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TEST Gesichtscremes : Mehr Pflege


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ÖKO-TEST Jahrbuch Kosmetik - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 08.12.2022
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RATGEBER

? Die Naturkosmetik und fast zwei Drittel der konventionellen Cremes im Test haben „sehr gute“ Inhaltsstoffe. Viele verfehlen die Bestnote aber durch unzureichende Wirksamkeitsbelege, fehlende Studien oder weitere Mängel wie umweltbelastendes Flüssigplastik.

? Eine Anti-Aging- oder Antifaltencreme bringt aus unserer Sicht gegenüber einer Pflegecreme ohne Wirkversprechen keine Vorteile.

? Lieber eine Tagescreme ohne UV-Filter anwenden – und bei Bedarf ein Sonnenschutzmittel ergänzen.

Reagiert die Haut bisweilen gereizt, gerötet oder rau, signalisiert sie, dass ihre Pflege jetzt gern etwas reichhaltiger sein darf. Unabhängig von der Jahreszeit gibt es Faktoren, die für ein Plus an Fett und Feuchtigkeit sprechen – beispielsweise wenn die Talgdrüsen mit zunehmendem Alter die Produktion an schützenden Lipiden herunterfahren, die Haut trockener wird und Fältchen bildet.

Von außen kann eine ...

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... reichhaltige Creme Nachschub an Feuchtigkeit und Fett liefern und dafür sorgen, dass die Haut weniger spannt und glatter wird. Die Auswahl an entsprechender Kosmetik ist groß. Doch wir können gerade mal 10 der 44 Pflegecremes im Test ohne Wenn und Aber mit der Note „sehr gut“ empfehlen. Vier Produkte schmieren dagegen mit „ungenügend“ ab. Selbst unter den Schlusslichtern gibt es Ausreißer nach unten. Fangen wir stellvertretend mit dem negativen Spitzenreiter an.

Aus der Zeit gefallen

Selten kommen in unseren Kosmetiktests so viele Abwertungen zusammen wie bei der Mouson-Creme. Die Notenabzüge – weitere Mängel noch nicht mitgezählt – addieren sich auf 15. Sie stammen aus einer langen Liste von Substanzen, die aus unserer Sicht nichts in Kosmetik zu suchen haben: problematische Konservierer, künstlicher Moschusduft, ein bedenklicher UV-Filter, Paraffine und aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH). Dabei handelt es sich bei der Antifaltencreme mit dem goldenen Kutschgespann auf der Verpackung um einen Klassiker, der sich seit mehr als einem Jahrhundert am Markt hält. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg vom Frankfurter Parfüm- und Seifenhersteller August Friedrich Mouson entwickelt, war die Creme einst ein großer Verkaufserfolg, wie Sylvia Goldhammer für das Frankfurter Personenlexikon schreibt.

Wir meinen: Statt vergangenem Ruhm hinterherzutraben, wäre es höchste Zeit, dem Klassiker eine neue Rezeptur zu gönnen.

Konservierung? Längst überholt

Ein heißer Wechselkandidat wäre Imidazolidinyl-Urea – ein Formaldehydabspalter, der laut Deklaration in der Mouson-Creme steckt. Das von uns beauftragte Labor hat dementsprechend freies/freisetzbares Formaldehyd in der Creme nachgewiesen. Dieses kann jedoch die Schleimhäute reizen und Allergien auslösen. Die EU-Kommission hat das Problem Formaldehyd auf der Agenda.

Für Kosmetika, deren Gehalt an freiem Formaldehyd bei mehr als zehn Milligramm pro Kilogramm liegt, plant sie einen Hinweis. Die Anbieter müssen gegebenenfalls bald „enthält Formaldehyd“ auf die Verpackungen drucken.

Zudem steckt in der Mouson-Creme der Konservierungsstoff Butylparaben, der im Verdacht steht, wie ein Hormon zu wirken. Auch was die Parfümierung angeht, hat dieses Produkt ein negatives Alleinstellungsmerkmal. Als einzige der 44 getesteten Cremes enthält es den künstlichen Moschusduft Galaxolid. Der gelangt über die Haut in den menschlichen Organismus und reichert sich im Fettgewebe an.

Nicht gut zu Gesicht

Statt natürlicher Öle und Wachse stecken in etlichen konventionellen Cremes nach wie vor Paraffine oder Silikone. Die integrieren sich einerseits nicht so gut ins Gleichgewicht der Haut – mineralölbasierte Fette können außerdem mit aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen (MOAH) verunreinigt sein. Das Labor hat sie in der Mouson-Creme nachgewiesen. Unter den MOAH können sich Verbindungen befinden, die Krebs erzeugen.

Schattenseite

Einige der Cremes im Test sind mit Lichtschutzfaktor ausgelobt. Vier Cremes, darunter Nivea und Florena, enthalten jedoch Octocrylen oder Ethylhexylmethoxycinnamat. Diese von uns schon lange kritisierten UV-Filter stehen im Verdacht, wie ein Hormon zu wirken.

