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TEST Friseur-Shampoos und –Haarpflegemittel: Nicht salonfähig


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2013 vom 22.02.2013

Die Enttäuschung dürfte vor allem bei der Kundschaft tief sitzen: Exklusive und teure Friseurprodukte haben in unserem Test oft richtig schlecht abgeschnitten. Teilweise fanden die Labore bedenkliche Stoffe, die in ganz normalen Haarpflegemitteln kaum noch eingesetzt werden. Da bleibt nur zu hoffen, dass Friseur oder Friseurin wenigstens gut schneiden können.


Meinen Salon habe ich vor 25 Jahren mit einer Finanzierungshilfe der Firma Wella ausgestattet, ebenso die Neueinrichtung vor fünf Jahren“, erzählt Mike Engels, der einen Friseursalon in Köln betreibt. „Den Kredit habe ich getilgt indem ich die ...

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... Wella-Produkte ohne die üblichen Rabatte eingekauft habe“, so der Kölner Friseurobermeister. Auch Gerda Pescht, die einen Salon in Frankfurt führt, finanzierte ihre Saloneinrichtung über die Firma Wella. „Die für die Abzahlung erforderlichen Mengen an Haarkosmetika pro Jahr habe ich durch den Verbrauch im Salon und den Verkauf spielend erreicht“, erinnert sich Pescht. Ein Kredit von der Bank als Alternative kam nicht infrage, diese seien meist zurückhaltend gegenüber Existenzgründern aus dem Friseurhandwerk.

Beate M. (Namen auf Wunsch gekürzt), Naturfriseurin in Frankfurt, setzte dagegen auf eine Hausbank und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die Hausbank zu überzeugen, war nicht einfach. Neben der Bürgschaft der KfW über 80 Prozent des Darlehens verlangte die Bank zusätzliche Sicherheiten: weitere Bürgschaften und den Abschluss einer Lebensversicherung. Im Gegenzug hat sie sich dadurch aber die „Freiheit“ erkauft, in ihrem Salon mehrere Marken verwenden zu können.

Die Hersteller exklusiver Friseurprodukte belassen es in der Regel aber nicht dabei, den klammen Friseuren die Salone auszustatten. Sie schulen auch: „Wie Sie durch gezielte Fragestellungen effizient Kundenwünsche ermitteln, ohne aufdringlich zu wirken“, liest sich das im Seminarangebot von Wella für den Kurs „Verkaufstalent“. Im Kursangebot von L’Oréal können Salonmanager einen Kurs wie „Umsatz-Booster: Abverkauf“ buchen. Und Schwarzkopf & Henkel wirbt für das Seminar „Erfolgsfaktor Verkauf“ mit: „Nur 9 von 100 Kunden verlassen einen Salon mit Haarprodukten. Somit besteht ein riesiges Potenzial, mit dem sich der Gewinn für Ihr Unternehmen steigern lässt.“

Doch sind Friseurprodukte wirklich besser als Shampoo und Co. aus dem Drogeriemarkt? Manch eine Friseurkundin ist davon überzeugt, dass es sich lohnt, mehr in die Exklusivmittel vom Friseur zu investieren: Schließlich sehe das Haar nach einem Friseurbesuch immer besser aus.

„Das Friseursortiment ist viel umfassender und spezialisierter und wird mit der Beratung des Experten verkauft“, begründet Carola Wacker-Meister von Procter & Gamble das Preisniveau von friseurexklusiven Haarpflegemitteln. Und ergänzt: „Innovative Inhaltsstoffe und Spezialprodukte führen wir meistens zuerst im Friseurmarkt ein. Verbraucher sind sich dieser Unterschiede bewusst, wie wir aus Blogs wissen.“

Dagegen weiß der Hautpflegespezialist Dr. Hans Lautenschläger: „Generell unterscheidet sich die Qualität eines Produkts aus dem Drogeriemarkt nicht von denen einer exklusiven Vertriebsschiene wie dem Friseursalon.“

ÖKO-TEST hat 30 Haarpflegemittel wie Shampoos, Spülungen und Kuren, die beim Friseur erhältlich sind, eingekauft und umfassend unter die Lupe genommen.

