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TEST Discounterprodukte: Aldi All die weil


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 4/2011 vom 25.03.2011

In dieser und in den folgenden Ausgaben nehmen wir die Discounter unter die Lupe. Wir prüfen und hinterfragen kritisch, wie „bio“ die Bio-Ware dort ist, ob nachhaltig gefangener Fisch auch Qualität verspricht und ob „regional“ wirklich „von hier“ bedeutet. Den Auftakt der Serie machen Aldi Nord und Aldi Süd.


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Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 4/2011

Der Einkaufswagen ist bis zum Rand gefüllt: Nudeln, Fisch, Obst, Kekse und eine ganze Steige Milch aus ökologischer Erzeugung. Die Schale mit den abgepackten Bio-Möhren droht fast aus dem Wagen zu rutschen. Familieneinkauf am Samstagvormittag. Ruck, zuck hat die Kassiererin die Waren über den ...

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Der Einkaufswagen ist bis zum Rand gefüllt: Nudeln, Fisch, Obst, Kekse und eine ganze Steige Milch aus ökologischer Erzeugung. Die Schale mit den abgepackten Bio-Möhren droht fast aus dem Wagen zu rutschen. Familieneinkauf am Samstagvormittag. Ruck, zuck hat die Kassiererin die Waren über den Scanner gezogen. Ob der bereitgehaltene 100-Euro-Schein reicht? Die Digitalanzeige an der Kasse bringt die Überraschung: 47,85 Euro. Nicht mal 50 Euro für Massen an Lebensmitteln, darunter viele Produkte, die als „nachhaltig“, „bio“ oder „fair“ hervorgehoben sind. Bei so viel billig für so wenig Geld kann einen schon mal das Gewissen plagen, wenn man den nachhaltigen Familieneinkauf über den Parkplatz des Discounters schiebt. Hat man „beim Aldi“ gerade ein tolles Schnäppchen gemacht – oder womöglich Produkte gekauft, die auf den ersten Blick zwar als nachhaltig daherkommen, bei näherer Betrachtung so viel „besser“ aber gar nicht sind? In Sachen Bio-Ware war Aldi immerhin ein Pionier: Schon im Jahre 1998 verkündete das FachblattLebensmittel Zeitung, dass Aldi Nord jetzt als erster Discounter Bio-Möhren anbietet. Heute zählt das im Süden verbreitete Schwesterunternehmen Aldi Süd zu den größten Bio-Anbietern Deutschlands. Längst gehören Tiefkühlkost, Milch und Brot zum Bio-Sortiment der Discounter. Außerdem locken die Anbieter mit nachhaltig gefangenem Fisch. Mancherorts finden sich sogar fair gehandelte Produkte oder Waren, die mit ihrer regionalen Herkunft überzeugen wollen.

Unsere Empfehlungen

Matjesfilet ist kein Lebensmittel zum Bevorraten. Am besten wenige Tage nach dem Kauf verzehren. Denn das Mindesthaltbarkeitsdatum – das hat unser Test gezeigt – ist keine Garantie dafür, dass der Fisch dann noch so schmeckt, wie er schmecken sollte.
Besonders gut ist Bio-Ware, wenn sie aus der Nähe kommt. Aber nur bei Obst, Gemüse, Eiern und Milchprodukten findet man Hinweise auf der Verpackung, wo das Produkt angebaut bzw. erzeugt oder hergestellt wurde.

Für diesen Teil unserer großen Discounterserie haben wir 31 Produkte von Aldi Nord und Aldi Süd eingekauft und zum Untersuchen in die Labore geschickt. Ein buntes Potpourri von A wie Apfelsaft bis Z wie Zitrone.

Die Testergebnisse

■ Die Sortimente von Aldi Nord und Aldi Süd können sich sehen lassen. Von den 31 getesteten Produkte bekommen 20 die Bestnote „sehr gut“ und sieben die Note „gut“
■ Ob Bio-Ware tatsächlich ökologisch erzeugt wurde, kann man im Labor nicht feststellen. Unsere Schadstofftests ergaben jedoch keinen Hinweis auf Bio-Betrug. So waren beispielsweise sämtliche Bio-Möhren und Bio-Zitronen frei von Pestizidrückständen. Dabei genügen die Bio-Möhren von Aldi Nord als einziges Bio-Produkt den strengeren Anforderungen des Naturland-Verbandes, während alle anderen nach EG-Öko-Standard produziert sind.
■ Die Matjesfilets beider Dis - counter schneiden nur „mangelhaft“ ab. Der Grund: In mehreren Proben steckten am Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums zu viele Keime. Und das hat man auch geschmeckt! Bei mehreren Proben fiel ein Geschmack auf, den die Experten als „brennend“, „abweichend“ oder „säuerlich“ beschrieben. Keine Probleme gibt es dagegen mit der Nachhaltigkeit und der Transparenz. Sowohl bei den Matjesfilets als auch bei den anderen Fischprodukten ist deutlich deklariert, wo der Fisch wie gefangen wurde. Das Thema nachhaltige Fischerei wird übrigens in der Maiausgabe der Schwerpunkt des zweiten Teils unserer Discounterserie sein.
■ In mehreren Fischprodukten wurden Listerien analysiert, al lerdings in einer Größenordnung, die gesundheitlich unbedenklich ist. In größeren Mengen kann der Keim bei emp findlichen Personen Infektionen auslösen.
■ In demGutBio Kräuter-Tee von Aldi Nord hat das von uns beauftragte Labor Mineralölrückstände nachgewiesen. Wie ÖKO-TEST im vergangenen Jahr berichtet hat, kann Mineralöl aus Druckfarben und/oder Recyclingkartons in Lebensmittel übergehen. Zwar ist beim Tee unbekannt, wie viel Mineralöl letztlich im Körper landet, wir wollen aber sichergehen und werten daher schon den Nachweis im getrockneten Produkt ab. Mineralöl kann sich langfristig im Körper anreichern und dort Schäden anrichten.

Wurden für den Tomatensaft angeschimmelte Tomaten verwendet?

■ Nur „ausreichend“ abgeschnitten hat derGutBio Tomaten-Saft aus Tomatensaftkonzentrat von Aldi Nord. Das Problem hier: Der Saft wurde nicht rearomatisiert, das heißt, die Aromen, die bei der Konzentratherstellung verloren gingen, wurden nicht wieder zugefügt. Der Gehalt an Aromen ist daher minimal – im Vergleich zu einem Tomatendirektsaft. Al - lerdings ist die Rearomatisierung bei Tomatensaftkonzentrat nicht vorgeschrieben, da Tomatensaft nicht unter die Fruchtsaftverordnung fällt. Mög lich, dass sich dies in nächster Zeit ändert und das Gemüse doch noch Eingang in die Verordnung findet. Schlechter wurde die Note des Tomatensafts von Aldi Nord auch durch einen relativ hohen Gehalt an Ergosterin. Der Stoff gilt als Hinweis, dass angeschimmelte Tomaten mit verarbeitet wurden.

