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TEST Feldsalat: Rapunzels Geheimnis


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2017 vom 29.12.2016

Kaum ein Salat ist frei von Pestiziden, darunter auch solche, die als besonders gefährlich gelten. Den besten Feldsalat gab es bei Denn’s. Viele Supermärkte schnitten in der Rangliste nur mit „befriedigend“ ab.


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Foto: jirkaejc/iStock/Thinkstock

Feldsalat gehört zu den wenigen grünen Lichtblicken auf winterlichen Salattellern. Sein leicht nussiges Aroma harmoniert wunderbar mit einer Vielzahl an frischen Zutaten, etwa Champignons, Fenchel und Möhren oder Äpfeln, Birnen und Orangen. Walnüsse, Haselnusskerne und Maronen passen ebenfalls hervorragend ebenso wie Camembert oder Blauschimmelkäse. Auch in Sachen ...

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... gesunde Inhaltsstoffe kann der Salat vom Acker punkten. Denn er liefert nicht nur mehr Vitamin C und Betacarotin als viele andere Blattsalate, sondern auch reichlich Kalium und Eisen.

Dabei ist sein Anbau nicht ganz unproblematisch. Stehen die Pflänzchen dicht an dicht – wie in den großflächigen Kulturen der intensiven Landwirtschaft –, drohen Ernteverluste etwa durch Pilzerkrankungen und Schadinsekten. Konventionelle Erzeuger greifen daher regelmäßig zur Pestizidspritze. Erhebliche Rückstände im Salat können die Folge sein. Das bestätigen Untersuchungen der Lebensmittelüberwachung immer wieder. So wurden schon 2008 in einer Studie des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in rund 80 Prozent der 44 untersuchten Feldsalate Pestizide gefunden. Neun Proben überschritten damals die gesetzlichen Höchstmengen. Ähnlich belastet zeigten sich 25 Feldsalatproben, die das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart (CVUAS) 2015 untersuchte. In allen Proben wies das Amt Rückstände nach, allerdings lag kein Gehalt über den zulässigen Grenzwerten. Ein weiterer Unterschied zu 2008: Die Proben enthielten mit rund 0,5 Milligramm pro Kilogramm Feldsalat (mg/kg) eine viel geringere Gesamtmenge an Pestiziden.


Feldsalat ist als vergleichsweise stark belastetes Gemüse einzustufen


Liegt es also an den niedrigeren Rückstandsbelastungen, dass Grenzwertüberschreitungen bei Feldsalat heute anscheinend der Vergangenheit angehören? Zum Teil ja, zum Teil aber auch nein. Ein anderer Grund sind Grenzwerterhöhungen, die zwischenzeitlich für den Anbau von Feldsalat beantragt wurden.

Und so darf Feldsalat heute deutlich mehr Rückstände enthalten als noch vor Jahren. Ein Beispiel ist das Pilzbekämpfungsmittel Iprodion. 2008 war noch ein Grenzwert von 10 mg/kg einzuhalten, seit 2015 darf die Rückstandshöchstmenge doppelt so hoch sein, denn jetzt gelten 20 mg/kg als Maximum. Oder Boscalid, ein anderer Wirkstoff gegen Pilzerkrankungen. Dieses Mittel war 2008 für den Anbau von Feldsalat noch nicht zugelassen, weshalb die allgemeine Höchstmenge von 0,01 mg/kg heranzuziehen war. Drei Überschreitungen von Grenzwerten gingen in der bayerischen Untersuchung von 2008 auf das Konto von Boscalid. Weil die Landwirte auf den Einsatz des Pilzbekämpfungsmittels im Anbau von Feldsalat aber nicht verzichten wollten, musste schnellstens ein eigener Grenzwert her. Das passierte auch. So wurde bereits zum September 2008 ein Höchstgehalt von 40 mg/kg festgesetzt. Doch auch dieser Grenzwert war nicht von Dauer, denn 2016 folgte eine weitere Erhöhung auf aktuell 50 mg/kg.

Geschützter Anbau. Im Winter wird Feldsalat oft unter Folie oder unter Glas gezogen. Dann können die zarten Pflänzchen auch bei Schnee und Eis geerntet werden.


