wurde jeweils bei den garantierten beitragsfreien Renten nach zwei und nach fünf Jahren die Differenz zwischen der höchsten und der niedrigsten garantierten beitragsfreien Rente zum jeweiligen Freistellungstermin im Modellfall ermittelt und in sechs gleiche Klassen (Rang 1 bis 6) eingeteilt. Nach gleichem Schema sind wir bei der Note für die Übertragungsmöglichkeit bei Arbeitgeberwechsel nach zwei als auch nach fünf Jahren verfahren. Da eine Reihe von Anbietern den Vertrag mangels Erreichen der vom Anbieter geforderten Mindestrente bei Beitragsfreistellung nach zwei Jahren beendet, fallen Anbieter, die den Vertrag nicht fortführen, in Klasse 6. Anschließend wurde die Note für die Vertragsflexibilität ermittelt. Dabei flossen die Noten für die beitragsfrei garantierte Rente nach zwei und fünf Jahren sowie die Noten für die Übertragungswerte nach zwei und fünf Jahren jeweils zu einem Viertel in die Gesamtnote für die Vertragsflexibilität ein.

Anforderungen an den Tarif: Getestet wurden ausschließlich betriebliche Direktversicherungen der Versicherungswirtschaft, die nach dem 2004 verabschiedeten Alterseinkünftegesetz für die Entgeltumwandlung geeignet und förderfähig sind (nach § 3 Nr. 63 EStG). Die Tarife müssen zudem bereits ab einem Arbeitnehmer pro Betrieb offenstehen. Untersucht wurden Angebote für einen 30-jährigen Mann und eine gleichaltrige Frau (Geburtsdatum: 01.06.1979), einen 35-jährigen Mann und eine gleichaltrige Frau (Geburtsdatum: 01.06.1974), einen 45-jährigen Mann und eine gleichaltrige Frau (Geburtsdatum: 01.06.1964) sowie einen 50-jährigen Mann und eine gleichaltrige Frau (Geburtsdatum 01.08.1959), die jeweils bis zum Ende des 65. Lebensjahres Entgeltumwandlung betreiben wollen. Während die 30-Jährigen jedoch nur 100 Euro monatlich in den Vertrag einzahlen, verzichten alle anderen monatlich auf 175 Euro ihres Gehalts zugunsten der späteren Betriebsrente. Vertragsbeginn ist jeweils der 01. August 2009. Die Rentenleistung startet jeweils mit 65 Jahren. Die Einzahlungen erfolgen in einen Klassiktarif mit Beitragsrückgewähr in der Ansparphase und Rentengarantiezeit von fünf Jahren in der Auszahlphase. Die sogenannte Todesfallleistung steht – wie bei Tarifen zur Entgeltumwandlung vom Gesetzgeber gefordert – lediglich dem Ehepartner des Arbeitnehmers bzw. der Arbeitnehmerin und/oder den kindergeldberechtigten Kindern zu. Je nach Anbieter kann wahlweise aber auch ein namentlich benannter Lebensgefährte oder eine Lebensgefährtin die Hinterbliebenenleistung erhalten. Bei diesen Tarifen wird das für Beitragsrückgewähr und Rentengarantiezeit vorhandene Kapital den Hinterbliebenen im Ernstfall als lebenslange Rente (oder bei Kindern als zeitlich begrenzte Rente) ausgezahlt. Wahlweise bieten die Versicherer bei Tod in der Ansparphase auch die Option auf Kapitalabfindung an oder zahlen bei Tod in der Rentenphase die vereinbarten Renten bis zum Ende der Rentengarantiezeit weiter. Bei allen Klassiktarifen legen die Versicherungsunternehmen die eingezahlten Beiträge nach Abzug der Kosten in einen konservativen Mix aus Aktien (höchstens 35 Prozent), festverzinsliche Anleihen und Immobilien an. Dieses Kapital wird mit mindestens 2,25 Prozent verzinst und sichert die garantierte Monatsrente, für die auch der Arbeitgeber mit seiner Versorgungszusage geradesteht. Erzielen die Anbieter höhere Erträge, werden diese Überschüsse den Versicherten rentenerhöhend gutgeschrieben. Diese Überschüsse sind aber nicht garantiert und können je nach Kapitalmarktentwicklung auch niedriger ausfallen als erwartet. Im Modellfall werden die erwirtschafteten Gewinne ab Rentenbeginn zur Erhöhung der monatlichen Rentenleistung genutzt (dynamische Gewinnrente). Auch diese Rentenerhöhungen sind aber nicht garantiert und hängen vom Anlagegeschick des Versicherers und der Kapitalmarktentwicklung ab. Einmal gutgeschriebene Rentenerhöhungen können die Versicherer aber nicht mehr zurücknehmen. Alternativ bieten manche Anbieter auch teildynamische oder sogenannte „konstante” Renten an. Bei diesen Auszahlvarianten wird bei Rentenbeginn gleich ein größerer Gewinnanteil gutgeschrieben. Dafür fallen die künftigen Rentenerhöhungen niedriger aus (teildynamische Rente) oder entfallen ganz (konstante Rente). Auch eine Rentensenkung ist in beiden Fällen möglich. Diese Auszahlvarianten wurden daher nicht untersucht.
Testmethoden: Sämtliche Vertragsdaten wurden per Fragebogen unmittelbar bei den Versicherungsunternehmen erhoben und anschließend einer detaillierten Plausibilitätskontrolle bzw. Prüfung unterzogen. Eine Überprüfung, ob die ausgewiesenen Überschusserträge vom jeweiligen Versicherer auch wirklich dauerhaft erwirtschaftet werden können, erfolgte nicht. Anschließend wurden die Daten den Anbietern zur Verifizierung zurückgespielt. Auf Basis dieser Daten und der eigens für diesen Test entwickelten Sterbetafel errechnete das Büro für Versicherungs- und Finanzmathematik mathconcepts, Berlin, die Rentenrenditen für die Tarife in den verschiedenen Modellfällen. Daneben berechnete mathconcepts auch die Kapitalrenditen sowie die Renditen, die Arbeitnehmer beim jeweiligen Tarif im Alter von 80, 85 und 90 Jahren erreichen. Die abschließende Auswahl der Kriterien, die Bewertung der Inhalte und das abschließende Ranking der Tarife wurden dann von ÖKO-TEST vorgenommen.

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