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TEST Gemüsebreie: Glas? Klar!


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 11/2015 vom 30.10.2015

Mit Gemüsebreien beginnt Babys Karriere als vollwertiger Esser: Weg von der Milch hin zur vielfältigen Nahrung. Viele der fertigen Gemüsebreie im Test eignen sich bestens als erste Mahlzeiten. Doch manchmal trüben giftige Stoffe aus dem Herstellungsprozess oder dem Boden die Esslust.Von Birgit Hinsch und Kerstin Scheidecker


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Foto: imago/Westend61

Für Lara gibt es heute Fenchel und Kartoffel mit Birne und einem Hauch echter Bourbon-Vanille. Laras Mama hat den exquisiten Babybrei früh am Morgen selbst gekocht und heiß in den Warmhaltebehälter aus Edelstahl gepackt. Jetzt, um 12.30 Uhr, hat er genau die ...

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... richtige Temperatur, um in der Krabbelgruppe verspeist zu werden.

Jede Woche treffen sich hier im Frankfurter Nordend Mütter mit Babys zum Singen und Spielen. Und weil das Treffen von 11 bis 13 Uhr dauert, auch zum Mittagessen – zumindest was die Babys angeht. Die Kleinen sind nämlich mittlerweile alle fünf Monate alt und ab diesem Alter empfehlen Experten die Einführung von Beikost.

Viele Eltern gehen die Umstellung vom Stillen oder von reiner Flaschennahrung auf „richtiges“ Essen mit großer Energie und Sorgfalt an. So steht Lara mit ihrer frischen Fenchel-Vanille-Komposition nicht alleine da. Die Mutter von Lea-Sophie hat sich eigens einen kleinen Babynahrungsdampfgarer mit integriertem Mixer für die angeblich schonende und frische Zubereitung von Breien zugelegt. Julians Papa hat gleich die mehr als 1.000 Euro teure Koch-und-Mix-ineinel-upparatur eines namhaften Staubsaugerherstellers angeschafft, um darin Bio-Gemüse vom Demeterhof zu verarbeiten.


Gläschenkost geben oder frisch kochen – das ist auch eine Geschmacksfrage


Allerdings geht es auch anders. Bei Jonathan etwa macht es nur plopp. Es gibt fertige Frühkarotten aus dem Gläschen, kurz in die Mikrowelle gestellt, gut durchgerührt. Jonathans Mutter hatte heute Morgen weder Zeit noch Lust zum Kochen und ist überzeugt davon, dass ihr Augenstern auch mit Gläschenkost das Essen lernt und gesund groß wird.

Tatsächlich ist der Riss, der hier in Sachen Babyernährung nicht nur durch die gehobene Frankfurter Mittelschicht geht, ein Stück weit eine Geschmacks- und Glaubensfrage. Die Anhänger selbst zubereiteter Babykost schätzen den frischen, guten Geschmack ihrer Breie. „Wir kochen für uns ja auch frisch und machen keine Dose auf“, sagt Laras Mutter. Außerdem solle Lara schon im frühen Alter viele unterschiedliche Geschmacksrichtungen und den kräftigen Geschmack von frischem Gemüse kennenlernen. „Dann ist sie später vielleicht auch offener für mehr Gemüsesorten“, hofft die Mutter.

Die aktuelle Studie „Babygourmet“ des Forschungsinstituts für Kinderernährung (FKE) stützt diese Haltung. In der Studie erhielten 51 Babys entweder herzhafte Breie aus dem Gläschen oder Tiefkühlkost, die frischer Kost geschmacklich viel näherkommt als Eingekochtes aus dem Glas. Tatsächlich waren die Babys, die die geschmacksintensivere Tiefkühlkost erhielten, im Anschluss an die dreimonatige Fütterungsphase interessierter an neuem Gemüse: Sie aßen mehr bislang nicht gekostete grüne Bohnen als die Gläschenfraktion. Ob diese Offenheit allerdings anhält, wurde nicht untersucht. Ob aus Lara eher ein Gourmet wird als aus Jonathan, ist also noch unklar.

