Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 7 Min.

TEST Elektrische Kinderzahnbürsten: ’nen Zahn zulegen


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 12/2013 vom 29.11.2013

Gepflegtere Zähnchen, weils brummt? Wenn elektrische Zahnbürsten Kinder motivieren, ist das schön. Weniger schön sind die schlecht abgerundeten Borsten einiger Modelle im Test.


Artikelbild für den Artikel "TEST Elektrische Kinderzahnbürsten: ’nen Zahn zulegen" aus der Ausgabe 12/2013 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: muro/Fotolia

Macht Zähneputzen mehr Spaß, wenn Musik dudelt, bis die zwei Minuten um sind? Wenn’s brummt und vibriert? Tatsächlich geht es vor allem darum bei der Kaufentscheidung: Denn wichtig ist, dass Kinder ihre Zahnbürste gern und häufig benutzen. Ob elektrisch oder manuell sei dabei zweitrangig, sagt Professor Martin Jung, Oberarzt der Gießener Poliklinik für Zahnerhaltungskunde und Präventive Zahnheilkunde. Wenn die ...

Weiterlesen
Artikel 1,00€
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von ÖKO-TEST Magazin. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 12/2013 von Richtig Gut Leben: Kräuter und Gewürze …. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Richtig Gut Leben: Kräuter und Gewürze …
Titelbild der Ausgabe 12/2013 von Leserbriefe: Schreiben Sie uns. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Leserbriefe: Schreiben Sie uns
Titelbild der Ausgabe 12/2013 von SchnelltestsTEST Immer wieder montags. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
SchnelltestsTEST Immer wieder montags
Titelbild der Ausgabe 12/2013 von Nachwirkungen: REAKTIONEN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Nachwirkungen: REAKTIONEN
Titelbild der Ausgabe 12/2013 von TEST Goldschmuck: Trügerischer Glanz. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TEST Goldschmuck: Trügerischer Glanz
Titelbild der Ausgabe 12/2013 von Meldungen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Meldungen
Vorheriger Artikel
Alltag mit Kind: Daumen runter
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel TEST Gute Geschenke: Es rappelt im Karton!Foto: iStock/
aus dieser Ausgabe

... Technik oder Extras wie Musik das Kind dazu motivierten, öfter und länger zu putzen, dann könnten Eltern diesen positiven Effekt nutzen. „Kommt ein Kind aber gut mit der manuellen Zahnbürste zurecht, gibt es keinen Grund zu wechseln.“

Und auch Professor Christian Splieth, Leiter der Abteilung für Präventive Zahnmedizin und Kinderzahnheilkunde an der Universitätsklinik Greifswald, sieht nur einen graduellen Unterschied: „Eine elektrische Zahnbürste reinigt gründlicher, aber ein kariesfreies Gebiss ist auch mit einer manuellen Zahnbürste zu erreichen – wenn man weiß, wo man wie putzen muss.“ Eltern müssten den Kindern zeigen, wie sie alle Stellen erreichen. Und vor allem: „Nachputzen!“ Kinder sind motorisch erst mit etwa acht Jahren in der Lage, ihre Zähne allein gründlich zu reinigen. Splieth nennt ein Beispiel, um das Problem zu verdeutlichen: den Sechser, den ersten Backenzahn des bleibenden Gebisses. Er bricht bei Sechsjährigen durch, braucht allerdings rund eineinhalb Jahre, bis er „ausgewachsen“, also in der Kauebene ist. „Bis dahin ist er wesentlich kleiner als die restlichen Zähne“, sagt Splieth. Und somit beim Putzen schwer zu erreichen. „In Deutschland handelt es sich dabei um den meistgeschädigten Zahn im bleibenden Gebiss.“

Mit einer Studie hat der Professor gemeinsam mit Doktoranden belegt, dass sich der Belag an diesem nachwachsenden Zahn um die Hälfte reduziert, wenn den Eltern gezeigt wird, wie sie auch diesen mit der Bürste gut erreichen – „fast egal, ob mit manueller oder mit elektrischer“.


