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TEST Fitness-Apps: Mobile Vorturner


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 4/2016 vom 31.03.2016

Fix aufs Mobilgerät geladen, haben wir sie ständig dabei und können damit auch im Freien trainieren: Fitness-Apps sind eine günstige Alternative zum Studio oder dem Personal Trainer. Das zieht besonders Anfänger an, die hoffen, schnell fit zu werden. ÖKO-TEST hat sechs Trainingsprogramme getestet. Keines davon können wir uneingeschränkt empfehlen.


Artikelbild für den Artikel "TEST Fitness-Apps: Mobile Vorturner" aus der Ausgabe 4/2016 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 4/2016

Ungeduldig stehe ich in voller Laufmontur im Regen vor unserer Hofeinfahrt und starre auf meinen Fitnesstracker. Der sucht schon seit einer gefühlten Ewigkeit nach dem GPS-Signal. Währenddessen seilt sich ein Regentropfen von einer Haarspitze ab – und landet ...

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... direkt in meinem rechten Auge. „Na suuuper!“, denke ich, schaue in den wolkenverhangenen Himmel und wische mir mit dem Ärmel die pappige Suppe aus Wasser und Haargel weg. Dann, endlich, ist das Signal da. Vermutlich wäre mein Leben auch weitergegangen, hätte ich meine Zehn-Kilometer- Strecke jetzt nicht tracken können. Auf dem Display blinkt ein Herzchen. Der Pulsmesser funktioniert also auch.

Sogenannte Wearables, als Überbegriff für am Körper tragbare Elektronik wie Pulsuhren, Fitnessarmbänder (Activity- Tracker), Smartwatches oder Datenbrillen, sind der Trend schlechthin. Die Geräte zählen Schritte, überwachen den Schlaf, zeigen verbrauchte Kalorien an und schmeißen faulenzende Couch-Potatoes via Vibrationsalarm am Handgelenk vom Sofa. Von den Produkten versprechen sich nicht wenige (Hobby-)Sportler, dass sie ihr Training noch effizienter auf ihre körperliche Leistungsfähigkeit abstimmen können. Mittels Handy- App soll das ebenfalls ganz einfach gehen: Die erfassten Daten werden zunächst mit dem Smartphone, Tablet oder Laptop synchronisiert. Nach dem Log-in können sie dann bearbeitet und ausgewertet werden. Je nach Anbieter bietet die Software integrierte Trainingshinweise, die auf den gemessenen Daten beruhen. „Daten sind der Rohstoff der Zukunft“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei einem Digitalkongress ihrer Partei im September 2015. Datenschützern stößt diese Tatsache bitter auf. Sie sehen in den sensiblen (Gesundheits-)


„Ein Training unter Anleitung sollte immer die erste Priorität sein!“


Daten eine künftige Währung, die besonders Krankenkassen und Lebensversicherungen handeln wollen. Befürworter wenden ein, dass aktive und gesundheitsbewusste Versicherte, die ihren Lebensstil anhand der Daten auf ihrem Fitnesstracker belegen, künftig noch mehr von Prämien, Bonusleistungen oder individuellen Versicherungs tarifen profitieren könnten. Kritiker befürchten hingegen, dass künftig all jene diskriminiert würden, die sich dieser Entwicklung verweigern. „Niemand sollte gezwungen sein, seine Fitness überwachen zu lassen“, fordert auch Verbraucherminister Heiko Maas (SPD). „Das bedeutet zum Beispiel, dass man bei Krankenversicherungen keine Nachteile haben darf, weil man seine Gesundheitsdaten nicht zur Verfügung stellt.“ Dass nicht alle Trainings an ein Datenarmband gekettet sind, zeigen diverse Fitness- Apps, die sich Nutzer zum Trainieren in den eigenen vier Wänden oder im Freien auf ihre Mobilgeräte downloaden können. Die Palette der Software reicht von Übungen für einzelne Körperpartien wie Arme oder Bauchmuskeln, bis hin zu Ganzkörper-Workouts.

Das Angebot an entsprechenden Apps nimmt rasant zu. Zur Freude der User. Um schnell fit zu werden oder abzunehmen, werden Zugriffsrechte auf dem Mobilgerät, die die App benötigt, meist ebenso schnell abgenickt wie die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) oder die Datenschutzrichtlinien.

