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TEST Feuchtigkeitsseren: Neue Pflegestufe


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 5/2021 vom 29.04.2021

TEST: JOHANNA MICHL

Artikelbild für den Artikel "TEST Feuchtigkeitsseren: Neue Pflegestufe" aus der Ausgabe 5/2021 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

RATGEBER

1 Teuer gleich gut gilt für Feuchtigkeitsseren nicht. Unter den fünf „sehr guten“ und sechs „guten“ Produkten sind auch die günstigsten vertreten. 

2 Feuchtigkeitsserum in kleinen Tropfen direkt nach der Reinigung auftragen und eventuell einklopfen. Gut einziehen lassen, dann erst folgt die Tagespflege. 

Auf fettiger Haut kann ein Feuchtigkeitsserum auch als alleinige Pflege ausreichen. Trockene oder reifere Haut braucht zusätzlich fetthaltige Produkte, etwa eine Tagescreme.

Eine Extra-Portion Feuchtigkeit und Erfrischung für die Haut – klingt gut. Die Kosmetik-Industrie hat für solche „Extra-Portionen“ ein Produkt erfunden: das Serum. Als zusätzliche Pflegestufe zwischen Gesichtsreinigung und Tagespflege eingeschoben soll ein Serum die Haut durchfeuchten und mit einer konzentrierten Lösung an Wirkstoffen versorgen. In unserem Test haben wir uns 20 Seren vorgeknöpft, die ...

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... vor allem damit werben, mittels Hyaluronsäure Feuchtigkeit in die Haut zu bringen. Manche von ihnen verbinden das mit einem Anti- Aging-Versprechen. Wir sind skeptisch: Wie viel Sinn machen die zusätzlichen Fläschchen im Badezimmer und tun sie der Haut wirklich nur Gutes?

Elf Seren landen im grünen Bereich 

Elf Feuchtigkeitsseren landen mit den Noten „sehr gut“ oder „gut“ im grünen Bereich. Sechs Produkte tummeln sich im Mittelfeld. Das Serum von M. Asam ist „mangelhaft“, es enthält einen allergisierenden Duftstoff und Silikone. Ganz am unteren Ende der Tabelle finden sich zwei der bekanntesten Marken wieder: Der Vichy Liftactiv Supreme H.A. Epidermic Filler und das L’Oréal Revitalift Filler+Hyaluronsäure Anti-Falten Serum sind mit „ungenügend“ die beiden schlechtesten Produkte im Test. Sie fallen schon bezüglich der Inhaltsstoffe als mangelhaft auf: Denn sie enthalten nicht nur die von uns kritisierten PEG/PEG-Derivate. Das Labor hat in ihnen auch halogenorganische Verbindungen nachgewiesen. Dieser Befund passt zur Deklara - tion: Dort steht die halogenorganische Substanz Chlorphenesin – ein Konservierungsstoff, der zu Allergien und Hautreizungen führen kann. Insbesondere von Kosmetik aus der Apotheke dürfen sich Verbraucherinnen aber eine gute Verträglichkeit erwarten. Zumal das Vichy-Serum mit 41,95 Euro pro 30 Milliliter mehr als das Doppelte kostet wie das zweitteuerste Produkt im Test.

Fürs Anti-Aging fehlen überzeugende Beweise 

Punktabzüge gab es aber auch, wenn Hersteller auf ihren Verpackungen Verjüngungseffekte versprechen und das nicht belegen können. Zwölf Seren werben mit Anti-Aging-Vokabular: Sie liften, sie straffen, sie mindern Falten, sie steigern die Hautelastizität – angeblich. Bei solchen Versprechen hören wir sehr genau hin: Denn Altersfalten bilden sich nicht in der obersten Hautschicht, der Epidermis, sondern in der darunter liegenden Lederhaut, wo mit den Jahren die Elastizität und die Hyalurondepots abhanden kommen. Dort aber kann (und darf) Kosmetik gar nicht hingelangen, sonst überschreitet sie die Grenze zum Arzneimittel. Zwar konnten uns sechs Hersteller vollständige Wirkstudien zu ihren Produkten vorlegen. Diese zeigten zum Beispiel, dass mit der Anwendung der Seren die Durchfeuchtung der oberen Hautschicht verbessert werden konnte und die Hautrauigkeit nachließ. In keinem Fall belegten die Studien durch eine Vergleichskontrolle jedoch überzeugend, dass diese Wirkung über die eines reinen Feuchtigkeitsserums hinausgeht.

