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Test: Gauder Akustik Arcona 100 Mk II: Meister seines Fachs


Audio Test - epaper ⋅ Ausgabe 5/2020 vom 10.07.2020

Dr. Roland Gauder ist bekannt für die engmaschige Verstrickung von Physik und Elektronik. Bisher wussten seine Schöpfungen durch die Bank weg zu begeistern.


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Bildquelle: Audio Test, Ausgabe 5/2020

SSeit zehn Jahren ist die AUDIO TEST nun ein fester Bestandteil der öffentlichen Besprechung diverser HiFi-Elektronik. In dieser Dekade haben nunmehr über 1300 Geräte von knapp 320 verschiedenen Herstellern unser Testprocedere durchlaufen. Vom preiswerten Zubehör für 25 Euro bis zum Luxusklasse-Standlautsprecher für 62000 Euro war so ziemlich alles schon dabei. Bei letzterem handelte es sich übrigens um den Berlina RC8 von Gauder Akustik (AUDIO TEST ...

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... 04/2017). Auch aufgrund dieses Tests hält das Unternehmen aus Renningen derzeit in Betrachtung des durchschnittlichen Produktpreises die Pole Position unserer ewigen Statistik – Bei beinahe 24000 liegt der durchschnittliche Marktwert aller sieben Produkte, welche wir von Gauder Akustik bisher zur Überprüfung bekamen. Daher ist es eigentlich nur selbstverständlich, dass die Schwaben auch ganz vorne mit dabei sind, was das durchschnittliche Testergebnis angeht. Dort liegt Gauder Akustik nach Audionet und Burmester auf Platz drei mit durchschnittlich 94,88 %, was der Referenzklasse entspricht.Woher diese Klasse rührt, ist kein Geheimnis. Schließlich ist Dr. Roland Gauder, Namensgeber und Entwicklungschef bei Gauder Akustik selbst promovierter Physiker und landläufig bekannt für seine innovativen wissenschaftlich fundierten Gerätekonzepte. So sind zum Beispiel die Verwendung extrem steilflankiger Frequenzweichen ein Kernmerkmal von Gauders Lautsprechern und mit den Kollektionen Berlina und Darc etablierte erstmals die besondere Gehäusekonstruktion aus geschichteten Rippen, wofür sich Dr. Roland Gauder übrigens vom menschlichen Körper mit seinem organischen Resonanzraum inspirieren ließ. Allerdings sind diese beiden Serien auch mit Abstand die ökonomisch anspruchsvollsten Vertreter aus Gauders Produktportfolio. So werden für das Flaggschiff der Darc-Reihe, den Standlautsprecher DARC 250 mal eben 119998 Euro Paarpreis aufgerufen. Aber es geht auch deutlich bescheidener. Am prominentesten ist aus Gauder Akustiks preislicher Mittelklasse wohl die Arcona-Serie. Diese befindet sich als Mk II bereits in der zweiten Generation und umfasst neben drei Standlautsprechern auch einen Kompaktlautsprecher und einen Center-Speaker. Aus der ersten Generation der Ar-cona-Reihe hatten wir mit dem Kompaktlautsprecher 40 und den Standlautsprechern 80, 100 und 200 beinahe die ganze Familie bereits in unseren Hörräumen zu Gast. Auch der direkte Vorgänger unseres aktuellen Testmusters wurde in der Ausgabe 01/2014 von Ex-Kollege Torsten Pless bereits ausgiebig getestet und schließlich mit einem ausgezeichneten Testergebnis von 94 % bedacht.

Als Tief- und Mitteltöner kommen auch bei der Arcona 100 Mk II Aluminiummembranen zum Einsatz, welche zusätzlich mit einer Kunststoffschicht versehen sind, um dem Treiber zu versteifen