ÖKO-TEST wollte wissen, welche Fitness-Apps für Ein- steiger bis hin zu Fortgeschrittenen geeignet sind. Dafür haben wir sechs Ganzkörper- Workouts und Zirkeltrainings ausgesucht und Sportstudenten sowie Studenten anderer Studienrichtungen zum Praxistest auf die Matte geschickt. Erfahrene wissenschaftliche Hilfskräfte und Fachmitarbeiter der sportwissenschaftlichen Fakultät einer deutschen Sporthochschule haben die Apps ebenfalls auf ihre Tauglichkeit begutachtet. Von einem Juristen haben wir prüfen lassen, ob die rechtlichen Regelungen Nachteile für Verbraucher enthalten oder anderweitige Transparenzmängel bestehen.

Aufzeichnung läuft! Mit Fitnesstrackern und anderen Wearables wollen Sportler ihr Training effizient auf ihre Leistung abstimmen.


Foto: baloon111/Shutterstock

Das Testergebnis

Grundsatzproblem! Von den sechs getesteten Fitness- Apps können wir keine guten Gewissens empfehlen. Zwar schneidet eine in der Praxisprüfung „sehr gut“ ab. Ein wesentlicher Knackpunkt ist allerdings allen Programmen gemein: Der Trainer fehlt – und damit die Kontrolle der Übungsausführung wenigstens zu Beginn der Training- phase. Das Gesamtergebnis tut besonders weh: drei Apps sind „ausreichend“ und drei „mangelhaft“ beziehungsweise „ungenügend“.
Nichts für Anfänger . Fitness- Apps locken besonders Einsteiger an. Fehlt ihnen ein gewisses Verständnis für die Übungen, kann das zu Fehlbelastungen führen – selbst bei erfahreneren Sportlern. Eine Orientierung, wie man es richtig macht, können die in den Apps integrierten Videos, Bilder oder Animationen bieten. Bei drei Fitness- Apps urteilten die Expertenund Testprobanden, dass die Erklärtexte teils nicht auf Anhieb verständlich sind oder sogar ganz fehlen. Drei Apps fielen auf, weil konkrete Vorgaben zu den Übungen teils entweder zu umständlich erklärt oder nur grob dargestellt sind. Beim Zirkeltraining Assistenten gab es gar keine. Besonders weil ein Trainer fehlt, der Hilfestellungen und Korrekturen vornehmen kann, sehen wir das kritisch. Der Zirkeltraining Assistent zeigt die Übungen ausschließlich anhand einer leider etwas ungenauen Animation. Freeletics Bodyweight sprechen Probanden und Experten die Eignung für Einsteiger wegen des „Trainings unter Zeitdruck“ ab. Auch erfahrene Sportler kann das einschränken. Zwar werden Nutzer nicht aufgefordert, gegen die Uhr zu kämpfen. Dazu könnten sie aber im Internet sichtbare Trainingszeiten anderer Nutzer animieren.
Auf Touren kommen! Ein klassisches Training besteht aus Aufwärmen, Hauptteil und der Cooldown- Phase. Das Hochund Runterfahren des Körpers sollten Sportler fest in ihrem Trainingsplan verankern. Haben die App-Anbieter dran gedacht? Ja, bei fünf Fitness-Apps sind Aufund Abwärmübungen integriert. Beim Zirkeltraining Assistent ist die Suche danach allerdings vergeblich.
Was bringt’s? Wer sich eine Fitness-App runterlädt, verspricht sich davon auch etwas: mehr Muskeln, fitter werden, Fett verlie- ren. Die Trainings sind über alle Apps hinweg in der Regel „kurz und knackig“, sodass sich die Nutzer in kurzer Zeit auspowern. Anfänger können damit schnell überlastet sein und erschöpft werden Übungen unsauber durchgeführt. Gleiches gilt für ein Training unter Zeitdruck, weil man dafür eine „Belohnung“ erhält (Levelaufstieg, Anerkennung in den sozialen Netzwerken). Beim Zirkeltraining Assistent sowie dem Men’s und Women’s Health 100 Tage ohne Geräte empfanden die Tester die Übungen teilweise als entweder zu leicht oder zu schwer, also weniger ausgewogen. Bei Freeletics Bodyweight und Nike+ Training Club sind die Übungen laut Experten zielführend „wenn es darum geht, das Herz- Kreislauf-System zu trainieren, Fett zu verbrennen und fit zu werden“.

