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TEST Frischhaltedosen: Eins auf den Deckel


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2011 vom 26.08.2011

Frischhaltedosen gibt es in unendlich vielen Formen und Größen. Unser Test ergab: Manches billig gekaufte Schnäppchen kann für eine echte Sauerei in Rucksack oder Kofferraum sorgen. Qualitätsprodukte zahlen sich dagegen auf lange Sicht aus.


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Foto: Leonid Nyshko/Fotolia.com

Eine Frischhaltedose kann man im Supermarkt kaufen, im Ramschladen, im Kaufhaus – oder aber am Swimmingpool. Rund um das blau leuchtende Becken sind Sonnenschirme und Gartenstühle für ein gutes Dutzend Gäste aufgebaut. Auf einem Tisch stapeln sich bunte Dosen, Schüsseln und klobige Kunststoffungetüme. „Ich zeig euch jetzt mal, wie man ...

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Eine Frischhaltedose kann man im Supermarkt kaufen, im Ramschladen, im Kaufhaus – oder aber am Swimmingpool. Rund um das blau leuchtende Becken sind Sonnenschirme und Gartenstühle für ein gutes Dutzend Gäste aufgebaut. Auf einem Tisch stapeln sich bunte Dosen, Schüsseln und klobige Kunststoffungetüme. „Ich zeig euch jetzt mal, wie man mit dem Quick-Chef blitzschnell eine Thunfischcreme zubereitet“, sagt Silke Trillig und zerhäckselt nacheinander Zwiebeln, Thunfisch und andere Zutaten in einem Gerät, das optisch einer kleinen Salatschleuder mit aufgesetzter Kurbel ähnelt.

Silke Trillig aus dem hessischen Pfungstadt ist Tupper-Beraterin. Und zwar eine der besten Deutschlands. In einem Jahr verkauft sie nach eigenen Angaben Ware im Wert von etwa 100.000 Euro. Heute tuppert sie bei sich zu Hause im Garten, normalerweise besucht sie aber Frauen und Männer, die Interesse an den Produkten haben und gleich auch noch Freunde zur „Tupperparty“ ins eigene Heim einladen.

Mittlerweile machen Thunfischhäppchen die Runde, später Spaghetti (zubereitet in einer speziellen Nudelgarschüssel für die Mikrowelle) mit Pesto (zubereitet in einem Minihäcksler, beides von Tupperware).


Niemand muss etwas kaufen – aber man greift dann doch zu


Persönlicher Kontakt ist wichtig. Käufer und Verkäufer kommen bei der Tupperparty nicht auf dem neutralen Terrain des Einkaufszentrums zusammen, sondern in einer Privatwohnung. Unschlagbarer Vorteil: Der Kunde kann schon vor dem Kauf ausprobieren, ob er mit einem Produkt zurechtkommt. Der im Kaufhaus erstandene Kräuterhäcksler entpuppt sich dagegen erst zu Hause als Murks.

Klarer Nachteil: Es fehlt die Vergleichsmöglichkeit. Ist das angepriesene Produkt eher günstig oder eher teuer? Gibt es noch andere Hersteller? Wer zur Tupperparty geht, hat sich auf die Marke quasi schon festgelegt. Und wer weiß, wann die nächste Gelegenheit kommt? Da kauft man doch lieber gleich das Dreierset Dosen. Und die Salatschleuder. Und den Kartoffelschäler. Und vielleicht noch den Mixbecher.

Im Kreise von Freunden und Bekannten fehlt zudem die Unverbindlichkeit des Ladens: Im Warenhaus sagt man schnell mal, man wolle „noch ein bisschen schauen“, wenn einem die Plastikdose in Wahrheit bloß zu hässlich oder zu teuer ist. Vor der besten Freundin möchte man dagegen ungerne als Spielverderberin, Nörglerin oder Geizhals dastehen.

Wir wollten wissen, ob der Tupperdose zu Recht gute Qualität nachgesagt wird, und haben den Test gemacht. 13 Kunststoffdosen haben wir besorgt. Als Alternativen zu Plastik kamen noch eine Porzellandose und eine Glasdose in den Test.