Leere Versprechen

Ach, wenn es doch so simpel wäre: Regelmäßig Pflegecreme auftragen – und schon entknittern sich Fältchen und strafft sich die Haut. Schlechte Nachricht: Das funktioniert nicht. Dennoch versuchen viele Kosmetikanbieter, uns genau das immer wieder weiszumachen. Und wir wollen wie üblich Belege für diese Wirkversprechen. Allerdings hat uns keine der vorgelegten Studien davon überzeugt, dass die untersuchte Creme mehr kann als eine gewöhnliche Pflegecreme: nämlich bestenfalls die obere Hautschicht vorübergehend etwas aufpolstern.

Fett gedruckt sind Mängel.

Abkürzungen: BHT = Butylhydroxytoluol; MOAH = aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe.

Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. 2) Weiterer Mangel: Umkarton, der kein Glas schützt. 3) Enthält den UV-Filter Octocrylen. 4) Enthält den UV-Filter Ethylhexylmethoxycinnamat. 5) Iodopropynyl Butylcarbamate ist deklariert; die Analyse auf halogenorganische Verbindungen ist aber negativ. 6) Geraniol, Eugenol, Citronellol sind deklariert, wurden aber im Labor nicht nachgewiesen. 7) Laut Anbieter wurde Anfang 2022 der Claim „SLS“ vom Etikett entfernt. 8) Laut Anbieter wurde seit Juli/August 2022 das Design der Faltschachtel und des Etiketts angepasst, ab dem ersten Quartal 2023 erfolge eine Rezepturumstellung (ohne synthetischer Polymere). 9) Laut Anbieter gab es ab September

2022 einen Relaunch bezüglich Tiegel (90 Prozent Altglas), Faltschachtelform und Text. 10) Laut Anbieter sind ab August 2022 Verpackung und Design nun mit recycelbarer Verpackung. 11) Laut Anbieter wird das Packmittel ab Ende 2022 einen Recyclinganteil erhalten. 12) Laut Anbieter werde ab Dezember 2022 die Formulierung hinsichtlich des Hyalurongehalts optimiert. 13) Laut Anbieter wird das Produkt seit Februar 2022 in einer Faltschachtel angeboten. 14) Laut Anbieter gibt es voraussichtlich in ein bis zwei Monaten eine Designänderung (Klimaneutral- und Vegan-Logo). Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST ein- gedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: ein gemessener Gehalt von mehr als 10 mg/kg Formaldehyd/-abspalter. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) PEG/PEG-Derivate; b) ein gemessener Gehalt von mehr als 10 mg/kg polyzyklische Moschusverbindungen (in Tabelle: künstlicher Moschusduft); c) Duftstoffe, die Allergien auslösen können (hier: Cinnamal); d) MOAH; e) der bedenkliche UV-Filter Ethylhexylmethoxycinnamat; f) halogenorganische Verbindungen. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Duftstoffe, die Allergien auslösen können (hier: Cinnamylalkohol, Hydroxycitronellal); b) mehr als ein Prozent Silikonverbindungen und/oder Paraffine/künstliche paraffinartige Stoffe; c) Propyl- und/ oder Butylparaben; d) der bedenkliche UV-Filter Octocrylen; e) BHT.

Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um vier Noten: keine vollständige, produktbezogene Wirksamkeitsstudie vorgelegt (mit Ergebnissen für das konkrete Produkt) bei Produkten mit Anti-Aging-Wirkversprechen. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) Vorteil des Produkts mit Anti-Aging-Wirkversprechen gegenüber einem herkömmlichen Pflegeprodukt nicht ausreichend durch die vorgelegte(n) Studie(n) belegt; b) Silikone und/oder künstliche paraffinartige Stoffe (hier Hydrogenated Polydecene), wenn sie nicht schon unter den Inhaltsstoffen abgewertet wurden, und/oder weitere synthetische Polymere als weitere Kunststoffverbindungen (hier eine oder mehrere der folgenden Verbindungen: Ammonium Acryloyldimethyltaurate/VP Copolymer, Sodium Polyacrylate, Hydroxyethyl Acrylate/ Sodium Acryloyldimethyl Taurate Copolymer, Acrylates/Beheneth-25 Methacrylate Copolymer, Sodium Polyacrylate, Carbomer, Sodium Carbomer, Polyacrylamide, Ammonium Polyacrylate. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) PVC/PVDC/ chlorierte Verbindungen in der Verpackung; b) ein Umkarton, der kein Glas schützt; c) ein Anteil von Rezyklaten (Post-Consumer-Rezyklat, PCR) von weniger als 30 Prozent in Relation zum Gesamtgewicht der Kunststoffverpackung oder keine Angabe hierzu oder kein ausreichender Nachweis auf unsere Anfrage.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „mangelhaft“ oder „ungenügend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „gut“ ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die von den Herstellern versprochenen Wirkungen der Produkte – außer bestimmte Anti-Aging-Versprechen durch entsprechende Studienabfrage – nicht überprüft haben.

Testmethoden, Glossar und Anbieterverzeichnis finden Sie unter . Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST Magazin 2/2022 und Ratgeber Kosmetik und Wellness 6/2022. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern die Anbieter Produkt- änderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/ zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.