Foto: imago/Westend61

Warum speziell für Blattgemüse überdurchschnittlich hohe Pestizidgrenzwerte festgelegt werden, erklären Experten mit dem ungünstigen Verhältnis von Oberfläche zu Gewicht. Heißt: Auf Kulturen mit vielen Blättern, aber wenig Masse können sich mehr Rückstände pro Kilo ansammeln als etwa auf Fruchtgemüsen wie Tomaten oder Gurken mit einer vergleichsweise kleinen Oberfläche. Völlig absurd wird das Ganze, wenn man feststellt, dass es für andere Blattgemüse ganz anders aussehen kann. So liegt beispielsweise der Rückstandshöchstgehalt für Iprodion in Spinat und Mangold 1.000 Mal niedriger, nämlich bei 0,02 mg/kg.


Absurd: für andere Blattgemüse gelten niedrigere Höchstgehalte


Aber worum genau geht es? Natürlich können Pestizidgrenzwerte nicht beliebig hoch festgelegt werden. Im Gegenteil. In der zuständigen EU-Verordnung steht ausdrücklich, dass die Gehalte so niedrig festzusetzen sind, wie dies mit einer guten landwirtschaftlichen Praxis vereinbar ist, um besonders gefährdete Gruppen wie Kinder und Ungeborene zu schützen. Ob dieser Grundsatz immer eingehalten wird, ist zweifelhaft, wie das Beispiel Feldsalat zeigt. Fakt ist, dass es die Hersteller sind, die Rückstandshöchstmengen beantragen. Sie müssen dafür Unterlagen über Rückstandsversuche einreichen, die unter Worst-case-Bedingungen stattgefunden haben.

Andererseits muss man wissen, dass es sich bei den festgelegten Höchstgehalten für Pestizide nicht um gesundheitliche Grenzwerte handelt. Es geht vielmehr darum, den Anbau bestimmter Kulturen auch unter widrigen Umständen abzusichern und zu regulieren. Dazu kommen Prüfungen möglicher akuter und chronischer gesundheitlicher Risiken, die erfolgreich abgeschlossen werden müssen, bevor Behörden einen beantragten Rückstand als sicher erklären. Die Ergebnisse können jedoch nur so gut sein wie die Kriterien, die den Prüfverfahren zugrunde liegen. So werden beispielsweise Cocktaileffekte von Mehrfachbelastungen nicht berücksichtigt, also die Frage, ob sich mehrere Rückstände pro Produkt in ihrer Wirkung eventuell verstärken. Angesichts der Komplexität sind die Auswirkungen von Mehrfachrückständen bis heute noch völlig unklar.

Nicht berücksichtigt wird offenbar auch, ob Pestizidwirkstoffe als besonders problematisch einzustufen sind. So hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) in den vergangenen Jahren 15 Pestizide als hormonell wirksam bewertet, ein Verbot oder zumindest eine begrenzte Anwendung – wie von Nichtregierungsorganisationen wie dem deutschen Pestizid-Aktions-Netzwerk (PAN Germany) gefordert – aber nicht auf den Weg gebracht. Dabei ließe es das geltende Recht durchaus zu.

Feldsalat schmeckt das ganze Jahr. Weil es im Sommer aber viel mehr Alternativen gibt, essen ihn die meisten am häufigsten im Winter.


Foto: Xsandra/iStock

Wir wollten wissen, wie es aktuell um Feldsalat bestellt ist und haben in insgesamt elf Läden eingekauft. Ziel war, nicht nur einzelne Salate zu testen, sondern zu prüfen, mit welcher durchschnittlichen Qualität Verbraucher in den einzelnen Geschäften rechnen können. Wir ließen daher jeweils drei Chargen in den Laboren prüfen.