Dioxin? Salmonellen? Farbstoffe? Bei den Eiern gibt’s Entwarnung

■ Erfreulich: Sowohl bei Aldi Nord als auch bei Aldi Süd kann man Bio-Eier ruhigen Gewissens kaufen, so zumindest das Ergebnis der von uns untersuchten Chargen. Dioxine waren lediglich in Spuren nachweisbar, die inzwischen zur üblichen Hintergrundbelastung zählen. Salmonellen oder Farbstoffe wurden nicht festgestellt. Alle Eier überzeugten zudem durch gute Frischeergebnisse. Abzüge gab es aber, weil ein Teil der Eier leichter war, als es der jeweils aufgedruckten Gewichtsklasse L entsprochen hätte. Dabei mag es dem Verbraucher noch egal sein, wenn das L-Ei statt der geforderten 63 bis 73 Gramm nur 61,2 Gramm wiegt. Für die Eierpackstelle bedeuten häufige Unterschreitungen jedoch den einen oder anderen Cent an Mehreinnahmen.
■ Überrascht haben uns die E.-coli-Keime, die imGutBio Frankendammer natur von Aldi Nord gefunden wurden. Der Produzent hält gesetzliche Vorgaben zwar ein, sein Produkt schneidet im Vergleich zu den anderen Käseprodukten, in denen keinerlei unerwünschte Mi - kroorganismen nachgewiesen wurden, trotzdem schlechter ab. Das Vorkommen von E. coli kann auf eine mangelnde Hygiene im Betrieb oder bei der Auswahl der Rohstoffe hindeuten.

So reagierten die Hersteller

Der Hersteller der Matjesfilets von Aldi Nord erklärte, die „bakteriologischen Befunde“, also die Keimzahlen, seien für Matjesprodukte am Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums nicht untypisch. Die sensorischen Befunde würden sich dagegen nicht mit den Eigenkontrollen des Betriebs decken. Hier hätten die Ergebnisse bei „zufriedenstellend“ ge - legen. Das von uns beauftragte Labor bestätigte aber nochmals, dass der Geschmack bei zwei der drei Proben so deutlich abgewichen war, dass eine bessere Bewertung nicht möglich gewesen sei.
Der Lieferant der Bio-Eier für Aldi Süd teilte mit, dass Eier über die Dauer der Haltbarkeit bis zu 0,5 Prozent an Gewicht verlieren, was jedoch über eine höhere Einstellung bei den Sortiermaschinen ausgeglichen werde. Geringere Gewichte könnten in Zusammenhang mit Lichtsprüngen stehen – das sind winzige Risse, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind.
Der Hersteller desGutBio Kräuter-Tees von Aldi Nord erklärte zum Nachweis von Mineralöl in seinem Produkt, dass zur Herstellung der Verpackung ausschließlich Frischfasern verwendet würden. Es ist zwar richtig, dass Mineralöl vor allem aus recycelten Kartons in Lebensmittel übergeht, es kann aber auch aus Druckfarben, Umverpackungen oder ganz anderen Quellen stammen.

TEST Pestizide in Obst und Gemüse

In unserer Langzeitauswertung für Obst und Gemüse haben wir Discounter aufgeführt, von denen wir seit 2003 mindestens zehn Proben untersucht haben. Bio schneidet demnach fast immer mit ausgezeichneten Noten ab, wogegen konventionelle Ware immer wieder durch erhöhte Mengen an Pestizidrückständen auffällt. Die zweite Tabelle zeigt einen Vergleich sonstiger Lebensmittel vom Discounter, von denen wir in den letzten Jahren mindestens zehn Proben untersucht haben.

Warum wir Discounter nicht ignorieren

Jedes Mal, wenn ÖKO-TEST Discounter unter die Lupe nimmt, gibt es vehementen Protest ebenso wie beharrliches Lob. Die einen werfen uns vor, ein „sehr gut“ für Produkte von Aldi und Co. fördere miese oder sogar unmenschliche Arbeitsbedingungen und einen existenzbedrohenden Preisdruck auf die Bauern und Erzeuger. Die anderen sind froh, weil sie erfahren, ob Lebensmittel, die sie für ihre Kinder günstig kaufen (müssen), mit Schadstoffen belastet sind oder nicht. Darauf hätten auch Hartz-IV-Empfänger Anspruch, die es sich nicht leisten könnten, in den Bio-Laden zu gehen.

Für unsere neue Discounterserie haben wir solche Produkte ins Labor geschickt, die, unabhängig davon, wo sie verkauft werden, eine besondere Qualität haben (sollten): Bio- und Fairtradeprodukte, nachhaltig gefangener Fisch und Lebensmittel aus der Region. Doch auch hieran scheiden sich die Geister. Der Bio-Anbauverband Naturland verbietet seinen Mitgliedern, Produkte mit dem Naturland-Label bei Discountern zu verkaufen. Naturland-Anbieter Franz Westhues, der an Aldi Bio-Möhren verkauft, findet dagegen: „Bio und Discount sind kein Widerspruch.“ Aldi sei ein zuverlässiger Kunde, der Preise zahlt, „mit denen wir leben können“ (siehe Interview auf Seite 17).

Sicher scheint: Ohne die Discounter wäre der Bio-Boom der vergangenen Jahre undenkbar. Nicht nur weil Aldi mit einem Marktanteil von über 50 Prozent mehr Bio-Möhren verkauft als alle anderen Handelsketten, Bio-Läden und Bio-Supermärkte zusammen. Auch zeigen Studien, dass der eingesessene Bio-Handel von den Discountern profitiert. Denn Kunden, die sich für Bio-Möhren entschieden haben, wollen auch Bio-Sahne oder Bio-Ananas. Sind sie beim Discounter nicht zu bekommen, werden sie im Bio-Supermarkt eingekauft, wo es – anders als bei Aldi und Co. – ein umfassendes Sortiment gibt.

Auch Fairtradekaffee hat seinen Weg aus der Nische nicht über die Weltläden gefunden. Den Kaffeebauern kann es übrigens egal sein, wo ihr Kaffee verkauft wird. Nach den Fairtraderegeln bekommen sie von Lidl oder Aldi ebenso einen Aufschlag auf den Weltmarktpreis wie von der Gepa, die unter anderem die Weltläden beliefert.

Aber zeigt nicht gerade der Fairtradekaffee, dass die Discounter solche Produkte als Feigenblatt für ihre (schmutzigen) Geschäfte benutzen? Das ist weder zu beweisen noch zu widerlegen. Fest steht: Sie versuchen damit, sich untereinander abzugrenzen. Denn billig allein reicht heute nicht mehr, um erfolgreich zu sein. Billig kann nämlich nicht nur Aldi, billig können auch Lidl, Penny, Netto und Norma – und selbst Rewe oder Edeka.

Ein wichtiges Abgrenzungsmerkmal ist die Qualität. Die wird nicht nur mit einem „sehr gut“-Label von ÖKO-TEST (oder der Stiftung Warentest) dokumentiert, sondern auch durch das Sortiment. Schon früh hat Aldi daher auf Bio gesetzt, Lidl auf Fairtrade, Norma sieht sich als Vorbild beim nachhaltigen Fischeinkauf – und wird dafür von Greenpeace gelobt.

