Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 5 Min.

TEST: foto MAGAZINE BILDSTABILISATOREN Kameras und Objektive: SCHARF OHNE STATIV


fotoMAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 120/2018 vom 16.11.2018

Bildstabilisatoren sind für die heutige Fotografen-Generation eine Selbstverständlichkeit. Sie ermöglichen Aufnahmen aus der freien Hand, die normalerweise ein Stativ erfordern. Wir erklären, wie die Technologie funktioniert und geben nützliche Tipps für den Praxiseinsatz.


Artikelbild für den Artikel "TEST: foto MAGAZINE BILDSTABILISATOREN Kameras und Objektive: SCHARF OHNE STATIV" aus der Ausgabe 120/2018 von fotoMAGAZIN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: fotoMAGAZIN, Ausgabe 120/2018

Im Idealfall arbeiten die Bildstabilisatoren in der Kamera und im Objektiv zusammen – hier die duale Bildstabilisierung bei der Panasonic Lumix GX80.


Die Entwicklung moderner Bildstabilisatoren hat die Art und Weise, wie wir heute fotografieren, maßgeblich verändert. Das umständliche Stativ kann immer häufiger zuhause bleiben und es ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,49€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von fotoMAGAZIN. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 120/2018 von MEISTERWERKE: GALERIE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
MEISTERWERKE: GALERIE
Titelbild der Ausgabe 120/2018 von FORUM: FOTOSZENE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
FORUM: FOTOSZENE
Titelbild der Ausgabe 120/2018 von REPORTAGE: LONDONS NEUER FOTOBOOM. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
REPORTAGE: LONDONS NEUER FOTOBOOM
Titelbild der Ausgabe 120/2018 von PORTFOLIO: ENTSCHLEUNIGTE TIERWELT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
PORTFOLIO: ENTSCHLEUNIGTE TIERWELT
Titelbild der Ausgabe 120/2018 von FOTOWETTBEWERB: LESERGALERIE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
FOTOWETTBEWERB: LESERGALERIE
Titelbild der Ausgabe 120/2018 von REPORTAGE: DER TREND ZUM EVENT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
REPORTAGE: DER TREND ZUM EVENT
Vorheriger Artikel
SPECIAL // SPIEGELLOSES VOLLFORMAT: OBJEKTIVTEST: Gelungener Neus…
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel TEST: WEITWINKEL-TEST
aus dieser Ausgabe

... entstehen viele Freihand-Aufnahmen unter schwierigen Lichtbedingungen, die ohne einen Bildstabilisator niemals möglich wären. Die Vorteile werden vor allem dann deutlich, wenn die Stabilisierung zum Vergleich vorübergehend abgeschaltet wird.

Ausgleich von vier bis fünf Blendenstufen

Zum besseren Verständnis erläutern wir den Effekt eines Bildstabilisators anhand eines 50-mm-Kleinbildobjektivs. Im Allgemeinen heißt es, dass ein scharfes Bild auch ohne Stabilisierung möglich ist, wenn die Belichtungszeit nicht länger ausfällt als der Kehrwert der verwendeten Brennweite. Bei 50 mm sollte die Verschlusszeit also nicht länger als eine 1/50 s sein. Ausgehend von der häufig verwendeten Verschlusszeitenreihe 1/60, 1/30, 1/15 s wäre eine Aufnahme mit einer 1/60 s also theoretisch kein Problem. Bei einer 1/30 s können dagegen bereits minimale Verwacklungen durch den Fotografen dazu führen, dass die Aufnahme nicht mehr zu gebrauchen ist.
Wird der Bildstabilisator wieder eingeschaltet, ist die Ausgangslage eine ganz andere. Moderne Stabilisierungssysteme sind in der Lage, bis zu vier oder fünf sogenannte Blendenstufen auszugleichen. Was bedeutet das in der Praxis? Eine Blendenstufe entspricht einer Verdopplung oder Halbierung der Verschlusszeit. Um beim oben genannten Beispiel zu bleiben, lässt sich die Verlängerung der Verschlusszeit von einer 1/60 s auf eine 1/30 s mit einer Blendenstufe gleichsetzen. Gleicht ein Bildstabilisator also zum Beispiel bis zu vier Blendenstufen aus, ermöglicht er in der Theorie selbst dann noch scharfe Bildergebnisse, wenn mit einer langen 1/4 s gearbeitet wird. Warum nur in der Theorie? Weil ein Bildstabilisator keine Wunder bewirken kann. Es ist in dem genannten Beispiel durchaus möglich, bei einer 1/4 s zu fotografieren – allerdings sollte sich der Fotograf ebenfalls bemühen, möglichst nicht zu wackeln und gleichzeitig kurz die Luft anzuhalten. Davon abgesehen ist die grundlegende Faustregel vom Kehrwert der Brennweite nicht unein- geschränkt anwendbar. Je höher die Auflösung des Sensors, desto schneller machen sich feinste Verwacklungen im Bild bemerkbar, wenn die Bilder entsprechend groß dargestellt werden. Bei sehr hochauflösenden Kameras kann es daher sein, dass die Aufnahmen ohne eine Stabilisierung mit einem 50-mm- Objektiv auch bei einer 1/60 s bereits unscharf sind.