Mehr noch als auf die Zahnbürste kommt es auf die richtige Putztechnik an


Während sich der Zustand des bleibenden Gebisses in der deutschen Bevölkerung stark zum Positiven gewandelt habe, gibt es laut Splieth beim Milchgebiss noch wesentlich mehr Handlungsbedarf. Dabei sieht er durchaus auch seine Zunft in der Verantwortung: Es gebe zu wenige Professuren beziehungsweise Spezialisten für Kinderzahnheilkunde an deutschen Universitäten, die dort auch klinisch am Kind unterrichteten. „Teilweise verlassen junge Zahnmediziner die Universität, ohne jemals signifikant im Milchgebiss gearbeitet zu haben.“ Splieth empfiehlt Eltern daher dringend, einen spezialisierten Kinderzahnarzt für den Nachwuchs auszuwählen.

Motiviert die elektrische Zahnbürste Kinder zur besseren Pflege, spricht also generell nichts gegen die Anschaffung: Wir wollten wissen, welche Modelle empfehlenswert sind. Deswegen haben wir sieben Zahnbürsten und acht verschiedene Bürstenaufsätze ins Labor geschickt, die Griffe auf Schadstoffe testen, die technischen Eigenschaften erfassen und die Praxistauglichkeit testen lassen. Zudem hat der Gießener Professor Martin Jung die Bürsten darauf untersucht, ob sie kindgerecht sind, und die Borstenfelder unterm Mikroskop begutachtet.

Das Testergebnis

Von „sehr gut“ bis „mangelhaft“ war alles dabei. Ein Produkt der Marke Braun hat uns vollends überzeugt, ansonsten war von kleineren Mängeln – etwa eine sehr kurze Betriebszeit mit einer Akkuladung – bis zum „Totalausfall“ auf dem Fliesenboden alles dabei. Auffällig: Die teureren Produkte schneiden teilweise am schlechtesten ab.

ÖKO-TEST rät

► Es muss nicht das teuerste Modell sein. Unser Test zeigt, dass auch günstigere Alternativen wie die Oral B Stages Power schonend reinigen. ► Beherrscht ein Kind die flüssige Schreibschrift, gilt das als guter Indikator: Meist sind die motorischen Fähigkeiten dann so weit ausgebildet, dass es die Zähne selbst reinigen kann.
► Eine Suchfunktion für Zahnärzte, die Zusatzqualifikationen für die Behandlung von Kindern haben, finden Sie im Internet auf der Seite des Bundesverbands der Kinderzahnärzte unter folgender Adresse: www.kinderzahnaerzte.de
► Fluorid ist wichtig bei der Kariesvorsorge – deswegen unbedingt fluoridhaltige Kinderzahnpasten verwenden. Um die Zähne von Anfang an zu schützen, gibt es außerdem Fluoridtabletten für die Allerkleinsten. Aber nicht beides zusammen benutzen!

Der Experte

Fließender Übergang

„Am Zustand des Milchgebisses kann man meist schon erkennen, wie das bleibende Gebiss aussehen wird. Denn der komplette Wechsel dauert sechs Jahre und das Zahnputzverhalten, Ernährungs- und Trinkgewohnheiten, die Wertschätzung der Mundhygiene ändern sich in der Regel nicht mehr so einfach.“

Professor Christian Splieth, Leiter der Abteilung für Präventive Zahnmedizin und Kinderzahnheilkunde an der Universitätsklinik Greifswald.