Bei Discountern kaufen heute auch die, die nicht auf jeden Cent achten müssen: 98 von 100 Bundesbürgern sind zumindest gelegentliche Kunden. Das verleiht den Billigläden eine ungeheure Marktmacht, die sie konsequent nutzen – auch um Produkte zu verbessern. 61 Artikel haben die sechs großen Discounter im Anschluss an unsere Tests in den vergangenen Jahren verändert. Schon früh haben die Discounter eigene Standards für die Pestizidbelastung von Obst und Gemüse gesetzt, die über die gesetzlichen Grenzwerte hinausgehen. Wenn ÖKO-TEST Aromen in Kakaopulver kritisiert, wird die Rezeptur unverzüglich überarbeitet. All das geschieht nicht aus Idealismus, sondern aus Kalkül – das Pulver soll „sehr gut“ abschneiden. Umso wichtiger ist es, den Discountern ebenso wie allen anderen Anbietern permanent mit Tests auf die Finger zu sehen.

Interview: Bio und Discount sind kein Widerspruch

Kompakt

Franz Westhues ist Geschäftsführer der Marktgenossenschaft der Naturland-Bauern, die unter anderem Aldi Nord mit Bio-Möhren und Bio-Kartoffeln beliefert.

ÖKO-TEST: Warum kann Aldi Bio-Möhren für 89 Cent anbieten, die im Bio-Laden deutlich teurer sind?
Franz Westhues: Den Preisunterschied machen vor allem die Menge und die Logistik: Wenn ich für Aldi einen ganzen Lastwagen nur mit Möhren vollpacke, ist das natürlich viel weniger Aufwand, als wenn ein kleiner Lieferant für viele kleine Abnehmer Paletten mit verschiedensten Gemüsen zusammenstellt und von Bio-Laden zu Bio-Laden fährt. Was den Preis betrifft: Wir bekommen auch von Aldi den Preis, den wir zum Produzieren brauchen. Das ist bei anderen Abnehmern nicht anders. Wäre der Preis zu niedrig, würden wir auch nicht mehr liefern. Sie können aber davon ausgehen, dass auch andere Abnehmer den Landwirten nicht zu viel zahlen. Wenn die Bio-Möhren anderswo mehr kosten, liegt das vielmehr daran, dass der Landwirt eine größere Produktpalette anbietet und dafür mehr verlangen muss. Oder dass in einem Laden die Kostenstrukturen oder die Handelsspannen höher sind. Ein hoher Preis heißt letztlich nicht, dass der Öko-Bauer mehr verdient.

ÖKO-TEST: Macht man sich denn nicht abhängig, wenn man einen so großen Kunden wie Aldi hat – der dann womöglich die Preise drückt?
Westhues: Aldi Nord ist für uns ein zuverlässiger Kunde, der Preise zahlt, mit denen wir leben können. Das kann natürlich vorübergehend auch mal weniger sein, als einem lieb ist. Auf der anderen Seite bedeutet ein großer Abnehmer aber auch, dass man seine Ware zuverlässig los wird. Unterm Strich stimmt das schon. Aldi ist zudem an langfristigen Beziehungen interessiert. Das gibt einem Sicherheit. Wir haben außerdem den Vorteil, dass wir ausschließlich Bio-Ware liefern. Unsere Kunden können also sicher sein, dass sich bei uns die Wege von Bio-Ware und konventioneller Ware nicht überkreuzen. Das war Aldi Nord wichtig. Die Produkte, die wir anbieten, kommen meist sogar von Naturland-zertifizierten Betrieben.

ÖKO-TEST: Was sagen andere Abnehmer dazu, dass Sie auch an Aldi liefern?
Westhues: Nicht jeder findet das gut. Gerade in der Bio-Branche herrschen Ressentiments gegen die Discounter. So dürfen wir zum Beispiel das Naturland-Logo nicht auf die Discounterpackungen drucken, auch wenn es sich in den meisten Fällen um Ware aus Naturland-zertifizierten Betrieben handelt. Der Naturland-Verband möchte sein Logo nicht bei Discountern sehen. Für mich dagegen sind Bio und Discount kein Widerspruch.

Wer bietet was?

Welcher Discounter ist am meisten „bio“, wer hat „faire“ Artikel nicht nur als Aktionsware, sondern auch im Standardsortiment? Wer zeigt Verantwortung beim Fisch, indem er nur aus nachhaltigen Quellen einkauft – und von problematischem Fisch im Zweifelsfall lieber die Finger lässt? Wir haben bei den Handelsketten nachgefragt und die wichtigsten Aspekte zusammengefasst. In dieser Ausgabe: Die beiden Platzhirsche unter den Discountern, Aldi Nord und Aldi Süd. Mehr zu den anderen Discountern lesen Sie in den kommenden Ausgaben.

Aldi Nord

Bio: kleines Basissortiment mit 20 Artikeln, ergänzt durch verschiedene regionale und saisonale Bio-Artikel
Fisch: rund 50 Prozent des Sortiments MSC-zertifiziert, bestandsgefährdete Fischarten werden nicht gelistet
Fair-Produkte: keine Produkte im Angebot

Aldi Süd

Bio: rund 40 Artikel dauerhaft im Standardsortiment, ergänzt durch regionale und saisonale Bio-Artikel
Bio-Obst und -Gemüse: aktuell zirka 12 Prozent des Obst- und Gemüsesortiments in Bio-Qualität
Fisch: rund 50 Prozent des Sortiments sind MSC-zertifiziert, bestandsgefährdete Fischarten werden nicht gelistet
Fair-Produkte: nur ein faires Produkt im Standardsortiment (Kaffee)

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 140. Anmerkungen: 1) Sensorik: Charge 1: 3,22 Punkte (Begründung: Geruch: säuerlich; Geschmack: abweichend, säuerlich; Gesamtkeimzahl: erhöht)/Charge 2: 4,11 Punkte (Begründung: Geruch: nicht rein; Geschmack: nicht ganz rein)/Charge 3: 3,00 Punkte (Begründung: Konsistenz: zart bis sehr weich; Geschmack: brennend; Gesamtkeimzahl: erhöht). 2) Sensorik: 4,70 Punkte (Begründung: Konsistenz: leicht trocken). 3) Untersucht wurden drei unterschiedliche Chargen. 4) Untersucht