Übungsabfolge ermüdet. Die Zusammenstellung der Übungen innerhalb einer Trainingseinheit ist beim 7 Minute Workout Seven with HIIT-Challenge und dem Zirkeltraining Assistent sehr fragwürdig. Grund ist die Mehrfachbelastung gleicher Muskelgruppen hintereinander, meist nach nur einer kurzen bis gar keiner Pause. Das gibt Punktabzug.
Wer steht gerade? Beim Freeletics Bodyweight und dem Nike+ Training Club war das Impressum nicht in der App integriert, dafür aber – wie vorgeschrieben – auf der Homepage. Ein Impressum haben wir beim Zirkeltraining Assistent und dem 7 Minute Workout Seven with High Intensity Interval vergeblich gesucht. Verbraucher sollten wissen, an wen sie sich notfalls wenden können. Diese Intrans-parenz werten wir ab. Gleiches betrifft außerdem eine nur englischsprachige Datenschutzerklärung, die Verbraucher über ihre Rechte informieren soll.

Auf German , bitte! Laut Gesetz muss die Datenschutzerklärung in einer allgemein verständlichen Form verfasst sein. Wenn sich das Angebot an deutsche Verbraucher richtet, sollte daher unserer Meinung nach diese Erklärung auch auf Deutsch sein. Für ausländische Anbieter ist dies zwar nicht rechtlich zwingend. Aus Gründen einer transparenten Verbraucherinformation wäre es aber wünschenswert.
Ungewollt zum Werbestar! Einen besonders schweren Einschnitt in die Rechte der Verbraucher hat der für uns prüfende Jurist in den Nutzungsbedingungen mit Stand Februar 2011 des Nike+ Training Club gefunden, die Nutzer aus der App heraus anklicken können. Hier heißt es gekürzt: „Sie räumen Nike das (…) Recht ein, Ihre nutzergenerierten Inhalte zeitlich unbeschränkt, weltweit und unentgeltlich zu jeglichen Zwecken, darunter auch kommerzielle Werbezwecke und interne Zwecke von Nike, in sämtlichen Medien (…) in allen Verwertungsformen (…), in bearbeiteter oder unbearbeiteter Form zu nutzen.“ Diese Rechteeinräumung ist nach deutschem Recht unzulässig, wie das Kammergericht am 24. Januar 2014 in einer Klage gegen Facebook entschieden hat. Das soziale Netzwerk hatte daraufhin die Klauseln geändert – darunter die umstrittene IP-Klausel, anhand welcher Facebook sich weitgehende Rechte an den bereitgestellten Inhalten der Nutzer sichern wollte.