Ricoh setzt – wie viele Hersteller – in den Pentax-Kameras auf einen beweglich gelagerten Bildsensor, der sich durch Spulen, die ein Magnetfeld aufbauen, bewegen lässt.


FOTO: © RICOH

Kippen, schieben und drehen

Um die Effektivität eines Bildstabilisators zu beschreiben, sprechen die Kameraund Objektivhersteller häufig davon, dass zwei bis fünf Achsen ausgeglichen werden können. Achse eins und zwei sind zum Beispiel Kippbewegungen nach links und rechts, sowie nach oben und unten. Sie sind sicherlich die häufigsten Ursachen für eine Verwacklung. Dann gibt es die Achsen drei und vier, bei denen die Kamera nicht gekippt, sondern nach links und rechts, sowie nach oben und unten verschoben wird. Die fünfte Achse beschreibt eine Drehung um die optische Achse. Das kann zum Beispiel passieren, wenn der Fotograf den Auslöser drückt und die Kamera dabei minimal nach rechts im Uhrzeigersinn verdreht. Um all diese Bewegungen optimal auszugleichen, kommen zwei verschiedene Stabilisierungsansätze zum Einsatz.
Bei der optischen Stabilisierung sitzt die Stabilisierungseinheit im Objektiv. Das Funktionsprinzip basiert auf einem beweglich gelagerten Linsenelement, das ungewollte Verwacklungen ausgleicht, in dem es sich, vereinfacht ausgedrückt, in die Gegenrichtung bewegt – und das in einem enormen Tempo. Der Objektiv- Hersteller Tamron arbeitet für seine VC (Vibration Compensation) zum Beispiel mit Gyro-Sensoren, die 4000-mal pro Sekunde eine mögliche Vibration lokalisieren und diese Information an einen Mikroprozessor weiterleiten. Der gibt den Befehl an das über drei Spulen magnetisch aufgehängte Linsenelement, das sich anschließend zum Ausgleich der Bewegung in die entgegengesetzte Richtung bewegt. Der Vorteil der optischen Stabilisierung liegt darin, dass der Bildstabilisator perfekt für die zum Einsatz kommende Brennweite optimiert ist. Der Nachteil zeigt sich im limitierten Bewegungsspielraum. So lassen sich über das beweglich gelagerte Linsenelement zum Beispiel keine Drehbewegungen ausgleichen.
Aus diesem Grund sind viele Kamerahersteller dazu übergegangen, die Stabilisierung direkt am Kamerasensor anzusetzen. Die Schwierigkeit dabei: Da die Bildsensoren für einen Ausgleich der Verwacklung beweglich gelagert werden müssen, nehmen die Stabilisierungseinheiten im Gehäuse viel Platz in Anspruch. Für kleinere Sensoren, wie bei Micro Four Thirds und auch bei APS-C, lassen sich solche Stabilisierungseinheiten daher etwas einfacher realisieren, als für einen großen Kleinbildsensor. Im Vergleich zur optischen Stabilisierung kann der Bildsensor auch Drehbewegungen ausgleichen, indem er einfach im Ganzen in die Gegenrichtung rotiert. Zudem ist die Sensorstabilisierung insgesamt flexibler. Sie ermöglicht selbst dann scharfe Aufnahmen, wenn die eingesetzten Objektive über keine eigene Stabilisierung verfügen. Das gilt somit auch für den Einsatz von Fremdobjektiven über Adapter. Dennoch gibt es einen Nachteil: Der Bewegungsspielraum des Bildsensors ist aus Platzgründen limitiert. Das kann bei langen Telebrennweiten zu Schwierigkeiten führen, da im starken Tele oft größere Ausgleichsbewegungen nötig sind, als bei einem Weitwinkel. Die Lösung ist eine Kombination aus beiden Stabilisierungsansätzen, oft auch als Hybrid- oder Dual-Stabilisierung bezeichnet. Das Ergebnis ist beeindruckend, wie unser Praxistest auf den folgenden Seiten belegt. Beim Herstellerübergreifenden MFT-System sollte man allerdings darauf achten, dass Olympus und Panasonic bei der Stabilisierung nicht direkt zusammenarbeiten. Olympus-Fotografen werden die beste Stabilisierungswirkung daher voraussichtlich mit einem Olympus-Objektiv erzielen. Für Panasonic-Fotografen gilt das gleiche bei Panasonic-Objektiven.