wurden zwei unterschiedliche Chargen. Eine dritte Charge war zur Zeit des Einkaufs nicht verfügbar. 5) Sensorik: Panade beim Braten in der Pfanne teilweise abgeplatzt. 6) Sensorik: Charge 1: 2,44 Punkte (Begründung: Aussehen, Farbe, Herrichtung in verzehrfähigem Zustand: deutliche Saftabscheidung; Konsistenz: weich; Geruch: abweichend verdorben; Geschmack: brennend; Gesamtkeimzahl: erhöht) / Charge 2: 3,22 Punkte (Begründung: Geschmack: brennend; Gesamtkeimzahl: erhöht)/Charge 3: 4,78 Punkte (Begründung: Konsistenz: uneinheitlich fest bis weich). Laut Herstellergutachten wurden in anderen Proben chargengleicher Rückstellmuster keine Gesamtkeimzahlen über 10 Mio. KbE/g festgestellt. Bei zwei Proben waren auch die sensorischen Ergebnisse unauffällig. Bei einer Probe wurde lediglich der Geruch mit „nicht ganz frisch“ beschrieben. 7) Im Einzelnen beschrieben die Prüfer das Aussehen des Saftes als „gelb-braun, trüb, mit wenig Bodensatz“, den Geruch als „fruchtig, leicht säuerlich nach Apfel und einer weiteren Frucht“ und den Geschmack als „süß, anhaltend sauer, fruchtig-aromatisch nach Apfel und einer weiteren Frucht“. 8) Im Einzelnen beschrieben die Prüfer das Aussehen des Saftes als „kräftig rot, trüb, dickflüssig“, den Geruch als „gemüseartig, nach Tomate“ und den Geschmack als „mild salzig, aromatisch, nach Tomate, fehlerfrei“. 9) Der erhöhte E. coli-Nachweis bezieht sich auf drei Chargen, wobei in einer Charge über 100 KBE/g gefunden wurden und in zwei weiteren Chargen E. coli positiv nachweisbar waren. Laut Anbietergutachten wurden in insgesamt zwölf Proben der von uns untersuchten drei Chargen dreimal E. coli positiv nachgewiesen. Die übrigen Proben waren ohne Befund. 10) Im Einzelnen beschrieben die Prüfer das Aussehen des Saftes als „kräftig orange, trüb, ohne Bodensatz“, den Geruch als „süßlich nach Karotte“ und den Geschmack als „schwach süß, mild, erdig nach gekochter Karotte“. 11) Das Sensorikergebnis ergibt sich aus der Bewertung des Aussehens mit 4 Punkten (Begründung: Tendenz zu Kantenbildung), der Textur mit 3 Punkten (Begründung: porig, schichtig, kurz, bröckelig), des Geruchs mit 5 Punkten, des Geschmacks mit 4 Punkten (Begründung: Tendenz zu kratzend) und der Streichfähigkeit mit 3 Punkten (Begründung: gemessene Härte in Newton von 1,16). 12) Laut Laborbericht wurden für die angegebene Keksportion von 9 Stück nicht 20 g, sondern 29,7 g ermittelt. 13) Als Portion werden 30 g angegeben, was einem Fischstäbchen entspricht. 14) Laut Laborbericht wurden in der Sensorik für das innere Aussehen 3 Punkte vergeben (Begründung: blind; ohne Lochung). Eine Lochung ist jedoch nach Käse-Verordnung nur für deutschen Bergkäse vorgeschrieben. Kommt das Produkt aus einem anderen Land, wie hier aus Österreich, entfällt die Vorgabe. Auch die DLG wertet in einem solchen Fall die fehlende Lochung nicht ab. 15) Laut Betriebsprotokoll der Packstelle wiesen die chargengleichen Eier ein mittleres Gewicht von mindestens 66,3 g auf.

Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.
Aufgeführt sind jeweils die Abwertungen und Testmethoden. Analyseprinzip bei allen Untersuchungen der Verpackung auf PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe: Röntgenfluoreszenzanalyse. Test Alaska-Seelachs-Filets: Unter dem Testergebnis Sensorik führt zur Abwertung um eine Note: Eine Gesamtpunktzahl von 4,50 bis 4,99 Punkten, was einem silbernen DLG-Preis entspricht. Untersucht wurde auf: Äußeres, Beschaffenheit und Geruch im aufgetauten Zustand (einfach gewichtet), Aussehen, Farbe, Herrichtung in gegartem Zustand (zweifach gewichtet), Konsistenz (dreifach gewichtet), Geruch und Geschmack (vierfach gewichtet). Maximal sind 5 Punkte pro Merkmal erreichbar. Bei unterschiedlichen Punktzahlen innerhalb des Merkmales Geruch und Geschmack gilt die niedrigere Punktzahl. Das Gesamturteil beruht zu 60 Prozent auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe und zu 40 Prozent auf dem Testergebnis Sensorik.
Testmethoden Alaska-Seelachs-Filets: Gesamtkeimzahl: ASU L 06.0 0-18. Enterobacteriaceen: ASU L 00.00-133/2. Lactobacillen: ASU L 06.00-31. E. coli: ISO 166 49-2. Salmonellen: PCR BAX AOAC. Listeria monocytogenes, qualitativ: PCR BAX AOAC. Listeria monocytogenes, quantitativ: ASU L.00.00-22. koag. pos. Staphylokokken: ASU L 00.00-55. Pseudomonaden: Spatelverfahren Pseudomonas CFC. Nematoden: Untersuchung am Leuchttisch und Digestion. Sensorik (beschreibend): ASU L 00.90-6. Sensorische Prüfung: in Anlehnung an DLG-Prüfschema. Polychlorierte Biphenyle: GC-MSD. Schwermetalle: ICP-MS. Test Brot und Toastbrötchen: keine Abwertungen.
Testmethoden Brot und Toastbrötchen: Mutterkornalkaloide: SPE/HPLC-FL. Acrylamid (nur in getoastetem Toastbrötchen): LC/MS/MS. Deoxynivalenol: LC-MS/MS. Pestizide: GC-MSScreening: ASU § 64 LFGB L 00.00-34. Chlormequat: in Anlehnung an ASU § 64 LFGB L 00.00-76, LC-MS/MS. Cadmium: Elementbestimmung mittels ICP-MS. Mikrobiologische Untersuchung Ende MHD: Gesamtkeimzahl: ISO 4833:2003. Hefen und Schimmelpilze: ISO 7954: 1987.
Test Butter: Unter dem Testergebnis Sensorik führt zur Abwertung um drei Noten: eine Gesamtpunktzahl Sensorik von weniger als 4,00 Punkten. Die Berechnung erfolgte nach DLGPrüfkriterien, wobei das Aussehen 2-fach, die Textur 2-fach, der Geruch 6-fach, der Geschmack 8-fach und die Streichfähigkeit (Schnittfestigkeit) 6-fach gewichtet wurden. Maximal sind 5 Punkte pro Merkmal erreichbar. Das Gesamturteil beruht zu 60 Prozent auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe und zu 40 Prozent auf dem Testergebnis Sensorik.
Testmethoden Butter: Coliforme Keime: DIN 10172 Teil 1 (MPN). Hefen und Schimmelpilze: L01.00-37. E. coli: ISO 16649-2:2001 (E). Listeria monocytogenes: ISO 11290-1/ L00.00-32. Salmonellen: L00.00-20. Fettfreie Trockenmasse: L04.00-16. Wasser: Schnellmethode: L04.00-8. Fettsäurenverteilung: kapillargaschromatografisch. Wasserverteilung: L04.00-9. Schnittfestigkeit (Härte): L04.00-14. PH-Wert (Butterplasma): L04.00-13. Halogenkohlenwasserstoffe: L01.00-35. Weichmacher: GC-MSD. Sensorische Prüfung von Aussehen, Geruch, Geschmack und Textur: DIN 10445 (1989-04) und DLG-Prüfbestimmungen. Einfach beschreibende Prüfung: DIN 10964 (1996-02).

So haben wir getestet

Der Einkauf

Bio-Produkte vom Discounter standen schon mehrfach im Fokus unserer Tests. Dieses Mal suchten wir zusätzlich nach weiteren Produkten mit positivem Image, etwa fairen oder als regional ausgelobten Waren. Dabei beschränkten wir uns auf die Hausmarken der jeweiligen Discounter. Fazit unseres Einkaufs bei den Aldi-Discountern: Beide verfügen über ein mehr oder weniger breites Bio-Sortiment und eine ganz ordentliche Auswahl an MSC-zertifiziertem Fisch aus bestandserhaltender Fischerei. Fair gehandelte Produkte und regionale Eigenmarken fanden wir hingegen gar nicht.

