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TEST Früchtetees: Hagebutte trifft Hibiskus


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 24.02.2022

RATGEBER

1 Hoch die Tassen: Bei Bio-Früchtetees spielen Pestizide kaum eine Rolle: Fast alle schneiden mit „sehr gut“ ab.

2 Ein Großteil des Energiebedarfs entfällt bei Tee – von der Plantage bis in den Becher – auf das Wasserkochen. Erhitzen Sie daher nur so viel Wasser, wie Sie gerade benötigen.

3 Früchtetee ist meist auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums einwandfrei. Im Zweifel auf die eigenen Sinne vertrauen: Wie sieht der Tee aus, wie riecht er? Schmeckt er noch?

Artikelbild für den Artikel "TEST Früchtetees: Hagebutte trifft Hibiskus" aus der Ausgabe 3/2022 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Früchtetee – die einen lieben ihn als gesunden, kalorienfreien Durstlöscher und aromatische Alternative zu Mineralwasser. Als familienkompatiblen Allrounder, der sowohl heiß als auch kalt schmeckt, pur oder als Basis für Eistee, alkoholfreie Cocktails oder Kinderpunsch. Die anderen verbinden damit Erinnerungen an einen blassroten Aufguss, den sie in der Kita oder auf Klassenfahrt bis zum Überdruss vorgesetzt bekamen. Unsere ...

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... Testergebnisse können vielleicht all jene, die deswegen um Früchtetee bis heute einen großen Bogen machen, davon überzeugen, dem vielseitigen Getränk eine zweite Chance zu geben: Denn viele der Früchtetees im Test schneiden mit „sehr gut“ ab, zwei weitere sind immerhin „gut“.

Bunte Tabellen

Trotzdem leuchten unsere Tabellen nicht nur grün. Grund dafür: diverse Notenabzüge vor allem bei konventionellen Produkten, die ausschließlich auf das Konto von Pestizidrückständen gehen. Die hat das von uns beauftragte Labor in mehreren Früchtetees analysiert, darunter auch zwei Substanzen, die in der EU nicht mehr zugelassen sind.

Rotes Duo: Hagebutte und Hibiskus

Streng genommen ist Früchtetee gar kein Tee, da er nicht aus der Teepflanze Camellia sinensis aufgebrüht wird, sondern ein „teeähnliches Erzeugnis“ ist: laut Definition ein aromatisches Getränk aus getrockneten Pflanzenteilen wie Blättern, Früchten, Fruchtteilen oder Blüten, aufgegossen mit sprudelnd kochendem Wasser. Basis für die meisten Früchtetees, auch die in unserem Test, ist eine Kombination aus Hagebuttenschalen und Hibiskusblüten. Abgerundet wird das rote Duo häufig mit Apfelstücken, Schalen von Zitrusfrüchten oder dunklen Beeren wie Holunder-, Heidel-oder schwarzen Johannisbeeren. Die Zutaten für das fruchtig-säuerliche Potpourri kommen aus aller Welt in unsere Tassen: von Ägypten über Bulgarien, Burkina Faso und Chile bis Georgien, Lesotho und Sudan. (Mehr dazu ab Seite 60).

Voll der Geschmack?

Dennoch sind gängige Grundmischungen für Früchtetees häufig aromatisiert. Das liegt laut Deutschem Tee & Kräutertee Verband zum einen daran, dass einige Früchte durch ihren hohen Wassergehalt beim Trocknen an Aroma verlieren – der „volle Geschmack“ würde dank der eingesetzten Aromen wieder erreicht. Außerdem gleichen die Geschmackshelferlein Schwankungen bei der Verfügbarkeit und Qualität von Rohstoffen aus. Und da sich Verbraucher „eine möglichst große Geschmacksvielfalt“ wünschten, werde die durch Aromatisierung „noch einmal umfangreich erweitert“. Was der Interessenverband für die Teewirtschaft nicht erwähnt: Mit Aromen lassen sich Kosten einsparen, denn sie sind meistens günstiger als frische Rohstoffe. Wir haben uns aber in diesem Test für nicht-aromatisierte Früchtetees entschieden, bei denen die Anbieter auf den Eigengeschmack der Zutaten vertrauen.