Jonathan jedenfalls mampft seine Frühkarotten aus dem Glas mit großer Begeisterung. „Die Babygläschen sind sehr gut kontrolliert und müssen hohen Anforderungen genügen“, sagt seine Mutter. Und hat damit auch recht. Für Babygläschen gelten strenge Gesetze. Und die Gläschen sind praktisch, bequem und sparen Eltern Zeit.

Ob sie so gut sind wie ihr Ruf, haben wir in unserem Test überprüft: 17 Gemüsebreie, fast ausschließlich in Bio-Qualität, darunter reine Karottengläschen, aber auch Mischgemüse waren auf dem Prüfstand. Wir wollten wissen, ob sie – trotz der hohen gesetzlichen Anforderungen – schädliche Stoffe enthalten und ob die Hersteller die Gläschen sorgsam und zurückhaltend ausloben.

Vielfalt statt Einheitsbrei: Selbst gekochter Babybrei schmeckt gut und wird am besten aus Bio-Gemüse zubereitet.


Foto: margouillat photo/Shutterstock

Das Testergebnis

Guten Appetit! Fast die Hälfte der Gläschen sind „gut“, eines ist „sehr gut“. Die beauftragten Labore haben weder Spritzgifte noch Keime gefunden. Bei etlichen verhageln zu dick aufgetragene Auslobungen oder ein zu geringer Gemüsegehalt die Bestnote. Allerdings kritisieren wir in sieben Produkten auch Schadstoffe, drei Gläschen kommen über die Note „mangelhaft“ nicht hinaus.
Zu fett aufgetragen: Wenn es um die Fettsäuren in den Breien geht, tragen einige Hersteller ziemlich dick auf. „Mit Alpha-Linolensäure (eine Omega-3-Fettsäure) wichtig für die Entwicklung von Gehirn und Nervenzellen“, wirbt Alete. Hipp und Bebivita stellen heraus: „Omega-3-Fettsäuren – wichtig für Gehirn- und Nervenzellen“. Tatsächlich enthalten einige der Gläschen kleine Mengen Rapsöl und in Rapsöl steckt Alpha-Linolensäure. Diese wird im Körper aber nur zu einem ganz geringen Teil in die längerkettige Omega-3-Fettsäure DHA umgewandelt, die wiederum eine Hauptkomponente der Nervenzellen ist. Kinderernährungsexperte Professor Berthold Koletzko sieht keinerlei Vorteile im Zusatz von Alpha-Linolensäure. Zwar hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zu der gesundheitsbezogenen Angabe „mit Alphl-uinolensäure, wichtig für die Entwicklung von Gehirn und Nervenzellen“ bereits im Jahr 2011 positiv Stellung genommen. Wir halten diese Auslobung trotzdem für irreführend und falsch.
Den Mund zu voll nehmen die meisten Hersteller auch mit den Auslobungen: „Ohne Konservierungsstoffe* ohne Farbstoffe* (*laut Gesetz).“ Die Stoffe sind in den Babygläschen gesetzlich verboten. Das muss nicht auch noch draufstehen. Für diese Werbung mit Selbstverständlichkeiten gibt es Punktabzug.