Foto: Privat

Ganz schön kratzbürstig: Bei vier untersuchten Zahnbürsten hatten wir nichts an den Borstenenden auszusetzen, bei fünf Produkten allerdings gibt es Nachholbedarf. Zu viele Borstenenden waren kantig und spitz. Das wirkt sich zwar nicht negativ auf die Putzwirkung aus, kann aber das Zahnfleisch schädigen. Und gerade bei Kindern, die noch nicht so zielgerichtet putzen, sollten Hersteller für ordentlich abgerundete Borsten sorgen. Besonders schlecht schnitten dabei neben Panasonic auch Beurer und Philips mit ihren Bürsten für kleinere Kinder ab – wir ziehen drei Punkte im Teilergebnis Gebrauchseignung ab. Aber auch die Modelle für ältere Kinder waren bei beiden Herstellern nicht optimal abgerundet.
Negativ aufgefallen ist im wahrsten Wortsinne die Denta Care Schallzahnbürste von Panasonic: Schon beim zwei- ten Sturz aus einem Meter Höhe auf Fliesenboden ging sie kaputt – irreparabel. Beim Fall auf die Seite löste sich die Bodenplatte, beim Sturz auf die Spitze brach die Bürstenhalterung. Das macht vier Minuspunkte in der Praxisprüfung. Etwas robuster präsentierten sich die Modelle von Perlodent und Dontodent, hier lösten sich die Bodenplatten zwar ebenfalls, konnten aber wieder angebracht werden. Dafür ziehen wir einen Punkt ab. Die anderen Produkte bestanden den Falltest ohne Schaden. Im Teilergebnis Technik gibt’s noch Abzüge, falls das Modell weder eine Ladekontrollleuchte noch eine Ladeabschaltung hat, zudem für eine auffällig kurze Betriebszeit mit einer Akkuladung. Letzteres betrifft nur das Modell Oral-B Stages Power von Braun. Was die Haltbarkeit angeht, müssen sich Verbraucher übrigens keine Sorgen machen: Die Simulation des Gebrauchs über drei Jahre haben alle Modelle ohne Verschleißerscheinungen überstanden – und auch unter Wasser liefen sie einwandfrei.
Alles im Griff? Kritisch bewerten wir hier nur die Sonicare For Kids von Philips – dort haben wir im Griffmaterial Naphthalin in einer Menge nachgewiesen, die wir um zwei Noten abwerten. Bei Naphthalin handelt es sich um einen polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoff (PAK), der unter Verdacht steht, krebserregend zu sein. Außerdem gibt’s Nachholbedarf bei allen Herstellern, was Kabel und Platine angeht: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen im Kabel und bromierte Flammschutzmittel auf der Leiterplatte im Innern des Geräts werten wir unter „Weitere Mängel“ ab: Allesamt bekommen hier also nur ein „befriedigend“.

Zähneputzen – so geht’s richtig

Der Bundesverband der Kinderzahnärzte empfiehlt dieKAI-Plus-Systematik. Nach Kau-, Außen- und Innenflächen kommt das Plus: das Nachputzen durch die Eltern. Wichtig ist zudem das Querputzen, wenn mit sechs Jahren der erste bleibende Backenzahn kommt

K: Den Mund weit öffnen, auf denKauflächen mit kurzen Bewegungen hin- und herbürsten.


A: Zähne aufeinanderstellen, dieAußenflächen mit kleinen Kreisbewegungen putzen.


I: DieInnenflächen mit senkrecht gehaltener Bürste vom Zahnfleisch zu den Zähnen reinigen.


Quer: Zahnbürste im Ober- wie im Unterkiefer hinten nochmal quer ansetzen und hin- und herputzen.


Fotos: Bundesverband der Kinderzahnärzte (4)

Was ist kindgerecht?

Konkrete Empfehlungen zu Form und Gestaltung von elektrischen Kinderzahnbürsten gibt es laut Professor Martin Jung nicht. So hat er sich bei seinen Untersuchungen an allgemeine Anforderungen an Kinderzahnbürsten gehalten. Einen kleinen, abgerundeten Bürstenkopf, die empfohlene Länge und Höhe des Borstenfelds sowie den entsprechenden Durchmesser der Borsten erfüllen demnach alle untersuchten Produkte. Die Handgriffe unterscheiden sich bei fast allen Modellen kaum von denen für Erwachsene – laut Jung zwar bemerkenswert, jedoch kein Grund zum Abwerten: Für Kinder ab drei bis vier Jahren sei es kein Problem, diese Griffe in der Hand zu halten. Viele Experten, so auch Professor Jung, empfehlen, dass kleine Kinder erst mit einer manuellen Bürste das Putzen lernen sollten, ab etwa drei Jahren könnten sie dann gegebenenfalls auf elektrische Modelle umstellen. Außer Panasonic geben auch alle Hersteller eine entsprechende Altersempfehlung auf der Verpackung an.