Das Testergebnis
Nur einmal „sehr gut“. Die Gesamtnote „sehr gut“ können wir im Durchschnitt nur einmal vergeben. In vier Läden fielen die drei untersuchten Chargen insgesamt immerhin „gut“ aus. Sechs Mal lautet das Gesamturteil für die in den übrigen Geschäften eingekauften Proben im Durchschnitt „befriedigend“. Fast alle konventionell erzeugten Feldsalate haben aber Probleme mit besonders gefährlichen Pestiziden.
Reichlich Pestizide in Spuren. Wie zu erwarten, liegen Grenzwertüberschreitungen in weiter Ferne. Damit erfüllen alle Produkte nicht nur die gesetzlichen Vorgaben, sondern auch die zum Teil strengeren Vorgaben einzelner Händler, etwa die Höchstmengen nur bis zu einem Drittel auszuschöpfen. Wir werten bereits als „erhöht“ ab, wenn Grenzwerte zu mehr als zehn Prozent erreicht werden. Angesichts der hohen Grenzwerte kam das nur zweimal vor: in einem Feldsalat von Rewe für Iprodion und in einem Feldsalat von Real für das Insektenmittel Lambda-Cyhalothrin. Trotz dieser insgesamt erfreulichen Situation sind nur zwei Bio-Salate tatsächlich unbelastet. In allen anderen Proben steckt zumindest ein Pestizid, meistens aber mehrere. Ebenfalls wenig erfreulich: Die konventionellen Proben enthalten mit durchschnittlich rund 0,7 Milligramm Pestiziden pro Kilo Salat mehr Rückstände als in der Untersuchung des CVUAS von 2015.
Konventioneller Feldsalat mit besonders gefährlichen Stoff en. Mit einer Ausnahme enthalten alle herkömmlich angebauten Salate Pestizide, die als besonders problematisch einzustufen sind. Wir haben uns dabei an den Beurteilungen internationaler Institutionen wie der WHO oder der amerikanischen Umweltbehörde (EPA) orientiert. So stuft die EPA das im Feldsalat verbreitet gefundene Pilzbekämpfungsmittel Iprodion als wahrscheinlich krebserregend für den Menschen ein. In vier Proben wurde zudem Lambda-Cyhalothrin nachgewiesen. Dieses Spritzmittel gegen Insekten gilt nach der Beurteilung der EFSA jedoch als hormonell wirksam. PAN Germany stuft Lambda-Cyhalothrin zudem als akut hochgiftig beim Einatmen und bienentoxisch ein. Wir werten Gehalte besonders bedenklicher Pestizide zusätzlich ab. Ziel sollte sein, aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes künftig auf den Einsatz solcher Stoffe zu verzichten. Das käme auch den Menschen zugute, die diese Mittel ausbringen müssen oder beim Ernten damit in Kontakt kommen könnten.

Ackergift: Keine Frage – sollen Ernte und Aussehen perfekt sein, dann setzt die intensive Landwirtschaft in der Regel auf Pestizide.


Foto: imago/imagebroker

Sonderfall Bio. Vier von sechs Bio-Feldsalaten enthalten das Insektenbekämpfungsmittel Spinosad – und zwar in Gehalten deutlich über dem Bio-Orientierungswert von 0,01 mg/kg. Aber das ist erlaubt. Denn Spinosad ist als natürlich gewonnene Substanz für den Öko-Landbau zugelassen. In diesem Fall gilt die gesetzliche Höchstmenge, die allerdings weit unterschritten wird, da auch sie auf einem sehr hohen Niveau festgelegt wurde.

Spinosad macht allerdings nicht nur Schädlinge zunichte, sondern gefährdet auch Bienen. Die deutschen Bio-Verbände reglementieren den Einsatz deshalb stark. Bioland erlaubt das Mittel gar nicht und Demeter nur in südlichen Ländern, da es dort zu einem massiven Insektenbefall kommen kann, der anders nicht in den Griff zu bekommen ist, so der Demeter-Verband. Für diesen Fall sei eine Ausnahmegenehmigung zu beantragen und eine doppelte Wartezeit einzuhalten, um Rückstände zu minimieren.