Schadstoffaus der Produktion: Die industrielle Herstellung der Gemüsebreie hat Nachteile. Beim Erhitzen und Sterilisieren der Karottenbreie kann aus den natürlichen Inhaltsstoffen der Karotte krebserregendes Benzol entstehen. Alle Gläschen mit Karotte im Test enthalten geringe Mengen der Substanz. Aber nur bei drei Produkten sind die gefundenen Mengen so hoch, dass wir abwerten. Im Vergleich zu früheren ÖKO-TESTs aus dem Jahr 2009, als das Problem gerade bekannt geworden war, ist das ein gutes Ergebnis.
Schadstoffaus dem Boden: Giftiges Cadmium kritisieren wir in den Gläschen von drei Herstellern. Bei ihnen überschreitet der Cadmiumgehalt den Wert, den die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit als duldbare wöchentliche Aufnahmemenge vorgeschlagen hat. Für die Berechnung nehmen wir an, dass ein sieben Kilogramm schweres Kind jeden Tag 190 Gramm Gemüsebrei isst. Das Schwermetall wird vom Gemüse aus dem Boden aufgenommen. Mineralische Dünger können als unerwünschte Verunreinigung Cadmium enthalten und den Gehalt im Boden noch erhöhen. Dass aber auch in den Breien aus Bio-Gemüse, das nicht mineralisch gedüngt werden darf, Cadmium steckt, zeigt, wie verbreitet der Giftstoffist, der die Nieren schädigt und Krebs auslösen kann.
Je weniger, desto besser – das gilt auch für Nitrat, das durch Düngemittel in Boden und Grundwasser gelangt. Pflanzen brauchen Nitrat, um zu wachsen. Für Menschen kann der Stoffgefährlich werden. Besonders Blatt- und Wurzelgemüse können viel Nitrat speichern. Kein Wunder also, dass Nitrat auch in den Gemüsebreien steckt. Die Gläschen Babylove Zucchini mit Kartoffeln, Holle Karotten, Demeter sowie Biomio Gartengemüse enthalten so viel Nitrat, dass sie dafür eine Note Abzug bekommen. Nitrat kann im Körper zu Nitrit und zu Nitrosaminen umgewandelt werden. Nitrosamine sind im Tierversuch krebserregend. Zudem bindet sich Nitrit bei Säuglingen besonders leicht an den roten Blutfarbstoff, der dann keinen Sauerstoffmehr transportieren kann. Diese Gefahr besteht bei den Babybreien zum Glück nicht, dazu sind die gefundenen Nitratwerte zu niedrig. Die Breie sind außerdem keimfrei und es besteht bei richtiger Verwendung kein Risiko, dass Bakterien das Nitrat in Nitrit umwandeln. Die von ÖKO-TEST beauftragten Labore haben die Gläschen auch auf das gefährliche Nitrit überprüft und sind bei der Untersuchung nicht fündig geworden.
Je mehr, desto besser gilt hingegen bei der Hauptzutat Gemüse. Die Hersteller einiger Gläschen geizen damit sehr. So sind auf der Zutatenliste des Holle Spinat mit Kartoffeln, Demeter schlappe 20 Prozent Spinat und zehn Prozent Kartoffeln zu finden. Dazu zehn Prozent Reis – der Rest ist Wasser. Insgesamt stecken in fünf Gläschen weniger als 70 Prozent Gemüse.