„Anti-Aging- Wunder kann man von den Seren nicht erwarten. Als Frischekick sind sie okay.“

WISSEN

Wasserspeicher Hyaluron

Hyaluronsäure kommt natürlicherweise in unserer Haut vor: Als Bestandteil des Bindegewebes sorgt sie in der zweittiefsten Hautschicht – der Lederhaut – dafür, dass die Feuchtigkeitsspeicher dort gut gefüllt sind und die Haut prall und elastisch ist. Denn Hyaluronsäure kann die mindestens 1.000-fache Menge ihres eigenen Gewichts an Wasser binden. Im normalen Alterungsprozess der Haut schrumpfen die Hyaluronsäure-Depots jedoch – und hier setzt die Kosmetik-Industrie mit ihren Produkten an: Als Nonplusultra gilt es dabei, Hyaluronsäue unterschiedlicher Molekülgrößen zu mischen. Hochmolekulare Formen sollen sich auf die Oberfläche der Haut legen und dort einen feuchtigkeitsbewahrenden Film bilden. Kleinere Hyaluron-Moleküle könnten dagegen in „tiefere Hautschichten“ vordringen und dort Feuchtigkeit binden, schreiben die Hersteller. Schaut man sich jedoch genauer an, welche Tiefe hier gemeint ist, zeigt sich: Weiter als bis in die oberste Hautschicht – die Epidermis – dringt auch das niedermolekulare Hyaluron nicht vor. Dort wo altersbedingte Falten im Wesentlichen entstehen, kommt es also gar nicht an: ein Stockwerk tiefer nämlich, in der Lederhaut.

Prallere Haut für ein paar Stunden 

„Sehr gute“ Produkte finden sich in unserem Test deshalb nur in der Tabelle der reinen Feuchtigkeitsseren. Sie machen keine überzogenen Versprechungen, sondern stellen lediglich das Verschwinden oberflächlicher Trockenheitsfältchen sowie ein frischeres und glatteres Hautbild in Aussicht. Und das ist realistisch: Denn in die oberste Hautschicht – die Epidermis – eindringen, dort Feuchtigkeit binden und die Haut für eine gewisse Zeit schön prall und glatt aussehen lassen: Das können sogenannte Moisturizer wie Glycerin, Aloe vera und allen voran die Hyaluronsäure. Letztere ist in fast allen Seren Hauptwirkstoff und dort teilweise sehr hoch konzentriert. Die neunfache Menge Hyaluron enthalte zum Beispiel das Diadermine Lift+Botology Anti-Age Serum im Vergleich zur Tages-und Nachtpflege der gleichnamigen Serie, so schreibt uns der Hersteller.

Lohnt sich die Extra-Investition?

Bleibt die Frage: Was spricht überhaupt für die Investition in ein Serum? Der Münchner Hautarzt Dr. Christoph Liebich findet, die konzentrierten Feuchtigkeitspräparate können – quasi als Teil eines Pflege-Baukastens – schon Sinn machen. Er sieht in seiner Praxis häufiger Frauen, die ihre Haut mit zu viel reichhaltigen Cremes überpflegen. „Ein Feuchtigkeitsserum kann bei einer Mischhaut auch mal punktuell als alleinige Pflege auf die fettigen Partien kommen“, sagt der Dermatologe. „Und im Sommer mit der normalen Basiscreme verrührt, kann es die Tagespflege etwas leichter machen.“

TEST

ÖKO TEST

Wir haben getestet

So haben wir getestet

In verschiedenen Märkten haben wir 20 feuchtigkeitsspendende Seren eingekauft. Die Preise reichten von 3,99 Euro bis 41,95 Euro pro 30 Milliliter.