Fett gedruckt sind Mängel.
Anmerkungen: 1) Laut Internetseite des Anbieters können die Preise je nach App Store variieren. Der Preis gilt für ein Drei-Monats-Abo. Die kostenlose Basisversion wurde laut Experten deshalb nicht getestet, weil diese in unterschiedlichen Funktionen eingeschränkt ist, die aber für den objektiven Vergleich mit den anderen Fitness-Apps nötig waren (z. B. fehlende Auf- und Abwärm-Übungen). Die kostenlose Basisversion kann für Anfänger ebenfalls ungeeignet sein, weil sie zum Teil für Anfänger weniger geeignete Übungen enthält („z. B. Burpees“). Laut den Experten sind Fehlbelastungen weniger wahrscheinlich, wenn Nutzer das Training unter Zeitdruck ignorieren und die Übungen/Bewegungen exakt nach den visuellen und textlichen Vorgaben des Anbieters ausführen. Darauf weist auch der Anbieter auf seiner Internetseite hin. Die Sprache der AGB wurde zwischenzeitlich auf Deutsch geändert. Zum Abschluss der juristischen Prüfung am 18.02.2016 war diese noch in englischer Sprache. Die Mitteilung an den Hersteller erfolgte am 19.02.2016.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Praxisprüfung führen zur Abwertung um zwei Noten: a) Übungen durch Visualisierung und Beschreibung „eingeschränkt“ nachvollziehbar; b) Fehlbelastungen möglich, da „konkrete Vorgaben zur Übungsausführung fehlen“; c) Fehlbelastungen möglich, „Training unter Zeitdruck kann zu unsauberen Übungsausführungen verleiten“. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Übungen durch Visualisierung und Beschreibung „etwas eingeschränkt“ nachvollziehbar; b) Fehlbelastungen möglich, da „konkrete Vorgaben zur Übungsausführung nur grob gekennzeichnet“; c) Fehlbelastungen möglich, da „konkrete Vorgaben zur Übungsausführung (teils) umständlich erklärt“; d) kein Auf- und Abwärmen; e) eine „etwas eingeschränkt“ zielführende Übungsauswahl und Belastungsgestaltung. Begründung laut Tabelle; f) Mehrfachbelastung gleicher Muskelgruppen in aufeinanderfolgenden Übungen.
Unter dem Testergebnis Rechtliches und Transparenz führt zur Abwertung um fünf Noten: a) eine unzulässige Nutzungsbedingung. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) kein Impressum gefunden; b) Datenschutzerklärung auf Englisch. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Impressum nur auf der Internetseite gefunden; b) AGB auf Englisch; c) Datenschutzerklärung bezieht sich nicht eindeutig auf die App; d) unklare App-Berechtigungen auf Nachfrage nicht erläutert.
Das Gesamturteil setzt sich zu 70 Prozent aus dem Testergebnis Praxisprüfung und zu 30 Prozent aus dem Testergebnis Rechtliches und Transparenz zusammen. Es kann nicht besser sein als das Testergebnis Praxisprüfung. Ein Produkt mit einer „unzulässigen Nutzungsbedingung“ kann im Gesamturteil nicht besser sein als „ungenügend“.
Testmethoden undAnbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „M1604“ eingeben.Einkauf der Testprodukte: Januar 2016. Ende der Datenerfassung: 18.02.2016.Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

ÖKO-TEST rät

• Sollten Sie trotz fehlendem Trainer mit einer Fitness-App trainieren wollen, schauen Sie sich vor dem Workout die Übungsbeschreibungen aufmerksam an. Das hilft, Fehler in der Übungsausführung und Zwangspausen innerhalb des Trainings zu vermeiden.

• Es ist ein alter Hut, trotzdem: Lesen Sie sich die Nutzungsbedingungen, AGB und Datenschutzbestimmungen gut durch. Wenn Sie etwas nicht verstehen oder Sie der Meinung sind, zu viele Ihrer Rechte abtreten zu müssen, verzichten Sie lieber auf den Download.

• Wenn Sie ohne technische Hilfe fitter werden wollen: Halten Sie nach Gruppen in Ihrer Umgebung Ausschau, zum Beispiel Lauftreffs, die gemeinsam trainieren. Sie können von der Erfahrung der anderen profitieren. Außerdem kann eine feste Verabredung helfen, den „inneren Schweinehund“ zu überwinden.