Der Klassiker: Gemüsl-uartoffel-Fleisch-Brei

Zutaten:
100 g Gemüse (gut verträgliche Gemüsesorten sind:
Karotte, Kürbis, Pastinake ,
Brokkoli, Blumenkohl, Kohlrabi oder Zucchini)
1,5 EL Fruchtsaft oder Obstbrei
50 g Kartoffeln
30 g Fleisch
1 EL Rapsöl

Foto: Corinna Gissemann/Fotolia


Zubereitung:
Kartoffeln schälen und waschen, Gemüse putzen und waschen und in kleine Stücke schneiden. Fleisch klein schnei den. Alles zusammen in wenig Wasser etwa zehn Minuten garen. Saft oder Obstbrei zugeben, pürieren. Dann Öl einrühren.

So klappt’s mit dem Brei

Wann: Frühestens am Anfang des fünften Lebensmonats des Babys, spätestens Anfang des siebten Monats mit der Umstellung auf Beikost beginnen. Allergiegefährdete Kinder, etwa Kinder von Allergikern, fangen am besten schon im fünften Lebensmonat mit der Beikost an. Aus heutiger Sicht schützt die frühzeitige Auseinandersetzung mit verschiedenen Lebensmitteln vor Allergien.
Was: Mit einem Mittagsbrei aus einer Gemüsesorte beginnen. Am Anfang mögen die meisten Babys nur einige Löffelchen essen. Nach etwa einer Woche kommen Kartoffeln zum Brei, dann Fleisch. Sie können jede Woche ein neues Gemüse bzw. Fleisch einführen. Wenn Sie so Schritt für Schritt vorgehen, bemerken Sie auch, wenn Ihr Kind auf eine neu eingeführte Zutat allergisch reagiert. Wenn Sie als Mittagsbrei ein Gläschen füttern: immer noch einen Teelöffel Rapsöl dazugeben. Die Gläschen dürfen von Gesetzes wegen nur recht wenig Fett enthalten, die Kinder brauchen aus ernährungsphysiologischer Sicht ein bisschen mehr.
Wie oft Fleisch? Das Forschungsinstitut für Kinderernährung empfiehlt, fünfmal pro Woche Fleisch und/oder Fisch beizumengen. Wer unbedingt vegetarisch füttern möchte, gibt Breie mit eisenreichem Getreide wie Haferflocken und Vitamin-C-reichen Obstsaft dazu, damit das pflanzliche Eisen aufgenommen werden kann.
Was noch: Jeden Monat eine neue Mahlzeit. Nach dem Gemüse-Kartoffel-Fleiscl-urei am Mittag folgt ein Milch-Getreide-Brei am Abend, dann ein Getreide-Obst-Brei am Nachmittag. Jetzt müssen die Kinder auch Wasser oder ungesüßte Kräuter- oder Früchtetees bekommen. Gegen Ende des ersten Lebensjahres können die Kleinen abends zunächst eine Brotmahlzeit futtern und dann nach und nach beim normalen Familienessen mithalten.
Wo: Wenn das Kind noch nicht selbstständig sitzen kann, lässt es sich in einer Wippe füttern. Schön sind Aufsätze für Kinderstühle, sodass das Baby von Anfang an mit am Tisch isst.
Wie viel Kuhmilch? Am Anfang nicht mehr als 200 Milliliter am Tag – das ist die Zutat für eine ordentliche Portion Milcl-uetreide-Brei. Kuhmilch enthält im Vergleich mehr Eiweiß als Muttermilch. Wird auf Dauer mehr als 200 Milliliter gefüttert, belastet das die kindlichen Nieren. Deshalb die 200-Milliliter-Grenze auch nicht mit dem zusätzlichen Füttern von Milchprodukten wie Quark oder Joghurt überschreiten. Im Alter zwischen eins bis drei brauchen Kinder 300 Milliliter Milch und Milchprodukte.

Experte

EU-Gremium unterstützt fragwürdigen Claim

Foto: privat

„Es ist für mich wirklich ärgerlich, dass die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine gesundheitsbezogene Angabe zu einem Nutzen der pflanzlichen Omega-3-Vorläuferfettsäure Alpha-Linolensäure befürwortet, obwohl es dafür keinen wissenschaftlichen Nachweis gibt. Alpha-Linolensäure wird nur zu einem sehr geringen Teil (etwa 0,5 Prozent) zu der im Nervensystem eingebauten langkettigen DHA-Fettsäure umgewandelt. Alpha-Linolensäure selbst wird nicht in nennenswerten Mengen in das kindliche Gehirn eingebaut, und die Datenlage zeigt insgesamt keinen Nachweis eines Nutzens von Alpha-Linolensäure für Entwicklung und Funktion des kindlichen Nervensystems. Aus meiner wissenschaftlichen und kinderärztlichen Sicht ist deshalb die Auslobung, Alpha-Linolensäure sei „wichtig für die Entwicklung von Gehirn und Nervenzellen“, sachlich unbegründet und dazu geeignet, Verbraucher in die Irre zu führen. Aber die EFSA hat es so abgesegnet und entsprechend dürfen es Unternehmen auch auf die Produkte schrei ben, wenn sie das denn wollen.“

Professor Berthold Koletzko leitet die Abteilung Stoffwechsel und Ernährungsmedizin an der Universitätsklinik München und ist Vorsitzender der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin.

