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TEST FAHRRADHELME: KOPFSACHE


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 4/2018 vom 29.03.2018

Helme schützen. Sie können Kopfverletzungen verhindern oder abmildern. Gerade diese sind oftmals lebensgefährlich. Der überwiegende Teil der getesteten Helme bietet ordentlichen Schutz.


Artikelbild für den Artikel "TEST FAHRRADHELME: KOPFSACHE" aus der Ausgabe 4/2018 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: imago/Westend61

ÖKO-TEST RÄT

► Der richtige Sitz ist wichtig. Achten Sie deshalb beim Kauf darauf, dass der Helm gut passt und über ein gutes Anpasssystem verfügt.
► Nach einem Sturz muss ein neuer Helm her. Auch wenn äußerlich keine Schäden erkennbar sind, können sich kleine Haarrisse gebildet haben. Deshalb sollte man auch nie einen gebrauchten Helm kaufen.

Arntraud Markert hat den Unfall noch lebhaft vor Augen. Sie ...

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... war mit ihrem Fahrrad auf dem Radweg unterwegs, als plötzlich von links ein Auto aus einer Ausfahrt herausfuhr. Die Pkw-Fahrerin hatte nicht nach rechts, sondern nur kurz nach links geschaut, ob die Bundesstraße, auf die sie einbiegen wollte, frei war. Das Nächste, an das sich Arntraud Markert erinnert, ist, dass sie auf dem Rücken unter dem Auto lag, bis zur Brust eingeklemmt, und ihr der Fahrradlenker schmerzhaft gegen das Brustbein drückte.

Sie hatte Glück im Unglück: Sie brach sich bei dem Unfall zwar das Brustbein, doch ihr Kopf blieb unverletzt. Dabei muss der Aufprall rücklings nach hinten auf den Boden enorm gewesen sein: „Der Helm hatte lauter kleine Löcher von den Steinen auf dem Radweg, den konnte ich danach wegschmeißen“, sagt sie. Die Ersthelferin, die den Unfall zufällig aus dem Auto beobachtet hatte und herbeigeeilt war, habe nur gesagt: „Ein Glück, dass Sie einen Helm aufhatten!“

Der geschilderte Unfall zeigt zwei Dinge: Ein Fahrradhelm schützt zwar nicht vor jeder Art Verletzung, zumal bei einer Kollision mit einem anderen Fahrzeug. Doch er kann Kopfverletzungen verhindern oder mildern. Laut Statistik der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) machen diese zwar nur 25 Prozent der Verletzungen bei Fahrradunfällen aus, viel häufiger betroffen sind mit 60 Prozent Arme und Beine. Allerdings sind mehr als 70 Prozent der in Lebensgefahr schwebenden Radfahrer schwer am Kopf verletzt.

Die Auswahl wächst. Doch Standard ist der Helm noch lange nicht. Nur etwa 17 Prozent der Radfahrer tragen Helm.


Foto: Ryan Lane/getty images

Eine gemeinsame Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) mit dem Institut für Rechtsmedizin München und dem Universitätsklinikum Münster aus dem Jahr 2014 ergab, dass von 117 tödlich verunglückten Radfahrern nur sechs einen Helm trugen. Mehr als die Hälfte der 117 tödlich Verunglückten starb an den Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas. Immerhin: Die Bereitschaft unter Radfahrern, freiwillig einen Helm zu tragen, ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Waren es laut Bundesanstalt für Straßenwesen im Jahr 2010 über alle Altersgruppen hinweg nur 9 Prozent, lag die Quote 2016 bereits bei 17 Prozent.

Aber schützt die Sicherheitsausrüstung vor jeder Art von Kopfverletzung und birgt ein unsachgemäßes Tragen nicht sogar Gefahren? „Ein Helm bietet keinen absoluten Schutz. Leichte und schwere Kopfverletzungen, Verletzungen der Halswirbelsäule und des Gesichts können auch mit Helm auftreten“, heißt es hierzu in einer Stellungnahme der DGOU. Theoretisch können laut DGOU auch durch unsachgemäßes Tragen der Helme Verletzungen entstehen. Dabei handele es sich jedoch höchstens um Einzelfälle. Das dürfe nicht dazu führen, dass Radfahrer „keinen Helm tragen“.

Wir haben elf Fahrradhelme in die Labore geschickt. Wir wollten wissen, wie gut sie schützen und wie es um Komfort und Handhabung bestellt ist. Zudem ließen wir die Helme auch auf problematische Inhaltsstoffe testen.

