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TEST Fusilli: Der richtige Dreh


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 24.02.2022

RATGEBER

1 Keine Kompromisse: Gönnen Sie sich Fusilli mit Gesamturteil „sehr gut“ – ohne Glyphosat und Mineralölbestandteile.

2 Beim Kochen besser kein Öl ins Wasser geben, sondern gegen Verkleben umrühren. Öl im Wasser macht die Oberfläche weniger aufnahmefähig für Sauce.

3 Testergebnisse für klassische Spaghetti finden Sie unter oekotest.de/11673, Ergebnisse für veganes Hackfleisch für die Sauce über oekotest.de/11723.

Artikelbild für den Artikel "TEST Fusilli: Der richtige Dreh" aus der Ausgabe 3/2022 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Fusilli kommt von italienisch „fuso“ für „Spindel“. Die Spiralnudeln können dank ihrer Form gut Sauce und Stückchen halten und sind in Deutschland auch als Nudelsalat-Basis sehr beliebt. Vor lauter Liebe haben die Deutschen sogar mit „Spirelli“ ein eigenes (nicht) italienisches Wort dafür geprägt.

In Spirelli gehört genau eine Zutat: Hartweizengrieß. Das Spritzgift Glyphosat und Mineralölbestandteile haben dagegen nichts in der Pasta zu suchen. Die von uns beauftragten Labore haben ...

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... diese Stoffe jedoch in einigen Produkten gefunden. Insgesamt gesehen dürfen Nudel-Fans aber aufatmen: 16 von 20 Produkten im Test schneiden „sehr gut“ ab.

In den getesteten Eigenmarken von Aldi Süd, Edeka, Norma und Netto Marken-Discount hat das von uns beauftragte Labor Glyphosat gefunden. Die Internationale Agentur für Krebsforschung hatte das Herbizid schon 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Die Europäische Chemikalienagentur ECHA sieht keinen Krebsverdacht. Aus gesundheitlicher Sicht sind die festgestellten Gehalte sehr gering. Wir raten dennoch zu Produkten ganz ohne Glyphosatrückstände. Der Einsatz des Pestizids ist schädlich für die Artenvielfalt im Erntegebiet.

Der in den betroffenen Produkten verarbeitete Weizen stammt laut Anbieterangaben aus Italien und Kanada beziehungsweise aus Deutschland und Kanada. Glyphosat ist weltweit das meistgenutzte Herbizid und auch in der Europäischen Union, wo der Einsatz mindestens noch bis Ende 2023 erlaubt ist. Möglicherweise ändert sich aber schon jetzt etwas zum Besseren. Im Test Spaghetti von Februar 2021 steckte noch in dreimal so vielen Produkten Glyphosat. Hat sich in Sachen Glyphosat also schon etwas getan? Die Zahl der sauberen Produkte könnte dafür sprechen. Auch Edeka und Netto-Markendiscount erklärten, seit dem Spaghetti-Test mit ihren Lieferanten intensiv zu versuchen, die Gehalte an Pestiziden weiter zu reduzieren. Im aktuell untersuchten Produkt sei jedoch jeweils noch ein Anteil an kanadischem Weizen aus einer älteren Ernte enthalten.

„Schön! Mit den Spirelli kommen kaum Schimmelpilzgifte auf den Teller. Anders sieht es leider noch bezüglich Mineralöl und Glyphosat aus.“

WISSEN

Schmeckt teure Pasta besser?

Markenhersteller haben natürlich ein Interesse daran zu suggerieren, nur ihre original italienische Pasta sei richtig lecker und deshalb einen doppelt so hohen Preis wert. Doch tatsächlich wissen wir aus vergangenen Nudeltests zweierlei: Die Unterschiede sind gering. Und die teuersten stehen dabei nicht durchweg besser da. Das ist bei der einfachen Rezeptur auch nicht sonderlich überraschend.

Hartweizengrieß – mehr braucht es für Nudeln wie Fusilli nicht. Beim Kochen kommen Wasser und Salz dazu. Weil auch im Spaghetti-Test in unserer Februarausgabe 2021 (oekotest.de/11673) wieder alle Produkte im Testergebnis Sensorik „sehr gut“ waren, haben wir Geschmack und Mundgefühl dieses Mal gar nicht erst testen lassen. Ihre persönliche Lieblingsmarke ist aber unschlagbar? Das kann sein. Verschiedene Nudeln können sich in ihrer Bissfestigkeit unterscheiden, darin, wie intensiv sie jeweils nach Stärke und Grieß duften und schmecken oder wie glatt oder stumpf ihre Oberfläche ist. Aber was Ihnen besser gefällt, ist eine Geschmacksfrage, die sich nur durch Ausprobieren beantworten lässt. Wir empfehlen, es zuerst mit den Sorten mit einwandfreien Inhaltsstoffen zu probieren. Auch wenn sie wenig kosten.