Die Inhaltsstoffe

Alle Produkte wurden einer Rundumprüfung unterzogen. So ging es bei den Molkereiprodukten unter anderem darum, ob die aufgedruckten Fettgehaltsstufen eingehalten wurden. Pflanzliche Lebensmittel wie Möhren, Zitronen, Backwaren, Tee, Säfte und Nudeln mussten dagegen eine umfangreiche Analyse auf Pestizide über sich ergehen lassen. Diese sind bei Bio eigentlich nicht zu erwarten, doch gerade bei „billigem“ Bio vom Discounter wollten wir ganz genau hinschauen. Die Eier ließen wir selbstverständlich auf Dioxin prüfen, aber auch auf den Einsatz bestimmter Futterfarbstoffe, die für Bio-Erzeuger verboten sind. Um Weichmacher ging es bei fettreichen Produkten wie Butter und Käse sowie dem Öl, in dem die Matjesfilets eingelegt sind, während Kaffee vorrangig auf die Belastung mit dem Krebsstoff Acrylamid geprüft wurde. Bei Gebäck und den in Pflanzenöl vorgebratenen Fischstäbchen wiederum standen die Fettschadstoffe 3-MCPD- und Glycidylester auf dem Programm. Damit nicht genug. Auch die Keimbelastung empfindlicher Kühlwaren wie Matjes, Joghurt, Quark oder Käse ließen wir checken.

Weitere Untersuchungen

Hinzu kamen aufwendige Sensoriktests diverser Produkte. Schließlich sollen auch der Geschmack, der Geruch, die Konsistenz oder – wie bei der Butter – die Streichfähigkeit stimmen. Bei den Eiern ging es im Rahmen der Güteklassenprüfung zusätzlich um die Frische, die Sauberkeit der Schalen und das Gewicht. Letzteres darf nur innerhalb bestimmter Toleranzen schwanken, wie von einer speziellen Verordnung genauestens geregelt. Summa summarum – eine Unmenge von Tests, Analysen und Prüfungen, die sich ÖKO-TEST allein für die Produkte von Aldi mehr als 23.000 Euro kosten ließ.

Die Bewertung

Auch wenn die beiden Discounter offensichtlich über eine gute Qualitätssicherung verfügen, förderten unsere Untersuchungen dennoch den einen oder anderen Mangel zutage. Dabei ist es uns traditionell wichtiger, dass Lebensmittel möglichst unbelastet sind. Wenn Matjesfilet am Ende der Mindesthaltbarkeit jedoch verdorben schmeckt, kann das Urteil insgesamt auch nur „mangelhaft“ lauten.

Test Eier: Unter dem Testergebnis Güteklassenprüfung führt zur Abwertung um zwei Noten: eine Anzahl an Eiern der nächstniedrigeren Gewichtsklasse, die die maximale Toleranz von 10 Prozent der untersuchten Eier um das Doppelte übersteigt. Zur Abwertung um eine Note führt: eine Anzahl an Eiern der nächstniedrigeren Gewichtsklasse, die die maximale Toleranz von 10 Prozent der untersuchten Eier übersteigt. Die Bewertung erfolgte in Anl. an die VO (EG) Nr. 589/2008 der Kommission vom 23.06.2008 mit Durchführungsbestimmugen zur VO (EG) Nr. 1234/2007 des Rates hinsichtlich der Vermarktungsnormen für Eier (2008). Das Gesamturteil beruht zu 50 Prozent auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe und zu 50 Prozent auf dem Testergebnis Güteklassenprüfung. Testmethoden Eier: Carotinoide: mittels HPLC. Hemmstoff-Test: Plattentest bei pH-Werten 6,0, 7,2 und 8,0. Coccidiostatica: geprüft wurde auf Lasalocid, Nicarbacin, Salinomycin, Monensin, Diclazuril, Narasin, mittels LC-MS/MS. Dixione: EPA Methode 1613 in Verbindung mit 2002/70/EG und 2005/7/EG. PCB (Eier ohne Schale): PCB 28, 52, 77, 81, 101, 105, 114, 126, 138, 153, 156, 167, 169, 180, 189, mittels L00.0034 (DFG S19). Salmonellen auf der Schale: DIN ISO 6579: 2002. Güteklassenprüfung bei Ablauf des MHD, wobei Kennzeichnung, Schalenfarbe, Sauberkeit, Lichtsprünge, Sprünge, Knickeier/zerbrochene Eier, Blutflecken, Dotterlage, Fließverhalten des Dotters und des Eiklars sowie Fremdgeruch visuell/sensorisch geprüft wurden. Zusätzlich wurden die Luftkammergrößen (mittels Schablone) sowie Gewicht und Farbwert (mittels Sanovo-Gerät) untersucht. In die Güteklassenprüfung einbezogen wurden 17 (Aldi Nord) bzw. 20 Eier (Aldi Süd). Test Erdbeerkonfitüre: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe im Deckel. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe.
Testmethoden Erdbeerkonfitüre: Pestizide: LC-MS-Screening: ASU § 64 LFGB L 00.00-113.
Hefen und Schimmelpilze: ISO 7954: 1987.
Test Fischstäbchen: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um eine Note: Nachweis von Listerien. Unter dem Testergebnis Sensorik führt zur Abwertung um eine Note: Eine Gesamtpunktzahl Sensorik von 4,50 bis 4,99 Punkten, was einem silbernen DLG-Preis entspricht. Untersucht wurde auf: Äußeres, Beschaffenheit in gefrorenem Zustand (einfach gewichtet), Aussehen, Farbe, Herrichtung in verzehrsfähigem Zustand (dreifach gewichtet), Konsistenz (zweifach gewichtet), Geruch u. Geschmack (vierfach gewichtet). Maximal sind 5 Punkte pro Merkmal erreichbar. Bei unterschiedlichen Punktzahlen innerhalb des Merkmals Geruch u. Geschmack gilt die niedrigere Punktzahl. Unter Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: Angabe einer unrealistisch kleinen Portionsgröße als Basis zur Kalorien- und Nährwertberechnung. Das Gesamturteil beruht zu 60 Prozent auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe u. zu 40 Prozent auf dem Testergebnis Sensorik. Es kann nicht besser sein als das Testergebnis Inhaltsstoffe.
Testmethoden Fischstäbchen: Gesamtkeimzahl: ASU L 06.0 0-18; Enterobacteriaceen: ASU L 00.00-133/2; Lactobacillen: ASU L 06.00-31; E. coli: ISO 166 49-2; Salmonellen: PCR BAX AOAC; Listeria monocytogenes, qualitativ: PCR BAX AOAC; Listeria monocytogenes, quantitativ: ASU L.00.00-22; Hefen: ASU L 01.00-37; Schimmelpilze: ASU L 01.00-37 Gesamtinhalt: gravimetrisch. Panadeanteil: präparativ gravimetrisch. Sensorik (beschreibend). ASU L 00.90-6. Die Zubereitung erfolgte im Backofen, sofern dafür auf der Packung eine Empfehlung gegeben wurde. Ansonsten erfolgte die Zubereitung in der Pfanne. Sensorische Prüfung: in Anlehnung an DLG-Prüfschema. Gesamtfett: ASU 07.00-6. Fettsäureverteilung (gesättigte Fettsäuren, einfach ungesättigte Fettsäuren, mehrfach ungesättigte Fettsäuren, Summe Omega-3-Fettsäuren, Summe Omega-6-Fettsäuren, Summe Transfettsäuren: DGF C-VI 10a und 11d. 3-MCPD- und Glycidylester: DGF C-III 18 Teil B.