Erhöhte Nitratwerte. Zu viel Nitrat führt 14 Mal zur Abwertung. Als „erhöht“ bewerten wir Gehalte, die die akzeptable Aufnahmemenge pro Tag (ADI) zu mindestens der Hälfte ausschöpfen, berechnet für einen Erwachsenen von 60 Kilo Gewicht und eine 50-g-Salatportion. Experten raten, die Nitrataufnahme zu begrenzen. Der Stoff selbst ist zwar relativ unbedenklich, kann im Körper aber zu Nitrit umgebaut werden, was die Bildung krebserregender Nitrosamine begünstigt.
Bedenkliche Chlorverbindungen. In einer Salatcharge von Aldi Süd steckt Perchlorat. Der Gehalt erreicht mehr als die Hälfte der Tagesmenge, die laut EFSA nicht überschritten werden sollte. Perchlorat hemmt die Aufnahme von Jod in die Schilddrüse. Über die Auswirkungen des Desinfektionsmittels BAC ist noch wenig bekannt. In einer Probe von Netto Marken-Discount schöpft der Gehalt mehr als 50 Prozent des Grenzwertes aus.

So reagierten die Hersteller
■ Der Hersteller der Feldsalate für Aldi Süd teilte mit, mögliche Eintragsquellen für Perchlorat zu überprüfen.

So haben wir getestet

50 Gramm: So groß ist unserer Ansicht nach eine realistische Portion. Sie diente zur Abschätzung der täglichen Nitrataufnahme.


Foto: OKO-TEST

Der Einkauf
33 Proben landeten im Einkaufswagen, wobei wir bei klassischen Anbietern wie Aldi, Rewe und Co. den angebotsstärkeren konventionellen Feldsalat bevorzugten. Dieser kam zum Zeitpunkt unseres Einkaufs im Oktober überwiegend aus Deutschland. Bio-Ware kauften wir bei Alnatura und Denn’s, erhielten allerdings nur Produkte aus Italien. Um uns einen besseren Eindruck von der Qualität zu verschaffen, kauften wir jeweils drei Chargen pro Laden.

Die Inhaltsstoffe
Die Proben ließen wir auf mehr als 600 Pestizide untersuchen. Weitere Analysen betrafen Perchlorat und Chlorat, die der Salat etwa durch Dünger oder gechlortes Waschwasser aufnehmen kann. Für Reinigungszwecke werden manchmal auch quartäre Ammoniumverbindungen eingesetzt, zum Beispiel Benzalkoniumchloride (BAC). Zum Prüfprogramm gehörte des Weiteren Nitrat, das sich je nach Düngung in Feldsalat anreichern kann. Zu hohe Gehalte sind unerwünscht.

Die Bewertung
Erstmals fließen Rückstandsgehalte von besonders problematischen Pestiziden zusätzlich in die Bewertung ein. Wir orientieren uns dabei an den Einstufungen internationaler Gremien wie der Weltgesundheitsorganisation oder der amerikanischen Umweltbehörde EPA. Danach gilt beispielsweise der Pestizidwirkstoff Iprodion als krebsverdächtig. Feldsalat, der mehr als 0,01 mg/kg dieser Substanz enthält, kann deshalb bestenfalls mit „gut“ abschneiden. Zu weiteren Notenabzügen führen beim Feldsalat erhöhte Gehalte an Nitrat sowie gesundheitlich bedenkliche Chlorverbindungen. Das Gesamturteil basiert auf den gemittelten Ergebnissen von drei Chargen.

Fett gedruckt sind Mangel.
Glossar: Erlauterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 124.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. Laut Hersteller sei in diesem Fall eine falsche Schale verwendet worden. Man habe unmittelbar nach Bekanntwerden des Testergebnisses wieder auf PVC-freie Schalen umgestellt. Auf diese Charge bezieht sich die Abbildung, rechts.2) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. Das Ergebnis wurde stellvertretend in einer von drei eingekauften vergleichbaren Packungen ermittelt.
Legende: Ladenketten mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe fuhrt zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) ein Perchoratgehalt, der mehr als 50 bis 100 Prozent der tolerierbaren Tagesaufnahme (TDI) von 0,3 μg/kg Korpergewicht ausschopft. Fur die Berechnung wurde ein Korpergewicht von 60 kg und eine Portion von 50 g zugrunde gelegt; b) die Summe an BACVerbindungen, die den gesetzlichen Hochstgehalt von 0,1 mg/kg zu mehr als 50 bis 100 Prozent ausschopft. Zur Abwertung um jeweils eine Note fuhren: a) ein oder mehrere als besonders bedenklich eingestufte Pestizide in Gehalten von mehr als 0,01 mg/kg; b) ein Pestizidgehalt, der uber 10 bis 50 Prozent der Ruckstandshochstmenge erreicht, wenn diese bei 0,1 mg/kg oder hoher liegt (in der Tabelle „erhoht“); c) ein Nitratgehalt, der uber 50 bis 100 Prozent der akzeptablen Tagesaufnahme (ADI) von 3,65 mg/kg Korpergewicht ausschopft (in der Tabelle „erhoht“). Fur die Berechnung wurde ein Korpergewicht von 60 kg und eine Portion von 50 g zugrunde gelegt. Weitere Abwertung: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. Diese Abwertung wirkt sich nicht auf das Testergebnis Inhaltsstoffe aus. Das Gesamturteil beruht auf den Testergebnissen der Inhaltsstoffe von jeweils drei Chargen, wobei jeweils Durchschnittsnoten ermittelt wurden. Es wurde kaufmannisch gerundet.