Kompakt: App-Berechtigungen: Das kritisieren Datenschützer

Damit sie auf dem Mobilgerät funktionieren, benötigen Apps unterschiedliche Befugnisse. Einige davon können Verbrauchern statt zu nutzen aber auch schaden.
■ Berechtigungen wie„vertrauliche Protokolldaten lesen“ und„aktive Apps abrufen“ helfen Betreibern, ihre Produkte zu verbessern, da sie Software-Abstürze besser beheben und Fehlermeldungen auswerten können. Für Verbraucher besteht aber das Risiko, das private oder sensible Daten heimlich ausgespäht werden.
■ Außerdem kritisieren Datenschützer, dass nicht immer alle geforderten Zugriffsrechte auch tatsächlich notwendig sind. Beispiel„Kontakte lesen“: So findet beim Nachrichtendienst Whats- App ein Abgleich des Telefonbuchs mit der App-Datenbank statt, woraufhin angezeigt wird, welche Personen den Dienst ebenfalls nutzen. Das erleichtert zwar die Vernetzung mit Freunden und Bekannten. Datenschutzrechtlich bedenklich ist, dass auch Informationen unbeteiligter Dritter abgeglichen werden. Warum einige Fitness-Apps im Test ebenfalls Kontakte lesen wollen, war für uns und den prüfenden Juristen unklar. Unsere Bitte um Erläuterung ließen die Hersteller unbeantwortet.
■ Dass Verbraucher App-Berechtigungen oft zähneknirschend hinnehmen müssen, zeigen außerdem Befugnisse zum„Standort“ und„USB-Speicherinhalt“ . Bei Fitness-Apps, die Läufe integrieren, kann beispielsweise die Route via Satellit oder Sendemasten geortet, zwischengespeichert und später als Grafik angezeigt werden. Das Problem: Auch für Unbefugte, die auf das Mobilgerät zugreifen, ist der Aufenthaltsort bestimmbar. Außerdem besteht die Gefahr, dass die App mit dem vollständigen Zugriff auf den Speicher private Fotos oder andere Dateien ins Internet hochlädt.

Expertin: Die richtige Übungsausführung ist eine entscheidende Belastungsgröße

Foto: privat

„Training unter Anleitung sollte immer die erste Priorität sein, da es selbst für Fachkräfte schwierig ist, die eigene Bewegungsqualität einschätzen zu können. Die Qualität ist aber eine wesentliche Belastungsgröße und entscheidet maßgeblich über das Erreichen des Trainingsziels und die Vermeidung negativer Effekte. Erst danach ist der Faktor Quantität, also Wiederholbarkeit, in den Fokus zu rücken. Eine Möglichkeit wäre es, die Übungen mit Unterstützung zu erarbeiten. Für die Außensicht kann es schon genügen, mit einem Partner zu trainieren.“

Prof. Dr. Maren Witt ist Leiterin der Abteilung Biomechanik an der Sportwissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig

Interview

Foto: privat

„Motivieren Sie sich mit früheren Erfolgen!“

Birgit Zmrhal ist Diplom-Psychologin und Sportpsychologin aus Frankfurt/Main. ÖKO-TEST wollte von ihr wissen, womit Menschen ihren „inneren Schweinehund“ besiegen können und damit die erste Hürde nehmen, aktiver zu werden.

ÖKO-TEST: Was genau macht uns einen Strich durch den Vorsatz, aktiver zu sein? Birgit Zmrhal: Der sogenannte „innere Schweinehund“ ist im Grunde die Willensschwäche, etwas leicht Machbares, das wir uns selbst ausgesucht haben, plötzlich aber als unangenehm empfinden, umzusetzen. Weil es freiwillige Dinge sind, hat das keine direkten Folgen, und das wiederum dämpft unser schlechtes Gewissen.

Mit welcher Technik legen wir den Schweinehund an die Kette?
Nicht an die Kette legen! Machen Sie ihm Beine. Gewöhnen Sie ihn an neue Spielregeln. Ein Beispiel: Sie wollen sich täglich etwas mehr bewegen. Dafür nehmen Sie sich vor, an der Arbeit die Treppen statt des Aufzugs zu nehmen. Das machen Sie heute, das machen Sie morgen. Nach einer Woche laufen Sie automatisch zu Fuß. Wichtig ist, dass Sie selbst Ihr Durchhaltevermögen anerkennen. Sollten Sie spätere Ziele mit einem höheren Belastungsgrad anvisieren, zum Beispiel wenn Sie gezielt ein paar Kilo abnehmen wollen, ist diese Erfahrung eine gute Stütze. Meldet sich Ihr innerer Schweinehund, dann erinnern Sie sich genau an diesen früheren Erfolg und motivieren sich damit.

Also im Prinzip alles reine Kopfsache …
…die jeder lernen kann. Entscheidend ist, dass Sie die Startphase durchstehen. Setzen Sie sich realistische und attraktive Ziele. Stellen Sie sich mit positiven Bildern vor, wie es Ihnen geht, wenn Sie das Ziel erreicht haben. Setzen Sie sich Etappenziele. Jedes Mal, wenn Sie eins erreicht haben, belohnen Sie sich dafür.