Die Alpha-7-Modelle von Sony besitzen seit der zweiten Generation einen Bildstabilisator mit Sensor-Shift, der Bewegungen auf fünf Achsen korrigieren kann.


BILD: © SONY

Der Vorteil des „Modus 3“

Bei einigen langen Telebrennweiten ist der optische Bildstabilisator in drei Modi aufgeteilt. Das ist zum Beispiel beim Tamron SP 2,8/70-200 mm Di VC USD G2 der Fall. Modus eins gleicht horizontale und vertikale Bewegungen gleichermaßen aus, während Modus zwei hauptsächlich auf horizontale Mitzieher optimiert ist. In beiden Modi ist der Bildstabilisator ununterbrochen aktiv, sobald der Auslöser angetippt wird. Das führt zu einer sichtbaren Beruhigung des Bildes im Sucher. Der Fotograf sieht also nicht nur sofort die Wirkung der Stabilisierung – er kann sein Motiv durch das ruhige Sucherbild auch wesentlich leichter anvisieren. In Modus drei gibt es diesen Vorteil nicht. Die bewegliche Linseneinheit bleibt so lange starr stehen, bis der Auslöser ganz durchgedrückt und damit die Aufnahme gestartet wird. Klingt vielleicht erst einmal nicht so ideal. Tatsächlich kann diese Methode aber zu einer besseren Stabilisierungswirkung führen. Man kann es sich vereinfacht so vorstellen: Ist das bewegliche Linsenelement dauerhaft aktiv, kann es sein, dass es sich unmittelbar vor dem Auslösen in die entgegengesetzte Richtung bewegt und somit einen längeren Weg zurücklegen muss, als wenn es beim Auslösen aus der zentralen Position gestartet wäre. Im Modus drei wartet das Linsenelement dagegen in zentraler Position und gleitet anschließend sofort in die richtige Richtung.

Bei Tamrons Teleobjektiv 4/70-210 mm DI VC USD ruht die VC-Linsengruppe auf reibungsarmen Kugellagern und wird über Magnete in die nötige Richtung gelenkt.


ILLUSTRATION: © TAMRON

Praxistest mit 1488 Testbildern

Wie gut schlagen sich die aktuellen Stabilisierungssysteme in der Praxis? Das wollten wir genau wissen und haben acht Kameras und insgesamt 17 verschiedene Objektive in einen ausführlichen Test geschickt.
Die Aufgaben bestanden aus einer weitwinkligen Aufnahme mit einer Brennweite von 35 mm (im Vergleich zum Kleinbild) und aus einem Portrait bei umgerechnet 200 mm. In beiden Testsituationen haben wir erst mit und dann ohne Stabilisierung fotografiert und die Ergebnisse in den Tabellen zum besseren Vergleich nebeneinandergestellt. Pro Kamera/Objektivkombination und abhängig von der Brennweite starteten wir mit einer Verschlusszeit, die laut Kehrwertregel auch ohne Stabilisierung scharfe Bilder liefern sollte. Anschließend verlängerten wir die Verschlusszeiten einige Male, um die, laut Hersteller, kompensierbaren Blendenstufen zu simulieren. Pro Verschlusszeit wurden sechs Testbilder aufgenommen. Das führte zu insgesamt 1488 Bilder aus beiden Testreihen. Alle ausgewählten Objektive besitzen einen eigenen Bildstabilisator. Bei den Kameras haben wir, wenn möglich, ebenfalls Modelle mit sensorbasierter Stabilisierung gewählt.

ILLUSTRATION: © TAMRON


BILD: © PANASONIC