Einkauf der Testprodukte: Oktober 2016.
Testergebnisse undAnbieterverzeichnis finden Sie unterwww.oekotest.de → Suchen → „M1701“ eingeben.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlages dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

ÖKO-TEST rät

Der Anbau von Bio-Feldsalat schließt besonders gefährliche Pestizide aus. Wer auch den Einsatz von bienenschädlichem Spinosad vermeiden will, ist mit Feldsalat von Bioland- oder Demeter-Betrieben in Deutschland auf der sicheren Seite. Dort darf kein Spinosad aufs Feld.
Konventioneller Feldsalat kam beim Einkauf im Oktober erfreulich häufig aus regionalem Anbau. Achten Sie auf entsprechende Hinweise auf den Packungen, etwa das Regionalfenster. Finden sich auf dem Etikett nur die Adressen der Abpackbetriebe, ist die genaue Herkunft ungewiss.
Feldsalat hält sich im Kühlschrank wenige Tage. Ganz frisch schmeckt er natürlich am besten.

Auch im Sommer zu haben
Eigentlich ist Feldsalat ja ein typischer Wintersalat. Aber so ganz stimmt das nicht mehr, denn man bekommt ihn auch in den Sommermonaten. Dennoch liegt der Schwerpunkt eindeutig in der kalten Jahreszeit. Dann stammt Feldsalat oft sogar aus deutschem Freilandanbau. Nach Angaben der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft ist dies vor allem im Oktober und November und dann wieder im Mai der Fall. Direkt im Winter ist der Anbau auf dem freien Feld zu unsicher, da die zarten Blättchen zwar Frost vertragen, bei Eis und Schnee aber nicht geerntet werden können. Landwirte, die trotzdem ernten wollen, bauen den Salat unter Folie oder im ungeheizten Gewächshaus an. Das kann die Nachfrage aber nur zum Teil decken, sodass in den Wintermonaten viel Feldsalat aus Frankreich, den Niederlanden oder Italien zu uns kommt. Die Bio-Saison verläuft ähnlich. Erstaunt hat uns, dass wir im Oktober bei Alnatura und Denn’s nur Feldsalat aus Italien vorfanden. Das wollten wir genauer wissen. Auf unsere Nachfrage teilte Alnatura mit, deutschen Feldsalat von regionalen Lieferanten anzubieten. Das könne je nach Region zu einer recht unterschiedlichen Verfügbarkeit führen. Der Saisonstart von deutscher Ware sei meist im September oder Oktober. Dennree gab an, fast das ganze Jahr deutschen Feldsalat zu verkaufen. Zum Zeitpunkt unserer Probennahme sei Ware deutscher Produzenten aufgrund schlechter Witterung sehr knapp gewesen, sodass die Anbieter auf italienischen Feldsalat ausweichen mussten.