Der Accuton-Keramik-Hochtöner liegt hinter einer schützenden Blende verborgen


Arcona 100 Mk II

Man könnte sagen, dass es sich bei der Arcona 100 Mk II um einen konventionellen Drei-Wege-Lautsprecher mit Bassreflexsystem handelt, obschon wir gleich noch auf die Alleinstellungsmerkmale von Gauders Lautsprechern eingehen werden. Die tropfenförmige Ausgestaltung des Korpus ist nicht nur bei Gauder Akustik schon seit einer Weile obligatorisch. Durch auf den Verzicht auf parallel stehende Gehäusewände wird das Risiko, im Lautsprecher stehende Wellen zu produzieren praktisch eliminiert. Zur zusätzlichen Versteifung der beiden 114 Zentimeter (cm) hohen Seitenwände wurden genau an den zwei Stellen der größten verbleibenden Schwingungsmaxima Versteifungsbretter eingezogen. Der Bassreflexkanal mündet als Downfire-System im Gehäuseboden, was die Positionierung des Speakers flexibel gestaltet und eine möglichst breite räumliche Abstrahlung der Bässe ermöglicht.
An der Rückseite des Lautsprechers hat der Hersteller das Anschlussterminal versenkt. Kamen hier früher noch einfache Metallklemmen zum Einsatz, zählt Gauder Akustik bei der Arcona-Kollektion mittlerweile auf eine Nextgen 0708-Klemme aus dem Essener Hause WBT. Auch beim Herzstück des Lautsprechers, seiner Frequenzweiche kommen hochwertige Bauteile zweier namenhafter Herstellers zum Einsatz. Nämlich griff man auf Komponenten von IT und Mundorf zurück, die Dr. Gauders hohe Ansprüche an die Weiche realisieren sollen. Verkabelt ist das Innenleben der Arcona übrigens mit Strippen von Clearwater. Wir haben ja bereits erwähnt, dass Gauder Akustik auf extrem steilflankige Frequenzweichen setzt. Bei der Arcona 100 Mk II sind das mal eben stolze 50 Dezibel (dB) pro Oktave! Somit teilen sich die Treiber kein Frequenzband von üblicherweise bis zu drei Oktaven, sondern nur knapp dem Achtel einer Oktave, was ungefähr einem Ganzton entspricht.

Schlank und stromlinienförmig-Das Gehäusekonzept der Arcona ist akustisch optimal


Neues Ensemble

Bei der Zusammenstellung der Chassis wird wohl der zunächst offensichtlichste Unterschied zwischen der Arcona 100 Mk II und ihrem Vorgänger-Modell deutlich. Denn dort war seinerzeit noch ein Air-Motion-Transformer (AMT) als Hochtöner verbaut. Und da es in der AUDIO TEST-Redaktion einige Fans von der Impulsschnelle und der Hochauflösung von AMTs gibt, war der Verzicht auf diesen Treiber zugunsten eines neuen Keramik-Hochtöners, zunächst nicht für alle sofort nachvollziehbar. Jedoch wird Dr. Roland Gauder bestens wissen, was er da tut. Und das hat er getan: Gemeinsam mit dem Pulheimer Unternehmen Accuton zwei Jahre der intensiven Zusammenarbeit in die Forschung an einem neuen Hochtöner investiert.
Herausgekommen ist ein Chassis mit Keramik-Kalotte und einem extrem starken Ferrit-Neodym-Magneten. Bei der Entscheidung für Keramik als Werkstoff folgt Gauder Akustik dem Ansatz der sich auch bei anderen Produktreihen etabliert hat: Membranen aus besonders harten Materialien machen sich vor allem im Zusammenspiel mit den extrem steilflankigen Frequenzeweichen bezahlt. Denn harte Materialien wie Keramik oder Diamant weisen bei höheren Frequenzen starke Eigenresonanzen auf. Bei Filtern von 6 dB oder 12 dB Flankensteilheit sind diese durchaus störend. Arbeitet man allerdings wie Gauder mit satten 50 dB pro Oktave, können diese ungewollten Resonanzen problemlos herausgefiltert werden. Die drei Tief- und Mitteltonchassis sind jedoch nicht aus Keramik sondern aus Aluminum gefertigt und mit einer dämpfenden Kunststoffschicht versehen. Die so genannten XPulse-Membranen stehen auch auf Gauders eigener Patentliste und wurden in bisherigen Besprechungen stets ob ihres Linearen Frequenzgangs und ihres tollen Impulsverhaltens gelobt. Die Trennfrequenzen sind vom Hersteller bei 130 und 3400 Hertz angegeben.