Das Testergebnis

Qualität hat ihren Preis – der sich aber lohnt. Alle schlechteren Dosen waren aus der Preisklasse bis 3,50 Euro. Wer beim Dosenkauf nicht geizt, ist auf der sicheren Seite. Das Modell von Tupperware gehört übrigens trotz kleinerer Mängel zu den besten im Test.
Dicht soll eine fabrikneue Dose schon sein. Leider war das bei mehr als jeder zweiten Dose zu viel verlangt! Schon beim Überkopfschütteln der wasserbefüllten Dosen leckten fünf deutlich – teils sogar ohne Schütteln. Wer in diesen Behältern Nudelsalat oder marinierte Knoblauchsteaks zur Grillparty transportiert, versaut sich damit schnell mal den Picknickkorb.
Dicht auch unter Druck? Wir haben geprüft, ob die Dose noch dicht hält, wenn etwas Kaltes eingefüllt und die Dose langsam warm wird. Hier wurde letztlich jede Dose irgendwie undicht – die besten allerdings nur ein ganz klein wenig.
Was eine Dose wert ist, zeigt sich erst mit der Zeit. Nach 300 mal öffnen und schließen waren einige Deckel verformt. Die Jämka von Ikea hielt danach auch nicht mehr richtig dicht. Die Dose von OKT war nach 20 Spülmaschinendurchgängen so weit, dass sie auch ohne Schütteln auslief.
Aus allen Kunststoffdosen löst sich etwas heraus. Für den Migrationstest, also die Prüfung, ob Stoffe aus der Dose in Lebensmittel übergehen können, wurden die Dosen mehrmals mit der Testflüssigkeit Iso-Octan befüllt und erhitzt. Eine in Laboren ganz übliche Prüfung, auch wenn die Norm einen Test mit Olivenöl vorsieht, was in der Regel weniger streng ist. In einem weiteren Test haben wir nach einer Reihe von Kunststoffzusätzen gesucht, die problematisch oder zumindest umstritten sind. Hier können wir aber Entwarnung geben.

Problemfall Melamin: Die Schüssel von Mepal besteht aus dem Kunststoff Melamin. Diesen sollte man keinesfalls in der Mikrowelle erhitzen. Denn wie unser Test gezeigt hat, lösen sich die Schadstoffe Melamin und Formaldehyd bei Erhitzung zumindest in sehr geringen Mengen heraus. Gut, dass der Hersteller auf der Unterseite der Schüssel davor warnt, die Dose in die Mikrowelle zu stellen.

So reagierten die Hersteller

Curver, Tupperware, Emsa und OKT wiesen darauf hin, dass wir Tests gemacht hätten, für die ihre Dosen gar nicht ausgelegt seien. Mal verwies man auf einen Beileger, laut dem Tomatensauce und Ähnliches die Dose verfärben können (Curver, OKT), Emsa erklärte, man dürfe die Dose auch nicht 15 Minuten in der Mikrowelle erhitzen, wie wir es getan haben. Tupperware verwies auf Benutzungseinschränkungen, die aus dem Katalog hervorgingen, und auf die auch die Tupperberaterin hinweise. Es ist schon interessant, welche Einschränkungen es für eine normale Küchendose gibt.

Real, Buchsteiner, Luminarc und Mepal erklärten zur Dichtheit, es sei ja auch nie behauptet worden, dass die Dosen dicht seien. Real kündigte zudem an, die Bruchfestigkeit der Dose gegebenenfalls zu verbessern.
Emsa schrieb uns, dass sich Deckel und Dose nicht dauerhaft verformten, sondern nach kurzer Zeit wieder zurück in ihre ursprüngliche Form gingen, etwa wenn man die Dose verschließe. Emsa bestätigte weiter, dass die Dose nicht dicht sei – obwohl kurioserweise der Beileger genau dies behauptet. Ein Druckfehler, hieß es.
OKT: Auch auf der undichten Fresh & Safe-Dose prangt ein Dichtheitshinweis. Diesmal kein Versehen, sondern eine „aufgezeigte Schwäche“, die man verbessern wolle.