Das Testergebnis

Ihr Geld nicht wert: Jedes dritte Friseurprodukt fällt mit schlechten Noten durch unseren Test: Die Mittel enthalten umstrittene Konservierungsmittel, überflüssige UV-Filter und künstlichen Moschus-Duft. Knapp ein Drittel – darunter die zertifizierten Naturkosmetika – erhielt aber „sehr gute“ und „gute“ Noten. Aufgepasst: Zwei Produkte mit „Bio“ im Namen sind keine zertifizierte Naturkosmetik. Beim Shampoo von der Firma Bio Energo bezieht sich das „Bio“ lediglich auf die Firmenbezeichnung!
Konservierer aus der Mottenkiste. In sechs Produkten haben die beauftragten Labore Formaldehyd/-abspalter nachgewiesen. Knapp die Hälfte der Testprodukte enthielt Konservierer, die zu den umstrittenen halogenorganischen Verbindungen gehören. Beispielsweise die Substanz Methylchloroisothiazolinone, die für eine Kontaktallergie sensibilisieren kann, in den Shampoos der Marken Phyto Paris, American Crew, Tigi und Sassoon. Als allergieauslösend gelten ebenso Chlorhexidin in der L’Oréal Professionnel-Haarkur und den Spülungen der Marken Redken und Kérastase sowie Chlorphenesin in dem M-Moroccanoil-Shampoo. Auffällig ist, dass wir solche Substanzen in ganz normalen Haarpflegeprodukten etwa aus dem Drogeriemarkt nur noch recht selten finden.

Immer wieder Probleme mit dem Duft. Künstlicher Moschus-Duft steckt in mehreren Shampoos und Spülungen. Solche Substanzen können sich im Körper ablagern und wurden bereits in der Muttermilch nachgewiesen. Gelangen sie mit dem Haushaltsabwasser über die Kläranlage in Seen und Flüsse, können sie sich dort anreichern und die Umwelt belasten. Fünf Produkte enthielten zudem Duftstoffe wie Hydroxycitronellal und Lyral, die häufiger für eine Kontaktallergie sensibilisieren. Weniger problematisch sind Duftstoffe wie Geraniol oder Farnesol, weil sie seltener eine Allergie auslösen.
Überflüssiger Schutz vor der Sonne: Die Glynt-Haarkur und das KMS-Shampoo enthalten UV-Filter, die im Tierversuch wie ein Hormon wirkten. Sie werden nicht nur für Sonnenschutzmittel verwendet, sondern auch um Produkte vor Zersetzung zu schützen. Nach Ansicht des Bundesinstituts für Risikobewertung ist das allerdings nur bei Produkten in durchsichtigen Verpackungen sinnvoll. Beide Produkte steckten dagegen in Verpackungen, die kein Licht durchlassen.

ÖKO-TEST rät

• G anz ehrlich: Das Geld für die teuren Friseurprodukte investieren Sie besser in einen guten Schnitt. Auch die beiden „sehr guten“ Shampoos sind richtig teuer, sie kosten um die 20 Euro. Eine vergleichbare Qualität kriegen Sie wirklich deutlich günstiger!

• W enig Shampoo nehmen und gut auswaschen. Der Kopfhaut zuliebe auf häufiges Haarewaschen verzichten. Auch Spülungen und Haarkuren nicht so häufig verwenden, die Haare sind sonst schnell „überpflegt“ und hängen herunter.

• M ehr „sehr gute“ Shampoos finden sie in unserem ÖKO-TEST Jahrbuch Kosmetik für 2013 mit Testergebnissen von mehr als 60 Shampoos für normales bis strapaziertes Haar sowie für Antischuppenmittel. Das Jahrbuch ist unter shop.oektoest.de für 8,90 Euro erhältlich.