So haben wir getestet

Der Einkauf
Für diesen Test haben wir Gemüsebreie ausgewählt, die bereits nach dem vierten Monat gegeben werden können. Experten empfehlen, ab diesem Alter mit der Einführung von Beikost zu beginnen. Oft wird der Anfang mit Karotten gemacht, denn die meisten Babys mögen das süße Gemüse recht gerne. Deshalb haben wir eine Reihe reine Karottenbreie ausgewählt. Dazu kommen Mischgemüsegläschen unter anderem mit Spinat, Zucchini, Pastinaken und Kartoffeln. Da die meisten Babygläschenhersteller auf Bio-Gemüse setzen, findet sich unter den 17 Testkandidaten nur ein einziges konventionelles Produkt.

Die Inhaltsstoffe
Der erste Brei sollte frei von bedenklichen Stoffen sein. Deshalb haben wir die Breie auf typische Schadstoffe prüfen lassen, die Gemüse oftmals belasten: giftige Spritzgifte etwa, oder Stoffe, die auf Düngung und Boden zurückzuführen sind, wie Nitrat oder Cadmium. Da aktuell in Obst und Gemüse häufig die Problemstoffe Chlorat und Perchlorat auftauchen, haben wir auch diese Stoffe überprüft. Wir wollten zudem wissen, ob die Breie Keime enthalten. Um die Produkte keimfrei zu machen, werden sie über längere Zeit erhitzt. Dabei kann sich, je nach Dauer und Grad der Erhitzung, aus den Inhaltsstoffen der Karotte giftiges Benzol bilden. Darum haben wir alle Gläschen mit Karotte auf Benzol testen lassen. Der wichtigste Inhaltsstoffeines Gemüsebreis ist natürlich: Gemüse. Wir wollten wissen, ob die Hersteller das auch so sehen und ausreichend Gemüse verarbeiten oder lieber reichlich billiges Wasser ins Gläschen kippen.

Konservierungsstoffe sind in Babygläschen verboten. Damit sollte der Hersteller nicht werben.


Foto: ÖKO-TEST

Die Deklaration
Ärgerlich und überflüssig ist es, wenn die Hersteller auf der Verpackung mit Dingen werben, die selbstverständlich sind. So sind Konservierungs- und Farbstoffe in Babynahrung per Gesetz verboten. Das muss man nicht auf die Verpackung drucken. Schließlich muss jedes Produkt am Markt diese Anforderung einhalten. Noch ärgerlicher ist es, wenn die Hersteller mit gesundheitsbezogenen Aussagen werben, die falsche Erwartungen wecken und in die Irre führen. „Omega-3-Fettsäuren wichtig für Gehirn- und Nervenzellen“ oder „Alpha-Linolensäure wichtig für die Entwicklung von Gehirn- und Nervenzellen“ sind solche Aussagen. Sie lassen Elternaugen strahlen, rufen bei Ernährungsexperten aber nur Kopfschütteln hervor.

Die Bewertung
Seit einiger Zeit bewerten offizielle Gremien wie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) Cadmium strenger als das in der Vergangenheit üblich war. Ein erhöhter Cadmiumgehalt in den Babybreien führt auch bei ÖKO-TEST zu einer Abwertung um zwei Noten. Nitrat wird von Experten vergleichsweise weniger kritisch gesehen, daher nehmen wir nur eine Note Abzug vor. Da die Benzolgehalte relativ niedrig sind, gibt es auch hier nur eine Note Abwertung. Eine vollmundige oder gar irreführende Deklaration schadet zwar nicht Babys Gesundheit, ist aber ein Angriffauf Mamas und Papas Verstand. Daher gibt es für die Auslobung von Selbstverständlichkeiten oder den Abdruck von aus unserer Sicht falschen gesundheitsbezogenen Versprechungen Punktabzug unter dem Testergebnis Weitere Mängel.