DAS TESTERGEBNIS

Die „guten“ aufs Köpfchen. Nur ein einziger Fahrradhelm schneidet mit „sehr gut“ ab, sieben sind aber immerhin „gut“. Von zwei Helmen raten wir ganz ab.
Guter Schutz. In den Prüfungen der Schutzwirkung haben alle Helme die Mindestanforderungen der europäischen Fahrradhelmnorm EN 1078 erfüllt und auch die über die Norm hinausgehenden strengeren Prüfungen bestanden. Mit einer Ausnahme: Am Casco Activ 2U Schutzhelm für Radsport, anthrazit ließ sich der Verschluss des Kinnriemens unter Belastung mit einem Gewicht nicht einhändig öffnen. Das ist aber notwendig für den Fall, dass der Träger – etwa nach einem Unfall – mit dem Helm festhängt. Aufgrund dieses gravierenden Mangels bewerten wir die Schutzfunktion mit „mangelhaft“.
Anpassungsschwierigkeiten. Der B’Twin Essential, anthrazit fiel negativ auf, da er sich nicht an den Kopfumfang anpassen lässt. Das günstigste Produkt im Test besitzt im Gegensatz zu den anderen kein Anpasssystem, etwa ein Kopfband, das sich über einen Drehverschluss um den Kopf legt. Er erhält seinen Halt alleine über den Kinnriemen. Ein richtiger Sitz ist nur dann gegeben, wenn der Schädel exakt hineinpasst – ein Zufallstreffer, denn ein Nachjustieren ist nicht möglich. Der Helm hat zwar die Tests zur Schutzfunktion bestanden. Der Kinnriemen hielt ihn auch bei der Abstreifprüfung am Prüfkopf fest. Doch das fehlende Anpasssystem führt unter dem Punkt Trageeigenschaften zu „mangelhaft“. Wichtig: Ein Helm, der sich nicht verstellen lässt, muss von vornherein perfekt passen, um wirklich sicher zu sein. Die Deutsche Verkehrswacht und der ADAC sehen es kritisch, wenn ein Helm nicht richtig sitzt: „Der Helm muss passen, damit er bei einem Sturz nicht vom Kopf rutscht“, heißt es von der Verkehrswacht. Und vom ADAC: „Ein Fahrradhelm bringt nur dann den maximalen Schutz, wenn er richtig sitzt.“
Kein Schwitzen. Positiv: Unter den getesteten Helmen dürfte man wenig schwitzen. Im Labor haben die Experten Fahrtwind simuliert und gemessen, wie stark ein unbedeckter Prüfkopf und ein Prüfkopf mit dem jeweiligen Helm abkühlen. Höchste gemessene Differenz: 2,1 Grad Celsius weniger Abkühlung am Kopf mit Helm. Das ist wenig. Neunmal lag die Differenz sogar unter 2,0 Grad – dafür gibt es „sehr gut“.
Gute Ausstattung. Sechs Helme sind mit Reflektoren ausgestattet, davon drei zusätzlich mit LED-Rückleuchten. Fünf Helme haben zumindest an den vorderen Lüftungsöffnungen einen Insektenschutz, damit keine Biene oder Wespe unter die Schale gewirbelt werden kann.
Krebsverdächtiger Farbbaustein. In puncto Inhaltsstoffe schneiden die Helme insgesamt gut ab. Sechsmal vergaben wir die Note „sehr gut“, einmal „gut“. Ein Totalausfall ist mit „ungenügend“ der Helm der Marke Carrera. In seiner Auskleidung wiesen die Labore den krebsverdächtigen Farbstoffbaustein Anilin nach. Zudem fanden sie das die Haut reizende Antimon. Das Halbmetall analysierten die Chemiker auch in den Produkten der Anbieter Casco und Ikea.
Unnötige antibakterielle Ausrüstung. Die Helme von Alpina und Uvex sind mit Zinkpyrithion ausgerüstet. Es wirkt pilzhemmend. Die Behandlung von Textilien und anderen körpernahen Produkten mit Bioziden, die das Wachstum von Bakterien oder Pilzen verhindern sollen, ist im Bereich Sportlerausstattung nicht ungewöhnlich. Die Idee: Bakterienwachstum verhindern, Geruch mildern. Doch die Ausrüstung hat Nachteile für Mensch und Umwelt. Zinkpyrithion gilt als leicht hautreizend und ist giftig für Wasserorganismen. In Fahrradhelmen hat diese Substanz unserer Meinung nach nichts zu suchen.


Der stabilste Helm taugt nichts, wenn er nicht richtig sitzt. Ein Produkt besitzt noch nicht einmal ein verstellbares Kopfband.