Und wenn ich das alleine nicht schaffe?
Suchen Sie sich Gleichgesinnte. Schließen Sie sich einer kleinen Gruppe mit Leuten auf Ihrem Leistungsniveau an. Machen Sie zeitnahe gemeinsame Trainings aus und begrenzen Sie den Zeitaufwand dafür. Mit den anderen können sie sich gegenseitig motivieren, kurze Trainings lassen sich gut in den Alltag integrieren und feste Termine sagt man seltener ab.

Gegenseitige Motivation hilft also. Gilt das auch für virtuellen Applaus im Internet?
Für manche Menschen kann die Anerkennung, die sie zum Beispiel für ein hochgeladenes Foto erhalten, ein Motivationsschub sein. Wichtiger ist aber, dass sie selbst stolz auf sich sind, und nicht primär für den „Like“-Button trainieren. Der Beifall der anderen kann die Selbstanerkennung der eigenen Leistung nicht ersetzen.

Freeletics Bodyweight

Preis: 34,99 Euro

Bei dem Sportprogramm gilt das Trainingsprinzip „Vollgas“ und die Maßgabe, dass „Aufgeben keine Option“ ist. Das birgt die Gefahr, dass besonders Anfänger ihre möglichen Leistungen fehl einschätzen. Der Anbieter weist auf seiner Internetseite zwar darauf hin, Übungen sauber und in Ruhe auszuführen. Trotzdem dürfte der Wettbewerbscharakter, also das Messen der eigenen Zeit mit anderen Nutzern, schnell locken. In der App hat das Impressum gefehlt. Auf der Internetseite ist es vorhanden. Trotz Spracheinstellung „DE“ sind die Datenschutzbestimmungen auf Englisch. Das Unternehmen aus München sollte hier nachbessern, damit deutschsprachige Kunden sich leichter informieren können.

Gesamturteil „ausreichend“

Men’s Health 100 Tage Training ohne Geräte

Preis: 5,99 Euro

Die Studenten und Experten fanden die Übungsbeschreibungen teils zu umständlich formuliert. Durch das ständige Lesen entstehe kein Trainingsfluss. Mindestens für Anfänger ist die App also ungeeignet, da die Übungen nur mit Vorwissen optimal nachgemacht werden können. Das kann der Lerneffekt ausgleichen. Trotzdem könnte das Training nicht zielführend genug sein: „Es gibt ständige Wechsel zwischen zu anstrengenden und zu leichten Übungen, sodass selten eine optimale Trainingsbelastung erreicht wird“, so die Tester. Kritikpunkt bei der rechtlichen Prüfung: Die Datenschutzerklärung auf der Internetseite bezog sich zum Zeitpunkt der Prüfung nicht eindeutig auch auf die App-Inhalte.

Gesamturteil „ausreichend“

Women’s Health 100 Tage Training ohne Geräte

Preis: 5,99 Euro

Kommt aus dem gleichen Haus wie das Men’s Health 100 Tage Training ohne Geräte. Den Beurteilungen nach sind die Übungsbelastungen meist zu hoch. Im Vergleich zu den anderen Fitness-Apps sieht das Programm (ebenso wie sein auf Männer ausgelegtes Pendant) an einzelnen Trainingstagen ausschließlich Ausdauereinheiten vor. Mit Blick auf die Trainingsziele (knackiger Po oder flacher Bauch) hatten die Experten eine solche Trainingszusammenstellung nicht erwartet. Kritikpunkt bei der rechtlichen Prüfung: Die Datenschutzerklärung auf der Internetseite bezog sich zum Zeitpunkt der Prüfung nicht eindeutig auch auf die App-Inhalte.

