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TEST Fleischersatzprodukte: Es geht um die Wurst


ÖKO-TEST Ratgeber Essen und Trinken - epaper ⋅ Ausgabe 4/2011 vom 15.04.2011

Würstchen für den Grill, Bolognese auf die Nudeln oder Leberwurst in der Semmel – nichts ist mehr unmöglich für Vegetarier. Das Angebot an fleischfreien Alternativen ist groß. Doch leider sind nicht alle getesteten Produkte empfehlenswert.


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Foto: FOOD-micro/fotolia.com

Warum ein Vegetarier Pflanzenkost ausgerechnet im Fleischkleid haben möchte, erfahren wir von Saskia Rosalie Wolff, die seit sieben Jahren mit ihrer Firma Smilefood einen ständig wachsenden Internethandel mit vegetarischen Fleischersatzprodukten betreibt. „Ich bin seit zehn Jahren Vegetarierin. Den herrlich herzhaft-würzigen Geschmack eines ...

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Warum ein Vegetarier Pflanzenkost ausgerechnet im Fleischkleid haben möchte, erfahren wir von Saskia Rosalie Wolff, die seit sieben Jahren mit ihrer Firma Smilefood einen ständig wachsenden Internethandel mit vegetarischen Fleischersatzprodukten betreibt. „Ich bin seit zehn Jahren Vegetarierin. Den herrlich herzhaft-würzigen Geschmack eines Fleischgerichts mag ich trotzdem. Und tu einfach ruhigen Gewissens mal so, als ob.“

Rohwaren für das Pflanzenfleisch sind hauptsächlich Sojabohnen oder Weizen in Form von Tofu und Eiweißprodukten. Neuerdings gibt es von der Firma Campina auch Produkte auf Milchbasis. Dazu kommen die verschiedensten pflanzlichen Öle, reichlich Gewürze und oft auch Aroma oder Hefeextrakt. Das riecht nicht wie Fleisch, aber so ähnlich und kommt in Aussehen und der Konsistenz den Originalrezepten für Schnitzel, Döner und Leberwurst häufig erstaunlich nahe.

Wir haben von Profis testen lassen, wie der Fleischersatz schmeckt. Außerdem schickten wir die 19 ausgewählten vegetarischen Alternativen in diverse Labore, wo sie auf viele Schadstoffe und ihren Salzgehalt untersucht wurden.

Das Testergebnis

■ Nur zwei Produkte erreichen die Bestnote, während knapp die Hälfte ein mittelmäßiges „befriedigend“ oder „ausreichend“ schafft. Einige untersuchte Produkte hatten so viele Mängel, dass wir davon abraten müssen.

Nicht Fleisch, sondern Soja steckt in vielen vegetarischen Würstchen, Schnitzeln oder Nuggets.


Foto: Junior Gobira/fotolia.com

■ Die Fettschadstoffe 3-MCPD- und Glycidyl-Ester bilden sich, wenn Öle oder Fette raffiniert werden. Experten gehen davon aus, dass sie sich im Körper umwandeln und ein gesundheitliches Risiko bergen: von gutartigen Tumoren bis hin zu Krebs. Zwar sind die Stoffe noch nicht abschließend erforscht. Doch aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes wird der Industrie dringend empfohlen, die Gehalte durch die Auswahl der Zutaten und den Herstellungsprozess zu reduzieren. In zwei Marken stellten die beauftragten Labore sogar stark erhöhte Mengen an 3-MCPD-/Glycidyl-Ester fest.

■ DiePural Vegetarische Bio-Nuggets enthalten relativ große Mengen des Weichmachers Diisononylphthalat (DINP). Der Stoff geht aus Kunststoffmaterialien vor allem auf fettreiche Lebensmittel über und ist deshalb in Verpackungen für fettreiche Produkte verboten. Die Ursache der Belastung muss im Fall der Bio-Nuggets aber woanders liegen. Denn in der Kunststoffverpackung steckten zwar Weichmacher, aber nicht in so hoher Konzentration, dass so viel in den Fleischersatz übergehen könnte. Gesetzliche Höchstmengen für DINP in Lebensmitteln gibt es nicht, wohl aber ein Limit für den Übergang von Verpackungen an den Inhalt. Dieser Wert ist in den Nuggets überschritten.