Test Garnelen: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um eine Note: Nachweis von Listerien. Das Gesamturteil beruht zu 60 Prozent auf dem Testergebis Inhaltsstoffe und zu 40 Prozent auf dem Testergebnis Sensorik. Es kann nicht besser sein als das Testergebnis Inhaltsstoffe. Testmethoden Garnelen: Gesamtkeimzahl: ASU L 06.0 0-18. Enterobacteriaceen: ASU L 00.00-133/2. E. coli: ISO 166 49-2. Salmonellen: PCR BAX AOAC. Listeria monocytogenes, qualitativ: PCR BAX AOAC. Listeria monocytogenes, quantitativ: ASU L.00.00-22. koag. pos. Staphylokokken: ASU L 00.00-55. Vibrio cholerae: Hausmethode. Vibrio parahaemolyticus: Hausmethode. Hemmstoffe: Agar-Diffusion (Bacillus sub.). Indol: ASU L12.01-02. Breitband-Antibiotika, Nitrofuran-Metabolite: LC-MS-MS. Sensorik (beschreibend): ASU L 00.90-6. Sensorische Prüfung: in Anlehnung an DLGPrüfschema. Untersucht wurde auf: Äußeres, Beschaffenheit in gefrorenem Zustand, Aussehen, Farbe, Herrichtung in verzehrsfähigem Zustand, Konsistenz, Geruch und Geschmack. Test Käse: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um eine Note: ein erhöhter E.-coli-Nachweis anhand drei Chargen, wobei in einer Charge über 100 KBE/g gefunden wurden und in zwei weiteren Chargen E. coli positiv nachweisbar waren. Das Gesamturteil beruht zu 60 Prozent auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe und zu 40 Prozent auf dem Testergebnis Sensorik.
Testmethoden Käse: E. coli: ISO 16649-2:2001 (E). Listeria monocytogenes: ISO 11290-1/L00.00-32. Salmonellen: L00.00-20. Koag.-positive Staphylokokken: L00.00-55. Fett SBR: DIN EN ISO 1735. Trockenmasse, 102 °C: DIN EN ISO 5534. Fett i. Tr., berechnet, Wasser, berechnet. Fettsäurenverteilung: kapillargaschromatografisch. Halogenkohlenwasserstoffe: L01.00-35. Weichmacher: GC-MSD. Sensorische Prüfung von äußerem und innerem Aussehen, Konsistenz, Geruch und Geschmack: KäseVO und DLG-Prüfbestimmungen. Einfach beschreibende Prüfung: DIN 10964 (1996-02). Test Matjesfilets: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um eine Note: Nachweis von Listerien. Untersucht wurde anhand von drei Chargen. Die drei Noten wurden addiert, durch drei geteilt und auf eine volle Note kaufmännisch gerundet. Diese Note bildet das Testergebnis Inhaltsstoffe. Unter dem Testergebnis Sensorik führt zur Abwertung um fünf Noten: Ein auffälliger Geruch und Geschmack, der jeweils mit 1 Punkt nach DLG bewertet wurde, in Verbindung mit einer Gesamtkeimzahl von mehr als 10 Mio. KBE/g, in der Tabelle „erhöht“. Zur Abwertung um vier Noten führt: Ein auffälliger Geschmack, der mit 1 Punkt nach DLG bewertet wurde, in Verbindung mit einer Gesamtkeimzahl von mehr als 10 Mio. KBE/g, in der Tabelle „erhöht“. Zur Abwertung um zwei Noten führt: Eine Gesamtpunktzahl von 4,00 bis 4,49 Punkten, was einem bronzenen DLG-Preis entspricht. Zur Abwertung um eine Note führt: Eine Gesamtpunktzahl von 4,50 bis 4,99 Punkten, was einem silbernen DLG-Preis entspricht. Untersucht wurde auf: Aussehen, Farbe, Herrichtung in geöffnetem Zustand (dreifach gewichtet), Konsistenz (zweifach gewichtet), Geruch und Geschmack (vierfach gewichtet). Maximal sind 5,00 Punkte pro Merkmal erreichbar. Bei unterschiedlichen Punktzahlen innerhalb des Merkmales Geruch und Geschmack gilt die niedrigere Punktzahl. Die sensorische Untersuchung erfolgte anhand von drei Chargen. Die drei Einzelnoten wurden addiert, durch drei geteilt und auf eine volle Note kaufmännisch gerundet. Diese Note bildet das Testergebnis Sensorik. Das Testergebnis Sensorik kann nicht besser sein als „mangelhaft“, wenn zwei der drei Einzelnoten „mangelhaft“ oder schlechter sind. Das Gesamturteil beruht zu 60 Prozent auf dem Testergebis Inhaltsstoffe und zu 40 Prozent auf dem Testergebnis Sensorik. Es kann nicht besser sein als „mangelhaft“, wenn das Testergebnis Sensorik „mangelhaft“ ist.
Testmethoden Matjesfilets: Gesamtkeimzahl: ASU L 06.0 0-18. Enterobacteriaceen: ASU L 00.00-133/2. Lactobacillen: ASU L 06.00-31. E. coli: ISO 166 49-2. Salmonellen: PCR BAX AOAC. Listeria monocytogenes, qualitativ: PCR BAX AOAC. Listeria monocytogenes, quantitativ: ASU L.00.00-22. Hefen: ASU L 01.00-37. Schimmelpilze: ASU L 01.00-37. Sensorik (beschreibend): ASU L 00.90-6. Sensorische Prüfung: in Anlehnung an DLG-Prüfschema. Die mikrobiologische Untersuchung sowie die Sensorik erfolgten anhand von drei unterschiedlichen Chargen, jeweils zum Ende MHD. Histamin: halbquantitativ. Nematoden: Digestion. 3-MCPD- und Glycidylester: DGF C-III 18 (09) Teil B. Polychlorierte Biphenyle: GC-MSD. Weichmacher: GC-MSD.
Test Möhren: keine Abwertung. Untersucht wurde anhand von drei Chargen.
Testmethoden Möhren: Pestizide: GC-MS-Screening: ASU § 64 LFGB L00.00-34; LC-MS/MS-Screening: ASU § 64 LFGB L00.00-113.
Test Mozzarella: keine Abwertungen.
Testmethoden Mozzarella: E. coli: ISO 16649-2:2001 (E). Pseudomonaden: VDLUFA M7.12.2. Listeria monocytogenes: ISO 11290-1/L00.00-32. Salmonellen: L00.00-20. Koag.-positive Staphylokokken: L00.00-55. Fett SBR: DIN EN ISO 1735. Trockenmasse, 102 °C: DIN EN ISO 5534. Fett i. Tr., berechnet, Wasser, berechnet. Fettsäurenverteilung: kapillargaschromatografisch. Halogenkohlenwasserstoffe: L01.00-35. Weichmacher: GC-MSD. Sensorische Prüfung von äußerem und innerem Aussehen, Konsistenz, Geruch und Geschmack: KäseVO und DLG-Prüfbestimmungen. Einfach beschreibende Prüfung: DIN 10964 (1996-02). Die mikrobiologische und sensorische Untersuchung erfolgte jeweils zum Ende MHD.
Test Naturjoghurt: keine Abwertungen.
Testmethoden Naturjoghurt: Hefen und Schimmelpilze: L01.00-37. Enterobakterien: ISO 21528-2:2004 (E). Listeria monocytogenes: ISO 11290-1/L00.00-32. Salmonellen: L00.00-20. Koag.-positive Staphylokokken: L00.00-55. Fett Röse: DIN EN ISO 1211. Fettsäurenverteilung: kapillargaschromatografisch. Sensorische Prüfung von Aussehen, Geruch, Geschmack u. Textur/Konsistenz: DLG-Prüfbestimmungen. Einfach beschreibende Prüfung: DIN 10964 (1996-02). Test Nudeln (aus Hartweizen): keine Abwertungen.
Testmethoden Nudeln: Mykotoxine: Bestimmung von Typ A und B Trichothecenen sowie Zearalenon und Ochratoxin A mittels LC-MS/MS. Untersucht wurde auf Nivalenol, Deoxynivalenol (DON), 3-Acetyldeoxynivalenol, 15-Acetyldeoxynivalenol, T-2 Toxin, HT-2 Toxin, Zearalenon, Ochratoxin A, Diacetonscipenol, Fusarenon-X. Pestizide: GC-MS-Screening: ASU § 64 LFGB L 00.00-34. Chlormequat: in Anlehnung an ASU § 64 LFGB L 00.00-76, LC-MS/MS. Cadmium: Elementbestimmung mittels ICP-MS. Weichweizenanteile: ELISA. Sensorische Untersuchung in rohem Zustand (Anteil Bruch, Trocknungsrisse, Stippen, Einheitlichkeit, Farbe, Geruch, Aussehen Oberfläche) und gekochtem Zustand (Geruch, Geschmack, Farbe, Biss, Formstabilität, Klebrigkeit, Abkochverhalten): beurteilt wurde nach den Leitsätzen für Teigwaren vom 2.12. 1998 (Bek. vom 26.1.1999 [GMBI S. 231]).
Test Kaffee: keine Abwertungen.
Testmethoden Kaffee: Acrylamid: LC/MS/MS. Ochratoxin A: in Anlehnung an ASU L15.03-1 (46.02-5 bzw. DIN EN 14132); HPLC. Furan: gemäß Vorschrift FDA und § 64 LFGB, per Headspace-GC/MS. 16-O-Methylcafestol (zum Nachweis von Robusta-Anteilen): Bestimmung nach § 64-LFGB per HPLC nach Fettextraktion; Verseifung und Isolierung des unverseifbaren Anteils.