Und Action

Das Unboxing und die Positionierung eines Paares Arcona 100 Mk II ohne ein helfendes Paar Hände ist zwar möglich, jedoch nicht wirklich empfehlenswert. Das Kampfgewicht eines Speakers von 33 Kilogramm (kg) auf die Höhe von 114 cm stellt zwar für eine Person kein Ding der Unmöglichkeit dar, zu zweit geht es dennoch wesentlich bequemer vonstatten. Wir koppeln das Stereopaar zunächst mit unserem Laborverstärker TA 1592 von Rotel, welcher wiederum von einem CXN Silver Netzwerkplayer von Cambridge Audio bespielt wird. Es ist Freitagnachmittag und wir beschließen, das Duett erst einmal über das Wochenende in Ruhe warm werden zu lassen, denn uns erreichten die beiden Lautsprecher ohne jede Spielpraxis. Für einen fairen Test sind zwei Tage Einspielzeit daher angebracht. Als wir am Montagmorgen in die Redaktionsräume zurückkommen, spielen die beiden Speaker noch immer fröhlich vor sich hin. Wir spielen zur Positionierung des Duetts den Titel „Marilyn Monroe“ von Sevdaliza. Hier wird ein markanter Plopp-Sound verwendet, welcher bei optimaler Ausrichtung der Lautsprecher direkt aus Zentrum ihrer gemeinsamen Achse erklingt. Das ist stets ein bisschen Geschiebe und Hin- und Hergelaufe, doch es lohnt sich.
Wir landen am Ende bei einem Abstand der beiden Speaker von circa dreieinhalb Metern zu einander und einer minimalen Eindrehung auf den Hörplatz. Eine Rücksichtnahme zugunsten des Bassreflexes auf umliegende Wände ist aufgrund des Downfire-Prinzips nicht zwingend, jedoch ist Teppichboden, wie er in unserem Hörraum ausliegt, nicht gerade optimal. Jedoch empfiehlt der Hersteller vor allem im Hinblick auf die Bass-Performance den Erwerb von optionalen Spikes, welche den Lautsprecher nochmal um zehn cm erhöhen. Hierfür werden vom Hersteller jedoch ganze 448 Euro aufgerufen – nicht gerade ein Pappenstiel. Den eigentlichen Praxistest beginnen wir mit dem Stück „Joel“ des Künstlers Apparat. Feine Texturen in den Höhen treffen hier auf klar umrissene Rhythmusgruppen in den Mitten und einen weichen aber klar gesetzten Synth-Bass. Unser erster Eindruck: Die Arcona 100 Mk II spielt ehrlich, beinahe analytisch und mit viel Gefühl fürs Detail. Alles wird passgenau transportiert und vor allem in den höheren Mitten präzise aufgelöst. Die surreal pianoeske Zitter, welche zu Beginn des Titels durch das Stück führt wird sehr sorgfältig wiedergegeben und gewinnt wohl nicht zuletzt durch den Accuton Keramik-Hochtöner an viel Plastizität.
Als nächstes hören wir den Titel „The Highest Flood“ von Forestswords. Im Fokus hier: Blechbläser und Chorsamples. Der Song, dem eine gewisse pathetische Energie innewohnt fordert der Arcona 100 Mk II vor allem eines ab: Emotionalität. Und hier müssen wir ehrlich gestehen, dass der Speaker bisweilen etwas matt daherkommt. Zwar können wir klanglich nichts direkt bemängeln, aber darin liegt auch das Problem. Der Arcona 100 Mk II gibt sich leider etwas unspezifisch und zu sachlich. Somit ist der Speaker wahrlich kein Allrounder. Bei orchestraler Musik ist er jedoch voll in seinem Element. Der erste Satz aus Arvo Pärts zweiter Sinfonie, gespielt von den Breslauer Philharmonikern zum Beispiel passt perfekt zu unserem Testmuster. Fein gestaffelt im Raum platzierte instrumentale Fragmente geben einen guten Eindruck von der sehr guten Räumlichkeit, welche die Arcona zu zeichnen vermag. Das observatorische Feingefühl des Lautsprechers setzt die versatzstückhaft präsentierten Timbres wunderbar in Szene. Das schnelle Ansprechen der Treiber, sowie deren konsequente spektrale Trennung sind hier ganz klar herauszuhören. Zwar mag die Arcona 100 Mk II kein Universalgenie sein – Allerdings ist dieser Lautsprecher ein absoluter Meister seines Fachs.

Zwar verzichtet Gauder Akustik am Anschlussterminal auf die Bi-Wiring-Option, jedoch ist eine steckbare Bass Extension für etwas mehr Tiefgang an dieser Stelle verbaut


FAZIT

Die Arcona 100 Mk II ist auch wie andere Modelle aus der Feder Dr. Roland Gauders ein ausgemachter Wissenschaftler. Er arbeitet präzise, brillant und stets hervorragend abgestimmt. Nur fehlt es dem Standlautsprecher in manchen Disziplinen etwas an Mut zur Individualität. Er ist eher analytisch veranlagt.


Bilder: Auerbach Verlag

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