Kompakt

Geht auch an der Haustür
Das Einkaufen mit Freunden im heimischen Wohnzimmer kann dazu verleiten, mehr zu ordern, als man eigentlich vorhatte. Doch hier gilt das Widerrufsrecht: Anders als im Geschäft, wo der Umtausch ohne vorliegenden Mangel ein freiwilliger Service ist (der aber in aller Regel gewährt wird), sind Tupperpartys und ähnliche Veranstaltungen in der eigenen Wohnung oder in der Wohnung von Freunden ein Haustürgeschäft. Und hier gilt: 14 Tage nach Erhalt einer den gesetzlichen Vorschriften entsprechenden, ordnungsgemäßen Widerrufsbelehrung (meist im Vertrag oder auf dem Bestellschein) kann man den Vertrag widerrufen, wenn man die Ware nicht benutzt hat. Und zwar ohne Angabe von Gründen.
Eine ganz andere Situation kann es aber sein, wenn die Verkaufsparty bei einer professionellen Händlerin zu Hause stattfindet. Dann ist der Kunde nämlich ganz gezielt zu einer Verkaufsveranstaltung gegangen und wusste, dass dort etwas verkauft werden soll.
Hier ähnelt die Situation unter Umständen der in einem Geschäft. Fragen Sie also im Zweifel lieber nochmals nach, wie es mit dem Widerrufsrecht aussieht, und lassen Sie sich das auch schriftlich geben. Ein seriöses Unternehmen wird Ihnen stets erlauben, unbenutzte Ware innerhalb einer Frist zurückzugeben. Tupperware etwa gewährt nach eigenen Angaben grundsätzlich ein Widerrufsrecht von vier Wochen nach Erhalt der Ware.
Bei jedem Haustürgeschäft sollten Sie sich einen schriftlichen Vertrag, eine Quittung sowie die Adresse des Händlers geben lassen. Außerdem sollten Sie sich genau durchlesen, was Sie eigentlich unterschreiben und nachfragen, wenn Sie etwas nicht verstehen. Wenn es nicht um sehr kleine Beträge geht und Sie die Ware nicht sofort erhalten, sollten Sie auch nicht im Voraus bezahlen.

ÖKO-TEST rät

• Die Dose erst mal heiß ausspülen, bevor sie benutzt wird. Denn die meisten Stoffe lösen sich gleich am Anfang aus einer neuen Dose.

• Die besten Produkte im Test sind aus Kunststoff. Wer aber partout keine Plastikdosen möchte, kann zu Glas- oder Porzellandosen greifen. Allerdings muss man ganz klar Kompromisse eingehen: Sie sind schwer, kleckern beim Umgießen und gehen beim Herunterfallen kaputt.

• Achtung! Schüsseln aus Melamin können giftiges Formaldehyd abgeben, wenn sie zum Beispiel in der Mikrowelle erhitzt werden.

So haben wir getestet

Der Einkauf
Die 15 Frischhaltedosen haben wir in den Haushaltsabteilungen von Supermärkten und Einrichtungsläden, im Internet sowie über Tupperware gekauft. Um zu schauen, ob es Alternativen zu Kunststoff gibt, kamen auch eine Glas- und eine Porzellandose in den Einkaufskorb.

Die Inhaltsstoffe
In einem Migrationstest haben wir untersuchen lassen, ob sich Stoffe aus den Dosen lösen – und dann ins Lebensmittel übergehen. Kunststoffe können zudem Zusätze enthalten, die giftig, gesetzlich reglementiert oder zumindest umstritten sind. Im Labor haben wir nach mehr als 50 dieser Stoffe suchen lassen.

Der Praxistest
Im Labor wurden alle Dosen Prüfungen unterzogen, die den typischen Gebrauch im Haushalt simulieren. Wir haben natürlich auch testen lassen, ob eine Dose kaputtgeht, wenn sie herunterfällt. In der Haltbarkeitsprüfung wurde die Dose zudem in kurzer Zeit den Belastungen ausgesetzt, die sie sonst erst im Lauf von Monaten oder Jahren durchmachen würde.

Kaputt: Die Dose von Mepal hat unseren Falltest nicht überstanden.


Foto: Labor

Die Bewertung
Hersteller können nicht einfach das Einfrieren oder das Befüllen mit Tomatensauce ausschließen. Darum haben wir Mängel bei allen Dosen gleichermaßen abgewertet. Einzige Ausnahme: Die Melaminschüssel von Mepal. Denn das Erhitzen von Lebensmitteln in Melaminschüsseln kann eine Gefahr sein. Deshalb entfallen hier alle Bewertungen, die mit der Erhitzung von Lebensmitteln zu tun haben.