ÖKO-TEST

Den Helmverweigerern dürften die Argumente ausgehen. Der Test zeigt: Man schwitzt kaum unter den Helmen. Sie schützen vor Verletzungen, auch an Stirn und Schläfe. Und: Die aktuellen Modelle kommen sehr ansehnlich daher. Weit weniger hässlich jedenfalls als eine böse Kopfverletzung.

Frank Schuster, ÖKO-TEST-Redakteur


Foto: Anja Wägele

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 158.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: Brom auf der Platine des Helmrücklichts.2) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung.3) Weiterer Mangel: unvollständige Gebrauchsanleitung (hier: fehlende Angabe „Verschluss darf nicht auf Kinn aufliegen“).4) Weiterer Mangel: Kennzeichnung am Produkt nur in Englisch.5) Weiterer Mangel: PVC/ PVDC/chlorierte Verbindungen im Produkt
Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Das Testergebnis Praxisprüfung setzt sich zusammen aus den Teilergebnissen Schutzfunktion (60 Prozent), Trageeigenschaften (30 Prozent) und Ausstattung (10 Prozent). Das Teilergebnis Schutzfunktion setzt sich zu gleichen Teilen aus folgenden Ergebnissen zusammen: Stoßdämpfung/erweiterte Stoßprüfungen, Abstreiftest, Belastbarkeit Riemen und Verschluss. Ist eine der Prüfungen „mangelhaft“, kann das Teilergebnis Schutzfunktion nicht besser als „mangelhaft“ sein. Stoßdämpfung/erweiterte Stoßprüfungen: in Ordnung/ alle bestanden entspricht „sehr gut“. Abstreiftest: bestanden entspricht „sehr gut“. Belastbarkeit Riemen und Verschluss: in Ordnung entspricht „sehr gut“; kein einhändiges Öffnen bei Belastung möglich entspricht „mangelhaft“. Das Teilergebnis Trageeigenschaften setzt sich zu gleichen Teilen aus den Ergebnissen Belüftung (Temperaturunterschied im Vergleich zum Fahren ohne Helm) sowie Feineinstellung zusammen. Ist das Ergebnis Feineinstellung aufgrund eines fehlenden Anpasssystems „mangelhaft“, kann das Teilergebnis Trageeigenschaften nicht besser als „mangelhaft“ sein. Belüftung: Ein Temperaturunterschied im Vergleich zum Fahren ohne Helm von weniger als zwei Grad Celsius entspricht „sehr gut“; von zwei bis drei Grad Celsius entspricht „gut“. Feineinstellung: kein Größenanpasssystem, Verstellen nur über Kinnriemen möglich entspricht „mangelhaft“. Es wird kaufmännisch gerundet. Unter dem Teilergebnis Ausstattung führt zur Abwertung um zwei Noten: ein nicht vorhandener Insektenschutz. Zur Abwertung um eine Note führt: nicht vorhandene Reflektoren. Ist das Teilergebnis Schutzfunktion „mangelhaft“, kann das Testergebnis Praxisprüfung nicht besser als „mangelhaft“ sein. Ist das Teilergebnis Trageeigenschaften aufgrund eines fehlenden Anpasssystems „mangelhaft“, kann das Testergebnis Praxisprüfung nicht besser als „befriedigend“ sein. Ist das Teilergebnis Ausstattung „befriedigend“ oder „ausreichend“, kann das Testergebnis Praxisprüfung nicht besser als „gut“ sein.
Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: Anilin. Zur Abwertung um zwei Noten führt: eine antibakterille Ausrüstung (hier: Zinkpyrithion). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) optische Aufheller in Produktteilen mit Hautkontakt; b) mehr als 1 mg/kg Antimon im Eluat. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: Kennzeichnung am Produkt nur in Englisch. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Brom auf der Platine des Helmrücklichts; b) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen im Produkt und/oder in der Verpackung; c) unvollständige Gebrauchsanleitung (hier: fehlende Angabe „Verschluss darf nicht auf Kinn aufliegen“). Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Praxisprüfung. Ein Testergebnis Inhaltsstoffe, das „befriedigend“ oder „auseichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Inhaltsstoffe, das „mangelhaft“ oder „ungenügend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „auseichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.
Testmethoden undAnbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de → Suchen → „M1804“ eingeben.
Einkauf der Testprodukte: November 2017.
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikro filme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