Test Kekse: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um eine Note: ein Gehalt von 5,4 μg des Fettschadstoffes Glycidylester in einer Portion von 9 Keksen (= Packungsangabe) (in der Tabelle: „Glycidylester leicht erhöht“). Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: eine zu geringe Gewichtsangabe bei der Portion. Hier: Die Angabe 20 g für 9 Stück (im Labor ermittelt: 29,7 g). Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe.
Testmethoden Kekse: Gesamtfett: ASU L 17.00-4. Acrylamid: LC/MS/MS. Deoxynivalenol: LCMS/ MS. Pestizide: GC-MS-Screening: ASU § 64 LFGB L 00.00-34. Chlormequat: in Anlehnung an ASU § 64 LFGB L 00.00-76, LC-MS/MS. Cadmium: Elementbestimmung mittels ICP-MS. 3-MCPD- und Glycidylester: DGF C-III 18 (09), Teil B.
Test Säfte: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: fehlende Rearomatisierung bei einem Saft aus Konzentrat. Zur Abwertung um eine Note führt: Ergosteringehalt über 10 mg/kg Tomatentrockenmasse (in der Tabelle: „erhöht“). Unter dem Testergebnis Sensorik führt zur Abwertung um eine Note: 15 oder 16 Punkte nach IFU. Das Gesamturteil beruht zu 60 Prozent auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe und zu 40 Prozent auf dem Testergebnis Sensorik. Handelt es sich um einen Saft aus Konzentrat mit fehlender Rearomatisierung, kann das Gesamturteil nicht besser sein als das Testergebnis Inhaltsstoffe.
Testmethoden Säfte: Alle Säfte: Pestizide: LC/MS/MS-Sreening: ASU § 64 LFGB L00.00-113. Sensorische Untersuchung von Aussehen, Geruch u. Geschmack: verdeckte Sensorik durch Testpanel mit 5 Prüfern entsprechend IFU 25 B2, maximale Punktevergabe von 20 Punkten. Beschreibende sensorische Prüfung in Anl. an die ASU § 64 LFGB L00.90. Nur Tomatensaft aus Konzentrat: Trockenmasse: in Anl. an ASU L06.00-3. Lycopin: in Anl. an ASU L26.11.03-13. Ergosterin: in Anl. an DIN EN 12821. Untersuchung auf tomatentypische Aromastoffe: Kapillar-Gaschromatografie/ Massenfragmentografie nach Flüssig-Flüssig-Extraktion. Nur Karottensaft: Benzol: Headspace-Trap-GC/MS. Nur Apfel-Sanddorn-Saft: Patulin: HPLC. Aluminium: Elementbestimmung mit ICPMS. Flüchtige Säuren nach IFU 5, Milchsäure nach IFU 53, Ethanol nach IFU 52.
Test Speisequark: keine Abwertungen.
Testmethoden Speisequark: E. coli: ISO 16649-2:2001 (E). Listeria monocytogenes: ISO 11290- 1/L00.00-32. Salmonellen: L00.00-20. Koag.-positive Staphylokokken: L00.00-55. Hefen und Schimmelpilze: L01.00-37. Fett SBR: DIN EN ISO 1735. Trockenmasse, 102 °C: DIN EN ISO 5534. Fett i. Tr., berechnet, Wasser, berechnet. Protein (N*6.38) Kjeldahl: L0100-10/1+2. Casein/Molkenproteinverhältnis: elektrophoretisch, SDS-PAGE. Sensorische Prüfung von Aussehen, Gefüge, Geruch und Geschmack: KäseVO und DLG-Prüfbestimmungen. Einfach beschreibende Prüfung: DIN 10964 (1996-02). Molkenlässigkeit: DLG-Prüfbestimmungen.
Test Tee: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: Nachweis von Mineralöl. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe.
Testmethoden Tee: Pestizide: GC-MS-Screening: ASU § 64 LFGB L00.00-34; LC-MS/MS-Screening: ASU § 64 LFGB L00.00-113. Mineralöl: GC-FID. Gesamtkeimzahl, aerob: ISO 4833 mod. Enterobacteriaceen: ISO 21528-2. Hefen: ISO 7954 mod. Schimmelpilze: ISO 7954 mod. Salmonellen: ASU L 00.00-20 mod. Methyleugenol und Estragol: GC/MS.
Test Zitronen: keine Abwertung. Untersucht wurde anhand von drei Chargen bzw. an zwei Chargen, sofern zur Zeit des Einkaufs eine dritte Charge nicht verfügbar war.
Testmethoden Zitronen: Pestizide: GC-MS-Screening: ASU § 64 LFGB L00.00-34; LC-MS/MSScreening: ASU § 64 LFGB L00.00-114; LLE, Aufreinigung, GC/MS/MS.
Einkauf der Testprodukte: Januar 2011.
Anbieterverzeichnis: siehe www.oektotest.de

Doch nicht alles Bio: Öko-Tüten von Aldi überzeugen nicht

Für je 39 Cent bieten die Discounterschwestern Aldi Nord und Süd in Ihren Filialen kompostierbare Tragetaschen an. Blumige Slogans zieren die Tüten. Doch die Recherche zeigt: die Sache hat gleich mehrere Haken.