„Unser Test zeigt einmal mehr: Lebensmittel aus kontrolliert biologischem Anbau sind in der Regel die bessere Wahl.“

WISSEN

Teebeutel richig entsorgen

Doppelkammer-Papierteebeutel bestehen hauptsächlich aus abbaubaren Materialien wie Zellulose und Fasern der Textilbanane Abacá. Einigen ist jedoch hitzebeständiges Polypropylen beigemengt, ein erdölbasierter Kunststoff. Teefilterpapier enthält zudem einen geringen Zusatz an Nassfestigungsmittel, damit es dem heißen Wasser beim Aufbrühen standhält. Dabei handelt es sich um synthetische Polymere oder Harze, die deutlich langsamer verrotten als Papier. Teebeutel also besser komplett im Restmüll entsorgen – oder aufschneiden und nur die Teeblätter in den Biomüll geben. Statt mit einer Metallklammer werden Teebeutel inzwischen häufig mit dem Faden am Papieretikett verschlossen.

Einkammerbeutel ohne Faden sind häufig mit Fasern aus Kunststoff versiegelt.

Pyramidenbeutel bestehen häufig aus Polylactid, einem maisbasierten Bio-Kunststoff. Sie gehören in den Restmüll, da sie sich in Kompostierungsanlagen oft nicht schnell genug zersetzen. Es gibt auch Pyramidenbeutel aus Nylon und PET. Aus ihnen lösen sich laut einer Studie beim Aufbrühen große Mengen an Mikround Nanoplastik-Partikeln.

Verbotene Spritzmittel

Natürlich ist der Geschmack entscheidend. Wichtig ist aber auch, was außerdem in unseren Tassen landet. Und da sehen wir bei den Testverlierern – dem Gut & Günstig Bunter Früchte Tee und beim Jeden Tag Hagebutte Hibiskus – tiefrot. Mitverantwortlich für ihr „ungenügendes“ Abschneiden sind zwei Spritzmittel, die in der EU nicht mehr zugelassen sind: das krebsverdächtige Carbaryl sowie Chlorpyrifos, das im Verdacht steht, das Erbgut und die neurologische Entwicklung negativ zu beeinflussen. Dass sie über Importe in Lebensmitteln vorkommen, die wir hier kaufen, zeigt, wie problematisch Doppelstandards bei der Zulassung sind. Beide Insektizide bewerten wir zudem als besonders bedenklich, da sie sehr giftig sind für nützliche Insekten wie Bienen.

Glyphosat & Co.

Neben Chlorpyrifos und Carbaryl hat das Labor weitere Pestizidrückstände in den Früchtetees gefunden. Unter anderen das besonders umstrittene krebsverdächtige Spritzmittel Glyphosat, das wir auch in geringen Konzentrationen abwerten. In vier konventionellen Früchtetees werten wir aus unserer Sicht erhöhte Gehalte der bienenschädlichen, stark wassergefährdenden Substanz Cypermethrin ab.

So haben wir getestet

Im Test sind 20 nicht-aromatisierte Früchtetees. Die meisten stecken in einem Teebeutel, in zwei Fällen handelt es sich um lose Ware. Hauptzutaten der Mischungen sind Hagebuttenschalen und Hibiskusblüten; etliche Produkte enthalten darüber hinaus Bestandteile von Äpfeln, einige auch Schalen von Orangen oder anderen Zitrusfrüchten, dunkle Beeren oder weitere getrocknete Pflanzenteile. Die Tees haben wir in Super- und Drogeriemärkten, Discountern, Bio-Läden und im Fachgeschäft eingekauft. 15 Produkte tragen ein Bio-Siegel, bei fünf Tees stammen die Rohstoffe aus konventionellem Anbau. Für 100 Gramm zahlten wir zwischen 86 Cent und 9,88 Euro.

Die von uns beauftragten Labore haben die Früchtetees auf Rückstände von Pestiziden, das krebserregende Schimmelpilzgift Ochratoxin A und die Schwermetalle Blei und Cadmium untersucht. Mischungen, die Kräuterbestandteile wie Pfefferminze, Honigbusch, Brombeer- oder Orangenblätter enthalten, haben wir außerdem auf Pyrrolizidinalkaloide (PA) analysieren lassen. Diese giftigen Pflanzenstoffe kommen natürlicherweise in Beikräutern vor, die versehentlich mitgeerntet werden. Für den Menschen sind Alkaloide gesundheitsgefährdend.