Gesamturteil „ausreichend“

7 Minute Workout Seven with HIIT-Challenge

Preis: kostenlos

30 Sekunden Belastung, 10 Sekunden Pause – die Grundstruktur des Zirkels ist immer gleich, trotz unterschiedlicher Übungen. Dadurch ist die Belastung nicht immer ausgewogen. Dass Zirkeltraining grundsätzlich einen positiven Trainingseff ekt haben kann, ist unbestritten. Ein Problem aber ist, wenn mehrere Übungen nacheinander die gleichen Muskelgruppen ansprechen. Empfehlenswert ist die App für diejenigen, die ein Grundverständnis für die jeweiligen Übungen haben. Trainierte Nutzer dürften schnell unterfordert sein. Anfänger hingegen könnten aufgrund der nicht optimalen Übungsbeschreibung Schwierigkeiten bekommen. Andere Nachteile: Anbieterangaben stehen nur in der Beschreibung im Google-Play-Store (im Apple-Store sogar nur der Firmenname.) Nach dem Download weiß der Nutzer nicht mehr, mit wem er es zu tun hat.

Gesamturteil „mangelhaft“

Nike+ Training Club

Preis: kostenlos

Die App eignet sich für Anfänger und erfahrene Sportler, die Übungen mit ihrem Körpergewicht machen und dabei gleichzeitig ihr Herz-Kreislauf- System trainieren und einfach Kalorien verbrennen wollen. Einschränkungen gibt es im Bereich Hypertrophietraining, dem Muskelaufbau, der durch den Eigengewichtcharakter der Übungen im Laufe der Zeit schwierig wird. Die Übungsbeschreibungen und -visualisierungen sind klar, sodass Fehlbelastungen bei exaktem Training nach Vorgabe weniger wahrscheinlich sein dürften. Ein grober Mangel steckt in den Nutzungsbedingungen: Eine Klausel ist laut Kammergericht nach deutschem Recht unzulässig.

Gesamturteil „ungenügend“

Zirkeltraining Assistent

Preis: kostenlos

„Empfehlenswert für Personen, die ein Grundverständnis für die jeweiligen Übungen haben und auf der Suche nach ergänzenden Übungen beziehungsweise Zirkeln sind. Die gänzliche Befolgung aller in der App enthaltenen Angaben ist nicht sinnvoll, teilweise nicht einmal möglich. Das heißt, einzelne Zirkel nach Vorgabe zu absolvieren, kann regressive Eff ekte hervorrufen. Zugleich muss man sein eigener Trainer sein. Daher auch für Anfänger ungeeignet“, schreiben die beauftragten Experten der Sportwissenschaftlichen Fakultät. Die App ist einfach gehalten und übersichtlich. Die Animationen, die die Übungen erklären sollen, sind ungenau. Andere Nachteile: Anbieterangaben stehen nur in der Beschreibung im Google-Play-Store. Nach dem Download weiß der Nutzer nicht mehr, mit wem er es zu tun hat. Bei Apple ist die App nicht verfügbar.

Gesamturteil „ungenügend“

So haben wir getestet

Die Auswahl

Der Markt für Fitness-Apps bietet Nutzern ein vielfältiges Angebot. Für alle, die sich statt einzelne Muskelgruppen zu trainieren lieber mit einem Ganzkörper-Workout fit halten wollen, haben wir sechs Angebote ausgewählt: vom Sieben-Minuten-Training bis zum 100 Tage-Plan.

Die Praxisprüfung

An der Sportwissenschaftlichen Fakultät einer deutschen Universität haben zwölf Studenten, davon sechs trainingsmethodisch erfahrene Sportstudenten höheren Semesters, und sechs Studenten einer anderen Studienrichtung, 14 Tage lang nach den Programmen trainiert und ihr Urteil abgegeben. Die sportliche Aktivität der überwiegend Mitte-zwanzig-Jährigen war kein Auswahlkriterium. Von den Probanden sowie den wissenschaftlichen Hilfsund Fachkräften wollten wir unter anderem wissen, ob die Fitness-Apps anfängertauglich sind, wie gut die Übungen in Bild und Text erklärt sind und ob sich daraus ein fehlbelastungsfreies Training ergibt. Ebenfalls interessierte uns, wie sie den Schwierigkeitsgrad und die Zusammenstellung der Übungen innerhalb einer Trainingseinheit einschätzen. Außerdem wurden die Fitness- Apps von den Experten auf trainingsmethodische Grundsätze und mögliche bedenkliche Übungen abgeklopft.

Die Übungen müssen klar erklärt sein, damit die Nutzer richtig trainieren können. Das war nicht bei allen Apps der Fall.