■ In zwei Produkten stecken Spuren der weitverbreiteten, gentechnisch veränderten SojasorteRoundup-Ready . Solche Funde zeigen wieder, dass ein friedliches Nebeneinander von herkömmlicher und Gen-Tech-Landwirtschaft unmöglich ist.

■ Die vegetarischen Fleischalternativen pflegen ein gesundes, natürliches Image. Natürliche Aromen passen nicht dazu, denn sie schmücken sich zwar mit dem Wörtchen „natürlich“, sind aber auch synthetisch hergestellt. Hefeextrakt ist ein versteckter Geschmacksverstärker, mit dem man Qualitätsmängel ausgleichen kann. Bis auf drei Ausnahmen steckt in allen Testmarken Hefeextrakt und/oder Aroma.

■ Warum zugesetzte Vitamine im Fleischersatz? Die sollten lieber mit einer gesunden, abwechslungsreichen Ernährung zugeführt werden. Deshalb werten wir das zugesetzte Vitamin B6 imValess Schnitzel fleischfrei ab. Der Eisenzusatz in demselben Schnitzel ist zwar einleuchtender – als Ersatz für die beste Eisenquelle in unserer Nahrung, das Fleisch. Dennoch: Ein Zuviel an Eisen ist gefährlich. Es wird mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen in Verbindung gebracht. Konsumenten erfahren auf der Verpackung desValess Schnitzels vom Eisenzusatz nur, wenn sie die Zutatenliste studieren.

■ Mehr als sechs Gramm Salz täglich sind problematisch, weil zu viel Salz bei empfindlichen Menschen den Blutdruck erhöhen kann. Produkte, die schon mit einer 100-Gramm-Portion über zwei Gramm Salz liefern, werten wir deshalb ab. In der Regel kommt noch eine andere salzhaltige Beilage hinzu, sodass mit einer Mahlzeit ruck, zuck schon die Hälfte der empfohlenen Tagesdosis weg ist.

■ Aussehen, Konsistenz, Geruch und Geschmack haben wir von geschulten Mitarbeitern eines spezialisierten Labors verkosten lassen. Das Ergebnis:Bio Bio Pikante Tofu-Bolognese undViana Veggie Döner Kebap kommen dem Original am nächsten, doch auch bei vielen anderen Produkten gibt es in vielen, aber nicht in allen Bereichen, verblüffende Ähnlichkeiten. Häufigster Unterschied: Eine weichere Konsistenz in Fleischersatzprodukten. Manche sind auch überwürzt, im Biss zu elastisch oder gummiartig oder unnatürlich gefärbt.

In die Tabelle haben wir den Geschmack und den Unterschied zu konventionellen Produkten mit aufgenommen. Bewertet haben wir das Ergebnis der Sensorik bewusst nicht, weil die Produkte nicht gleich schmecken können und weil es keinen zertifizierten Standard für Fleischersatzprodukte gibt.

Unsere Empfehlungen

■ Vegetarier finden in den „sehr guten“ und „guten“ Produkten wie Hackbällchen, Nuggets und Burger eine herzhafte Abwechslung.
■ Achten Sie auf die Zutatenliste: Wenn Palmöl oder pflanzliches Öl relativ weit vorn in der Liste steht, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass erhöhte Mengen an Fettschadstoffen im Produkt stecken.
■ Vegetarisch bedeutet nicht immer kalorienarm. Teilweise steckt in den Produkten viel Fett. Spitzenreiter sind dieGranovita Räucher Snackies mit 45 Prozent.