GutBio – Einfach gut leben, das verspricht der Discounter Aldi Nord Kunden, die die Taschen in seinen Filialen kaufen. Ein idyllischer Bauernhof mit Kühen auf saftig grüner Weide ziert sie. Beim Schwesterunternehmen Aldi Süd sind die Tüten kräftig grün und tragen den Slogan „Zeig der Umwelt ein Lächeln“. Die Einkaufshilfen würden „so weit wie möglich aus erneuerbaren Rohstoffen hergestellt“, heißt es.
Laut Ralf-Thomas Reichrath von Aldi Süd bestehen sie aus dem KunststoffEcovio des Chemiekonzerns BASF. Dieser setze sich aus den BausteinenEcoflex und Polymilchsäure (PLA) zusammen. PLA wird demnach aus Mais gewonnen,Ecoflex sei „chemisch betrachtet“ ein Poly ester auf petrochemischer Basis.

Nur 45 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen

Es ist also doch Erdöl im Spiel! Fachleute bezeichnen Kunststoffe dieser Art als „Hybridplastik“. BASF gibt den Anteil nachwachsender Rohstoffe an dem Produkt mit 45 Prozent an. Nach übereinstimmenden Informationen von Aldi Nord und Aldi Süd istEcovio nach der NormEN 13432 vollständig biologisch abbaubar. Studien würden belegen, dass nach 80 Tagen mehr als 90 Prozent des Materials umgesetzt sei. Im Rahmen eines Kompostierversuchs im Bio-Kompostwerk Grünstadt seien Tragetaschen ausEcovio sogar innerhalb von dreieinhalb Wochen vollständig zersetzt worden, erklärt Andrea Förster von Aldi Nord.
Im guten Glauben an die unproblematische Verrottung der Tüten im Kompost, nutzen viele Verbraucher sie zur Entsorgung ihres Hauskomposts. Zum Leidwesen von Andre Schoebe. Der Betriebsleiter des Kompostwerks Schwegermoor im Landkreis Osnabrück ist nicht gut auf die Öko-Tüten zu sprechen. „So eine Tüte braucht mindestens sechs Wochen, bis sie vollständig verrottet ist. In unseren Anlagen reift der Kompost aber innerhalb von nur drei bis vier Wochen“, so Schoebe.
Für die Kompostwerker wird das spätestens dann zum handfesten Problem, wenn sie den fertigen Kompost absieben und seine Qualität nach den Richtlinien des RAL Gütezeichens prüfen lassen.

Gehören in den Restmüll: die Öko-Tüten von Aldi Nord (oben) und Aldi Süd
Denn die Prüfer unterscheiden nicht zwischen Verunreinigungen durch biologisch abbaubare Tüten und anderen Fremdstoffen. Wenn die Höchstmenge an Verunreinigungen überschritten wird, ist die Zertifizierung gefährdet. Das Gütezeichen aber ist von entscheidender Bedeutung für die Vermarktung des Komposts. Vor diesem Hintergrund bemüht man sich im Kompostwerk Schwegermoor darum, die Tüten möglichst auszusortieren. Zusammen mit herkömmlichen Plastiktüten landen sie in der ganz gewöhnlichen Entsorgung.
Als ökologischer Vorteil der Hybridplastiktüten bliebe somit die nach Angaben von Aldi geringere Belastung mit Treibhausgasen und der niedrigere Verbrauch fossiler Brennstoffe. In einer eigens durchgeführten Studie habe der unabhängige Gutachter Dekra beides zertifiziert, teilen Reichrath und Förster übereinstimmend mit. Günter Dehoust, Projektleiter beim Öko-Institut, Freiburg, lässt sich davon nicht überzeugen: „Im Vergleich zu einer normalen Polyethylentüte (PE), die recycelt wird, ist die Energiebilanz sicher nachteilig. Der Energieaufwand in der Herstellung ist hoch; allein der Maisanbau ist mit intensivem Einsatz von synthetischem Dünger, Pflanzenschutzmitteln und Maschinen verbunden.“

Gen-Technik in der Öko-Tüte

Dehoust verweist zudem darauf, dass zurzeit etwa ein Drittel der weltweit verfügbaren PLA aus den USA kommt. In der Produktion werde auch gentechnisch veränderter Mais eingesetzt. Gen-Mais als Rohstoff für eineGutBio -Tüte? Dr. Sabine Philipp ist Sprecherin von BASF in Ludwigshafen, wo der HybridkunststoffEcovio hergestellt wird. Lieferant der PLA ist die Firma NatureWorks, eine Tochter des US-amerikanischen Agrarmultis Cargill. Und tatsächlich ist gentechnisch veränderter Mais im Spiel: „NatureWorks setzt unseres Wissens Rohstoffströme ein, in denen gleichzeitig genmodifizierter und nicht genmodifizierter Mais enthalten sind“, bestätigt Philipp. Im Zuge der physikalischen und chemischen Umwandlung von Mais in PLA würden genmodifizierte Anteile der Maispflanze aber eliminiert, erklärt die Sprecherin. Der fertige Kunststoff Ecovio sei gentechnikfrei.
Über zehn Millionen Tüten mit der AufforderungZeig der Umwelt ein Lächeln hat Aldi Süd seit Einführung Ende 2008 verkauft. Aldi Nord will keine Angaben zu Mengen machen. Die Kunden haben Geld für ein Produkt bezahlt, das auf den ersten Blick als saubere Lösung daherkommt. Die nähere Betrachtung zeigt: Mehr als die Hälfte der eingesetzten Rohstoffe wird aus Erdöl gewonnen. Gentechnisch veränderter Mais ist – zumindest anteilig – Grundlage der 45 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen. Zudem funktioniert die Verrottung der Tüten im Kompostwerk nur unbefriedigend.
Umweltbewusste Verbraucher sind damit um eine Illusion ärmer. Angesichts der Verwendung von Gen-Technik erscheinen die blumigen Slogans von Aldi Nord und Süd besonders unpassend.
Wohin mit alten Tüten, die den Kompostwerken nur Ärger bereiten? „Sie gehören nicht in den Gelben Sack“, betont Günter Dehoust: „Im Stoffkreislauf des Grünen Punkts müssen sie als Störkörper aufwendig aussortiert werden.“ Die Öko-Tüten sind ein Fall für den Restmüll.
Christoph Lützenkirchen