Screenshot: 7 Minute Workout

Der Datenschutz

Je nach Ausgestaltung einer App gehen Verbraucher einen Kaufvertrag ein. Selbst bei kostenlosen Basisprogrammen kann das durch In-App-Käufe geschehen. In Fällen kostenpflichtiger Angebote ist eine ordnungsgemäße Widerrufsbelehrung vorgeschrieben. Wichtige rechtliche Regelungen zwischen Nutzer und Anbieter stehen außerdem in den AGB, den Nutzungsbedingungen und in der Datenschutzbestimmung. Ein Rechtsanwalt mit dem Fokus auf Medienrecht sowie IT- und Datenschutzrecht hat die Fitness-Apps auf die jeweils erforderliche rechtliche Ausgestaltung geprüft.

Die Bewertung

Die Beurteilungen innerhalb der Praxisprüfung haben wir in vergleichbare Kategorien gefasst und bewertet. Sind Auf- und Abwärmübungen integriert? Sind die Übungen verständlich und genau beschrieben? Ist die Übungsauswahl zielführend, werden einzelne Muskelgruppen möglicherweise überbelastet? Unter dem Testergebnis Rechtliches und Transparenz haben wir unter anderem abgewertet: ein fehlendes Impressum ebenso wie unzulässige Nutzungsbedingungen.

AGB, Datenschutz und Co.: Was Verbraucher wissen sollten

Der Umfang der gesetzlich geforderten Information hängt davon ab, welche Features eine Fitness-App umfasst. So ist jede Fitness-App, die den Verbraucher über das Internet mit Informationen versorgt und bei der ein Verbraucher seine Daten „hochladen“ kann, immer als Mediendienst zu beurteilen. Dann gilt das Telemediengesetz (TMG). Auch das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) steckt je nach Ausgestaltung einer App den Rahmen ab.

Bei allen Apps, die einen Internetbezug haben und/oder entgeltlich oder werbefinanziert sind, besteht eineImpressumspflicht (§ 5 TMG). Für Verbraucher muss also ersichtlich sein, wer für den Inhalt verantwortlich ist. Das Impressum muss leicht erkennbar, unmittelbar erreichbar und ständig verfügbar sein, um Verbrauchern die Verfolgung ihrer Rechte zu ermöglichen.

Bei einem entgeltlichen, also kostenpflichtigen Angebot ist außerdem eineWiderrufsbelehrung (§ 312) erforderlich. Das bedeutet für Verbraucher, dass sie auch bei Apps innerhalb einer Frist von 14 Tagen von dem Vertrag zurücktreten können. Wegen der Schwierigkeiten der Rückabwicklung darf ein App-Entwickler das Widerrufsrecht ausschließen. Der Verbraucher muss dem Ausschluss vor der Inanspruchnahme der Leistung ausdrücklich zustimmen und bestätigen, dass er über den Ausschluss informiert worden ist. Bei kostenlosen Angeboten ist die Widerrufsbelehrung seit 2014 nicht mehr erforderlich.

Im Gegensatz zur Widerrufsbelehrung sindAllgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) gesetzlich nicht vorgeschrieben. Fehlen AGB, gelten die Regelungen des Bürgerlichen Gesetzbuches. Dasselbe gilt, wenn sie nicht ordnungsgemäß in den Vertrag einbezogen werden. Laut Gesetz müssen Verbraucher vor Vertragsabschluss auf die AGB hingewiesen werden und diese ohne große Umwege zur Kenntnis nehmen können.

Sofern es sich bei einer Fitness-App um einen Mediendienst handelt, ist nach § 13 TMG eineDatenschutzerklärung vorgeschrieben. Danach hat ein Dienstanbieter den Verbraucher bereits beim Herunterladen unter anderem über Art, Umfang und Zweck der Erhebung und Verwendung personenbezogener Daten in allgemein verständlicher Form zu unterrichten. Eine unvollständige Datenschutzerklärung kann mit einer Geldbuße bis zu 25.000 Euro bestraft werden. Fehlt eine ordnungsgemäße Datenschutzerklärung, können Gerichte das als abmahnfähigen Wettbewerbsverstoß einordnen.


Foto [m]: imago/Westend61; iymsts/Shutterstock; Liashko/Shutterstock