Um Früchtetees sicher zuzubereiten und mögliche Keime abzutöten, ist es wichtig, sie mit sprudelnd kochendem Wasser aufzubrühen. Wir haben daher überprüft, ob dieser Hinweis auf allen Testprodukten deklariert ist. Außerdem haben wir die Verpackungen auf umweltschädliche Verbindungen wie PVC untersuchen lassen.

Fett gedruckt sind Mängel.

Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Para metern finden Sie auf Seite 126. Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. 2) Weiterer Mangel: Plastikfolie um Pappkarton. 3) Laut Anbieter wurden das Verpackungsmaterial und das Verpackungsdesign geändert. Bei der neuen Verpackung wird auf die Folie um die Faltschachtel verzichtet. 4) Laut Anbieter enthält die Verpackung des aktuellen Produkts (ab MHD 06.10.2023) kein PVDC mehr.

Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um fünf Noten: der Nachweis von Chlorpyrifos in einem gemessenen Gehalt, der die in der Verordnung (EU) 2020/1085 für Lebensmittel festgelegte „allgemeine Höchstmenge“ von 0,01 mg/kg überschreitet (in der Tabelle „Chlorpyrifos sehr stark erhöht“). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) 3 bis 6 nachgewiesene Pestizide; b) ein gemessener Pestizidgehalt, der mehr als 10 bzw. mehr als 20 Prozent der gesetzlichen Rückstandhöchstmengen ausschöpft, wenn diese bei 0,1 mg/kg oder höher bzw. bei 0,05 bis 0,1 mg/kg liegen (in der Tabelle: „erhöht“); c) ein bis zwei als besonders bedenklich eingestufte Pestizide in gemessenen

Gehalten von jeweils mehr als 0,01 mg/kg (hier: Glyphosat, Chlorpyrifos, Carbaryl und Cypermethrin). Als besonders bedenklich werden Pestizide eingestuft, wenn sie PAN-gelistet sind (in Gruppe 2 oder als bienentoxisch), nach EU-Datenbank oder ECHA kanzerogen oder reproduktionstoxisch sind oder aus Gründen der Toxizität in der EU nicht mehr zugelassen sind; d) ein nicht in der EU zugelassenes Pestizid in gemessenen Gehalten von jeweils mehr als 0,01 mg/kg (hier: Chlorpyrifos, Carbaryl), wenn nicht bereits wegen einer Höchstmengenüberschreitung um fünf Noten abgewertet wurde.

Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um jeweils eine Note: a) PVC/PVDC/ chlorierte Verbindungen in der Verpackung; b) Plastikfolie um einem Pappkarton.

Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen „nein“, bedeutet das „unterhalb der Bestimmungsgrenze“ der jeweiligen Testmethode. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/M2203.

Einkauf der Testprodukte: November 2021.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

7 TIPPS

für richtig guten Früchtetee

1 Pro Tasse einen gehäuften Teelöffel bzw. einen Teebeutel aufbrühen; für eine Kanne entsprechend mehr.

2 Wie lange der Tee ziehen sollte, steht auf der Packung. Minimum für Früchtetee sind fünf Minuten; für vollen Geschmack besser zehn Minuten oder länger.

3 Für Eistee die doppelte Menge Tee überbrühen und nach dem Ziehen über Eiswürfel gießen. Das schnelle Abkühlen bewahrt das Aroma besonders gut.

4 Bei weichem, kalkarmem Wasser entfaltet sich das Aroma am besten. Den Härtegrad Ihres Leitungswassers erfahren Sie übers kommunale Wasserwerk.

5 Früchte- ebenso wie Kräutertee nur mit frischem, sprudelnd kochendem Wasser aufbrühen, um mögliche Keime abzutöten, die bei Naturprodukten trotz sorgfältiger Ernte und Verarbeitung vorkommen können.

6 Je mehr Platz die Bestandteile der Tees beim Aufgießen haben, desto besser entwickeln sie ihr Aroma. Idealerweise losen Tee in einer Kanne aufgießen und über ein Sieb in eine Tasse oder eine andere Kanne umfüllen.

7 Früchtetees wie auch andere Teesorten am besten luftdicht an einem trockenen, dunklen Ort aufbewahren und nicht neben stark riechenden Gewürzen oder Kräutern lagern.