Mit Mineralölbestandteilen

Die Hersteller dreier Produkte mit Glyphosat wären zudem auch gut beraten, Verunreinigungen mit Mineralöl weiter zu minimieren. Die Cucina Nobile Fusilli von Aldi Süd enthalten gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe MOSH/MOSH-Analoge in einer Menge, die wir als „leicht erhöht“ kritisieren. In den Testschlusslichtern Gut & Günstig Fusilli von Edeka und Mondo Italiano Fussili von Netto Marken-Discount sind die Gehalte nach ÖKO-TEST-Bewertung „erhöht“.

MOSH sammeln sich im menschlichen Körper an. Welche Folgen das auf Dauer hat, ist noch unklar, weshalb die Belastung von Lebensmitteln so gering wie möglich gehalten werden sollte. Gesetzliche Grenzwerte gibt es noch nicht. Die im Lebensmittelverband Deutschland organisierte Industrie hat gemeinsam mit Überwachungsbehörden Orientierungswerte für MOSH/MOSH-Analoge festgelegt. Zumindest diese überschreiten die vom Labor analysierten Werte nicht. Die Orientierungswerte sind nach unserer Auffassung jedoch nicht sonderlich anspruchsvoll. Sie sind ausdrücklich nicht auf gesundheitliche Aspekte ausgerichtet, sondern sollen lediglich angeben, welches Minimierungsniveau für Produzenten nach Status quo „mindestens erreichbar" ist.

Das Gute zuletzt

In früheren Tests von Spaghetti und Vollkornspaghetti gab es Probleme mit Schimmelpilzgift-Belastungen. Dieses Mal hat das Labor, wo überhaupt, nur Spuren davon nachgewiesen. Wer mit diesen „Spirelli“ eine Nudelparty feiert, unterschreitet die laut Europäischer Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) unbedenkliche tägliche Aufnahmemenge deutlich.

Rohstoff aus bella Canada

Viele Fusilli wurden laut Anbieterangaben in Italien hergestellt. Unter den genannten Anbauländern des Hartweizens ist jedoch Kanada fast genauso oft vertreten. In Nordamerika wird weltweit der meiste Hartweizen produziert.

So haben wir getestet

Wir haben 20 Fusilli aus Hartweizengrieß eingekauft, darunter sieben mit Bio-Label. Im Labor durchliefen die Spiralnudeln ein großes Screening auf synthetische Pestizide. Wie viele Getreideprodukte können Nudeln mit gesundheitsschädlichen Stoffwechselprodukten von Schimmelpilzen belastet sein, welche die Ähren noch auf dem Feld befallen. Auf diese Substanzen ließen wir die Fusilli ebenfalls untersuchen. Außerdem standen Mineralölbestandteile sowie Chlorat und Perchlorat als Rückstände von Desinfektionsmitteln auf dem Prüfprogramm. Die Plastikverpackungen untersuchte ein Labor auf chlorierte Verbindungen, die in Produktion und Entsorgung die Umwelt belasten. Da die Hersteller häufig auf den Verpackungen nicht über das Anbauland des Weizens informieren, sondern allenfalls Werbung mit der Verarbeitung in Italien machen, haben wir diese Information erfragt und mit in die Tabelle aufgenommen.

Fett gedruckt sind Mängel.

Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 126.

Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: Packungsangabe einer unrealistisch kleinen Portionsgröße von 80 oder 85 Gramm. 2) Bei den Schimmelpilzgiften handelt es sich um Spuren von HT-2-Toxin. 3) Bei den Schimmelpilzgiften handelt es sich um Spuren von Deoxynivalenol. 4) Laut Anbieter werde voraussichtlich im Februar 2022 das Folgeprodukt in Papierverpackung erscheinen. 5) Laut Anbieter wird mit dem Lieferanten intensiv versucht, die Gehalte an Pestiziden weiter zu reduzieren. Dies sei nur im Zuge einer neuen Weizenernte möglich. In dem von uns untersuchten Produkt sei weiterhin ein Anteil an kanadischem Weizen aus älterer Ernte enthalten. Laut chargenbezogenem Anbietergutachten waren keine Mineralölbestandteile (MOSH/MOSH-Analoge) nachweisbar. 6) Laut Anbieter stammen im Schnitt 90 Prozent des von der Firma verwendeten Hartweizens aus Italien. Für einzelne Chargen würden aber keine Informationen zum Herkunftsland herausgegeben.

Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: ein gemessener Gehalt an gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen und Analogen (MOSH/MOSH-Analoge) der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 2 bis 4 mg/kg (in Tabelle: „erhöht“). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein gemessener Gehalt an gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen und Analogen (MOSH/MOSH-Analoge) der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 1 bis 2 mg/kg (in Tabelle: „leicht erhöht“); b) ein bis zwei als besonders bedenklich eingestufte Pestizide in gemessenen Gehalten von mehr als 0,01 mg/kg (hier: Glyphosat). Als besonders bedenklich werden Pestizide eingestuft, wenn sie PAN-gelistet sind (Pestizid-Aktionsnetzwerk).

Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen „nein“, bedeutet das unterhalb der Bestimmungsgrenze der jeweiligen Testmethode.

Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: Packungsangabe einer unrealistisch kleinen Portionsgröße von 80 oder 85 Gramm.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „gut“ ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/M2203.

Einkauf der Testprodukte: November–Dezember 2021.

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