Foto: MarenWischnewski/iStock/Thinkstock

Interview

Gefährliche Pestizide sollten verboten werden

Susan Haffmans ist Agrarwissenschaftlerin und Referentin für Pestizide und Tierarzneimittel bei PAN Germany


Foto: privat

ÖKO-TEST: Sie verwenden den Begriff „hochgefährliche Pestizide“. Was ist damit gemeint?
Susan Haffmans: Als hochgefährlich gelten Pestizide, die für unsere Gesundheit und die Umwelt sowohl akut wie auch chronisch besonders gefährlich sind. Der Begriff „hochgefährliche Pestizide“ wurde vor zehn Jahren durch die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) geprägt. Die FAO erklärte, dass bei Programmen zur Reduktion des Pestizideinsatzes ein schrittweises Verbot hochgefährlicher Pestizide (HHP) in Betracht gezogen werden sollte.

Welche Kriterien führen zur Einstufung als hochgefährlich?
Als hochgefährlich werden Pestizide eingestuft, die etwa von der Weltgesundheitsorganisation als extrem gefährlich oder hochgefährlich klassifiziert sind oder nach dem global harmonisierten System zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien (GHS) als krebserregend, fortpflanzungsschädigend oder erbgutverändernd eingestuft sind. Aber auch Pestizide, die besonders umweltgefährlich sind, weil sie die Ozonschicht schädigen oder sich als giftige Chemikalien in der Natur anreichern, zählen zu den hochgefährlichen Pestiziden.

PAN hat eine Liste zu hochgefährlichen Pestiziden erarbeitet. Warum?
Die PAN-Liste wurde entwickelt, um all jene Organisationen, Institutionen und Einzelpersonen zu unterstützen, die sich für ein schrittweises Ende des Einsatzes gefährlicher Pestizide einsetzen. Erst wenn Anwender, Händler oder politische Entscheidungsträger wissen, welche Pestizide hochgefährlich sind, können sie Schritte einleiten, diese Stoffe zu ersetzen oder zu verbieten. Die FAO/WHO hat zwar Kriterien für die Identifizierung hochgefährlicher Pestizide festgelegt, jedoch keine entsprechende Wirkstoffliste veröffentlicht. Dieses Defizit hat PAN mit der Liste beseitigt. Nun können Regierungen, Anwender und Handelsketten überprüfen, ob sie HHP anwenden oder Produkte mit HHP-Rückständen vertreiben und Prioritäten setzen für einen Ausstieg aus dem hochgefährlichen Pflanzenschutz- und Schädlingsmanagement.

Würde ein Umstieg auf harmlosere Wirkstoffe helfen?
Natürlich ist eine Möglichkeit, Pestizide, die als HHP eingestuft sind, durch Nicht-HHP-Pestizide zu ersetzen. Doch so ein Ersatz ist nicht unbedingt eine nachhaltige Lösung. Blickt man zurück auf rund 60 Jahre chemischer Pflanzenschutzerfahrung, wird deutlich, dass oft zunächst als „unproblematisch“ erachtete Wirkstoffe später zu Problemwirkstoffen wurden. Um dies zu vermeiden, wird auch auf internationaler Ebene der Ersatz von HHP durch agrarökologische Maßnahmen empfohlen. Hierzu zählen vorsorgende Pflanzenschutzmaßnahmen wie etwa eine intelligente Fruchtfolgeplanung, standortangepasste Düngung und der Anbau robuster Sorten. Dies ist aus Sicht von PAN der richtige Weg.

Besonders wichtig ist der Schutz von Landwirten in Entwicklungsländern. Warum sollte Europa hochgefährliche Pestizide auf die Verbotsliste setzen?
Auch in Europa werden noch HHP eingesetzt, die unsere Gesundheit und unsere Umwelt gefährden. Und es kann auch hier bei uns nicht sichergestellt werden, dass Menschen durch solche Pestizide nicht akut oder chronisch erkranken. Auch vor dem Hintergrund der Belastung von Böden und Gewässern mit Pestiziden und dem dramatischen Verlust von Arten ist in Europa der Ausstieg aus dem hochgefährlichen Pflanzenschutz dringend geboten. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen hat angesichts der Pestizidgefahren in Deutschland in seinem Umweltgutachten 2016 sogar die Einführung einer Abgabe empfohlen, um die Substitution von Pestiziden mit hohem Risikopotential voranzutreiben und insgesamt den Pestizideinsatz zu reduzieren.