In Kinderhände gehören auch altersgerechte Zahnbürsten: Bei ihren Produkten müssen die Hersteller beispielsweise Rücksicht darauf nehmen, dass in kleinen Mundhöhlen weniger Platz ist.


Foto: iStockphoto/©Thinkstock

So haben wir getestet

Zu kantig, zu spitz? Der kritische Blick durchs Mikroskop verrät dem Experten, wie es um die Borstenqualität steht.


Foto: Prof. Martin Jung/Uni Gießen

Der Einkauf

Sieben Modelle haben unsere Einkäufer im Drogeriemarkt oder beim Internetversand besorgt – von Produkten ohne Schnickschnack für knapp zehn Euro von Dm und Rossmann bis zur knapp 61 Euro teuren Sonicare von Philips. Zwei Modelle, das von Philips und das von Beurer, enthalten jeweils zwei Bürstengrößen: eine für jüngere und eine für ältere Kinder. Wir haben sie getrennt in die Tabelle aufgenommen.

Im Labor

Die Zahnbürsten mussten sich gleich in mehreren Disziplinen beweisen: Wir haben die Bürsten von einem Experten unter die Lupe beziehungsweise unters Mikroskop nehmen lassen, um zu erfahren, ob die Borstenköpfe ausreichend abgerundet – und somit sanft zum Zahnfleisch – sind. Er hat außerdem überprüft, wie kindgerecht die Modelle sind. Zudem haben sich Experten die Technik genauer angeschaut, die Modelle unter Wasser geprüft, sie auf Fliesenboden fallen lassen, und getestet, ob man sich damit auch mehrere Jahre lang die Zähne zweimal täglich putzen kann. Wir wollten außerdem wissen, ob polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoff e (PAK) im Griff enthalten sind. Viele von ihnen gelten als krebserregend. Zudem haben wir die Produkte auf Schwermetalle und die Modelle und ihre Verpackungen auf PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen untersuchen lassen.

Die Bewertung

In vielen Disziplinen getestet – in vielen Disziplinen bewertet: Die Note der Gebrauchseignung spiegelt die Qualität der Borstenenden wider, beim Teilergebnis Technik gibt’s Abzüge für Schäden im Falltest, zu kurze Betriebszeit und fehlende Ladekontrollmechanismen. Ein zu hoher Gehalt an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoff en missfällt uns außerdem – und zieht die Note Inhaltsstoff e runter. Im Gesamtergebnis wiegt die Note Praxisprüfung dann etwas mehr als das Ergebnis Inhaltsstoff e.

Das Bürstenfeldprofil

Die klassische Form des Bürstenfeldprofils ist „plan“. Das bedeutet, dass die Borsten weder nach rechts oder links abstehen noch unterschiedliche Längen haben. Ein planes Bürstenfeld ermöglicht nach Expertenmeinungen eine befriedigende Putzleistung. Viele Hersteller wandeln ihre Produkte ab, die Borstenfelder haben dann sogenannte „Treppen“-, „Wellen“- oder „Bi-Levelprofile“. Beim „Treppenprofil“ wechseln sich zwei unterschiedlich hohe Bürstenbüschel ab, das „Bi-Level“ bilden unterschiedlich hohe äußere und innere Reihen. Ein kontinuierlicher Übergang von kurzen zu längeren Borsten und umgekehrt zeichnet das „Wellenprofil“ aus. Die Bezeichnung „Sägezahn“ umschreibt einen regelmäßigen Übergang unterschiedlicher Borstenlängen in Pyramidenform. Was die Reinigungswirkung angeht, ist eine Bewertung nach Angaben unseres Experten Professor Martin Jung schwierig. In der zahnmedizinischen Literatur werde diese Frage kontrovers diskutiert. Eine abschließende Einschätzung sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht möglich.