Kompakt: Lexikon der Inhaltsstoffe

Schaummacher
Eingesetzt werden Tenside. In der Mehrzahl der Shampoos stecken allerdings Tenside, die zu den PEG/PEG-Derivaten gehören. Sie können die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen. Erkennbar sind diese Substanzen beispielsweise an der Bezeichnung Sodium Laureth Sulfate sowie an Bestandteilen mit „PEG“ oder „-eth“ im Namen. Besser sind milde, waschaktive Substanzen wie Zucker- und Kokostenside, um Schmutz und Fett von Haar und Kopfhaut zu lösen.

Effektmacher
Dazu gehören glättende Substanzen wie künstliche Fette oder Silikone, etwa Dimethicone. Besser sind natürliche Öle und Wachse wie Avocado-, Argan- oder Jojobaöl, die gegen trockenes Haar helfen sollen. Ein anderer Wirkstoff aus Pflanzen ist Aloe Barbadensis, der Feuchtigkeit spenden soll. Bei vielen Wirkstoffen ist jedoch Skepsis angebracht. So wird für einige Shampoos mit der beruhigenden Wirkung von Kornblumen- und Malvenblüten geworben oder mit reparierenden Seidenproteinen. Viele solcher Wirkaussagen sind reine Prosa: Für die versprochenen kosmetischen Effekte gibt es meistens keine wissenschaftlichen Belege.

Haltbarmacher und Co.
Einige Konservierungsstoffe können die Haut reizen und Allergien auslösen. Andere wie Propyl- und Butylparaben sind unter Verdacht geraten, wie ein Hormon zu wirken. Produkte mit diesen Konservierern auf der Zutatenliste lieber im Regal liegen lassen: DMDM Hydantoin, Imidazolidinyl Urea, Methylchloroisothiazolinone, Chlorphenesin, Iodopropynyl Butylcarbamate, Chlorhexidine, Propylparaben, Butylparaben, Isobutylparaben. Auch UV-Filter wie Ethylhexyl Methoxycinnamate und Benzophenone-3 sind problematische Inhaltsstoffe.

So haben wir getestet

Der Einkauf
Unsere Einkäufer haben in Friseursalons, dem Fachhandel und im Internet 20 Shampoos sowie zehn Haarpflegeprodukte, also Spülungen und Kuren für strapaziertes und trockenes Haar eingekauft. Zudem fragten wir eine Reihe von Naturfriseuren, was sie verwenden und wählten auch solche Produkte aus. Einige davon wie die Produkte der Marken Schönes Sein und Living Nature sind zertifizierte Naturkosmetik, andere wie La Biosthetique, Bio Energo und Glynt dagegen nicht. Die Mittel haben ihren Preis: 250 Milliliter der Shampoos kosteten zwischen rund 4 und 38 Euro und 200 Milliliter der Spülungen und Kuren rund 13 bis 24 Euro.

Die Inhaltsstoffe
Sind die teuren Friseurprodukte wirklich besser als herkömmliche Mittel aus der Drogerie und dem Supermarkt? Um diese Frage zu beantworten haben wir eine Reihe von Laboren damit beauftragt, die Friseurprodukte umfassend zu prüfen. Die Tester fahndeten nach fragwürdigen Inhaltsstoffen wie problematischen Konservierungsstoffen, überflüssigen UV-Filtern mit Hormonwirkung und umstrittenen Tensiden. Alle Produkte wurden zudem auf Formaldehydrückstände analysiert, die auch mit vorkonservierten Bestandteilen in die Produkte geraten können. Zudem ließen wir alle Mittel mit Parfüm und ätherischen Ölen auf allergisierende Duftstoffe, künstlichen Moschusduft und die umstrittene Substanz Diethylphthalat analysieren, die zur Stabilisierung von Duftölen eingesetzt wird.

Der Laborcheck: Stecken fragwürdige Bestandteile und Problemstoffe in den teuren Friseurprodukten?


Foto: Labor

Die Bewertung
Für ein „sehr gutes“ Gesamturteil tolerieren wir weder fragwürdige Duftstoffe noch umstrittene Tenside und problematische Konservierungsmittel. Den meist hohen Preis der Produkte haben wir nicht bewertet. Hier muss jeder für sich entscheiden, ob sich die Ausgabe für ein friseurexklusives Mittel lohnt.