TIPPS ZUM RICHTIGEN TRAGEN

Anprobe: Vor dem Kauf sollten Sie den Helm unbedingt anprobieren. Der Helm darf nicht zu groß und auch nicht zu klein sein.
Fixierung: Wie man den Helm richtig fixiert, sollte man sich vom Verkäufer zeigen lassen. Zu einem guten Produkt gehört eine vollständige Gebrauchsanleitung, die das Einstellen des Anpasssystems und den richtigen Sitz detailliert erklärt.
Wackeltest: Auch bei gelockertem Kinngurt sollte der Helm nicht verrutschen, wenn man den Kopf schüttelt oder nach vorne neigt. Über den festgedrehten Kopfring alleine sollte der Helm schon halten.
Sitz: Der Helm muss waagerecht sitzen, damit die Stirn bei einem Aufprall geschützt ist. Er sollte weder zu tief in der Stirn noch im Nacken sitzen.
Dreieck: Die beiden seitlichen Gurte für den Kinnriemen sollten so eingestellt und angezogen werden, dass sie um das Ohr ein Dreieck bilden.
Mützenproblem: Tragen Sie eine Mütze unter dem Helm, muss das Gurtsystem neu angepasst werden. Bei dicken Wintermützen besteht die Gefahr, dass der Helm verrutscht. Besser ist eine spezielle dünne Helmmütze oder ein Helmüberzug.
Warnwirkung: Zur Steigerung der Sicherheit tragen Reflektorstreifen und LED-Rückleuchten bei.

SO HABEN WIR GETESTET

Der Einkauf
Wir haben elf Fahrradhelme eingekauft. Im Test sind überwiegend Schalenhelme in klassischer Form, aber auch welche, die im Design BMX- oder Skateboard-Helmen gleichen. Mit dabei: drei Modelle mit LED-Rückleuchten.

Der Praxistest
Ein Fachlabor prüfte in Anlehnung an die internationale Norm EN 1078 die Schutzfunktion der Helme. Zum Ermitteln des Stoßdämpfungsvermögens ließen die Experten die Testhelme, gefüllt mit einem Normprüfkopf, auf einen flachen Untergrund fallen sowie auf eine Kante, die der eines Bordsteins nachempfunden ist. Die Norm legt den Mindeststandard fest. Wir wollten wissen, ob die Helme noch mehr Schutz bieten und ließen sie unter verschärften Bedingungen testen. So prüfte das Labor zusätzlich die Stoßdämpfwirkung an einem Aufprallpunkt an Stirn und Schläfe, der außerhalb der Norm liegt. Der Radverkehr wird wegen verbesserter Gangschaltungssysteme und elektronischer Tretunterstützung (E-Bikes, Pedelecs) immer schneller, deshalb nahmen die Laborexperten zusätzlich auch die niederländische Vorschrift NTA 8776 für Speed-E-Bikes als Grundlage. Im Abstreiftest nach EN-Norm prüften sie, ob der Helm mit geschlossenem Kinnriemen und Verstellsystem bei plötzlichem Zug auf dem Prüfkopf bleibt. Nach einem ebenfalls von der Norm vorgegebenen Verfahren testeten sie die Belastbarkeit von Riemen und Verschluss und ob sie sich unter einer Belastung mit einem Gewicht einhändig öffnen lassen. Das ist wichtig für den Fall, dass der Helmträger, etwa nach einem Unfall, festhängt. Zu einer guten Ausstattung gehören Reflektoren und – zumindest an den vorderen Belüftungsöffnungen – ein Insektenschutz, damit keine Wespe mit dem Fahrtwind unter die Helmschale gelangen kann.

Fotos: ÖKO-TEST (2)

Die Inhaltsstoffe
Wir schickten die Helmbestandteile mit andauerndem Hautkontakt zur Schadstoffanalyse in die Labore, darunter Innenpolster, Kinngurte und Plastikteile des Verstellsystems. Die Kunststoffe ließen wir unter anderem auf schädliche Weichmacher, die Polster auf problematische Farbstoffe analysieren.

Die Weiteren Mängel
Die Platinen der LED-Rücklichter ließen wir darauf untersuchen, ob sie mit bromierten Verbindungen behandelt sind, Produkt und Verpackungen, ob sie PVC/PVDC/ chlorierte Verbindungen enthalten. Bei der Entsorgung werden diese zu einem Umweltproblem. Auch die Vollständigkeit der Gebrauchsanweisung und die Kennzeichnung am Helm spielten bei diesem Testergebnis eine Rolle.

Die Bewertung
Sicherheit geht vor. Deshalb beruht das Gesamturteil auf der Praxisprüfung. Ein schlechtes Urteil der Inhaltsstoffe kann dieses Ergebnis aber weiter verschlechtern.

Ein Praxislabor prüfte, wie gut die Helme Stöße dämpfen und ob sie bei plötzlichem Zug auf dem Prüfkopf bleiben.