Für Produkte mit nach unserer Ansicht deutlicher Anti-Aging-Auslobung und -Aufmachung haben wir von den Herstellern eine vollständige Wirkstudie zum konkreten Produkt angefordert; gleiches auch bei Wortwahlen wie „straffend“, „reduziert Falten/ Linien“ oder „Lift-Effekt“ unter Berücksichtigung der Gesamtaufmachung. Wir haben die Studien daraufhin beurteilt, ob sie die Auslobungen ausreichend belegen.

Von uns beauftragte Labore haben die Seren auf eine Reihe von Problemstoffen – beispielsweise allergene Duftstoffe, halogenorganische Verbindungen und Formaldehyd-/abspalter – untersucht. Anhand der Deklaration erfassten wir außerdem weitere hautreizende Konservierungsstoffe, in der Umwelt schwer abbaubare Verbindungen wie synthetische Polymere und Silikone sowie PEG/PEG-Derivate. Letztere können die Haut durchlässiger machen für Fremdstoffe.

Das Gesamturteil basiert auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Die Überprüfung der Wirksamkeitsstudien der Anti-Aging-Produkte fließt neben anderen Kriterien in das Testergebnis Weitere Mängel ein. Fällt dieses „befriedigend“ oder schlechter aus, verschlechtert das auch das Gesamturteil.

Fett gedruckt sind Mängel. 

Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 158.

Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: synthetisches Polymer. 2) Weiterer Mangel: Umkarton, der kein Glas schützt. 3) Citral deklariert, aber im Labor nicht nachgewiesen. 4) Hydroxycitronellal deklariert, aber im Labor nicht nachgewiesen. 5) Laut Anbieter kommt das Produkt ab Mai 2021 in einer überarbeiteten Form auf den Markt. Die neue Rezeptur sei frei von Silikonen und Mikroplastik (Carbomer). Zudem werde das Parfümöl verändert und reduziert, sodass das Allergen Hydroxycitronellal nicht mehr enthalten sein werde. 6) Laut Anbieter befindet sich die Marke Alterra ab März/April 2021 in einem neuen Design im Markt. Die Rezeptur des Produkts bleibe dabei gleich. 7) Laut Anbieter wurde der Artikel einem Relaunch unterzogen und sei in der gezeigten Ausstattung nicht mehr erhältlich.

Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.

Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) PEG/PEG-Derivate; b) halogenorganische Verbindungen. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als 1 Prozent Silikone; b) deklarationspflichtige Duftstoffe, die Allergien auslösen können (hier: Hydroxycitronellal). Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um vier Noten: keine vollständige, unabhängige oder nicht nur auf das einzelne Produkt bezogene Wirksamkeitsstudie zu dem konkret für das Produkt ausgelobtem Anti-Aging-Wirkversprechen vorgelegt.

Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) Vorteil des Produkts mit Anti-Aging-Wirkversprechen gegenüber einem herkömmlichen Feuchtigkeitsserum nicht überzeugend belegt; b) weitere synthetische Polymere als weitere Kunststoffverbindungen (hier eine oder mehrere der folgenden Verbindungen: (Sodium) Carbomer, Dimethicone Crosspolymer, Acrylates/C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer, Ammonium Acryloyldimethyltaurate/VP Copolymer). Zur Abwertung um eine Note führt: ein Umkarton, der kein Glas schützt.

Das Gesamtergebnis beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „mangelhaft“ oder „ungenügend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „gut“ ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Testmethoden und Hersteller-/Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/M2105.

Einkauf der Testprodukte: November und Dezember 2020.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/ oder verbreitet werden.